mini|Halle des Palazzo Franscini mit dem Kunstwerk «Eclissi II», 2025 Mariapia Borgnini (* 5. April 1952 in Bellinzona) ist eine Schweizer Künstlerin. Zudem war sie als psychotherapeutisch betreuende Pädagogin tätig.

Leben Mariapia Borgnini absolvierte von 1968 bis 1972 eine Ausbildung am Lehrerseminar in Locarno und unterrichtete anschliessend an den Schulen der Gemeinde Viganello. Von 1978 bis 1982 studierte sie an der Accademia di Belle Arti di Brera und schloss ihr Studium der Malerei mit der Arbeit «Künstlerisches Denken im Europa des 20. Jahrhunderts» ab, die sie gemeinsam mit Jole de Sanna verfasste. Daneben leitete sie das Jugend- und Freizeitzentrum von Viganello, wo sie kulturelle und Freizeitaktivitäten organisierte und leitete. Von 1984 bis 1987 koordinierte Borgnini ein Bildungsprojekt, das vom Schweizer Fernsehen, dem Kanton Tessin sowie dem Comitato Einstein in Turin gefördert wurde. Ihre Tochter Gilda kam 1986 zur Welt.

Borgninis erste Einzelausstellung mit Gemälden und Zeichnungen fand 1985 in Jesi bei Ancona statt, ab 1989 folgten Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Ihre ersten Skulpturen schuf sie 1989. Drei Jahre später wurde sie mit dem Jubiläumspreis der UBS Kulturstiftung ausgezeichnet. Gefördert vom Kanton, verbindet sie seit 1992 ihre künstlerische Arbeit mit einem Projekt zur kulturellen Integration junger Ausländer. Im selben Jahr wurde sie mit dem Jubiläumspreis der UBS Kulturstiftung ausgezeichnet. Borgnini stellte 1996 im Centre Culturel Suisse in Paris aus und schuf dort eine grosse dreidimensionale Installation. Im selben Jahr gewann sie gemeinsam mit Gianfredo Camesi den fünften Preis im Wettbewerb für eine künstlerische Intervention am Campus Dufour der Universität Genf. Zwei Jahre später gewann sie mit dem Werk «Eclissi II» den Wettbewerb zur Gestaltung des Innenhofs des Palazzo Franscini in Bellinzona, das sie in Zusammenarbeit mit Daniele Garbarino erstellte.

Werk Neben Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen umfasst Borgninis Werk auch Fotografien und Installationskunst. Ihre künstlerische Anfänge waren Ölgemälde. Mit übereinanderliegenden schwarzen, blauen und grauen Farbtönen bedeckte Oberflächen wurden mit flüchtigen Akzenten in Rosa, Weiß und Schwarz durchsetzt. Keilförmige Muster der Anfangsjahre wandelten sich zu Dreiecksfiguren, die in den Werken des folgenden Jahrzehnts immer wiederkehrten. Eine Werkgruppe der späten 1980er-Jahre umfasste Kohlezeichnungen auf weißem Papier, auf denen sich die Dreiecke in scheinbar unendlicher Zahl über die gesamte Fläche ausbreiten.

Die ersten bemalten Skulpturen Borgninis aus dem Jahr 1989 griffen Elemente der Malerei und Zeichnung auf. Sie konstruierte grosse Pyramiden um ein Metallgerüst herum, bespannte diese mit Stoff, den sie mit Gips, Klebstoff und Sand beschichtete. Auf diesen Oberflächen arbeitete sie, wie auf einer zweidimensionalen Leinwand und erzielte malerische Wirkungen durch die Mischung von Pigmenten und Kohle. Ihre grossen Wandinstallationen, konzipierte sie als integralen Bestandteil der Architektur. Beispielhaft sind 1990 eine in der Galleria Roberto Monti in Modena und 1995 eine weitere im Kunstmuseum Villa dei Cedri in Bellinzona. In diesen Jahren arbeitet sie auch auf quadratischen rauen Brettern, die sie vollständig mit Kohle bedeckte. Monochrome Oberflächen dominierten auch auf grossen und kleinen Leinwänden, auf die Kohleschichten trug sie hautartige Falten auf, mal glatt und glänzend, mal rau und matt.

Borgninis künstlerischer Fortschritt wurde 1996 durch die Grossinstallation im Centre Culturel Suisseverkörpert. Eine majestätische Kolonnade, einerseits mit schwarzen andererseits mit silbernen Säulen ergänzte die bestehende Architektur und spielte mit Licht und Schatten. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung war der Bildzyklus «Eclissi (I)» aus 66 grossformatigen schwarzen Leinwänden, die von einer silbernen Vertikallinie durchzogen sind und in einer einzigen, raumgreifenden Installation präsentiert wurden.

Werke Borgninis werden von Museen in Bellinzona, Cento, Chiasso, Locarno, Lugano und Modena sowie von Banken und anderen Institutionen bewahrt.

Einzelausstellungen (Auswahl) Das SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz listet 49 Ausstellungen und mehr als 30 Kataloge auf. 1987 Mariapia Borgnini, Galleria SPSAS, Locarno 1990 Opere 1984–1989, Museo Casa Rusca, Locarno 2000 Eclissi, Museo Cantonale d’Arte, Lugano 2001 Eclissi di luna / Mondfinsternis, Kunstverein Ludwigsburg 2013 Enoisullillusione, Museo Cantonale d’Arte, Lugano 2024 L’eco dei richiami, Spazio Officina, Chiasso

Publikationen mit Giosanna Crivelli: Fotosprache. Eine didaktische Erfahrung mit ausländischen Jugendlichen. Casagrande, Bellinzona 2003, ISBN 88-7713-399-6. Un angelo nella stanza. Laboratorio di espressione visiva con giovani migranti eritrei. Casagrande, Bellinzona 2017, ISBN 978-88-7713-776-0.

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