mini|Matilde Brandau mit ihrem Ehemann Luis Ross Matilde Brandau Galindo (ca. 1879 in Los Ángeles – 1948) war eine chilenische Juristin und Schulleiterin. Sie war die zweite Frau in der chilenischen Geschichte, die ein Jurastudium abschloss.
Leben Matilde Brandau wurde im Dezember 1879 in Los Ángeles im Süden Chiles geboren. Sie war die Tochter von Valentín Brandau Lapp, einem Deutschstämmigen, und Emilia Galindo.
Nach dem Abschluss ihrer schulischen Ausbildung schrieb sie sich 1893 an der juristischen Fakultät der Universidad de Chile ein. Dies wurde durch ein Dekret des Bildungsministers Miguel Luis Amunátegui aus dem Jahr 1877 ermöglicht, das Frauen erstmals den Zugang zu chilenischen Hochschulen eröffnete.
Nach dem Abschluss ihres Studiums im Jahr 1898 legte Brandau ihre Dissertation mit dem Titel „Bürgerrechte der Frau“ vor. In dieser Arbeit analysierte sie vergleichend die rechtliche Stellung der Frau in verschiedenen Ländern, darunter auch Chile. Besonderes Augenmerk legte sie auf die rechtliche Situation verheirateter Frauen und kritisierte insbesondere die Einschränkungen ihrer Vermögensrechte im Rahmen der gesetzlichen Geschäftsunfähigkeit. Die Arbeit wurde in den folgenden Jahrzehnten von chilenischen Akademikern und Juristen als Referenz im Diskurs über die rechtliche Gleichstellung der Frauen herangezogen.
Die Dissertation wurde angenommen, womit Matilde Brandau nach Matilde Lathrop die zweite Frau in Chile war, die einen Abschluss in Rechtswissenschaften erlangte, und zugleich die dritte Frau überhaupt, die einen universitären Hochschulabschluss im Land erhielt.
Matilde Brandau, die sich der patriarchalischen und für Frauen ungünstigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Chile des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts bewusst war, übte den Anwaltsberuf nicht aus. Stattdessen widmete sie sich dem Bildungswesen, insbesondere der Mädchenbildung. Sie war als Lehrerin tätig und später Schulleiterin mehrerer Bildungseinrichtungen. Darüber hinaus wurde sie zweimal von der chilenischen Regierung als Kommissarin nach Europa entsandt – unter anderem nach Deutschland, Spanien, Belgien, England in die Schweiz und nach Italien –, um dortige Modelle der Frauenbildung zu beobachten. Nach ihrer Rückkehr nach Chile übernahm Brandau die Leitung des Liceo Nº 2 de Niñas von Valparaíso, einer staatlichen Mädchenschule. Sie setzte sich maßgeblich für den Erwerb des Grundstücks zum Bau des Schulgebäudes ein, dessen Grundstein im Jahr 1937 gelegt wurde. In Anerkennung dieses Engagements trägt das Lyzeum heute ihren Namen.
2015 ehrte die Universidad de Chile, ihre Alma Mater, Matilde Brandau, indem sie einen ihrer Räume nach ihr benannte („Sala Matilde Brandau“).
Einzelnachweise
Kategorie:Jurist Kategorie:Schulleiter Kategorie:Frauenrechtler (Chile) Kategorie:Chilene Kategorie:Geboren im 19. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1948 Kategorie:Frau