Vasilefs Georgios () war das erste Panzerschiff der griechischen Marine und auch das erste Schiff, das nach König Georg I. von Griechenland benannt wurde.
Geschichte Die Regierung des Königreich Griechenland bestellte 1866 bei Thames Ironworks and Shipbuilding in Blackwall ein Panzerschiff, das am 28. Dezember 1867 vom Stapel lief und im folgenden Jahr fertiggestellt wurde.VASILEFS GEORGIOS bei shippingandshipbuilding.uk.
Es handelte sich um ein von George C. Mackrow entworfenes Kasemattschiff. Wegen seiner geringen Länge des Doppelhüllenrumpfs von 61 m wurde es als kleines Panzerschiff bezeichnet. Die Hauptartillerie war in einem sechseckigen nicht drehbarem Turm untergebracht. Es handelte sich hierbei um zwei Armstrong 9-Zoll-12-Tonnen-Vorderlader-Kanonen. Die Kanonen konnten um 90° gedreht werden, so dass sie nach vorne oder zur Seite ausgerichtet werden konnten. Die beiden Kanonen deckten zusammen einen Bestreichungswinkel von 180° ab. Als Sekundärbewaffnung verfügte das Schiff über zwei Armstrong 20-Pfünder-Kanonen. Zwei Zweizylinder-Dampfmaschinen mit jeweils einer nominalen Leistung von 300 PS und einer indizierten Leistung von 1200 PSi trieben die beiden Propeller an. Bei einem ersten Test erreichte das Schiff eine Geschwindigkeit von 12,8 kn.James Wilson King: The War-ships and Navies of the World, Boston 1881, S. 375 (Digitalisat).
Die Vasilefs Georgios war jedoch nicht einfach zu handhaben. So begann das Schiff bei der Überführung nach Griechenland 1868 vor Ouessant stark zu rollen. Der Kapitän befahl, sofort nach Blackwall zurückzukehren und forderte, dass die Waffen und die Panzerung des Schiffes entfernt werden sollten, damit es besser zu manövrieren sei. Mackrow untersuchte das Problem genau und kam jedoch zu einem anderen Schluss. Nach seiner Ansicht musste der Schwerpunkt des Schiffes angehoben werden, weshalb alle Massen an Bord, die verlagert werden konnten, an einen höheren Punkt verschoben wurden. Erst Anfang Februar 1870 brach man ein zweites Mal nach Griechenland auf. An Bord kam es jedoch zu einem Unfall, bei dem sich ein Geschütz im Turm aus der Verankerung löste. Man steuerte deshalb am 9. Februar den Hafen von Lissabon an, um die notwendigen Reparaturen durchzuführen. Zunächst weigerte sich die Crew des Schiffs, weiterzufahren,Latest Shipping Intelligence. In The Times, No. 26675, London. 16 February 1870, S. 12, Kolumne F. bevor man die Reise schließlich fortsetzte und Piräus erreichte.K. Paisi-Paradeli: Τα ΠΛΟΙΑ του ΠΟΛΕΜΙΚΟΥ ΝΑΥΤΙΚΟΥ 1829–1999, ISBN 960-86501-1-9, S. 43. Die Konstruktion der Vasilefs Georgios, die der für Portugal konstruierten Vasco da Gama ähnelte, wurde in England gepriesen.Thomas Brassey: The British Navy, Band 3, Teil 3, 2. Auflage, London 1883, S. 79 (Digitalisat). In der Praxis scheint sie jedoch vor allem bei schwierigen Bedingungen schwer zu beherrschen gewesen sein. Außerdem waren die Maschinen unzureichend und so erreichte sie nie eine Geschwindigkeit von als mehr als 9 kn. Als modernstes griechisches Kriegsschiff diente sie vor allem zur Artillerieausbildung.
Als es im Zusammenhang der Zwangsverheiratung einer Christin mit einem Muslimen zu Protesten kam und die Konsule des Deutschen Reichs und Frankreichs getötet wurden, entsandten England, Frankreich, das Deutsche Reich, das Russische Kaiserreich und Österreich-Ungarn Kriegsschiffe nach Thessaloniki. Aus Griechenland wurde die Vasilefs Georgios nach dort verlegt.House of Commons: Accounts and Papers, Band 90, Vereinigtes Königreich 1877, S. 8 (Digitalisat). 1885 wurden die Armstrong-Kanonen im Turm durch zwei Krupp 21 cm-Hinterlader-Mantelringkanonen ersetzt.John Scott Keltie (Hrsg.): The Statesman’s Yearbook, London 1886, S. 310 (Digitalisat). Als Sekundärbewaffnung erhielt das Schiff vier leichte Kanonen und zwei Maschinengewehre.The Naval Annual 1887, Portsmouth 1888 S. 352 (Digitalisat). Während des Türkisch-Griechischen Kriegs hatte die Vasilefs Georgios vor Preveza unter dem Kommando von Fregattenkapitän P. Karakatsanis ihren einzigen kriegerischen Einsatz. Im selben Jahr wurde sie auch mit neuen Maschinen und neuer Artillerie ausgerüstet. Ab 1900 wurde sie in ein Schulschiff umgewandelt, 1912 gestrichen und 1915 zum Abbruch verkauft.
Siehe auch Liste der Panzerschiffe
Literatur Johann Ferdinand von Kronenfels: Das schwimmende Flottenmaterial der Seemächte, Wien, Pest, Leipzig 1881, S. 361–363 (Digitalisat). Thomas Brassey: The British Navy, Band 1, Teil 1, London 1882, S. 262–263 (Digitalisat).
Einzelnachweise
Kategorie:Militärschiff (Griechenland) Kategorie:Dampfmaschinenschiff Kategorie:Panzerschiff Kategorie:Thames Ironworks