Die Initiative Transparente Demokratie (ITD) ist ein Verein mit Sitz in Hamburg. Er wurde 2025 gegründet. Der Verein verfolgt laut eigener Aussage das Ziel, die Finanzierung und das Verhalten von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Lobbygruppen und weiteren zivilgesellschaftlichen Akteuren transparent zu machen. Dem Verein wird unter anderem vorgeworfen, „Nichtregierungsorganisationen pauschal unter Verdacht zu stellen und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben“, sowie die eigenen Finanzgeber nicht offenzulegen.
Ziele Die Initiative versteht sich als Recherche- und Transparenzprojekt. Ihr Ziel ist die Offenlegung von Finanzstrukturen, die Dokumentation politischer Einflussnahme und die Analyse von Netzwerken zwischen NGOs, Unternehmen und staatlichen Institutionen. Dazu zählt die Veröffentlichung von Einnahmen und Ausgaben, die namentliche Nennung größerer Geldgeber, die Auswertung von Stellungnahmen zu Gesetzesinitiativen und die Recherche von Förderstrukturen, einschließlich ausländischer Zuwendungen.
Aktivitäten Der Verein nahm im Jahr 2025 an einer Anhörung im Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen teil und forderte klare Transparenz- und Neutralitätsregeln für staatlich geförderte NGOs.
Im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern kritisiert ITD die Einflussnahme von Campact auf den Wahlkampf mit über 3 Millionen Euro mit denen vor allem die Wahl von SPD und Grünen empfohlen wird.
Team Laut eigenen Angaben besteht das Team der Initiative Transparente Demokratie aus der Rechtsanwältin Anja Stürzl, dem Unternehmensberater Ludger Weß, dem „Kommunikationsberater für sensible und kontroverse Branchen“ Hasso Mansfeld, dem Studienleiter für Wirtschaft Michael Hartmann und der Betriebswirtin Tanja Jahnke. Unterstützer seien u. a. der Unternehmer Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe, der Präsident der Lobbyorganisation Bund der Steuerzahler Deutschland, Reiner Holznagel, der Jurist Josef Franz Lindner, der FDP-Politiker Oliver Luksic, der Journalist Michael Miersch, der ehemalige VW-Chef Matthias Müller, der Wirtschaftsinformatiker Key Pousttchi, die Landwirtin und Fernsehrätin Andrea Rahn-Farr und der Analyst für Risiko- und Wissenschaftskommunikation David Zaruk.Das Team hinter der Initiative. Internetseite der Initiative Transparente Demokratie. Abgerufen am 27. März 2026.
Lobbycontrol nennt als Gründungsmitglieder u. a. den Leiter Corporate Communications der Bayer AG, Christian Maertin, und den Geschäftsführer der industrienahen PR- und Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), Thorsten Alsleben. Eine prominente Unterstützerin sei u. a. die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder. Es bestünden zudem Verbindungen „zu libertären, rechtskonservativen und klimafaktenfeindlichen Think Tanks und Zeitschriften“.Initiative Transparente Demokratie. Lobbycontrol. Abgerufen am 27. März 2026.
Finanzierung In den ersten sieben Monaten ihres Bestehens (Mai bis Dezember 2025) verzeichnete die ITD Einnahmen in Höhe von 3.910 Euro. Diese setzen sich größtenteils aus Mitgliedsbeiträgen und zu einem kleinen Teil aus projektunabhängigen Spenden zusammen.
Hinsichtlich der Transparenz seiner eigenen Finanzierung argumentiert der Verein, dass er sich dem strengen deutschen Parteiengesetz unterwerfe und Geldgeber ab 10.000 Euro jährlich im Jahresbericht sowie ab 35.000 Euro umgehend nach Geldeingang auf der Website veröffentliche.Selbstverpflichtung zu Transparenz, auf transparente-demokratie.de
Rezeption Ein Forscherteam um den Soziologen Stefan C. Aykut von der Universität Hamburg nennt die Initiative Transparente Demokratie beispielhaft für Organisationen, die „eine gezielte diskursive Delegitimierung der Klimabewegung“ betreiben, z. B. indem Klimaschützer als „autoritär oder terroristisch gekennzeichnet und gezielte Assoziationen zur RAF geweckt“ würden. Die Forscher betonen überdies, dass die Organisation rechtskonservativen Thinktanks und Personen aus Chemie- und Lebensmittelindustrie nahestehe.Stefan C. Aykut et al. (Hrsg.): Klimawende Ausblick 2025. Plausibilität der Transformation in Zeiten von anti-ökologischem Backlash und abnehmender Resonanz. Transcript Verlag, Bielefeld 2026, ISBN 978-3-8394-6860-9, S. 168.
Auch gemäß Christina Deckwirth von Lobbycontrol stehen hinter der Initiative PR-Berater und Lobbyisten, die mit der Chemieindustrie, der Bayer AG und der arbeitgeberfinanzierten Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft in Verbindung stehen.Kampagne und Diffamierungen – Wie Umweltverbände zum Feindbild gemacht werden . In: Tagesspiegel Background, 20. Juni 2025. Abgerufen am 9. Januar 2026.
Transparency Deutschland wies die von der Initiative Transparente Demokratie hervorgebrachten pauschalen Vorwürfe gegen NGOs „entschieden“ zurück und bezichtigte die Organisation, eine „an Verschwörungsmythen angelehnte Argumentationsstruktur“ zu nutzen. Auch warf sie der Initiative Transparente Demokratie vor, sich beim Namen bewusst an die bereits existierende Initiative Transparente Zivilgesellschaft angelehnt zu haben. Mit Sorge betrachtet Transparency Deutschland die von der Initiative Transparente Demokratie vorgebrachte Argumentation, die geeignet sei, „die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen pauschal unter Verdacht zu stellen und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben“. Im Gegensatz zur Initiative Transparente Demokratie betonte Transparency Deutschland die Bedeutung einer starken und unabhängigen Zivilgesellschaft. Die Initiative hat dieser Darstellung in einem offenen Brief widersprochen.Offener Brief an die Mitglieder der ITZ, auf transparente-demokratie.de
Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, warf der Initiative Transparente Demokratie Kampagnenarbeit gegen gemeinnützige Organisationen vor, gerade solcher, die sich für Menschenrechte oder Umweltschutz einsetzten. Die Initiative klinge nach Offenheit, agiere jedoch einseitig und ignoriere rechtskonservative Thinktanks, transatlantische Netzwerke oder kremlnahe Stiftungen. Es gehe vor allem darum, „im Geist des NGO-Bashings“ Misstrauen zu säen und die Legitimität bestimmter Organisationen zu untergraben.Timo Reinfrank: SPIEGEL-Bestsellerliste listet rechtsextremes Framing. In: Belltower.News, 4. Juni 2025. Abgerufen am 9. Januar 2026.
Die österreichische Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl erhebt im Hinblick auf die Vorgehensweise Astroturfing-Vorwürfe. Ziel sei es, mit Stimmungsmache im vorpolitischen Raum die spätere politische Zerschlagung von echten Graswurzelbewegungen vorzubereiten, was dann Lobbyorganisationen zugute komme.Natascha Strobl: Astroturfing: Der Kampf gegen die deutsche Zivilgesellschaft. In: Moment.at, 12. Juni 2025. Abgerufen am 9. Januar 2026.
Anette Dowideit kritisiert im März 2026, dass die Initiative bei sich „selbst nicht so ganz transparent“ sei und führte dafür an, dass die Organisation bislang nicht offenlegte, wie sie finanziert wird.„Der NGO-Komplex“. In: Correctiv, 24. März 2026. Abgerufen am 27. März 2026.
Ben Krischke von Cicero schrieb, dass die Initiative ins Fadenkreuz linker Aktivisten und NGOs geraten sei, die „legitime Kritik mit Falschbehauptungen, Unterstellungen und Diffamierungsversuchen“ mischten.
Weblinks
Website Initiative Transparente Demokratie in der Darstellung von Lobbycontrol
Einzelnachweise
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