Mary and Eve ist ein Bild von 2005. Die Zeichnung mit Wachsmalkreide und Bleistift stellt Maria (die „Neue Eva“), dar. Sie ist schwanger mit Jesus und tröstet Eva nach dem Sündenfall. Das Bild symbolisiert die Erfüllung messianischer Prophezeiungen aus Genesis 3 und zeigt Maria als eine Art neue Eva. Das Kunstwerk, geschaffen von Schwester Grace Remington, einer Zisterzienserin aus Iowa, ist zu einer beliebten christlichen Andachtshilfe für die Adventszeit geworden und hat Dichter und Musiker inspiriert.

Hintergrund Grace Remington (* 1971), eine Nonne des Klosters Our Lady of the Mississippi Abbey bei Dubuque, Iowa, erzählte, dass sie die Frauen auf dem Bild, welches sie „Die Damen“ („the Ladies“) nannte, im Jahr 2005 über mehrere Tage hinweg zeichnete, während sie sich auf einen Vortrag über Maria vor ihren Mitschwestern vorbereitete. „Da ich größtenteils protestantisch erzogen wurde, hatte ich nicht dieselbe Beziehung zu Maria wie die meisten meiner Schwestern. Deshalb begann ich damit, darüber nachzudenken, was Maria für mich bedeutete“,„Since most of my upbringing was in the Protestant tradition, I didn’t grow up with the same sense of relationship with Mary most of my sisters did, so I started by thinking about who Mary was to me.“ sagte Remington gegenüber der zeitschrift Plough. „Während ich darüber nachdachte, kamen mir viele andere Themen in den Sinn, wie Erlösung und Gnade, Scham und Mitgefühl, das Geheimnis der Menschwerdung und die Verheißungen des Heils.“„As I pondered this, all sorts of other themes like redemption and grace, shame and compassion, the mystery of the Incarnation, and the promises of salvation came to my mind.“

Remington sagte, sie habe nicht beabsichtigt, das Bild außerhalb des Klosters zu verbreiten, sei aber mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, und eine der Schwestern habe darum gebeten, es für die Weihnachtskarte der Abtei verwenden zu dürfen. Empfänger begannen, Bilder davon online zu posten, und die Abtei verkaufte Drucke und Karten mit dem Bild. „Es war überraschend und berührend zu sehen, wie das Bild die Menschen bewegt“, sagte sie. „Ich fühle mich dafür nicht persönlich verantwortlich. Ich bin keine begabte Zeichnerin“ („‚It has been both surprising and touching to see how the image moves people,‘ she said. ‚I don’t feel a lot of personal responsibility for that. I am not a great drawer‘“).

Beschreibung Eva und Maria sind gemeinsam unter einem Birnenbogen vor gelbem Hintergrund dargestellt. Eva, nur mit ihrem langen Haar bekleidet, hält den Blick gesenkt. In der einen Hand hält sie einen Apfel. Um ihre Beine windet sich der Körper einer Schlange. Maria ist hochschwanger und keusch in Weiß und Blau gekleidet. Lächelnd streichelt sie Evas Kopf mit einer Hand und drückt mit der anderen Evas freie Hand auf ihren schwangeren Bauch. Marias Fuß zertritt den Kopf der Schlange.Kathleen Gallagher Elkins: Mary, Mother of Martyrs: How Motherhood Became Self-Sacrifice in Early Christianity. Wipf and Stock 2020: S. ix-x. ISBN 9781725288478 google books

Rezeption Kommentatoren lobten die Zeichnung für ihre Schlichtheit und Ästhetik. J. R. Briggs beschrieb sie als „einfach und doch theologisch brillant“.„simple yet theologically dazzling“ J. R. Briggs: The Sacred Overlap: Learning to Live Faithfully in the Space Between. Zondervan 2020: S. 28–29. ISBN 9780310102144 google books Auch Remingtons Darstellung des Erlösungsaktes Jesu durch Frauen wurde gelobt. Kathleen Gallagher Elkins beschreibt Marias Erscheinung als „passiv, friedlich und ergeben“ („passive, peaceful, and accepting“), im Gegensatz zu anderen Darstellungen wie den Pietà-Darstellungen, welche ihr Leiden verdeutlichen. Trotz Evas sichtbarer Trauer und der Gefahr durch die Schlange „zeigt Maria weder Sorge noch Schmerz“ („Mary shows no worry or pain“).

Interpretation Andachtskommentatoren haben festgestellt, dass Maria Eva tröstet, die von Scham über ihre Sünde erfüllt ist, indem sie Evas Hand zu ihrem Bauch führt, um die Quelle ihrer zukünftigen Hoffnung zu berühren.Brent Faulkner: Trust Fall: How the Fall of Man reveals a God worth trusting. Brent Faulkner 2024. ISBN 9798989869114 google books

Die Zeichnung spiegelt Marias Stellung in der katholischen Theologie als zweite Eva wider, die durch ihre Annahme ihrer Rolle in der Inkarnation Evas Sünde sühnt.Derek Vreeland: Incarnation. NavPress 2025: S. 54. ISBN 9781641589840 google books Die anglikanische Gesitliche Hannah Craven wies diese in der Zeichnung zum Ausdruck kommende Typologie als „verfehlt“ („wrongheaded“) zurück und argumentierte, dass die Eva-Maria-Paarung nicht biblisch begründet sei und Jesu Erlösungswerk untergrabe. Sie führte aus, dass das Bild zwar Frauen helfen könne, sich „in der Geschichte Gottes wiederzuerkennen“ („see themselves in the story of God“), die Eva-Maria-Typologie, welche der Zeichnung zugrunde liege, jedoch die Einbeziehung der Frauen in Christus verschleiere.

Die Schlange symbolisiert Satan und spielt auf die Aussage in Genesis 3 an, dass die Schlange zwar die Ferse des Mannes beißen würde, der Same der Frau (זַרְעָ֑הּ, zar‘āh) aber ihren Kopf zertreten würde. Dass die Schlange Evas Beine weiterhin umklammert, selbst als ihr Kopf zertreten wird, symbolisiert den Zustand von Sünde und Leiden zwischen Jesu Himmelfahrt und seiner Wiederkunft, der sich als „schon da, aber noch nicht vollzogen“ erweist.

Zu den weiteren Elementen der Zeichnung, die von Betrachtern kommentiert wurden, gehören die Gartenszene, die sowohl Eden als auch Gethsemane als Orte symbolisiert, an denen der Mensch fiel bzw. erlöst wurde, sowie das Thema der Frucht, wobei Eva den Apfel hält, der ihre Sünde symbolisiert, und die „Frucht des Leibes“ („fruit of the womb“) Marias berührt.

Kulturelle Einflüsse Das Bild Mary and Eve inspirierte das Adventslied „Mary Consoles Eve“, das von Sandra McCracken und Rain für Roots interpretiert wurde, und wurde Grundlage für verschiedene Gedichte.

Einzelnachweise

Kategorie:Maria (Bildende Kunst) Kategorie:Adam und Eva