Benjamin „Benno“ BlumBenjamin Blum laut der Geburtsurkunde des 1947 geborenen Sohnes, gezeigt in der True-Story-Dokumentation Die Benno-Blum-Bande – Schmuggel und Spionage im besetzten Wien, 2026 (siehe Abschnitt #Dokumentation). (* 7. Juli 1919 in Bessarabien (Rumänien) alias Nikolai Borrisov; † 2. April 1950 in Wien) war ein Wiener Schwarzhändler und Anführer der nach ihm benannten Kriminellenbande in der Nachkriegszeit. Er soll neben dem britischen Doppelagenten Kim Philby eins der Vorbilder für Harry Lime, den Antagonisten in Graham Greenes Kriminalroman Der dritte Mann, gewesen sein.

Leben Rumänien, Sowjetunion und zurück Über Blums Leben vor seiner Ankunft in Wien, der als jüdischen Rumäne den Weltkrieg überleben konnte, gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Gerüchteweise soll er schon während des Zweiten Weltkriegs als Schmuggler in Deutschland und auf dem Balkan aktiv gewesen sein. Bevor er 1947 nach Wien kam, war er bereits seit 14 Jahren mit seiner Ehefrau Sali zusammen und hatte mit ihr bereits zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Die Eheleute heirateten im Alter von 20 Jahren. Während des Krieges lebten sie in Alma-Ata in der Sowjetunion. Danach gingen sie zurück nach Czernowitz in Rumänien. Gekürzte Version:

Wien: Bandenchef, Zigarettenschmuggel und „Menschenraub“ Den verschiedenen Quellen zufolge kam Benno Blum, alias Nikolai Borrisov im Jahr 1947 nach Wien, möglicherweise als mittelloser Fremdarbeiter. Sein im rumänischen Czernowitz lebender Onkel soll ihm zu den für die Übersiedlung nach Wien passenden Papieren verholfen haben.

Als Chef seiner kriminellen Bande schaffte es Blum in der geteilten Stadt mit großangelegtem Zigarettenschmuggel und seinen guten Verbindungen zur sowjetischen Militärverwaltung innerhalb kurzer Zeit zu rasantem Aufstieg und Reichtum. Die Zigaretten amerikanischer und britischer Herkunft, die im zerbombten Wien eine Ersatzwährung waren, wurden vom Freihafen Tanger über Italien und schließlich Budapest nach Wien geschleust. Für die letzte Etappe durch die sowjetische Besatzungszone (siehe Besatzungszonen in Österreich) brauchte Blum eine Übereinkunft mit den Sowjets, die in Wien als sowjetische Stadtkommandantur im Palais Epstein logierten. Der Historiker Thomas Riegler: Nach einiger Zeit schaltete sich der sowjetische Geheimdienst des Ministeriums für Staatssicherheit (MGB; Vorgängerorganisation des KGB, dem Komitee für Staatssicherheit) ein. Mit Blum, , wurde eine Abmachung getroffen: Er erhielt das Monopol des Zigarettenschmuggels, wodurch dem österreichischen Staat ein Schaden in Höhe von insgesamt 100 Millionen Schilling (heute umgerechnet ca. Millionen Euro) entstanden sein sollen. Als Gegenleistung musste seine Bande allmonatlich einen sogenannten „Menschenraub“ für die Sowjets erbringen. Österreich, speziell Wien, war zu der Zeit, etwa ab Ende der 1940er Jahre,

Bis zu 30 Fälle dieser Kidnappings sollen direkt auf Konto der „Benno Blum-Bande“ gegangen sein. Sie fuhren in schwarzen Chevrolets herum und sollen nicht gezögert haben, bis tief in den westlichen Besatzungszonen zuzuschlagen. So haben sie allein in Salzburg zwischen 14. April und 28. Juli 1949 vier russische „Displaced persons“ entführt.

Verhaftungen nach missglückter Entführung Am 10. Jänner 1950 flog ein Entführungskommando der Blum-Bande auf, die es auf einen im oberösterreichischen Steyr, in der US-amerikanischen Besatzungszone, lebenden russischen Deserteur abgesehen hatten. Ein wachsamer Kamerad von ihm sei misstrauisch geworden, wodurch das Trio von den Amerikanern festgenommen werden konnte. Blum seinerseits begleitete die zwei Männer und eine Frau noch bis ins niederösterreichische, sowjetisch besetzte St. Valentin. Danach konnten zahlreiche Banden-Mitglieder von den Amerikanern verhaftet werden (siehe unterhalb zur „Benno-Blum-Bande“). Die Sowjets ihrerseits nahmen Blum pro forma in Haft, dem im Februar 1950 mit zwei Komplizen die Flucht gelang, wonach er sich in Wien versteckte. Im Zusammenhang mit den Verhaftungen wurden auch die Namen von Blums sowjetischen Führungsoffizieren öffentlich: Es waren dies die MGB-Hauptleute Josef Bielaw und Nikolai Orlow. Zwischenzeitlich wohnten sie in der Gußhausstraße 8 im 4. Bezirk Wieden, es war dies dieselbe Adresse an der sich eines der „Zentralbüros“ der Blum-Bande befand.

Mitglieder der „Benno-Blum-Bande“ Zur „Benno-Blum-Bande“ gehörten dem amerikanischen Counter Intelligence Corps (CIC) zufolge u. a. Adolf „Adi“ Altmann, Herbert Eichhorn, Max Eisenkraft, Hermann Frankl, Karl Holländer, Philipp Mehler, Philipp Oberländer, Josef Wocilka und Karl Wolf. Der als letztes in der Veröffentlichung im Wiener Kurier vom 11. Jänner 1950 aufgelistete Max Bair aus Tirol war bereits fast ein Jahr in einem Geheimgefängnis der Amerikaner in Österreich gefangen gehalten, hatte jedoch tatsächlich, so die Erkenntnisse der Historiker Thomas Riegler und Dieter Bacher sowie der Kommunikationsberaterin Christina Aumayer-Hajek, keine Verbindung zur Blum-Bande, der Prozess wurde zu einem Fake-News-Prozess inszeniert. Auf derselben Seite: Ein Zahnrad in der internationalen KP-Maschine. Auf derselben Seite: Die Anklage gegen den KP-Mann Max Bair. Darin: Die Wahrheit über die Benno-Blum-Bande.

Missglückte Gefangennahme und Tod Blums Am Abend des 2. April hielt sich Blum in der Thalhaimergasse 1–7 im 16. Bezirk Ottakring auf. Dort habe er sich von seinen Freunden verabschieden wollen, da die Situation nach dem medialen Wirbel davor zu gefährlich geworden war und er Europa verlassen wollte. Verraten an den CIC hatte ihn sein eigener Onkel, der selbst in die Kriminalität abgerutscht war und Blum im Jahr 1947 für Wien die notwendigen Papiere besorgt hatte. Ein Kommando aus CIC und Militärpolizisten wollte ihn im französischen Besatzungssektor in einer Aktion unter dem Codenamen „Countersnatch“ festnehmen, dabei kam es zu einer Schießerei. Benno Blum wurde mehrfach getroffen und es wurde wiederholt mit einer Waffe auf seinen Kopf eingeschlagen. Kurz darauf verstarb er im 31. Lebensjahr im Allgemeinen Krankenhaus (Altes AKH). Als Todesursache wurde auf der Totenkartei angegeben.Daten aus der True-Story-Dokumentation Die Benno-Blum-Bande – Schmuggel und Spionage im besetzten Wien, 2026 (siehe Abschnitt #Dokumentation).

Angebliche Filmvorlage für den „Dritten Mann“ Drei Wochen vor Blums Tod hatte der Film Der dritte Mann seine Premiere im Wiener Apollo Kino gehabt, im grandiosen Finale in der Wiener Kanalisation starb hier Harry Lime, für den Benno Blum Vorlage gewesen sein soll.Real-life screen villain dies, according to script. In: The Sun News-Pictorial (Melbourne), 6. April 1950, S. 4 (englisch; Online auf trove.nla.gov.au). Tatsächlich, so die Erkenntnisse des Historikers Dieter Bacher in der True-Stories-Dokumentation (2026), ging sich dies zeitlich gar nicht aus: Blum kam 1947 nach Wien, taucht erstmals im Oktober/November 1948 in den Akten des CIC auf; der Film wurde jedoch schon früher gedreht (Drehbeginn im Oktober 1948) und noch früher vorbereitet (siehe Der dritte Mann #Produktion). Erstmalig trat die behauptete Verbindung durch den vormaligen CIA-Agenten William Hood in seinen MemoirenWilliam Hood: Mole: The True Story of the First Russian Intelligence Officer Recruited By the CIA. W. W. Norton & Company, New York 1982 (englisch). in Erscheinung, wonach Benno Blum das Vorbild für die Filmfigur Harry Lime gewesen sei.

Privates Benno Blum war verheiratet. Seine Ehefrau Sali lebte mit den beiden gemeinsamen Kindern Blum, einem Sohn und einer Tochter (2026: 80 und 78 Jahre alt), in Israel. Sein Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof, Neue Israelitische Abteilung (Gruppe 18a, Reihe 17, Nr. 31).

Rezeption Benno Blum und seine Bande werden in den beiden Wien-Romanen von John Irving, Setting Free the Bears (Laßt die Bären los!) und The 158 Pound Marriage (Eine Mittelgewichts-Ehe), mehrfach erwähnt.

Dokumentation Die Benno-Blum-Bande – Schmuggel und Spionage im besetzten Wien. True-Stories-Dokumentation von Monika Lucia Müller. Unter anderen mit dem Historiker Thomas Riegler. Produziert von Holyscreen Media für den ORF, 2026, 44 Minuten. Präsentiert von Ferdinand Seebacher Erstausstrahlung am 16. April 2026 auf ORF 2 (Online auf tv.ORF.at).

Literatur

Weblinks Thomas Riegler: Den dritten Mann gab es wirklich. Blog des Autors, 30. März 2020.

Einzelnachweise Anm.: Die zwischen Enns in Oberösterreich und Ennsdorf in Niederösterreich, nahe St. Valentin, gelegene Brücke an der Enns bildete die gefürchtete Zonengrenze zwischen der US-amerikanischen und der sowjetischen Besatzungszone. Vgl.:

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