mini|hochkant|Louise Charlotte de Neufville (1803), Stich von Ludwig Gottlieb Portman nach einer Zeichnung von George Nikolaus Ritter mini|hochkant|Porträt des Dichters Pieter Pypers, Stich von Ludwig Gottlieb Portman nach einer Zeichnung von Louise Charlotte de Neufville Louise Charlotte de Neufville, auch de Neufville-Ritter, geb. Ritter (getauft 7. September 1779 in Amsterdam; † 23. Februar 1859 in Den Haag), war eine niederländische Malerin, Zeichnerin und Pianistin.

Leben Louise Charlotte Ritter war die Tochter des deutschen Malers George Nikolaus Ritter, der in Amsterdam lebte und arbeitete. Dort wurde sie geboren und am 7. September 1779 getauft.Louise Charlotte Ritter. In: Biografisch Portaal van Nederland. Abgerufen am 25. Dezember 2025. 1802 heiratete sie den aus Frankreich stammenden Maler Pierre de Neufville (1762–1844), was auch verwandtschaftliche Beziehungen zu den wohlhabenden Frankfurter Familien Gontard und Städel mit sich brachte.Neufville, Louise Charlotte, geb. Ritter. In: Jochen Schmidt-Liebich: Lexikon der Künstlerinnen 1700–1900. Saur, München 2005, S. 333.

Louise Charlotte de Neufville erhielt Klavierunterricht bei Anton Fodor Neumann (1759–1846) und Johann Wilhelm Wilms. Daneben soll sie auch Harfe gespielt haben. In jungen Jahren komponierte sie Variationen über ein Menuett aus Don Giovanni, die Joseph Haydn positiv kommentierte.Neufville, Louise Charlotte de, geb. Ritter. In: sophie-drinker-institut.de. Abgerufen am 25. Dezember 2025. Sie hatte auch Kontakt zu dem Wiener Pianisten Joseph Woelfl, wie seinem Eintrag in ihrem Album aus dem Jahr 1805 zu entnehmen ist. Darin versichert er ihr, sich beständig an sie als jene zu erinnern, „welche durch Grazie und Kunst all’ ihres Gleichen beschämt“.De Neufville (Mme, L. C., née Ritter). In: Edouard Georges Jacques Gregoir: Biographie des artistes-musiciens néerlandais des XVIIIe et XIXe siècles et des artistes étrangers résidant ou ayant résidé en Néerlande à la même époque. De la Montagne, Anvers 1864, S. 58.

De Neufville konzertierte als Pianistin in Amsterdam. Zu ihrem Repertoire gehörten sowohl eigene Variationen als auch Werke von Komponisten wie Daniel Steibelt und Ferdinand Ries. 1814 urteilte ein Kritiker der Allgemeinen musikalischen Zeitung: „Mad. de Neufville, Dillettantin, besitzt eine ausserordentliche Fertigkeit: ihr ist nichts zu schwer, und in dieser Rücksicht kann sie sich mit den grössten Klavierspielern messen. Man vermisst aber bey ihr den zarten Ausdruck, welcher den Virtuosen, am meisten aber den weiblichen, eigen seyn sollte“.Ueber den Zustand der Musik in Amsterdam. In: Allgemeine musikalische Zeitung. 16. Jg. Breitkopf, Leipzig 1814, S. 438 (online). De Neufville zählte zu den ersten niederländischen Pianistinnen, die Bekanntheit erlangten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war es für Frauen in den Niederlanden jedoch kaum möglich, dieser Tätigkeit professionell nachzugehen, und so gab auch sie trotz ihres Erfolgs nur unbezahlte Konzerte als „Dilettantin“.

Neben der Musik betätigte sich de Neufville auch als Malerin und Zeichnerin. Vermutlich war sie eine Schülerin ihres Vaters. Nach Abbruch ihrer Pianistenlaufbahn widmete sie sich ganz der bildenden Kunst. Wie ihr Vater machte sie sich vor allem mit der Miniaturmalerei einen Namen. Sie malte Porträts, Genrestücke, Allegorien und Figuren, Abgerufen am 25. Dezember 2025. teils als Kopien nach Gemälden anderer Künstler.Alfred von Wurzbach: Niederländisches Künstlerlexikon. Band 2: L - Z. Halm und Goldmann, Wien und Leipzig 1910, S. 231 (online). Ende 1813 beschickte sie eine Ausstellung in Amsterdam mit einer sinnbildlichen Darstellung einer Frau mit Hund in einer Landschaft (Zinne beeldige ordonnantie). Während der russische Kaiser Alexander I. sich in Brüssel aufhielt, schenkte de Neufville ihm ein Miniaturporträt von einer Frau in Tracht aus Zaandam (Zaandamsche vrouw in haar eigenaardig kostuum), wofür er sich mit einer wertvollen Gürtelschnalle bedankte.Ritter (Louise Charlotte). In: Abraham Jacob van der Aa, K. J. R. van Harderwijk, G. D. J. Schotel: Biographisch woordenboek der Nederlanden. Teil 16. Van Brederode, Haarlem 1874, S. 358.

Der niederländische Dichter und Dramatiker Pieter Pijpers (1749–1805) widmete Louise Charlotte de Neufville das Gedicht Aan Mevrouw de Neufville (dt. An Frau de Neufville), in dem er ihre Talente als Malerin und Musikerin preist: Es erschien 1803 in Pijpers’ Gedichtband Eemlandsch Tempe, of Clio op Puntenburgh: Landgedicht, zusammen mit einem Porträt von Louise Charlotte de Neufville, das der deutsch-niederländische Kupferstecher Ludwig Gottlieb Portman (1772–nach 1828) nach einer Vorlage ihres Vaters gestochen hatte. Das Titelbild dieser Publikation, ein Bildnis Pijpers’, stach Portman wiederum basierend auf einem Werk von Louise Charlotte de Neufville. Sie porträtierte mehrfach Pijpers und seine Familie. Nach ihren Vorlagen arbeitete neben Portman auch Reinier Vinkeles. Auf der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914 in Leipzig wurde unter anderem solch ein Porträt von Pijpers und seiner Frau gezeigt.Haus der Frau auf der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik. Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik: Sondergruppe der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914. Verlag des Deutschen Buchgewerbevereins, Leipzig 1914, S. 147 (online).

Louise Charlotte de Neufville wohnte bis 1820 in Amsterdam, dann kurzzeitig in Brüssel. Schließlich zog sie nach Den Haag, wo sie 1859 starb. Im Archiv der Familie Van Gelder de Neufville im Stadsarchief Amsterdam befinden sich einige sie betreffende Dokumente, darunter Heiratsurkunde und Testament.Nummer Toegang: 1477. Archief van de Familie Van Gelder de Neufville. In: archief.amsterdam. (PDF, S. 66f.) Abgerufen am 25. Dezember 2025. Eine ihrer Töchter ergriff in Antwerpen den Beruf einer Klavierlehrerin.

Werke (Auswahl) mini|hochkant|Louise Charlotte de Neufville: Borstbeeld van jonge man met snor Borstbeeld van jonge man met snor (Porträt eines jungen Mannes mit Schnurrbart), 1820, Sammlung Welcker, A. (1884–1957), Digitale Sammlung der Universitätsbibliothek Leiden (PK-T-AW-2413)Borstbeeld van jonge man met snor. In: digitalcollections.universiteitleiden.nl. Abgerufen am 25. Dezember 2025. Borstbeeld van een jongeman in groene jas (Porträt eines jungen Mannes in einem grünen Mantel), Sammlung Welcker, A. (1884–1957), Digitale Sammlung der Universitätsbibliothek Leiden (PK-T-AW-2414)Borstbeeld van een jongeman in groene jas. In: digitalcollections.universiteitleiden.nl. Abgerufen am 25. Dezember 2025. Borstbeeld in ovaal, portret van Georg (?) Clifford (ovales Porträt von Georg (?) Clifford), Bleistift und farbiger Pinsel auf Papier, 226 × 191 mm, Rijksmuseum Amsterdam (1960 Vermächtnis von A.C.A.J. Clifford, Den Haag), Inventarnummer RP-T-1960-110Borstbeeld in ovaal, portret van Georg (?) Clifford. In: rijksmuseum.nl. Abgerufen am 25. Dezember 2025. Portret van de dichter Pieter Pypers (Porträt des Dichters Pieter Pypers), Stich von Ludwig Gottlieb Portman nach einer Zeichnung von Louise Charlotte de Neufville, 172 × 109 mm, Titelblatt der Publikation Pieter Pypers: Eemlandsch Tempe, of Clio op Puntenburgh : landgedicht. Teil I. Pieter Johannes Uylenbroek, Amsterdam 1803.Portret van de dichter Pieter Pypers. In: rijksmuseum.nl. Abgerufen am 25. Dezember 2025. Portret van de schrijver Pieter Pypers (Porträt des Schriftstellers Pieter Pypers), Radierung von Reinier Vinkeles nach einem Gemälde von Louise Charlotte de Neufville, 216 × 120 mm, Rijksmuseum Amsterdam (Ankauf 1906), Inventarnummer RP-P-1906-1184Portret van de schrijver Pieter Pypers. In: rijksmuseum.nl. Abgerufen am 25. Dezember 2025.

Literatur Ritter (Louise Charlotte). In: Jan Christiaan Kobus, W. de Rivecourt: Beknopt biographisch handwoordenboek van Nederland. Teil 2. Van Someren, Zutphen 1857, S. 680 (online). De Neufville (Mme, L. C., née Ritter). In: Edouard Georges Jacques Gregoir: Biographie des artistes-musiciens néerlandais des XVIIIe et XIXe siècles et des artistes étrangers résidant ou ayant résidé en Néerlande à la même époque. De la Montagne, Anvers 1864, S. 58 (online). Ritter (Louise Charlotte). In: Abraham Jacob van der Aa, K. J. R. van Harderwijk, G. D. J. Schotel: Biographisch woordenboek der Nederlanden. Teil 16. Van Brederode, Haarlem 1874, S. 357–358 (online).

Neufville, Louise Charlotte, geb. Ritter. In: Jochen Schmidt-Liebich: Lexikon der Künstlerinnen 1700–1900. Saur, München 2005, ISBN 3-598-11694-2, S. 333 (online).

Weblinks

Neufville, Louise Charlotte de, geb. Ritter. im Lexikon Europäische Instrumentalistinnen des 18. und 19. Jahrhunderts des Sophie Drinker Instituts

Einzelnachweise

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