Nationalkonservatismus, teilweise auch Rechtskonservatismus genannt, ist ein politischer Begriff zur Beschreibung einer vor allem in Europa verbreiteten Variante des Konservatismus, die nationale Empfindungen sowie die kulturelle und ethnische nationale Identität betont.

Nationalkonservativen gemeinsam ist eine skeptische bis ablehnende Haltung gegenüber der Zuwanderung und der europäischen Integration,Richard Stöss: Der rechte Rand des Parteiensystems. In: Oskar Niedermayer (Hrsg.): Handbuch Parteienforschung. VS Springer, Wiesbaden 2013, S. 563–618. sowie eine Tendenz zum Wertkonservatismus und traditionellen Moralvorstellungen. Sie verstehen den Konservatismus als Korrektiv zu Modernismus und Fortschrittsgläubigkeit und stellen die Gemeinschaft vor das Individuum. Nicht selten geht der Nationalkonservatismus auch Verbindungen zu konservativen religiösen Strömungen ein. Ökonomisch werden hingegen sowohl sozial-marktwirtschaftliche als auch Laissez-faire-Ansichten vertreten.

19. Jahrhundert In der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts war der Nationalkonservativismus eine von mehreren Strömungen der Konservativen, neben den Staatskonservativen, Sozialkonservativen und Hochkonservativen. Die Nationalkonservativen wie Joseph von Radowitz strebten einen deutschen Nationalstaat nach britischem Vorbild an, vergleichbar den Nationalliberalen, aber monarchischer ausgestaltet. Somit waren die Nationalkonservativen Vorläufer der Freikonservativen Partei.

Heutiger Begriff Dem heutigen Nationalkonservatismus ist ebenso zu eigen, dass er die direkte Demokratie als „Hort gegen die internationale Verflechtung“ preist und so die populistische Stimmungslage zwischen dem „einfachen Volk“ und der „classe politique“ einfängt. Übergänge zum Rechtspopulismus können insofern fließend sein. Für den Nationalkonservatismus hat sich in der Literatur in synonymer Verwendung teilweise auch der Begriff „Rechtskonservatismus“ eingebürgert, jedoch wird der Nationalkonservatismus abweichend davon auch als besonderer Unterfall des Rechtskonservatismus definiert.Richard Stöss: Der rechte Rand des Parteiensystems. In: Oskar Niedermayer (Hrsg.): Handbuch Parteienforschung. VS Springer, Wiesbaden 2013, S. 578. In dem Fall sollen rechtskonservative Parteien, insofern sie eher „nationale Belange“ in den Mittelpunkt stellen, als „nationalkonservativ“ bezeichnet werden.

Die Verwendung des Begriffs in den Sozialwissenschaften ist widersprüchlich: Während in der Geschichtswissenschaft der Begriff verwendet wird, um völkisch orientierte Parteien wie die Deutschnationale Volkspartei zu charakterisieren und eine ähnliche Verwendung für antidemokratische Vorstellungen auch in der politikwissenschaftlichen Diskussion um die Neue Rechte aufzeigbar ist,Wolfgang Gessenharter: Im Spannungsfeld. Intellektuelle Neue Rechte und Verfassung. In: Wolfgang Gessenharter (Hrsg.): Die Neue Rechte. Eine Gefahr für die Demokratie? S. 32; und ders.: (PDF) Text auf der Seite Wolfgang Gessenharters an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, gekürzt erschienen in der Frankfurter Rundschau, 12. Juli 2003. wird andererseits in neuerer Literatur der Parteienforschung der Begriff benutzt, um gerade nicht völkisch oder antidemokratisch orientierte Parteien des rechten konservativen Spektrums zu charakterisieren und von Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus abzugrenzen.

In der deutschen Parteienlandschaft werden Die Republikaner und die Alternative für Deutschland von Politikwissenschaftlern als nationalkonservativ eingeordnet,Nikolaus Werz: „Neopopulismos en Europa.“ Tagung der Fundación Pablo Iglesias und der Friedrich-Ebert-Stiftung vom 25. bis 26. März 2015 in Madrid. In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft. 15. Juli 2015, o. S. doi:10.1007/s12286-015-0245-x in Österreich gilt die Freiheitliche Partei, in der Schweiz die Schweizerische Volkspartei und in Luxemburg die Alternativ Demokratesch Reformpartei als nationalkonservativ.

Parteienlisten + Liste nationalkonservativer Parteien in den europäischen Nationalparlamenten (Sortiert nach Wahlergebnissen) Land Partei Logo Parteichef Stimmen in % (letzte Wahl) Platzierung bei letzter Wahl Sitze im Parlament Regierungs- beteiligung Serbische Fortschrittspartei (SNS) 40px 50pxAleksandar Vučić 46,8(2023) 1. 129 von 250 Ja (Koalitionspartner) Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation – Demokratische Partei für Mazedonische Nationale Einheit (VMRO-DPMNE) 40px 50px Nikola Gruevski 43,2 (2024) 1. 58 von 120 Ja (Koalitionspartner) Nationale Einheitspartei (UBP) 40px Hüseyin Özgürgün 39,5(2022) 1. 24 von 50 Ja (Koalitionspartner) Fidesz – Ungarischer Bürgerbund 40px 50pxViktor Orbán 38,6(2026) 2. 52 von 199 Nein Recht und Gerechtigkeit (PiS) 40px 50pxJarosław Kaczyński 35,4(2023) 1. 194 von 460 Nein Kroatische Demokratische Union (HDZ) 50px 50pxAndrej Plenković 34,4(2024) 1. 61 von 151 Ja (Koalitionspartner) Rassemblement National (RN) 40px 50pxJordan Bardella 33,15(2024) 1. 125 von 577 Nein Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) zentriert|rahmenlos|40px zentriert|rahmenlos|72x72px|Norbert HoferHerbert Kickl 28,8(2024) 1. 57 von 183 Nein Schweizerische Volkspartei (SVP) 40px 50pxMarcel Dettling 27,9(2023) 1. 62 von 200 Ja (Zauberformel) Fratelli d’Italia (FdI) 50pxGiorgia Meloni 26(2022) 1. 119 von 400 Ja (Koalitionspartner) Alternative für Deutschland (AfD) 50px 100pxTino ChrupallaAlice Weidel 20,8(2025) 2. 152 von 630 Nein Schwedendemokraten (SD) 50pxJimmie Åkesson 20,5(2022) 2. 73 von 349 Tolerierung der MinderheitsregierungPerussuomalaiset (PS) 50px40pxRiikka Purra 20,1(2023) 2. 46 von 200 Ja (Koalitionspartner)Chega50px40pxAndré Ventura 18,1(2024) 3. 48 von 230 Nein Partij voor de Vrijheid (PVV) 50pxGeert Wilders 16,7(2025) 2. 22 von 150 NeinEstnische Konservative Partei (EKRE) 50px40pxMart Helme 16,1(2023) 2. 17 von 101 Nein Vox zentriert|rahmenlos|40px 50pxSantiago Abascal 12,4(2023) 3. 33 von 350 Nein Alternativ Demokratesch Reformpartei (ADR) 40px 40pxFred Keup 9,55(2023) 4. 5 von 60 Nein Lega Nord (Lega) 50pxMatteo Salvini 8,8(2022) 4. 66 von 400 Ja (Koalitionspartner) Elliniki Lysi (EL) Kyriakos Velopoulos 4,45(2023) 5. 16 von 300 Nein Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) 40px Daniel Frischknecht 1,2(2023) 8. 2 von 200 Nein

+ Liste nationalkonservativer Parteien in außereuropäischen Nationalparlamenten (Sortiert nach Wahlergebnissen) Land Partei Logo Parteichef Stimmen in % (letzte Wahl) Platzierung bei letzter Wahl Sitze im Parlament Regierungs-beteiligung Liberaldemokratische Partei (LDP) 50px 50px 49,2 (2026) 1. 316 von 465 Ja (absolute Mehrheit) Bharatiya Janata Party (BJP) 40px 50px Amit Shah 36,6(2024) 1. 240 von 543 Ja (Koalitionspartner) Likud 40px 50pxBenjamin Netanjahu 23,41(2022) 1. 32 von 120 Ja (Koalitionspartner)

Literatur Richard Stöss: Der rechte Rand des Parteiensystems. In: Oskar Niedermayer (Hrsg.): Handbuch Parteienforschung. VS Springer, Wiesbaden 2013, S. 563–618. Thomas Assheuer: Was heißt hier deutsch? Der Nationalkonservativismus definiert seine „Leitkultur“. In: Die Zeit, Nr. 30/1998.

Einzelnachweise

Kategorie:Rechtskonservatismus Kategorie:Nationalismus