Blastocatellaceae ist eine Familie von Bakterien. Die Arten können in relativ sauren Umgebungen wachsen. Sie wurden aus afrikanischen Savannenböden isoliert.

Merkmale Die Zellen der Arten der Blastocatellaceae sind Kokken, stäbchenförmig oder pleomorph. Der Gram-Test fällt negativ aus. Sie teilen sich durch normale (binäre) Teilung. Bei Blastocatella fastidiosa wurde auch die Knospung beobachtet. Es werden keine Kapseln gebildet. Auch eine Sporenbildung wurde nicht beobachtet.

Stoffwechsel und Wachstum Die Gattungen der Familie Blastocatellaceae sind in der Regel auf Sauerstoff angewiesen (aerob). Sie sind chemoorganotrophe, benötigen also organische Stoffe zum Wachstum. Sie sind an einen breiten Temperatur- und pH-Bereich angepasst und können komplexe proteinhaltige Verbindungen für ihr Wachstum nutzen. Einige Arten können in sauren Umgebungen wachsen, sie sind acidotolerant. Die Art Aridibacter nitratireducens kann auch anaerob wachsen und führt dann die Nitratatmung (Nitratreduktion) durch. Nitrat wird hier zu Nitrit reduziert, jedoch nicht weiter zu Stickstoff. Eine Gärung (Fermentation) wurde nicht beobachtet.

alt=Struktur von Protocatechusäure|gerahmt|Protocatechusäure Alle Gattungen der Blastocatellaceae enthalten das Menachinon-8 als wichtigstes respiratorisches Chinon. Bei Blastocatella fastidiosa wurde die membranumspannende Fettsäure 13,16-Diamethyloctacosandisäure (auch als Isodiabolinsäure bezeichnet, engl.: 13,16-dimethyl octacosanedioic acid, iso-diabolic acid) und Derivate von Monoalkylglycerolether (MGE) gefunden. So enthalten Zellen von Blastocatella fastidiosa große Mengen an MGE-Derivaten gesättigter Fettsäuren (Iso-C15-MGE und Iso-C17-MGE). Die 13,16-Diamethyloctacosandisäure ist typisch für das Phylum Acidobacteria, zu dem die Blastocatellaceae zählen.

Es folgt eine Tabelle mit einigen Beispielarten (in Klammern die entsprechenden Arten, die in dieser Tabelle berücksichtigt sind): +Blastocatella (B. fastidiosa)Aridibacter (A. famidurans, A. kavangonensis)Stenotrophobacter (S. namibiensis, S. roseus, S. terrae)Tellurimicrobium T. multivoransZellgröße in Micrometer (μm)0.8–0.9 × 0.8–12.00.6–0.9 × 2.5–3.00.7–1.2 × 0.8–3.10.3–0.7 × 0.8–2.3Zellteilungeinfache Teilung, auch Knospungeinfache Teilungeinfache Teilungeinfache TeilungWachstumssubstrateProteinhaltige komplexe Substrate, ProtocatechuateProteinhaltige komplexe Substrate, Protocatechuate, einige (Amino-)Zucker, Aminosäuren und organische SäurenProteinhaltige komplexe Substrate, Protocatechuat, einzelne Zucker, Aminosäuren und organische SäurenProteinhaltige komplexe Substrate, Protocatechuat, (Amino-)Zucker, Zuckeralkohole, Aminosäuren und organische SäurenHydrolyse von -Cellulose -StärkeTemperature (°C)14–4012–4716–4114–43Tolerierte pH-Werte4.0–10.03.5–10.04.5–10.05.0–8.5

Systematik Die Familie Blastocatellaceae wurde im Jahr 2016 von Javier Pascual und Mitarbeitern aufgestellt. Sie zählt zu der Ordnung Blastocatellales innerhalb des Phylums Acidobacteriota. Innerhalb der Ordnung Blastocatellales sind neben den Blastocatellaceae noch die zwei Familien Pyrinomonadaceae und Arenimicrobiaceae vorhanden (Stand 27. Dezember 2012).

Der Name Blastocatellaceae beruht auf dem griechischen Wort „Blastos“, was soviel wie Knospentrieb bedeutet, und dem lateinischen Wort „catella“ (kleine Kette). „Blastocatella“ bedeutet also soviel wie eine „knospende kleine Kette“. Dies bezieht sich auf die Fähigkeit der Gattung Blastocatella sich durch Knospung fortzupflanzen und dabei Ketten zu bilden. Die Endung -ceae weist darauf hin, dass es sich um eine Familie handelt.

Es folgt eine Liste mit den Gattungen und einigen Arten:

Aridibacter Aridibacter famidurans Aridibacter kavangonensis Aridibacter nitratireducens

Blastocatella Blastocatella fastidiosa Stenotrophobacter Stenotrophobacter namibiensis Stenotrophobacter roseus Stenotrophobacter terrae Tellurimicrobium Tellurimicrobium multivorans

Ökologie Die ersten beschriebenen Arten dieser Familie wurden aus afrikanischen Savannenböden in der Kalahari mit geringem Nährstoffgehalt isoliert. Die Art Aridibacter nitratireducens wurde von einer Weide in der Nähe eines Krankenhauses in Eikwe, im Süden Ghanas, isoliert.

Einzelnachweise Katharina J. Huber, Javier Pascual, Bärbel U. Foesel und Jörg Overmann: Blastocatellaceae (2017) In:

Literatur Katharina J. Huber, Javier Pascual, Bärbel U. Foesel und Jörg Overmann: Blastocatellaceae (2017) In:

Weblinks

NCBI - Blastocatellaceae