Die Suğla-Senke (türkisch: Suğla Ovası) ist eine intramontane Beckenlandschaft in der Südtürkei im Südwesten der Provinz Konya im südlichen Teil der Senkenzone Bozkır-Seydişehir-Beyşehir. Der Hauptort der dortigen Region ist die Kreisstadt Seydişehir (Provinz Konya). Die Senke enthält den Süßwassersee Suğla Gölü.
Zum Namen Suğla Der Suğla Gölü (auch Karaviran-See; antiker Name: Trogitis) in der Suğla Ovası ist ein temporärer See. In Trockenjahren sinkt sein Wasserspiegel, was nicht allein auf die schwankenden jährlichen Niederschläge zurückzuführen ist, sondern auch Ponore (Karstschwinden) an den Seeufern tragen dazu bei. Es gibt die Vermutung, dass der Name des Sees wahrscheinlich auf dieses Verhalten zurückzuführen ist: Im Türkischen bedeutet das Wort „suğulmak“ (auch soğulmak/suğalmak) so viel wie „Rückgang eines Flusses, eines Sees, einer Quelle oder eines Brunnens“. Zudem wird in der Region Konya mundartlich der Boden, der durch das periodische Zurückweichen des Wassers von Seen oder Sümpfen entsteht, von der Bevölkerung als „Suğla“ bezeichnet.
Zur Lage links|mini|Blick von der Höhe des 1824 m hohen Alacabel-Passes (Gidengelmez Dağı) bei Cevizli in das Becken des Suğla Gölü mit dem partiell ausgetrockneten See bei Çatmakaya. Die Suğla-Senke liegt in der inneranatolischen Provinz Konya 90 km südwestlich von Konya und gehört gemäß der regionalen Klassifizierung von 1941 zu einem Teil der Mittelmeerregion der Provinz Konya. Das Becken erstreckt sich in nordwest-südöstlicher Richtung innerhalb der Landkreise Seydişehir im Norden, Yalıhüyük im Südosten und Ahırlı im Süden. Der Suğla Gölü (seit 2004 ein Stausee) breitete sich bis 2003 (s. u.) in der Suğla-Senke auf einer Fläche von etwa 4000 Hektar aus, war durchschnittlich 4 m tief und maß an seiner tiefsten Stelle 10 m. Die Suğla-Senke bildet einen Teil der nordwest-südöstlich verlaufenden Bozkır-Suğla-Beyşehir-Senkenzone (auch Beyşehir-Suğla-Senke) am nordöstlichen Rand des Westlichen Taurusgebirges in Südanatolien zwischen hohen Gebirgszügen mit zwei großen Süßwasserseen aus, dem Beyşehir-See (Beyşehir Gölü, 1110 m ü. M.) im Norden und dem Suğla Gölü (etwa 1040 m ü. M.) im Süden. Die gesamte ca. 150 km lange Beyşehir-Suğla-Senke ist im Allgemeinen etwa 25 km, an ihrer breitesten Stelle etwa 50 km weit und liegt in einer tektonischen Beckenfolge, die im Norden und Nordosten von den Sultan Dağları und im Südosten von vulkanischen Hochflächen mit Gipfeln zwischen 2200 und 2500 m über dem Meeresspiegel begrenzt wird, die die Beckenreihe von Beyşehir und Suğla von den trockenen zentralanatolischen Gebieten der Konya-Ebene und den Cihanbeyli-Hügeln trennen. Die Westseite der Senken wird vom zentralen Massiv des Westlichen Taurus gebildet, speziell von den Dedegöl Dağları (2992 m) bzw. vom Anamas Dağı (2395 m) und seiner südöstlichen Ausdehnung mit Gipfeln von fast 3000 m Höhe. Die beiden Seebecken sind unmittelbar südöstlich der Kreisstadt Beyşehir (Provinz Konya) durch eine breite 1200–1300 m hohe Hügelkette getrennt, die vom Beyşehir-Kanal (auch Çarşamba-Kanal; BSA-Kanal: Beyşehir-Suğla-Apa-Kanal), dem Abfluss des Beyşehir Gölü, durchschnitten wird. Die Suğla-Senke mit dem Suğla-See und der ausgedehnten Schwemmlandebene der Suğla Ovası - einschließlich des „Seydişehir-Bogens“ um den Ort Seydişehir nördlich davon - bilden darin den südlichen Teil. Der Hauptort der Suğla-Senke ist die von Aluminium-Industrie geprägte Kreisstadt Seydişehir (Provinz Konya) etwa 16 km nordnordöstlich des Suğla-Sees mit 47138 Einwohnern (2022) und den Koordinaten: 37° 25′ Nord, 31° 51′ Ost.
Geologisch-morphologische Aspekte links|mini|300x300px|Die Kartenskizze zeigt die topographische Situation der Suğla-Senke und des Suğla-Sees mit ihrer Umrahmung innerhalb des westlichen mittleren Taurusgebirges südöstlich von Konya (Türkei). mini|Typische vulkanische Landschaft der Erenler Dağları östlich von Seydişehir (Konya) Dieses Suğla-Becken erstreckt sich grob in Nordwest-Südost-Richtung in einer tektonischen Senke von etwa 10–20 km Breite und umfasst ca. 180 km². Im Nordosten wird die Ebene durch die Gevrekli-Ketenli-Akkise-Balıklava-Karayahya-Aufwölbungen begrenzt, die westlich von Akören aus mesozoischen neritischen und pelagischen Karbonaten bestehen, sowie durch die Vulkankegel entlang der Gökyurt-Yeşiltekke-Kayasu-Linie, die sich mit dem neogenen Vulkangebirge des Dedesivrisi Tepe (1919 m, Teil des 2310 m hohen Erenler Dağı) südöstlich vom neogenen Hauptvulkankegel des Erenler-Gebirges erstreckt. Dieses Vulkangebirge ist relativ jung und besteht größtenteils aus Andesit und Andesittuffen, die das pliozäne Seebett deutlich überlagern, u. a. in der Nähe von Fasıllar, nordöstlich von Seydişehir. Der genaue Zeitraum des Vulkanismus ist unbekannt, erstreckt sich möglicherweise vom späten Pliozän bis weit ins Quartär. Sein Lavagestein wurde im Suğla-Becken seit mindestens der Jungsteinzeit häufig als Baumaterial verwendet, so z. B. am Gök Hüyük südlich von Seydişehir. Im Osten grenzt die Suğla-Senke an die südlichen Ausläufer des Erenler Dağı (Aladağ 2252 m). mini|Typische verkarstete Landschaft in den östlichen Geyik Dağları westlich oberhalb des Suğla Gölü bei Kuruçay Yaylası. Im Westen und Südwesten wird das Becken von Teilen der Geyik Dağları umgeben, vom Büyüközet Dağı (2594 m), dem Gidengelmez Dağı (2321 m) und dem Haydardağı (2249 m). Direkt am Rand der Ebene erheben sich mit oft steilen Hängen Gebirgszüge, wie der Esereyrek Dağı (2560 m), der Tınaz-Dağ (2006 m), der Yalıncak Dağı (2129 m) und der Küpe Dağı (2321 m), sowie weitere Höhen von über 2000 m. Sie bestehen, ebenso wie der weiter westlich gelegene Hochgebirgegürtel, vollständig aus einer mächtigen Abfolge reiner, gut geschichteter Kalksteine aus dem Jura und der Kreidezeit und zeigen, überlagert von einer Flysch-Serie aus dem Eozän, eine stark gefaltete und zerklüftete Struktur. Das Alter des mesozoischen Kalksteins wird im Allgemeinen mit der Kreidezeit angegeben, obwohl seine Zeitspanne in einigen Gebieten von der Trias bis zum Eozän reicht. Die dortige Deckstruktur zeugt nicht nur von intensiven Faltungsbewegungen in diesem Gebirgszug. Das westlich die Suğla-Ebene umgebende Kalkstein-Hochgebirge ist stark verfestigt und die gesamte Oberfläche von Dolinen, Uvalas und Poljen unterschiedlicher Größe bedeckt, die sich entlang tektonischer Verwerfungslinien gebildet haben. mini|Blick über Teile des Eşenler Dağı-Massivs, der östlichsten Flanke der Kurve von Isparta südöstlich des Suğla-Sees. Dieser in Nordwest-Südost-Richtung verlaufende „Steilabfall“, der den westlichen Rand der Suğla-Senke markiert, ist auffällig geradlinig und markant. Er weist stellenweise ein Relief von über 1000 m auf. Dabei handelt es sich zweifellos um eine Verwerfungsabbruchkante. Das Alter der Verwerfung lag wohl nach der Kreidezeit und vor dem Pliozän, da pliozäne Seeablagerungen die Senke ausfüllen. Wahrscheinlich ist ihr Alter mittel-tertiär, da eozäne und oligozäne (?) Schichten bei Faltungen an anderen Stellen im westlichen Taurus auftreten. Die westlich der Suğla-Senke aufragende Bergkette weist deutlich einen antiklinalen Hang auf, und dort an der Ostflanke der Tinaz-Antiklinale z. B. fallen die Kalksteinschichten zumeist in einem Winkel von 15°–30°nach Osten ein, der sich mit Annäherung an die Suğla-Ebene verstärkt und entlang ihres Randes zwischen Göyüzü und Bölme Burun zwischen 60°–90° variiert. Dies spricht für stufenförmige Verwerfungen bei der Bildung des Westrandes der Suğla Ovası und verdeutlicht zudem, dass sich die gesamte Ova in einem Senkungsbecken befindet. Nach dessen Entstehung war das Gebiet der gesamten Beyşehir-Suğla-Senke von einem ausgedehnten, flachen See aus dem Pliozän bedeckt. Überreste dieses Sees sind u. a. in den Ausläufern des Eşenler Dağı südöstlich des Suğla Gölü zu finden, wo sie in etwa einer Höhe um 1400 m vorkommen. Darüber hinaus untermauert die ausgedehnte Bedeckung der Suğla Ovası und ihrer unmittelbaren Umgebung mit pliozänen Sedimenten die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gebiete während des Pliozäns innerhalb ihrer gebirgigen Umgebung Senken bildeten und mit Süßwasser- und Brackwasserseen bedeckt waren. Das Westufer des einstigen Sees war felsig und steil, im Gegensatz zum flachen Ostufer. Dies deutet darauf hin, dass der See (auch die rezente Talsperre) auf einem Verwerfungsblock liegt, der nicht nur relativ zum Westufer abgesenkt, sondern auch rotiert wurde: Der westliche Rand des Blocks senkte sich stärker ab als der östliche. links|mini|BSA-Kanal nördlich von Seydişehir (Provinz Konya, Türkei). mini|Durchbruchstal des Çarşamba Çayı zur Apa-Talsperre (Provinz Konya). mini|Canyon des Çarşamba Çayı (Provinz Konya, Türkei). links|mini|Blick auf die Hochwasserschutz-Talsperre Apa Barajı am Çarşamba Çayı bei Apasaraycık. Im Norden der Senke, begrenzt im Westen von den Geyik Dağları mit dem Büyük Gözet Zirvesi (2529 m), erstreckt sich von Seydişehir nordwärts bis zum Becken des Beyşehir-Sees ein relativ niedriges, im Mittel 1200 m hohes Hügelgebiet der Kartalagac Tepeleri. Dort weist die Suğla Ovası keine klar definierte morphologische Grenze auf. Die westlichen Teile dieses Hügelgebiets bestehen aus ordovizischen Schiefern, die östlichen aus pliozänen Mergel- und Kalkstein-Süßwassersedimenten, die zumeist horizontal liegen und stellenweise kaum gefaltet sind. Dieser niedrige, breite Bergrücken, der heute die Region des Beyşehir Gölü vom Suğla Gölü trennt, wurde nach der Ablagerung der pliozänen Seebetten von einem Vorgänger des Beyşehir-Kanals und seinen Nebenflüssen, die im frühen Quartär im Wesentlichen in heutiger Form existierten, zerschnitten. Dabei wurden dort offenbar alle pliozänen Ablagerungen vollständig abgetragen. Diese Phase der Tiefenerosion war nicht kontinuierlich und dürfte in Wirklichkeit komplex gewesen sein. Der „Beyşehir-Kanal“ (BSA-Kanal), der den Abfluss des nördlichen Teils der Beyselıir-Suğla-Senke entwässert, floss noch bis vor einigen Jahrzehnten nach Süden in den Suğla Gölü, bevor der untere Teil seines Verlaufs erheblich verändert wurde: Dieser Drainagebach wird im Gebiet nördlich des Suğla-Sees auch als Kurukafa-Kanal bezeichnet und folgt heute einem künstlichen Kanal entlang der Ostseite des Suğla Gölü, wobei er den See vollständig umgeht. Er mündet beim Dorf Saray in den ursprünglichen Abfluss des Suğla Gölü und folgt von dort dem Balıklıavı-Kanal ostwärts zum Tal des Çarşamba Çayı und entwässert in dessen Canyon, wodurch das gesamte Wasser der Beyşehir-Suğla-Senke über die Hochwasserschutz-Talsperre der Apa Barajı des Çarşamba Çayı in die Konya-Ebene bei Çumra geleitet wird.
Tektonisch-hydroklimatische Aspekte Die Entstehung der Suğla-Ebene und auch des benachbarten Beyşehir-Seebeckens ist nach Nuri Güldalı auf tektonische Bewegungen im späten Pliozän bzw. frühen Quartär zurückzuführen. Jüngere geotektonische Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass diese Senke wahrscheinlich bereits im mittleren Miozän durch ein transtensive Störung entstand, während einer Deformationsphase also, in der Dehnung (Extension) und Scherung (Strike-Slip/Blattverschiebung) gleichzeitig auftraten, die seit dem frühen Quartär primär von Dehnungstektonik beeinflusst wurde. Die heutige Senke besteht deshalb hauptsächlich aus Strukturen, die aus diesen tektonischen Phasen hervorgegangen sind. Demzufolge entwickelte sich das Suğla-Becken im mittleren Miozän zunächst unter einem feuchten und warmen Klima. Vom späten Miozän bis zum Pliozän war es dann von einem relativ trockeneren und zeitweise feuchteren Klima geprägt, ähnlich dem der zentralanatolischen Becken.