mini|Gedenksträuße und -botschaften am Hauptbahnhof Taipeh nach dem Angriff
Der Messerangriff in Taipeh 2025 ereignete sich am 19. Dezember 2025 am Hauptbahnhof Taipeh und im Einkaufsviertel nahe der U-Bahn-Station Zhongshan, wo der 27-jährige Tatverdächtige Chang Wen zunächst Rauchbomben warf, Passanten mit seinem Messer bedrohte und auf mehrere Menschen einstach. Anschließend begab er sich zum Bereich vor der Eslite-Buchhandlung Nanxi nahe der Station Zhongshan, wo er die Angriffe fortsetzte. Dabei starben drei Menschen und elf weitere wurden verletzt. Chang flüchtete vor der Polizei und stürzte vom Gebäude der Eslite-Buchhandlung Nanxi in den Tod, um seiner Festnahme zu entgehen.
Der Messerangriff in Taipeh 2025 war der zweitschwerste Messerangriff mit Bezug zur Metro Taipei seit dem Messerangriff in Taipeh 2014, wo vier Menschen getötet und 24 verletzt wurden.
Hintergrund Gewaltverbrechen sind in Taiwan selten. 2014 hatte ein Mann in einer U-Bahn in Taipeh mit einem Messer auf Passagiere eingestochen und vier Menschen getötet. Er wurde zum Tode verurteilt und 2016 hingerichtet.
Tathergang Vor der Tat verübte Chang zwei Brandanschläge auf Straßen im Stadtbezirk Zhongshan und setzte geparkte Fahrzeuge in Brand. Später kehrte er zu seiner Wohnung zurück und zündete auch diese an.
Um 17:24 Uhr wurde Chang mit einer schwarzen Schutzweste und einer Gasmaske zwischen den Ausgängen M7 und M8 des Hauptbahnhofs Taipeh gesichtet. Danach nahm er Rauchgranaten aus einem Koffer und zündete diese an, wodurch die Sicht in der Station durch Rauch behindert wurde. Anschließend griff er Passanten mit einem Messer an. Ein 57-jähriger Mann, Yu Chia-Chang (余家昶), versuchte einzugreifen, wurde jedoch erstochen und später am Krankenhaus National Taiwan University Hospital für tot erklärt.
Nach dem Anschlag kehrte Chang in sein Hotel neben der U-Bahn-Station Zhongshan zurück, um eine Waffe zu holen, bevor er den nächsten Anschlag verübte. Gegen 18 Uhr warf er weitere Rauchgranaten vor dem Bahnhof am Eingang eines Einkaufszentrums von Eslite Spectrum und verletzte Zivilisten mit Messern, bevor er in das Gebäude flüchtete. Während der Flucht stürzte sich Chang vom 6. Geschoss des Kaufhauses und wurde am Krankenhaus Cathay General Hospital tot erklärt, nachdem Rettungsbemühungen scheiterten.
Tote und Verletzte Es gab drei Todesopfer und elf Verletzte. Die Stadtverwaltung teilte mit, neun Menschen würden in Kliniken behandelt. Die meisten Opfer erlitten Stichverletzungen und andere Verletzungen. Premierminister Cho Jung-tai erklärte, einer der Verletzten sei ein Fußgänger, der nach dem Angriff zu Boden gestürzt sei und bereits vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus einen Herzstillstand erlitten habe. Eine weitere Person erlitt durch den Rauch Atemwegsverletzungen. Drei Menschen erlitten seinen Angaben zufolge einen Herzinfarkt. Unter den Toten ist nach Angaben von Chiang Wan-an, der Bürgermeister von Taipeh, auch ein Mann, der in der U-Bahn-Station Zhongshan am Hauptbahnhof Taipeh versucht hatte, den Angreifer zu stoppen.
Untersuchungen Ermittler fanden in der Wohnung des Täters Chang Wen (張文) und in einem Hotelzimmer unter anderem Brandbomben sowie einen mutmaßlichen Tatplan in einem Cloudspeicher. Hinweise auf Mittäter gab es nicht. Zudem stand Chang Wen nach Angaben der Polizei im Zusammenhang mit mindestens vier Brandstiftungen am selben Tag. Er habe den Opfern hauptsächlich in den Hals gestochen, so die Nachrichtenagentur The Central News Agency (CNA).
Täter Der Täter war Chang Wen (張文), ein 27-jähriger taiwanischer Staatsbürger, geboren um 1998. Am 20. Dezember schloss die Polizei Terrorismus als Motiv für den Angriff vorläufig aus und erklärte, dass Chang nicht dafür bekannt sei, bestimmte politische, religiöse oder ideologische Äußerungen gemacht zu haben. Ein hochrangiger Polizeibeamter gab an, dass Chang seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu seiner Familie hatte, von den Streitkräften der Republik China wegen Trunkenheit am Steuer entlassen wurde und auf Changs iPad Suchanfragen zu „willkürlichen Tötungen“ gefunden wurden, darunter der Messerangriff in der U-Bahn von Taipeh 2014, wo ein Mann vier Menschen tötete. Chang meldete sich nicht wie vorgeschrieben im November 2024 zum Wehrdienst und wurde seitdem wegen Verstoßes gegen das Wehrpflichtgesetz gesucht. Er hatte eine Änderung seines Wohnsitzes nicht gemeldet, wodurch ihm die Einberufung zum Wehrdienst nicht zugestellt wurde.
Reaktionen In ganz Taiwan wurden nach den Angriffen die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Premierminister Cho Jung-tai sagte, die Sicherheitskräfte an Bahnhöfen, U-Bahn-Stationen, Flughäfen und Autobahnen seien in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden.
„No Notoriety“-Bewegung Als Reaktion auf die detaillierte Berichterstattung einiger Medien über den Hintergrund des Tatverdächtigen und die bei Gewalttaten verwendeten Waffen, wurden Stimmen der „No Notoriety“-Bewegung laut, die ihren Ursprung in Debatten über die Amokläufe in den Vereinigten Staaten hat. Die Bewegung geht davon aus, dass eine übermäßige Aufmerksamkeit für den Täter das Risiko von Nachahmungstaten erhöhen kann. Vorbildlich sind dagegen die Äußerungen der ehemaligen neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern nach den Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch. Sie rief die Öffentlichkeit dazu auf, die Namen der Opfer zu nennen statt den des Täters, und erklärte, dieser habe nach Berühmtheit gestrebt, Neuseeland werde ihm jedoch nichts geben – nicht einmal seinen Namen. Die ehemalige Fernsehmoderatorin Hsiao Tung-wen äußerte ihre Unterstützung für diesen Ansatz und appellierte an Medien und Öffentlichkeit, den Namen des Täters nicht wiederholt zu nennen.
Als Reaktion auf diese öffentlichen Forderungen bezeichnete der Bürgermeister von Taipeh, Chiang Wan-an, den Tatverdächtigen als „Verdächtigen vom 19. Dezember“, anstatt seinen Namen zu verwenden. Er erklärte, die Gesellschaft solle Tätern keinerlei Bekanntheit verschaffen, sondern den Fokus auf die Opfer und die öffentliche Sicherheit legen.
Nach dem Angriff forderten Kommentatoren, die dem „No Notoriety“-Ansatz nahestehen, dass das öffentliche Gedenken sich auf die Opfer und die heldenhaften Taten konzentrieren solle, insbesondere auf den getöteten Yu Chia-chang (), der versucht hatte, den Angreifer zu stoppen.
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Einzelnachweise
Kategorie:Mordfall Kategorie:Kriminalfall 2025 Kategorie:Geschichte (Taipeh)