mini|Heiko Wagner (2021) Heiko Wagner (* 24. September 1964 in Rastatt) ist ein deutscher Archäologe, Burgenforscher und Historiker.

Leben Heiko Wagner legte sein Abitur am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium in Rastatt ab. Schon während der Schulzeit engagierte er sich seit Herbst 1981 als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Archäologischen DenkmalpflegeLöwensteiner Chronik im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden. Im Wintersemester 1985/86 begann er das Studium der Ur- und Frühgeschichte, Provinzialrömische Archäologie und Alte Geschichte an der Universität Freiburg i. Br.

Während des Studiums war Wagner 1986 an Grabungsarbeiten am Zähringer Burgberg beteiligt. Ab 1986 unternahm er die Begehung der historischen Bergbaureviere entlang des Westrandes des Schwarzwalds und arbeitete seit 1987 an Forschungsprojekten zum mittelalterlichen Bergbau und der Erzverhüttung mit.

Während 1987 Grabungsarbeiten im Bereich der keltischen Wallanlage Tarodunum bei Zarten liefen, stieß Wagner (als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Freiburger Landesdenkmalamtes) bei einer Geländebegehung in dem etwa einen Kilometer westlich gelegenen Gewann Rotacker auf römische und keltische Fundstücke.Rolf Dehn: Tarodunum und Kegelriß. Neues zur Spätlatenezeit im Breisgau. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Band 17, Nr. 2, 1988, S. 95. Durch die Fokussierung auf die (vermutlich nie fertiggestellte riesige Befestigungsanlage Tarodunum) wurde in dem benachbarten Bereich bis dahin nicht wirklich gesucht. Nun folgende Untersuchungen anderer Archäologen erbrachten weitere Funde und die Erkenntnis, dass hier auf einem ca. 12 Hektar großen Areal um 150–80 v. Chr. eine keltische Siedlung bestanden hat.Heiko Wagner: Die keltische Großsiedlung Tarodunum im Dreisamtal. In: Berichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br. 99, 2009, S. 181 (Digitalisat). Dieser Fund war wegweisend für Wagners Magisterarbeit und die Dissertation. In seiner Magisterarbeit befasste er sich 1992 mit Funden von latènezeitlichem Glasschmuck (Armringe und Ringperlen) der Fundstelle Zarten „Rotacker“ (Tarodunum) und seine Dissertation von 1997, die von Heiko Steuer betreut wurde, trägt den Titel „Der Glasschmuck der Mittel- und Spätlatènezeit am Oberrhein und in den angrenzenden Landschaften“. Seine Promotion zum Dr. phil. erfolgte 1998. Die Dissertation wurde 2006 als Buch publiziert.Glasschmuck der Mittel- und Spätlatènezeit am Oberrhein und den angrenzenden Gebieten. Greiner, Grunbach 2006, ISBN 978-3-935383-02-8(Inhaltsverzeichnis).

Nach der Promotion begann Wagner seine freiberufliche Tätigkeit als Archäologe für das Landesdenkmalamt. Er untersuchte u. a. Geländeabschnitte, die für große Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen waren (z. B. Trans-Europa-Naturgas-Pipeline und Ausbau- und Neubaustrecke Karlsruhe–Basel), was dann den Anstoß zu Grabungsarbeiten gab.

Ein weiteres Betätigungsfeld Wagners wurde die Burgenforschung, in der er nicht nur für das Landesdenkmalamt, sondern auch ehrenamtlich engagiert ist. Seine baubegleitenden Untersuchungen und Geländebegehungen befassen sich u. a. mit Objekten im Breisgau, der Ortenau, dem Schwarzwald, am Hochrhein, auf der Baar. Seine Tätigkeit erstreckt sich aber auch auf Burgen in der Schweiz und im Elsass. Ein Ergebnis dieser Aktivitäten ist die Mitarbeit an der Burgendatenbank (EBIDAT) des Europäischen Burgeninstituts der Deutschen BurgenvereinigungMitarbeiterverzeichnis auf der Website von EBIDAT. Wagner lieferte auch eine Reihe von Beiträgen zum Projekt Burgen im mittelalterlichen Breisgau, das bisher unter der Leitung von Alfons Zettler und Thomas Zotz in drei Bänden ein Burgeninventar des Breisgaus herausbrachte und von der Gerda Henkel Stiftung gefördert wurde.Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau auf der Website der Gerda Henkel Stiftung.

Seit 2008 forschte Wagner zur Besiedlungsgeschichte des Schwarzwalds (Münstertal, Hexental, Bohrertal/Günterstal, Glottertal, Elztal, Brettenbachtal und Freiamt, Schuttertal, Kinzigtal, Renchtal). Dabei ergaben sich Hinweise auf steinzeitliche Lagerplätze sowie römische und mittelalterliche Siedlungsstellen. Im Rahmen dieser Forschungen unternahm Wagner seit 2009 auch zahlreiche Geländebegehungen an abgegangenen Bauernhöfen und Berghäusle im südlichen und mittleren Schwarzwald. Von 2014 bis 2017 wirkte Wagner beim von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt Archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Landnutzungsgeschichte des Südschwarzwalds mit.Projektergebnisse. Sein Beitrag ist dokumentiert in: Thomas Knopf/Steven Bosch/Lucas Kämpf/Heiko Wagner/Elske Fischer/Lucia Wick/Laurent Millet/Damien Rius/Fanny Duprat-Oualid/Manfred Rösch/Karl-Heinz Feger/Andrea Bräuning: Archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen zur Landnutzungsgeschichte des Südschwarzwalds. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2015, Esslingen 2016, S. 50-55, bes. S. 53. Seine Erkenntnisse zur Besiedelung des Schwarzwalds brachte Wagner 2022 auch in der Mitgestaltung der Sonderausstellung Kult(UR)wald - Die Besiedlung des Schwarzwalds des Franziskanermuseums Villingen und dem hierzu veröffentlichten Begleitbuch ein.Sonderausstellung „Kult(UR)wald - Die Besiedlung des Schwarzwalds“ auf der Website der Gesellschaft für Archäologie in Baden-Württemberg. Drei Beiträge in: Peter Graßmann/Dorothee Ade/Lisa Rademacher (Hrsg.), Kult(Ur)Wald - Die Besiedlung des Schwarzwalds. Begleitbuch zur Ausstellung 14. Mai bis 16. Oktober 2022, Franziskanermuseum Villingen-Schwenningen. Villingen-Schwenningen 2022.

Seit 2012 leitet Wagner ehrenamtlich die Fachgruppe Archäologie im Historischen Verein für Mittelbaden.Bericht der Fachgruppe. In: Die Ortenau. 93, 2013, S. 566.

Zwischen dem 22. Mai und dem 21. Juli 2023 leitete Wagner auf Burg Rötteln eine Forschungsgrabung zur Erfassung der Strukturen der frühen Bauphasen.Siehe Heiko Wagner, Andreas Haasis-Berner, Bertram Jenisch, Moritz Lange: Citizen Science am Dreiländereck. Das grenzüberschreitende Ehrenamtprojekt Burg Rötteln. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Bd. 53, Nr. 1 (2024), S. 46–53 (Digitalisat). Es handelte sich um ein Unterprojekt des grenzüberschreitenden, deutsch-französisch-schweizerischen Kultur- und Tourismusprojekts Burgen am Oberrhein (), das von der Europäischen Union im Rahmen des Projektes Interreg VI A kofinanziert wurde.

Jüngstes Projekt ist die Forschung nach einem vermuteten römischen Hafen auf der Insel Reichenau.Löwensteiner Chronik

Schriften Das nachfolgende Werkverzeichnis erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Insbesondere sind hier nicht aufgeführt die Rezensionen, die Wagner für eine Reihe von Zeitschriften verfasste, ebenso die Berichte der Fachgruppe Archäologie im Historischen Verein für Mittelbaden, die Wagner in der Zeitschrift Die Ortenau publizierte. In der Publikation Fundberichte aus Baden-Württemberg des Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart erschienen zahlreiche Mitteilungen von Wagner, die hier nur rudimentär berücksichtigt sind.

Monografien Theiss Burgenführer Oberrhein. 66 Burgen von Basel bis Karlsruhe. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1710-6 Glasschmuck der Mittel- und Spätlatènezeit am Oberrhein und den angrenzenden Gebieten. Greiner, Grunbach 2006, ISBN 978-3-935383-02-8 (zugleich Dissertation Universität Freiburg im Breisgau 1998) Historischer Pfad Fürstenberg. (= Kulturhistorische Reihe der Stadt Hüfingen Band 15). Hüfingen 2017

Buchbeiträge Fürstenberg (Hüfingen). In: Harm von Seggern: Residenzstädte im Alten Reich (1300–1800). Ein Handbuch. Abteilung I: Analytisches Verzeichnis der Residenzstädte. Teil 3: Südwesten, Thorbecke, Ostfildern 2026, S. 166–171 Die Burg Rötteln - Archäologische Baubegleitung und Survey. In: Ralf Wagner et al. (Redaktion), Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (Hrsg.): Burg Rötteln: Herrschaft zwischen Basel und Frankreich. J. S. Klotz Verlagshaus, Neulingen 2020, ISBN 978-3-948424-60-2, S. 50–59 In: Heimat- und Landschaftspflegeverein Yach (Hrsg.), Wie alles begann... - Yach von den Anfängen bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Lebendige Geschichte in Yach Bd. 6 (Ubstadt-Weiher 2020) Das Elztal und die frühe Besiedlung des Schwarzwalds, S. 165–195. Mittelalterliche Burg(en) auf der Gemarkung Yach, S. 253–256. In: Edgar Tritschler/Gerhard Heitzmann/Detlef Herbner (Hrsg.), Schwärzenbach – Aus der Geschichte einer Gemeinde im Hochschwarzwald (Selbstverlag der Herausgeber, 2019) Schwärzenbach im römischen Fernstraßennetz, S. 14–18. Frühe Besiedlung, S. 18–20. In: Bertram Jenisch/Peter Kalchthaler/Hans Oelze (Hrsg.), freiburg.archäologie (Freiburg i.Br. 2019), ISBN 978-3-7319-0897-5 Andreas Haasis-Berner/Heiko Wagner: Frühe Burgen, S. 202–203. Andreas Haasis-Berner/Heiko Wagner: Die Stadt Freiburg und der Wald, S. 220–221. Frühe Burgen in Südbaden - Prospektionsergebnisse als Bausteine für die Landesgeschichte. In: Neues zur Burgenerfassung und Burgenforschung in Baden-Württemberg – Beiträge der Tagung in Esslingen am Neckar, 10. bis 12. November 2016. In: Burgenforschung – Europäisches Correspondenzblatt für interdisziplinäre Castellologie Band 4, 2018, S. 333–365. Abseits der Äcker. Archäologische Surveys in bewaldeten Regionen. In: Christine Wohlfarth, Christoph Keller (Hrsg.): Funde in der Landschaft. Neue Perspektiven und Ergebnisse archäologischer Prospektion, Bonn 2018, ISBN 978-3-9820399-1-6, S. 257–272 In: Gabriele Seitz, Förderkreis Archäologie in Baden (Hrsg.): Archäologische Erlebnisorte zwischen Odenwald und Bodensee (2018), ISBN 978-3-000592188 Tarodunum – ein spätkeltisches Wirtschaftszentrum, S. 106–109. Der Limberg bei Sasbach: Sasbach, Kreis Emmendingen, S. 115–117 Der Isteiner Klotz - 6000 Jahre Geschichte: Istein, Kreis Lörrach, S. 153–155 Frühe Burgen in Südbaden: Prospektionsergebnisse als Bausteine für Landesgeschichte. In: Marburger Arbeitskreis für europäische Burgenforschung e. V. (Hrsg.): Neues zur Burgenerfassung und Burgenforschung in Baden-Württemberg. Beiträge der Tagung in Esslingen am Neckar, 10. bis 12. November 2016. Burgenforschung – Europäisches Correspondenzblatt für interdisziplinäre Castellologie. Band 4, Radebeul 2018, ISBN 978-3-980755870, S. 342–344 Ein Kupferbeil aus Muggensturm. In: Muggensturm grenzenlos – 825 Jahre Muggensturm. Herausgegeben von Clemens Rehm für die Gemeinde Muggensturm (Muggensturm 2018), S. 45–46. Höhenlage und Siedlung. Der Schwarzwald als siedlungsleere Barriere? In: Sebastian Brather, Jürgen Dendorfer (Hrsg.): Grenzen, Räume und Identitäten. Der Oberrhein und seine Nachbarregionen von der Antike bis zum Hochmittelalter (Tagung des Forschungsverbundes „Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland“, 13.-16. Nov. 2013). Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland Bd. 22 (Ostfildern 2017), S. 89–116 Festungen in Baden-Württemberg, Ottersbach, Christian • Wagner, Heiko • Wöllper, Jörg. - Regensburg (2014) Die Burg Grißheim. In: Stadt Neuenburg am Rhein (Hrsg.): Grißheim - ein Dorf am Rhein, Neuenburg am Rhein 2012, S. 21–26. ISBN 978-3-000402012 Ur- und Frühgeschichte am Marchhügel. In: Thomas Steffens (Redaktion): Hugstetten – Das Dorf am Bergle, March 2010, S. 17–36 Tarodunum und das Zartener Becken in der keltischen Zeit (Latènezeit) und in der Römerzeit. In: G. Fingerlin/A. Greule/W. Kleiber/H. Wagner und O. Wilmanns: Tarodunum/Zarten - Brigobanne/Hüfingen. Kelten und Galloromanen im Schwarzwald in interdisziplinärer Sicht. Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz - Abhandlungen der Geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse, Jahrgang 2009 Nr. 4 (Mainz/Stuttgart 2009), S. 21–53.