Schrader ist der Name zumindest zweier Braunschweiger Ratsgeschlechter. Zudem war der Name ab dem 15. JahrhundertH. Meyer (1903) S. 139 im Norddeutschland weit verbreitetK. Fritsche, W. Spielhagen (1940) S. 21, und so finden sich zeitgleich weitere Ratsherrengeschlechter dieses Namens im Raum Osnabrück, Lüneburg, Hildesheim und Hannover, deren Mitglieder zum Teil auch in Braunschweig erscheinen.
Älteres Braunschweiger Patriziergeschlecht Schrader mini|hochkant|Wappen der Schrader, Braunschweig Geschichte Die Stammreihe beginnt mit Henricus aus Badersleben bei Halberstadt, der als Münzmeister erwähnt wird und nach Braunschweig kam, und dessen Nachfahren bis 1672 im Rat des Hagen vertreten waren. Mitglieder der Familie wanderten später nach Rostock, Gandersheim und Danzig ab. Ein wappengleicher und daher mutmaßlich stammesverwandter Nebenzweig im Hagen geht auf Barthold Schrader zurück, möglicherweise einen Bruder des Henricus, der ab 1475 als Hausbesitzer in Braunschweig nachweisbar ist. Aus diesem Familienkreis sind dort insgesamt zwölf Ratsmänner, fünf Bürgermeister, vier Ratskämmerer und drei promovierte Rechtsgelehrte hervorgegangen, die zeitweise höchste Ämter als Berater von Fürsten, Herzögen und Kaisern bekleideten. Der Nebenzweig erlangte 1736 den Reichsadel, 1747 das Prädikat von Schliestedt und 1758 ein Adelsdiplom des Herzogtums Braunschweig als von Schrader (Ein weiteres Adelsdiplon von 1826 betrifft offenbar eine andere, aus dem Harz stammende Familie Schrader. Siehe Ernst von Schrader (Offizier)). Gewisse Stifter hinterließen Stipendien und Stiftungen für ihre Nachfahren, von denen eine als Vereinigte Stiftung der Familien Schrader, von Kalm und von Vechelde noch heute besteht.familienstiftung-schrader-kalm-vechelde auf rambow.de (Abgerufen am 18. November 2025)
Stammfolge Schrader I Unter dem Titel „Schrader I“ gibt Reidemeister folgende Stammfolge an:Reidemeister (1948), S. 132–134.
Stammfolge Schrader II Ferner gibt Reidemeister unter dem Titel „Schrader II“ folgende, aus anderen Quellen hier ergänzte Stammfolge an. Sie erlosch im Mannesstamm im Jahr 1833. Das letzte weibliche Familienmitglied starb 1884:Reidemeister (1948), S. 135–136.
Wappen Blasonierung des Wappens des Älteren Braunschweiger Patriziergeschlechts Schrader (Schrader I) In Blau ein goldgekröntes rechtssehendes rotes Löwenhaupt mit ausgestreckter roter Zunge und Hals. Auf dem blau-rot bewulsteten Helm mit blau-roten Helmdecken das gekrönte Löwenhaupt.
Blasonierung des Wappens der Schrader (von Schlierstedt / Schrader II) von 21. Mai 1736 In Blau ein goldgekröntes rechtssehendes goldenes Löwenhaupt mit ausgestreckter roter Zunge und Hals. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken das gekrönte Löwenhaupt zwischen einem offenen schwarzen Flug.Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 379.6 Schrader, Heinrich Bernhard, braunschweig-lüneburgischre Hofrat und geheimer Kabinetetssekretär, rittermäßiger Adelsstand, privilegium denominandi, Lehenberechtigung, 1736.05.21, abgerufen am 26. Dezember 2025.
Interessanterweise wurde fast zeitgleich, am 15. Mai 1736, einem offenbar nicht stammverwandten Johann Schrader, kaiserlich-russischer Hofgerichtassessor in Riga, der rittermäßige Adelsstand für das Reich und die Erblande mit einem Wappen verliehen, das dem Wappen der Schrader I inkl. Helmzier sehr ähnlich ist. Es wird wie folgt blasoniert: In Gold ein goldgekröntes rechtssehendes rotes Löwenhaupt mit ausgestreckter roter Zunge und Hals. Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken das gekrönte rote Löwenhaupt.Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 379.5 Schrader, Johann, kaiserlicher russischer Hofgerichtassessor in Riga, rittermäßiger Adelsstand für das Reich und die Erblande, privilegium denominandi, Lehenberechtigung, 1736.05.15, abgerufen am 26. Dezember 2025. Dieses baltische Briefadelsgeschlecht Schrader erlosch im Mannesstamm bereits 1807.
Ferner wurde 1826 einem offenbar ebenfalls nicht stammverwandten Ernst von Schrader (Offizier) (1781–1848) ein dem Schrader-II-Wappen inkl. Helmzier sehr ähnliches Wappen verliehen. Dieses wird wie folgt blasoniert: In Silber ein goldgekröntes rechtssehendes rotes Löwenhaupt mit ausgestreckter roter Zunge und Hals. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken das gekrönte Löwenhaupt zwischen einem offenen schwarzen Flug.Ernst Heinrich Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien in genauer, vollständiger und allgemein verständlicher Beschreibung. Mit geschichtlichen und urkundlichen Nachweisen. Band 3. T.O. Weigel, Leipzig 1856, S. 397 (digitale-sammlungen.de). Das von Ernst von Schrader begründete Geschlecht erlosch im Mannesstamm schon 1867 wieder.Adolf Matthias Hildebrandt (Bearb.): J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 2 (Blühender Adel deutscher Landschaften), 2. Abt.: Der Adel des Herzogthums Braunschweig, Nürnberg 1869, S. 8 (uni-heidelberg.de) und Tfl. 7 (uni-heidelberg.de) (hier falsche Tingierung angegeben).
Jüngeres Braunschweiger Patriziergeschlecht Schrader mini|120px|Wappen Margaretha Schrader, Epitaph 1643 St. Blasius, Braunschweig Diese protestantische Gelehrtenfamilie führte als Wappen 3 Glocken (1:2)vgl. Sabine Wehking Inschriften DI56 Stadt Brnswg II (2001); Eintrag Nr. 842 auf inschriften.net (Abgerufen am 18. November 2025), stammte auch ursprünglich aus der Region Halberstadt und stellte ebenfalls Ratsmänner, Domherren und Stiftsdekane in Braunschweig, Lübeck und Halberstadt.
Andere Familien Schrader Nicht stammesverwandt mit den oben dargestellten Geschlechtern, entsprangen einer anderen Familie Schrader aus dem Raum Hannover ebenfalls einige Rechtsgelehrte und kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgische Räte. Siehe Schrader (Adelsgeschlecht, 1708).
Ferner trat um 1620 bis 1686 ein Ratsgeschlecht Schrader mit Jobst, dessen Sohn Moritz (* 1625; Bürgermeister, Ratsherr und Kaufmann) und dessen Sohn Martin Schrader (Ratsmitglied und Hofgerichtsassessor) in Hildesheim auf.Eintrag Moritz Schrader auf gedbas.de (Abgerufen am 18. November 2025)
Auch nicht stammverwandt mit den hier dargestellten Geschlechtern Schrader war das aus dem Magdeburgischen stammende baltische Briefadelsgeschlecht Schrader.
Literatur H. Meyer: Zur Genealogie der Familie Schrader in Braunschweig. In: Braunschweigisches Magazin. 1903, S. 138 ff. (tu-braunschweig.de). Oskar Wolff: Stammtafeln für die Familie Schrader. 1850. Ernst Döll: Die Kollegiatstifte St. Blasius und St. Cyriacus zu Braunschweig (= Braunschweiger Werkstücke. Bd. 36, ). Waisenhaus-Buchdruckerei und Verlag, Braunschweig 1967, (Zugleich: Hamburg, Universität, Dissertation, 1965). Sophie Reidemeister: Genealogien Braunschweiger Patrizier- und Ratsgeschlechter aus der Zeit der Selbständigkeit der Stadt, Meyer, Braunschweig 1948, S. 132 ff. (tu-braunschweig.de). Karl Fritsche, Wolfgang Spielhagen: Familienverband Ziering-Moritz-Alemann Nr. 4, Berlin 1940, S. 21 ff. Stammtafel der Familie Schrader in Braunschweig. (In Anlehnung an die Mitteilungen des Familienverbandes Schrader Nr. 20, S. 56 ff.) (PDF; 1,3 MB auf z-m-a.de). Wolfgang Prange: Der Wandel des Bekenntnisses im Lübecker Domkapitel, 1530–1600 (= Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck. Reihe B, Band 44). Schmidt-Römhild, Lübeck 2007, ISBN 978-3-7950-0484-2.
Weblinks Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 379.6 Schrader, Heinrich Bernhard, braunschweig-lüneburgischre Hofrat und geheimer Kabinetetssekretär, rittermäßiger Adelsstand, privilegium denominandi, Lehenberechtigung, 1736.05.21.
Einzelnachweise
Kategorie:Niedersächsisches Adelsgeschlecht Kategorie:Patriziergeschlecht (Braunschweig)