Das Dokumentarische Erbe der versklavten Personen in der niederländischen Karibik und ihrer Nachkommen wurde 2023 als Weltdokumentenerbe von Curaçao, den Niederlanden, Sint Maarten und Suriname eingetragen. Die Dokumente umfassen vor allem Sklavenregister, Urkunden über Freilassungsakte (manumissies) und Sklavenemanzipation sowie Zivilstandsurkunden freigelassener Sklaven. Außerdem werfen sie ein Licht darauf, wie Plantagenbesitzer 1863 bei der Abschaffung der Sklaverei in der niederländischen Karibik entschädigt wurden.
Zum Weltdokumentenerbe zählen folgende Archivalien:
Sklavenregister Suriname (1830–1863), Nationaal Archief Suriname (mit digitalem Index)Nationaal Archief Suriname: Slavenregisters Suriname (1830–1863) Manumissieregister Suriname (1832–1863), Nationaal Archief Suriname Emanzipationsregister Suriname (1863), Nationaal Archief Suriname Sklavenregister Curaçao (1839–1863), Nationaal Archief Curaçao (mit digitalem Index)Nationaal Archief Curaçao: Zivilstandsarchiv - Geburten, Verstorbene, Taufregister und Register freigelassener Sklaven, Curaçao (1831–1863), Nationaal Archief Curaçao Sammlung Juliana Brenner, Curaçao (1856), Nationaal Archief Curaçao Sammlung Zikinzá (1955–1969), Curaçao, National Archaeological Anthropological Memory Management Emanzipationsregister St. Maarten (1863), Regierung Sint-Maarten Briefe an verschiedene Empfänger, St. Maarten (1847–1861), Regierung Sint-Maarten Archiv des Allgemeinen Rechnungshofs 1863–1868, Zugang 2.02.09.08, Inventarnummern 223–248: Akten zur Aufhebung der Sklaverei in Westindien, Nationaal Archief Nederland Kolonialministerium 1816–1849, Zugang 2.10.01, Inventarnummern 3328–3426 (Suriname) und Inventarnummern 3610–3737 (Curaçao): Regierungsjournale (mit Meldungen von Freilassungen), Nationaal Archief Nederland. Kolonialministerium 1850–1863, Zugang 2.10.02, Inventarnummern 6797–6852 (Suriname) und Inventarnummern 6665–6738 (Curaçao): Regierungsjournale (mit Meldungen von Freilassungen), Nationaal Archief Nederland.
Register als Quellen der Sklavenwirtschaft In den Napoleonischen Kriegen wurden die niederländischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent von Großbritannien besetzt. Die Rückgabe von Suriname an das neu errichtete Königreich der Niederlande erfolgte 1815. Der transatlantische Sklavenhandel war zu dieser Zeit in den britischen Kolonien bereits verboten und wurde nun auch in den niederländischen Besitzungen auf britischen Druck hin untersagt. Der Schmuggel versklavter Menschen war aber bis in die 1820er Jahre verbreitet. Im Jahr 1826 führten die Niederlande Sklavenregister ein, um dem illegalen transatlantischen Sklavenhandel entgegenzuwirken. Die Sklavenregister von Surinam erfassten alle Sklaven, die im Besitz von Privatpersonen oder Plantagen waren; die Sklaven im Besitz der Regierung wurden erst nach 1850 verzeichnet. Diese Register enthalten die Lebensdaten von rund 90.000 versklavten Menschen. Während die Sklavenregister in der Britischen Karibik alle drei Jahre neu erstellt wurden, war in Surinam ein in Paramaribo ansässiger Beamter dafür verantwortlich, die Register durch Verzeichnen aller Änderungen aktuell zu halten. Nachdem das System etabliert war, erschienen vier Serien von Sklavenregistern: 1830–1838, 1838–1848, 1848–1851 und 1851–1863.Coen W. van Galen et al.k: Slavery in Suriname, 2023, S. 194.
mini|Sklavenverkauf in Surinam 1831 (Pierre Jacques Benoit, Voyage à Surinam, 1839)
Etwa zwei Drittel der Surinamer Sklaven lebten auf insgesamt 375 Plantagen. Die Plantagen konnten zusammen mit ihrer Sklavenbevölkerung den Besitzer wechseln, aber der Verkauf individueller Plantagensklaven war nur mit einer Sondergenehmigung möglich. Im Gegensatz dazu konnten die rund 3500 Privatpersonen ihre Sklaven nach Belieben verkaufen. Die Dokumentation der Sklavenbevölkerung in den Registern gilt als relativ vollständig, mit der Einschränkung, dass Kinder, die vor Erreichen des ersten lebensjahres starben, oft nicht erfasst wurden und daher eine weit höhere Säuglingssterblichkeit anzunehmen ist.Coen W. van Galen et al.k: Slavery in Suriname, 2023, S. 197.
Sklavenregister unterschieden sich insofern von anderen Bevölkerungsverzeichnissen, als Heiraten zwischen Sklaven in Surinam nicht erlaubt waren und Väter keine rechtliche Beziehung zu ihren Kindern hatten. Dagegen wurde der Name der Mutter verzeichnet, anfangs nur bei Neugeborenen, ab 1848 bei allen Sklaven. Solange die Mutter lebte, durfte sie nicht von ihren Kindern getrennt werden, auch wenn diese mittlerweile erwachsen waren.Coen W. van Galen et al.k: Slavery in Suriname, 2023, S. 199.
Sammlung Zikinzá Von 1955 bis 1969 trugen Paul Brenner und Elis Juliana Tonaufnahmen von Liedern, Musikstücken, Erzählungen, Anekdoten und Kindheitserinnerungen in der älteren ländlichen Bevölkerung Curaçaos zusammen. Der älteste der 267 Informanten war etwa 1853 geboren, zehn Jahre vor der Abschaffung der Sklaverei in der niederländischen Karibik.
Digitalisierung Im Jahr 2017 begann das gemeinsame Projekt Historische Database van Suriname en Curaçao der Radboud-Universität Nijmegen und der Nationalarchive und Universitäten von Suriname und Curaçao, das alle Einwohner von Suriname und Curaçao im Zeitraum von etwa 1830 bis 1950 in einer großen Datenbank zusammenführte. Dabei konnte man auf eine Datenbank der Surinamer Kontraktarbeiter aus Britisch-Indien, Indonesien und China zurückgreifen, die von 1997 bis 2002 erarbeitet worden war. Das digitalisierte Sklavenregister von Suriname wurde 2018 online gestellt, das von Curaçao folgte 2020. Zahlreiche Freiwillige beteiligten sich in einem Citizen-Science-Projekt am Transkribieren der Digitalisate.
Literatur Coen W. van Galen, Rick J. Mourits, Matthias Rosenbaum-Feldbrügge, Maartje A.B., Jasmijn Janssen, Björn Quanjer, Thunnis van Oort, Jan Kok: Slavery in Suriname. A Reconstruction of Life Courses, 1830–1863. In: Historical Life Course Studies, Band 13 (2023), S. 191–211. (Download) Humphrey E. Lamur: Demographic performance of two slave populations in the Dutch speaking Caribbean. In: Boletín de Estudios Latinoamericanos y del Caribe, Band 30 (1984), S. 87–102.
Weblinks UNESCO, Nederlandse commissie: Documentair erfgoed van tot slaaf gemaakten van de Nederlandse Caraïben en hun afstammelingen 1816 – 1969 Nationaal Archief: Archieven over slavernij op de UNESCO-lijst
Anmerkungen
Kategorie:Personenregister Kategorie:Geschichte der Karibik Kategorie:Sklaverei in Amerika Kategorie:Wirtschaftsgeschichte (19. Jahrhundert) Kategorie:Weltdokumentenerbe in der UNESCO-Region Lateinamerika und Karibik Kategorie:Rechtsgeschichtliche Publikation