Oleksandr Matwijowytsch Werbyzkyj (; * 27. September 1875 in Sewastopol, Russisches Kaisserrreich; † 9. November 1958 in Kiew, Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik) war ein ukrainischer Architekt.

Leben und Wirken mini|Bahnhof Kyjiw-Passaschyrskyj Werbyzkyj wurde in der Familie eines Bautechnikers der Stadtverwaltung geboren. Nach dem Abschluss der Realschule in Sewastopol im Jahr 1892 nahm er ein Studium am Petersburger Institut für Bauingenieure auf. Für seine Studienleistungen erhielt er zwei Gold- und eine Silbermedaille und wurde in die Ehrentafel der besten Absolventen aufgenommen. 1898 zog er nach Kiew, wo er an der Innenraumgestaltung des Polytechnischen Instituts (heute „Kiewer Polytechnisches Institut Ihor Sikorskyj“) mitwirkte. Von 1899 bis 1901 arbeitete er als Assistent von Wladimir Nikolajew am Bau des Stadttheaters (heute Taras-Schewtschenko-Opernhaus).

Werbyzkyj widmete über 30 Jahre seines Wirkens – von 1901 bis 1958 – als Architekt der Eisenbahn, zunächst in der Verwaltung der Südwestbahn, dann als Chefarchitekt. Nach seinen Entwürfen wurden zahlreiche Bauwerke errichtet, darunter Bahnhöfe, Güter- und Personengebäude, Lokomotivdepots, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser und Wohnhäuser. Werbyzkyj Entwurf gewann 1927 einen geschlossenen Wettbewerb für den Bau des neuen Bahnhofs in Kiew. Er verband Elemente des ukrainischen Barocks mit konstruktivistischen Formen. Die Verwendung nationaler Motive führte jedoch zu Kritik und einer Intervention der sowjetischen Behörden, sodass die Gestaltung des Bahnhofs überarbeitet werden musste.

Werbyzkyj begann 1909 seine Lehrtätigkeit als Dozent für Zivilarchitektur an den Höheren Technischen Kursen. Im Jahr 1911 unternahm er eine Auslandsreise nach Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich. Neben seiner Arbeit als Architekt und Dozent verfasste er Artikel über Architektur und widmete sich der Landschaftsmalerei und Grafik. Eine Reihe seiner Zeichnungen aus dem Jahr 1918 mit Ansichten von Kiew (vor allem der Höhlenklosterlawra) und Balaklawa ist erhalten geblieben. Von 1919 bis 1958 war er Dozent an der Architekturhochschule, der Kunsthochschule (heute Nationale Akademie der Bildenden Künste und Architektur) und dem Ingenieur- und Bauinstitut (heute Kiewer Nationale Universität für Bauwesen und Architektur) und gehörte zu den Gründern der Architekturakademie der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. 1945 wurde er Mitglied der Akademie der Architektur, 1958 Ehrenmitglied der Akademie für Bauwesen und Architektur der USSR. Zu seinen Schülern gehörten Juri Assejew, Anatolij Dobrowolskyj, Wolodymyr Sabolotnyj, Iossif Karakis, Nikolai Cholostenko, Jewhenija Maryntschenko, Awraam Milezki, Natalija Tschmutina und andere.

Der 83-jährige Architekt starb am 9. November 1958 in Kiew und wurde auf dem Lukjaniwska-Friedhof (Feld 9a) beigesetzt.

Werke (Auswahl) Schriften Проєкти з сільського будівництва // Projekte zum ländlichen Bauwesen (zusammen mit Dmytro Djatschenko, Mykola Damilowskyj, Wolodymyr Bessmertnyj, Wsewolod Obremskyj, P. Kosliw)

Bauwerke 1902–1905: Fassade des Gebäudes der Nationalbank der Ukraine (zusammen mit Oleksandr Kobeljew) 1902–1907: Güterbahnhof in Kiew 1903: Bahnhof Holoby 1904: Demtschenko-Mietshaus (Sankowezka-Straße 7) in Kiew 1904–1905: Mietshaus mit Turm (Bohdan-Chmelnyzkyj-Straße 52) in Kiew 1906: Papierfabrik in Malyn 1907: Bahnhof Kowel (umgebaut nach dem Zweiten Weltkrieg) 1908: „Haus mit Pan und Nymphen“ (Lutheraner-Straße 15) in Kiew 1908–1910: Gymnasium in Kowel 1910: Zuckerfabrik in Werchnjatschka 1912: Wohnhaus (heute: Korolenko-Straße) 1912–1913: Schlenskewytsch-Mietshaus (Rejtarska-Straße 20/24) in Kiew 1916: Gebäudekomplex „Kinderpalast“ für obdachlose Kinder in Tscherkassy 1927–1932: Bahnhof Kyjiw-Passaschyrskyj (zusammen mit Pawlo Aljoschyn)

Einzelnachweise

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