Godavaya oder Godawaya ist ein kleines Fischerdorf und ein archäologischer Fundplatz an der Mündung des Flusses Walawe zwischen Ambalantota und Hambantota im Distrikt Hambantota im Süden Sri Lankas. Es erhielt seinen Namen, ursprünglich Goda Pavata Pattana oder Gota Pabbata Pattana (was so viel wie „Hafen des großen runden Felsens“ bedeutet), von einer von einem runden Felsen gekrönten Felsformation, die sich an der Südküste Sri Lankas über dem Indischen Ozean erhebt. Die ursprüngliche Hafenstadt war mindestens seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. ein Handelsplatz an der Maritimen Seidenstraße.

Geschichte Das Gebiet um Godavaya wurde bereits vor etwa 7000 Jahren besiedelt. Im August 2008 wurde in einem verlassenen Steinbruch in Godavaya ein menschliches Skelett aus der Zeit von 3000–5000 v. Chr. entdeckt. Außerdem wurden Werkzeuge aus Knochen und Stein gefunden. Nach dem Archäologen Oliver Kessler, dem Entdecker der Fundstätte wurden die Skelette von den späteren Ausgräbern Olli 1–3 genannt. Walawe gang moayen ipærani maanavayek, Lankadeepa, 21. August 2008.

Die Siedlung Goda Pavata Pattana lag als Halbinsel eingebettet zwischen dem Binnenhafen am Fluss Walawe und dem Seehafen an der Bucht von Godavaya. Der Handel war ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft des alten Sri Lanka, und Godavaya war ein bedeutender Handelsplatz, der der Hauptstadt Tissamaharama und Ridiyagama, einem Produktionszentrum u. a. von Glas und Glasperlen im Königreich Ruhuna als Hafen diente.

Der Hafen von Godavaya ist wahrscheinlich älter als eine Inschrift in Brahmi-Schrift des Königs Gamani Abaya aus dem 2. Jahrhundert, der vermutlich Gajabahu I. zu identifizieren ist, in der steht, dass der König die dort erhobenen Zölle dem buddhistischen Kloster Godapavata Vihara zugeeignet.http://members.tripod.com/hettiarachchi/port.html W. I. Siriweera Ports in ancient Sri Lanka

Im Kapitel der Mahavamsa über die zwölf Könige wird im Gegensatz dazu jedoch angegeben, dass das Vihara in Gotapabbata eines der sieben Klöster gewesen sei, die König Mahallaka Naga nach dem Tod seines Schwiegersohns Gajabahu I. habe errichten lassen.Mahawamsa http://lakdiva.org/mahavamsa/chap035.html

Von der Spätantike bis etwa zum Ende des 7. Jahrhunderts exportierte Sri Lanka den weinroten Halbedelstein Granat, der in vielen europäischen Gräbern des frühen Mittelalters, so zum Beispiel bei Franken und Alamannen als Grabbeigaben gefunden wurden. Mineralogische Analysen konnten zeigen, dass in den meisten der in den bedeutenden Goldschmiedearbeiten des frühen Mittelalters, wie beispielsweise in den in sogenannten Fürsten- und Königsgräbern Bestatteten beigegebenen Scheibenfibeln Granate aus Indien und Sri Lanka verarbeitet wurden. Godavaya hatte über den Walawe-Fluss eine gute Anbindung an wichtige Lagerstätten des Granats und die Abbaugebiete von Edelsteinen im Walawe-Becken. Bis in das 6. Jahrhundert hinein war Godavaya somit ein wichtiger Transithafen an der Seidenstraße des Meeres. Per Schiff gebrachte Waren aus dem Westen wurden mit Gütern wie Seide getauscht, die Schiffe aus Chinesischen Meer brachten. Schiffe mussten daher nicht unbedingt weiter östlich, bzw. westlich als bis nach Godavaya respektive Sri Lanka fahren. Aus dem Inland konnten die Waren über den Walawe-Fluss und seine parallel verlaufenden Kanäle den Seehafen ebenso erreichen, wie umgekehrt dort anlandende Güter umgeschlagen und mit Lastenkähnen mit flachen Böden und geringem Tiefgang leicht ins Landesinnere transportiert werden konnten.

Godavaya war später auch der Seehafen der mittelalterlichen (11. Jahrhundert) südlichen Hauptstadt Maha Nagakula, die am flussaufwärts an den Ufern des Walawe Ganga lag.http://members.tripod.com/hettiarachchi/port.html W. I. Siriweera Ports in ancient Sri Lanka

Ausgrabungen Ab 1994 führte ein Team von Archäologen der Universität Bonn unter der Leitung von Helmut Roth (1994–2003), Udo Recker (1994–1996) und Oliver Kessler (1994–2005) in Kooperation mit dem Archaeological Department Sri Lankas unter deren Generaldirektoren S. U. Deraniyagala und W. H. Wijeyapala und der Kommission für Allgemeine und Vergleichende Archäologie/Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen als Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts Ausgrabungen in Godavaya durch. Zahlreiche Funde belegen die Bedeutung Godavayas als Hafen und Handelsort an der maritimen Seidenstraße und zeugen von den antiken Seehandelswegen von China im Osten über den Indischen Ozean bis zum Roten Meer und das Mittelmeer nach Europa.

Zu den Funden gehören: Antike spätrömische Münzen und Chinesische Keramik aus der Zeit der Drei Reiche Perlen und Armreife Ziegel mit Gildenmarken in Form eines „O“ ein antiker Landungssteg, errichtet auf bis zu 3,50 Meter hohen Pfeilern aus Granit ein großer antiker Steinanker, der bei einer Unterwasserprospektion lokalisiert und gehoben wurde

Kloster Gota Pabbata Rajamaha Vihara Auf einem der höchsten Punkte der Felsformation liegt das die Umgegend überragende, frühbuddhistische Kloster Gota Pabbata Rajamaha Vihara, das spätestens seit der Herrschaft von König Gajabahu I. ein religiöses und administratives Zentrum war. Die Brahmi-Inschrift auf einem Felsen neben dem alten Schrein ist der einzige bislang bekannte Beleg für die Übertragung der Zolleinnahmen eines Seehafens an ein buddhistisches Kloster im Raum des Indischen Ozeans zu jener Zeit. Denn für gewöhnlich war es allein dem König vorbehalten Abgaben wie Steuern und Zölle zu erheben. In Godavaya wurden die Steuereinnahmen dem Tempel für dessen Instandhaltung als königliches Privileg gestiftet.

Das Klosterareal wurde zwischen 1997 und 2005 von einem Team unter der Leitung des Archäologen Oliver Kessler ausgegraben. Sie entdeckten ein erhöhtes antikes Bildhaus (Buddhu Gedera) und ein Kapitelhaus (Dharma Salawa) an der Westseite des Klosters. Im Imagehouse wurden Fragmente einer stehenden Buddha-Statue von ehemals etwa 3,50 Metern Höhe und von zwei Bodhisattva-Statuen von ehemals jeweils etwa 1,80 Metern Höhe gefunden. Farbreste zeigten, dass die aus der Zeit vor dem 8. Jahrhundert stammenden Statuen einst bemalt waren.

Zollgebäude Das Grabungsteam fand auch einen an der Ostmauer zum Seehafen hin gelegenen Ziegelbau mit fast quadratischem Grundriss von etwa 10,50 × 11 Metern, der mit einem umlaufenden Fries aus gebrannten Ziegeln versehen war, die jeweils einen Elefanten zeigen, der seinen Rüssel in das Zentrum einer Lotusblüte legt.

Zahlreiche Tonsiegel und Siegelabdrücke, davon einer mit der heraldischen Darstellung eines Löwen, belegen das Versiegeln von Waren und Ladungen, wohl zum Nachweis für die entrichtete Zollgebühren und Abgaben.

Steinbruch In unmittelbarer Nähe zum Hafen wurde unterhalb des großen, namengebendem Felsen auch ein antiker Steinbruch entdeckt. Dort befinden sich unfertig bearbeitete Granitpfeiler und Quelllöcher im anstehenden Granit zeugen von der Technik, mit der man zur mittleren Anuradhapura-Zeit vor dem 5. Jahrhundert Quader aus dem harten Gestein sprengte.

Schiffswrack Im Jahr 2000 führten fortgesetzte Unterwasserprospektionen, mittels derer zuvor bereits der Steinanker gefunden werden konnte, zur Lokalisierung eines Schiffswracks, dass durch zur Probe geborgene Keramikscherben in das 2. Jahrhundert v. Chr. datiert werden konnte. Unter der Ladung und Ausstattung des Schiffes wurden neben Keramik vom Typ der "Black and Red - Ware" (BRW) unter anderem ein kleiner "Steinthron" mit frühbuddhistischer Ikonographie und große Mengen an Rohglas und Roheisen gefunden. Es handelt sich beim "Godavaya-Wreck" um das älteste bislang im Indischen Ozean gefundene Schiffswrack.Oliver Kessler: Environment, Infrastructure and Nature of Ports in Ancient Sri Lanka: the Archaeological Evidence from the Port, Monastery, Town and Shipwreck of Godavaya (Godapavata Pattana). In: Boussac, Marie-Françoise/Salles, Jean-François/Yon, Jean-Baptiste (Hrsg.): Ports of the ancient Indian Ocean. Delhi: Primus Books 2016, S. 435–458, ISBN 978-9384082079

Godavaya-Wildtierreservat Godavaya ist die Heimat von fünf der sieben weltweit bedrohten Meeresschildkrötenarten: der Echte Karettschildkröte, der Lederschildkröte, der Grünen Meeresschildkröte, der Unechten Karettschildkröte und der Oliv-Bastardschildkröte.http://members.tripod.com/hettiarachchi/port.html W. I. Siriweera Ports in ancient Sri Lanka Es wird vermutet, dass die Lederschildkröten Sri Lankas und der Nikobaren eine separate, genetisch eigenständige Subpopulation im Indischen Ozean bilden.

Ein 3,85 Kilometer langer Strandabschnitt bei Godavaya wurde am 10. Mai 2006 von der Regierung Sri Lankas gemäß der Verordnung zum Schutz der Fauna und Flora zum Wildtierschutzgebiet („Godavaya-Schutzgebiet“) erklärt. Es erstreckt sich 500 Meter ins Meer und 100 Meter vom Hochwasserstand landeinwärts.

Die seewärtige Grenze umfasst den aquatischen Lebensraum der Schildkröten, darunter hauptsächlich Korallenriffe und die Orte, wo sie Nahrung suchen und sich ausruhen, während die landseitige Grenze insbesondere ihre Nistplätze an Land einschließt.

Tsunami Als der Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 Sri Lanka traf, suchten die Bewohner des Fischerdorfes und der Ortschaft Godavaya, zusammen mit zwei Archäologen Zuflucht im hoch über dem Meer gelegenen Felsentempel.https://idw-online.de/de/news95610 Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass es, im Gegensatz zu den Tausenden von Toten in dem umliegenden Gebiet von Hambantota, in Godavaya keine Todesopfer, sondern nur massive Sachschäden gab.http://members.tripod.com/hettiarachchi/port.html W. I. Siriweera Ports in ancient Sri Lanka Lange Zeit war das Schicksal der einzelnen Mitglieder des Grabungsteams allerdings unklar, und Oliver Kessler koordinierte als Projektleiter der Ausgrabung zunächst die Such- und im Anschluss vor Ort auch die Hilfsmaßnahmen.

Literatur Jahresbericht des DAI. Archäologischer Anzeiger 2009/1, Beiheft, S. 358–360. Zoltán Biedermann: Sri Lanka at the Crossroads of History. London 2017, ISBN 9781911307839, S. ?. Oliver Kessler: The Discovery of an Ancient Sea Port at the Silk Road of the Sea. Archaeological Relics of the Godavaya Harbaour. In: M. Domroes/Helmut Roth (Hrsg.): Sri Lanka, Past and Present. Weikersheim 1998, S. 12–37. Oliver Kessler mit Helmut Roth/U. Recker/W. Wijeypala: The Godavaya Harbour Site. Report on the Excavations 1994–1997. In: H.-J. Weisshaar/Helmut Roth/W. Wijeypala (Hrsg.): Ancient Ruhuna. Sri Lankan-German Archaeological Project in the Southern Province, Vol. 1. Zabern, Mainz 2001, S. 291–326. Oliver Kessler: Der spätantik-frühmittelalterliche Handel zwischen Europa und Asien und die Bedeutung des Almandins als Fernhandelsgut. In: E. Pohl/U. Recker/C. Theune (Hrsg.): Archäologisches Zellwerk, Beiträge zur Kulturgeschichte in Europa und Asien. Festschrift für Helmut Roth zum 60. Geburtstag (= Internationale Archäologie. Studia honoraria. Bd. 16). Rahden/Westf. 2001, S. 113–128. Oliver Kessler (2003): The Excavations at Godavaya (Godapavata Patana). An ancient Sea Port and Trading Station at the Silk Road of the Sea. In: Administration Report for Ceylon 1996. Colombo 2003, S. 48–50. Oliver Kessler: Excavations at Godavaya and a Recently Unearthed, Hitherto Unknown 2nd Century Inscription of King Gajabahu I. In: Ellen M. Raven (Hrsg.): South Asian archaeology 1999. Proceedings of the fifteenth International Conference of the European Association of Southeast Asian Archaeologists, held at the Universiteit Leiden, 5–9 July 1999 (= Gonda Indological Studies 15). Groningen 2008, S. 271–287.