Gerhard Hahn (* 1956 in Bendorf) ist ein deutscher Bildhauer.

Leben mini|„Die Sprache der Bäume“, Projekt Transitus, 2023 mini|„Poros“, Projekt Technophobia mit der Deutschen Poroton, Brück/Berlin 1996 mini|„Iron Man“, Eisenguss, 1997, Kohler WI/USA mini|„Das Sichtbare und das Unsichtbare“, 1995, Terrakotta, DASA Arbeitsweltausstellung, Dortmund mini|„Lord of the (F)lies“, Projekt Interference mit der Schunk Ingenieurkeramik GmbH, 3D-Druck, Siliciumcarbid, 2016, Foto Birgitta Thaysen Gerhard Hahn studierte von 1977 bis 1981 Verfahrenstechnik der Keramik an der Fachhochschule Koblenz am Standort Höhr-Grenzhausen und schloss das Studium als Ingenieur ab. Als solcher war er anschließend bis 1984 bei Firma Rosenthal in Landstuhl tätig. Ein Gefäßkeramikstudium an der Gesamthochschule Kassel sowie ein Keramik-Designstudium an der Fachhochschule Niederrhein mit Diplom führten ihn letztlich von 1989 bis 1993 zum Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Magdalena Jetelová.

Seit 1992 arbeitet Hahn freikünstlerisch. 1990 erhielt er den 1. Preis im Landeswettbewerb Kunst und Künstler aus Rheinland-Pfalz. Für seine Projekte erhielt er Projektstipendien und Förderungen der Stiftung Kulturfonds(1996), des John Michael Kohler Arts Center (1997, 2001 und 2013), des Landes Rheinland-Pfalz (1998) sowie der Käthe-Dorsch-Stiftung (1999).

Hahn hatte seit 1995 verschiedene Lehraufträge inne. Er lehrte als Dozent an der Universität der Künste Berlin und leitete dort die Keramikwerkstatt,Universität der Künste Berlin war Gastprofessor an der Hochschule Anhalt (ehem. Bauhaus Dessau) und hatte Gastdozenturen am Londoner St. Martins College of Art, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und der Hochschule für Kunst und Design Halle. Vertretungsprofessuren im Fachbereich Freie Kunst übernahm er im Jahr 2000 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (in Vertretung für Giuseppe Spagnulo) sowie 2001 an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Von 2002 bis 2021 war er Professor für Keramik-, Porzellan- und Glasdesign sowie Dreidimensionales Gestalten an der Hochschule Niederrhein in Krefeld.

Gerhard Hahn ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund.

Werk Hahn arbeitet häufig mit keramischen Materialien und realisiert großformatige Skulpturen. Es sind in der Regel Hohlkörper, die bewusst die Analogie zwischen Natur, Zelle, Körper und vom Menschen Geschaffenem (Gerät oder Maschinen) sucht. In seiner keramischen Arbeit geht sein Formwille eine Synthese mit der elementaren Dynamik von Erde, Wasser, Luft und Feuer ein. Auch wendet er die steinzeitlichen Schwarzbrand-Technik an, wobei Ruß großflächig in die porösen Oberflächen eindringt und diese zufallsbeeinflusst schwarz färbt. Diese Technik entwickelte Hahn technisch, ästhetisch und insbesondere auch grafisch zu Bildtafeln weiter.

Hahns zentrales Thema ist die Befindlichkeit des Menschen zwischen seiner inneren wie auch der ihn umgebenden, äußeren Natur und den von ihm selbst geschaffenen technischen und digitalen Welten. Ab 1996 initiierte Hahn neben seiner Atelierarbeit zahlreiche künstlerische interdisziplinäre Kooperationen mit und in materialverarbeitenden Industriebetrieben. Verbunden mit der Nutzung der spezifisch in den Fabrikationen vorgefundenen Materialien und Produktionsstrukturen entwickelt er seine künstlerischen Ideen. Mit der Einbeziehung von manuellen Eingriffen und beobachteten Fehlern in seine Werkprozesse verleiht er seinen Projekten eine menschliche Dimension und schafft Identifikation für alle Beteiligten in einer weitgehend anonymen Arbeitswelt. Die Konfrontation und Verschmelzung seiner künstlerischen Denkweise mit industriellen und digitalen Produktionsstandards ist ein künstlerisches, technisches und kommunikatives Experiment. Hahns Werk zelebriert die Technik und hinterfragt sie zugleich im größeren kulturellen Kontext.

In seinen Projekten kamen unter anderem tonkeramische Materialien, Siliziumcarbid (Technische Keramik), Gusseisen, pneumatische Systeme sowie Recyclingmaterialien zum Einsatz. In späteren Projekten nutzte Hahn auch 3D-Drucktechnologien sowie damit verknüpfte digitale, dreidimensionale Videoprojektionen.

Werke in öffentlichen Sammlungen und im öffentlichen Raum (Auswahl) Kultusministerium Rheinland-Pfalz, Mainz (1995) Sparkassenverband Rheinland-Pfalz, Mainz (1995) Landesmuseum Koblenz (1998) Kunstsammlung Kohler Co., Wisconsin/USA (1999) DASA – Arbeitswelt Ausstellung, Dortmund (2000) J. M. Kohler Arts Center, Sheboygan/USA (1997, 2002, 2013)

Werke (Auswahl) Poros – Projekt „Technophobia“, 1996 Iron Man – Kohler Co., Wisconsin/USA, 1997 Das Sichtbare und das Unsichtbare – DASA Dortmund, 2000 Hybris – Projekt „Sub Urban“, Berliner Bildhauerwerkstätten, 2005 Ganglion – Projekt „Pneuma“, Helios Ventilatoren GmbH, 2008 Lord of the (F)lies, Projekt „Interference“, Schunk Ingenieurkeramik GmbH, 2016 Die Sprache der Bäume – Projekt „Transitus“, 2023

Literatur Gerhard Hahn: Kunst- & Industrie-Projekte. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2000. Technophilia. Gerhard Hahn in der Henrichshütte. Bildband. Hrsg.: LWL-Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Klartextverlag Essen 2016, ISBN 978-3-8375-1417-9. Gerhard Hahn: Kunst & Design aus Siliziumcarbid. Ausstellungskatalog. Wienand Verlag, Köln 2021, ISBN 978-3-86832-629-1.

Weblinks

Website von Gerhard Hahn Künstlerprofil beim John Michael Kohler Arts Center 3D-Druck-Projekt „Interference“ (Video, 2016–2019) Projektstipendium „Adoratio“, Kohler Co. (Video, 2013) Projekt „Die Sprache der Bäume“ (Video, 2023)

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Mann