mini|Renault 4 GTL bei der 4L Trophy 2011

Der Renault 4 (kurz „R4“, in Frankreich „Quatrelle“ [katʁɛl])Quatrelle = [Renault] 4L. "quatre" + "L" ( gesprochen "elle" )Ein Leben für die „Quatrelle“ bei spiegel.de, abgerufen am 5. Januar 2012 ist ein Kleinwagen von Renault (Régie Nationale des Usines Renault), der von Sommer 1961 bis Ende 1994 hergestellt wurde.Oldtimer Markt, VF Verlagsgesellschaft mbH, Ausgabe Januar 2025, ISSN 0943-7320, S. 10. Er war das erste Großserienfahrzeug in Kompaktbauweise mit einteiliger, oben angeschlagener Heckklappe („fünfte Tür“) und der erste Renault-Pkw mit Frontantrieb. Der am Markt sehr erfolgreiche Wagen wurde während der Produktionszeit von 33 Jahren über acht Millionen Mal verkauft.

Im Jahr 2022 zeigte Renault mit dem Concept Car 4Ever Trophy ein Sport Utility Vehicle, das optische Anleihen beim Renault 4 nahm. Auf dem Pariser Autosalon 2024 präsentierte Renault das batterieelektrisch angetriebene Serienmodell 4 E-Tech, das seit März 2025 verkauft wird.

Modellgeschichte Allgemeines Am 28. August 1961 präsentierte Renault in der französischen Presse als preisgünstigen Pkw sein internes Projekt R112Das vorangestellte R stand für Régie (Staatsbetrieb), die ersten drei Ziffern bezeichneten das Projekt und die letzte Ziffer die Version.Pourquoi VH? in: Ferrovissime Nr. 32, Mittelteil „Les portraits du rail“, S. 10. unter dem Namen „R4“, das 1965 offiziell in „Renault 4“Die Ziffer 4 resultiert aus der entsprechenden Steuerklasse. umbenannt wurde. Die sehr einfache, aber funktionsgerechte Konstruktion mit planer Verglasung, Blechformgebung ohne größere Ziehtiefen, ebenem Wagenboden und sehr einfacher Ausstattung ermöglichte nicht nur eine kostengünstige Produktion, sondern auch eine geringe Fahrzeugmasse.Renault 4 – rollende Zweckmäßigkeit. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1962, S. 24–27

Auf der IAA in Frankfurt am 21. September 1961 war er ein „Messestar“.Autobild, Nr. 49, 10. Dezember 2010, Seite 59 Erste Tests des „Renault R4“ (L) erschienen schon im Vorfeld der Frankfurter Automobilausstellung.Heinz Bühler: Das erste wartungsfreie Auto Europas: Renault R4. In: hobby Nr. 9, September 1961 (Titel und S. 86 ff.) Anfang Oktober 1961 wurden im Vorfeld des Pariser Autosalons 200 weiße R4 am Palais de Chaillot vorgeführt, die dann später für eine Probefahrt herangewinkt werden konnten (« Prenez le Volant » = ‹Nehmen Sie das Steuerrad›) damals eine für Renault bemerkenswerte Marketing-Maßnahme.60 Jahre Renault 4: Gala im Palais de Chaillot, abgerufen am 21. September 2021.

Im August 1967 wurde der R4 erstmals tiefgreifender modifiziert. Die äußerlichen Änderungen umfassten einen neuen eloxierten Alu-Kühlergrill mit Mittelstrebe, dessen breitere Einfassung die Scheinwerfer einbezog (Der Renault-Rhombus war links in der Strebe angebracht) sowie neue, voluminösere Stoßstangen, die bis Produktionsende blieben. Der Schriftzug befand sich, ebenfalls asymmetrisch, auf dem rechten vorderen Kotflügel. Die wichtigste Neuerung war das Vierganggetriebe statt des Dreiganggetriebes. Geschaltet wurde weiterhin mit einer „Krückstockschaltung“, da das Getriebe vor dem Motor eingebaut war.

Im Herbst 1973 erhielt der R4 das Getriebe des R5 und R6 mit „normalem“ Schaltschema.

Im Herbst 1974 erhielten die R4-Modelle, ähnlich wie der größere Renault 16, einen schwarzen Plastikgrill. Das Renault-Signet, der Rhombus, befand sich nun wieder zentral im Kühlergitter.

Von Mitte 1976 bis Ende 1978 wurde ein zunächst in zwei Farben lieferbares Sondermodell mit dem Namen „Safari“ angeboten, mit seitlichen Gummileisten und bunten Gummizug-Sitzen mit integrierten Kopfstützen.

Ab 1977 wurden vorn eckige Stand- und Blinklichter eingebaut. Das Auspuffrohr wurde für manche Exportländer bis zum Heck verlegt. Für Deutschland blieb, mit Ausnahme des R4GTL, der Austritt auf der linken Seite vor dem Hinterrad. Der Auspufftopf saß im linken, vorderen Radkasten.

Mit der Einführung des Renault 4 GTL (1108 cm³ mit 34 PS) erhielt dieser Anfang 1978 einen Grill aus grauem Kunststoff und serienmäßigen seitlichen Schutzleisten aus verstärktem Kunststoff. Die Stoßstangen wurden lackiert statt verchromt und die Zierleisten entfielen. Die vorderen Trommelbremsen wurden erst 1982 durch die Scheibenbremsen des R6 ersetzt.

1982 / 1983 wurde der R4 ein letztes Mal tiefgreifender überarbeitet: Die Türscharniere wurden versenkt, die Heckklappenscharniere verkleinert, das Armaturenbrett wurde ähnlich dem R5 neu gestaltet. Grauer Grill für alle Modelle. Die seitlichen Chromleisten entfielen und die Modelle mit 1108 ccm bekamen eine „gewöhnliche“ Handbremse zwischen den Sitzen.

Varianten Dank des Plattformrahmens konnten auch andere Karosserien montiert werden. So gab es zwischen Oktober 1961 und Ende 1992 den R4 als Fourgonnette = „kleiner Lieferwagen“ bzw. später unter der Bezeichnung: Renault 4 F4. Er hatte dasselbe Nutzlast-Leermasse-Verhältnis wie die Kombilimousine, jedoch 1,885 m³ Laderaum im verbreiterten und erhöhten Aufbau.Studie über Kleintransporter und Kleinlieferwagen. Kraftfahrzeugtechnik 1/1965, S. 17/18. Zwischen Anfang 1975 und Ende 1990 gab es ihn auch als Renault 4 F6 mit 12 cm längerem Radstand, 8 cm längerem hinterem Überhang und damit mit 20 cm längerem Aufbau, sowie von 1968 bis 1971 als Cabrio (R4 Plein Air genannt) und von Herbst 1970 bis Mitte 1981 mit Kunststoffaufbau als Renault Rodéo 4. Auch ein Pick-up wurde gebaut.

In Kolumbien gab es den R4 auch mit einem 1289-cm³-Motor aus dem R12, der Geschwindigkeiten bis zu 145 km/h ermöglichte. In Kleinserie wurde der Renault R4 von Sinpar mit zuschaltbarem Allradantrieb versehen. Rahmen, Fahrwerk, Getriebe sowie zum Teil der Motor des R4 wurden auch im von Herbst 1968 bis zum Frühjahr 1986 hergestellten Renault 6 verwendet.

Technik mini|Fahrgestell mit Fahrwerk und Motor mini|Charakteristischer Schaltknüppel

Der längs eingebaute Fronttriebsatz bedingte eine lange Motorhaube und relativ langen Radstand. Der weitgehend ebene Fahrzeugboden und die kompakten Radaufhängungen mit Drehstabfedern und nahezu horizontal angeordneten Teleskopstoßdämpfern hinten ließen eine gute Raumausnutzung der überdurchschnittlich hohen Karosserie zu. Dank des niedrigen Leergewichts war die Leistung von 26 PS (19 kW) bis 34 PS (25 kW) der Vierzylinder-Reihenmotoren mit seitlicher Nockenwelle und hängenden Ventilen ausreichend. Im Gegensatz zu vielen anderen populären Kleinwagen seiner Zeit (VW Käfer, Citroën 2CV, FIAT 500, Trabant P50), war der R4 wassergekühlt. Der R4 war ein Meilenstein in der Wartungsvereinfachung: Er war das erste Großserienauto mit dauergeschmierten Gelenken ohne Schmiernippel. Das Kühlsystem hatte erstmals einen Ausgleichsbehälter, der Kühlwasserverlust vermied. Dieser war anfangs versteckt im Radkasten und sollte ohne Kontrolle und Wartung funktionieren. Später wurde ein transparenter Behälter aus Glas, später Kunststoff, im Motorraum eingebaut, der eine Füllstandskontrolle ermöglichte.Renault 4 – rollende Zweckmäßigkeit. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1962, S. 24–27 mini|Technische Daten im Renault-4-Prospekt von 1988 Der R4 hatte einen Plattformrahmen, mit dem eine Ganzstahlkarosserie verschraubt war. Die Räder waren einzeln aufgehängt und mit Drehstäben gefedert, vorn an unteren Traghebeln mit Schubstreben und oberen Dreieckslenkern, hinten an längs eingebauten Schwingen. Die hinteren Drehstäbe waren längs versetzt, daher war der Radstand links und rechts um 4 Zentimeter unterschiedlich – wie auch bei den Modellen Renault 5, Renault 6 und Renault 16. Die Federung war, wie zu dieser Zeit bei französischen Pkw üblich, sehr langhubig und weich ausgelegt, ohne dabei schwammig zu werden. Die Leuchtweite war deshalb mit kleinen Hebeln an den Scheinwerfern (passend zur Zuladung) verstellbar. Die Karosserie kam mit geringen Ziehtiefen der Bleche und rundum planen Fensterscheiben aus, was dazu beitrug, den Produktionsaufwand gering zu halten. Die Innenausstattung der frühen Modelle fiel mit kaum vorhandenen Verkleidungen und primitiven Rohrrahmensitzen äußerst spartanisch aus. Als Sonderausstattung gab es ein Stofffaltdach, das je zur Hälfte von vorn und hinten zu öffnen war. Der Schalthebel des vor dem Motor weit entfernt liegenden Getriebes wurde mit einer Verlängerungsstange (Rundrohr) über dem Motor betätigt, der sogenannten Schiebestock-, Spazierstock-, Krückstock- oder Revolverschaltung.

Die ersten Renault 4 hatten vier Trommelbremsen. Spätere Modelle mit größerem Motor (je nach Landesausführung 956 oder 1108 cm³) hatten Scheibenbremsen an der Vorderachse. Vor dem Motor waren das Schaltgetriebe mit dem Differentialgetriebe und darüber die Zahnstangenlenkung eingebaut, was eine flache und lange Lenksäule bedingte, die bei einem Frontalaufprall in den Fahrgastraum eindringen und den Fahrer gefährden konnte. Bis 1967 wurde ein Dreiganggetriebe eingebaut, danach eines mit vier Gängen. Die Zahnräder des 4. Ganges saßen unter einem zusätzlichen Deckel vor dem ansonsten senkrecht längs geteilten Aluminium-Getriebegehäuse. Daher war es etwas länger und der vordere Querträger war deshalb nach vorn gekröpft. Diese Getriebe hatten ein „Z“-Schaltschema, das heißt Rückwärtsgang und 1. Gang lagen sich gegenüber, was praktisch zum Herausschaukeln nach Steckenbleiben in schwierigem Gelände war. Die Eingangswelle ragte nach vorn heraus, sodass der Motor mit der Wagenheberkurbel gestartet werden konnte, die durch die Stoßstange und den Rahmen zum Getriebe eingeführt wurde. Ab 1975 produzierte Wagen hatten die gleichen Getriebe wie der Renault 5 mit Graugussgehäusen und „H“-Schaltung. Ab 1971 konnten die R4 nicht mehr mit der Wagenheber-Kurbel gestartet werden und hatten daher auch nicht mehr das charakteristische Loch in der Stoßstange, das Loch in der Bodengruppe blieb jedoch. Die R4 bis 1970 hatten noch 6-Volt-Bordspannung, in den ersten Jahren wurde der Anlasser über einen Seilzug unter dem Armaturenbrett eingerückt und eingeschaltet. Die Fahrzeuge hatten schon von Anfang an einen Bremskraftregler, in den 1970er Jahren auch lastabhängig. Die Sitzlehnen waren anfangs starr, später wurden stufenlos verstellbare Rücklehnen an den Vordersitzen eingeführt.

Die Motorleistung wurde im Laufe der Jahre nur unwesentlich erhöht, bei den ersten ab 1961 gebauten Fahrzeugen von ca. 21 PS über 26,5 PS auf 34 PS (ab August 1970) bis zum Ende der Produktion. 1978 brachte Renault zusätzlich den R4 GTL mit 1108 cm³ (Normalausführung 845 cm³) auf den Markt, der bei unveränderter Höchstleistung mehr Durchzug bot, aber weniger Kraftstoff verbrauchte. Ab 1983 hatten die kleineren Modelle aus Umweltschutzgründen nur noch 29 PS, lediglich die Ausführung GTL hatte 34 PS. In Österreich wurden alle Versionen mit 34 PS ausgeliefert, nach Einführung der Drei-Wege-Katalysator-Pflicht (mit Lambdasonde) wurde der Vertrieb in Österreich eingestellt. Eine Ausnahme war der Renault Rodéo, der im Herbst 1970 zunächst als Rodéo 4 mit ebenfalls 845 cm³ auf dem Markt erschien. Im Herbst 1972 folgte der Rodéo 6, der über 1108 cm³ Hubraum und 45 PS verfügte. Im Sommer 1981 löste der Rodéo 5 mit 1280 cm³ und 45 PS beide Modelle ab.

Im Oktober 1962 stellte der Umbauspezialist Sinpar am Pariser Autosalon mit Genehmigung von Renault das erste Modell eines auf Allradantrieb umgerüsteten Renault 4 vor. Renault zeichnete in der Folge auch für den Vertrieb und die Wartung dieses Fahrzeugs verantwortlich. Die Umrüstung erfolgte anfangs hauptsächlich beim Typ 4L und wurde während der langen Produktionszeit des Renault 4 laufend an dessen Veränderungen angepasst. Nach der Übernahme von Sinpar durch Renault im Jahr 1980 wurde diese Aufgabe von der SOMAC (Société de Montage Autos Camions) übernommen. War der R4x4 am Anfang einer der wenigen normalen PKW mit Allradantrieb, überholten ihn am Ende der Produktionszeit viele Mitbewerber.