mini|hochkant=0.5|Wappen der früheren Gemeinde Bad Gams
Bad Gams ist ein Marktort in der Weststeiermark. Er war bis Ende 2014 eine Marktgemeinde mit 2306 Einwohnern (Stand 2014) im Südwesten der Steiermark im Bezirk Deutschlandsberg (ehemaliger Gerichtsbezirk Stainz). Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform wurde Bad Gams 2015 mit den Gemeinden Deutschlandsberg, Freiland bei Deutschlandsberg, Kloster, Osterwitz und Trahütten zur Stadtgemeinde Deutschlandsberg zusammengeschlossen. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.§ 3 Abs. 2 Z 1 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. . S. 2. Ein Fusions- und Entwicklungsvertrag mit Deutschlandsberg und Kloster wurde bereits am 18. November 2013 unterzeichnet.Wochenzeitung Weststeirische Rundschau. 22. November 2013. 86. Jahrgang Nr. 47. , S. 3.248. Newsletter der Stadtgemeinde Deutschlandsberg vom 26. November 2013.
Der kleine Kurort liegt rund 30 km von Graz entfernt. Wichtige Einnahmequellen sind der Tourismus und der Weinbau. Alte Bauernhäuser mit typisch spitzwinkeligen weststeirischen Ziegeldächern zeugen neben alten Hügelgräbern aus der Zeit der Kelten von früher Besiedelung am Fuße des 800 Meter hohen Gamsgebirges.
Geographie Geographische Lage Bad Gams liegt im steirischen Hügelland der Region Weststeiermark. Die südliche bis westliche Grenze wird durch die Laßnitz und das Wildbachtal gebildet. Im Nordwesten verläuft die Grenze über den Reinischkogel und den Absetzwirt zum 1.362 Meter hohen Rosenkogel, ein beliebtes Wandergebiet für die Bewohner des Umlandes und der Landeshauptstadt Graz. Bad Gams verfügt über einen großzügigen, künstlich angelegten Badesee, der neben weitläufigen Wiesen- und Kulturflächen mit zahlreichen Streuobstbäumen, das Ortsbild von Bad Gams prägt. Das milde Klima lässt im Herbst Edelkastanien und Kürbisse reifen.
Bad Gams liegt an der Ostgrenze des Koralpenzuges, an der Grenze des kristallinen Gesteins (Gneis, Amphibolite usw.) zu den Gesteinen (Schottern, Brekzien usw.) aus dem Neogen (früher Tertiär genannt), die das Grazer Becken bilden. Gams liegt teilweise auf einem der acht publizierten Plattengneisgebiete in der östlichen Koralpe, des „Komplex Gams“.Peter Beck-Mannagetta, Martin Kirchmayer: Die Quarz-, Glimmer- und Feldspatkorngefüge in den acht Plattengneis-Komplexen der Koralpe. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. Band 131, Heft 4. Wien 1988 (S. 505–532 [PDF; 2,2 MB]) grafische Darstellung: S. 506.
Geologie Die Gesteine, auf denen Bad Gams liegt, sind wissenschaftlich eingehend untersucht.Peter Beck-Mannagetta: Zur Tektonik des Stainzer- und Gamser-Plattengneises in der Koralpe (Steiermark). Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt. 90. Jahrgang, Wien 1945, S. 151–180 (). Die Bäche sind teilweise tief in das Kristallin eingeschnitten. Die steilen Hänge dieser Täler führen zu Hangrutschungen, durch welche Mineralienfundstellen erschlossen werden.G(ernot) Weissensteiner: Mineralien der Koralpe. 1. Sonderband der Vereinszeitschrift Die Eisenblüte. Vereinigung steirischer Mineraliensammler, Graz 1979. Auch Straßenbauten (insb. für Forststraßen) und Steinbrüche machen Fundstellen, z. B. für Granate, zugänglich. In der Katastralgemeinde Sallegg werden entlang des Wildbachtales Fundstellen durch an die hundert Pegmatite unterschiedlicher Mächtigkeit (vom Dezimeter-Bereich bis zu 20 Meter und mehr) gebildet. Bei ihnen wurden in kleinen Mengen mit Kristallen in Millimetergröße Uranminerale (Autunit, Torbernit, Uraninit), Uranopale, Turmalin, Zirkon, Dumortierit und andere Mineralien gefunden.Gernot Weissensteiner: Mineralfunde von der „Hohen Lassnitz“, Koralpe. In: Der Steirische Mineralog. Sammlerzeitschrift für Mineralogie und Paläontologie. Herausgegeben von der Vereinigung Steirischer Mineraliensammler – VStM Graz. Jahrgang 10/2000, Heft 14, S. 9–14.
Nachbarorte Kloster Stainz Marhof Rassach Freiland bei Deutschlandsberg Deutschlandsberg Frauental an der Laßnitz
Kleinregion Die Gemeinde Bad Gams war eines der sechs Mitglieder des Gemeindeverbandes „Kernraum Bad Gams – Deutschlandsberg – Frauental“ (mit Kloster, Osterwitz und Freiland). In diesem Gemeindeverband sollten die Aufgaben von Straßenerhaltung, Einkauf und die Kinder- und Jugendbetreuung gemeinsam erledigt werden. Der Verband konstituierte sich am 9. Dezember 2010. Er hat Rechtspersönlichkeit und beruht auf freiwilliger Vereinbarung. Sein Sitz ist Frauental,Wochenzeitung Weststeirische Rundschau. Nr. 50 vom 17. Dezember 2010. 83. Jahrgang 2010, S. 1. seine rechtliche Basis § 38a der Gemeindeordnung.Steiermärkische Gemeindeordnung in der Fassung der Änderung im Landesgesetzblatt Nr. 92, ausgegeben am 4. September 2008, 27. Stück, Seite 304 in Verbindung mit § 2 Abs. 1 des stmk. Gemeindeverbandsorganisationsgesetzes (GVOG) 1997.
Am 29. September 2013 fand auf das gemeinsame Begehren der drei Oppositionsparteien gegen den Willen der Regierungspartei eine Volksbefragung (gemäß § 159 Stmk. Volksrechtegesetz) zur Fusion mit der Bezirksstadt Deutschlandsberg statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 45 % sprachen sich 74 % der Teilnehmer, somit insgesamt 34 % der Wahlberechtigten ausdrücklich auf diesem Weg gegen eine Fusion aus.
Geschichte Prähistorische Zeit In der Katastralgemeinde Sallegg, am Lauf des Wildbaches (Wildbachgraben), wurden zwei „Feuersteinknollen“ aus Jaspis und andere Silexgeräte gefunden. Diese Stücke befinden sich mit anderen Steinwerkzeugen im Museum der Burg Deutschlandsberg und deuten auf eine Siedlung aus prähistorischer Zeit in diesem Gebiet.Michael Brandl: Silexlagerstätten in der Steiermark. Österreichische Akademie der Wissenschaften ÖAW, Philosophisch-historische Klasse, Mitteilungen der Prähistorischen Kommission Band 69. Vorgelegt in der Sitzung am 20. Juni 2008. Verlag der ÖAW Wien 2009. ISBN 978-3-7001-6489-0, , S. 59–61, Bild auf Seite 72.
Mittelalter Bad Gams verdankt seinen Namen den Slawen, die Ende des 6. Jahrhunderts in die heutige Weststeiermark einwanderten. Der Name stammt von den slawischen Wörtern Kamnice (Steinbruch) oder Gamenic (Stein) ab. Ab dem 8. Jahrhundert mussten die Slawen die Oberhoheit der Baiern anerkennen, Ende des 9. Jahrhunderts besetzten die Ungarn Teile der Steiermark. Erst 1043 konnte König Heinrich III. die Ungarn im Kampf gegen Sámuel Aba endgültig aus der Mittelsteiermark vertreiben. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Raum Bad Gams im Jahr 1100 in einer Schenkungsurkunde Salzburger Erzbischofs Tiemo, der dem Stift Admont eine Viertelhube in Hohenvelt (Hohenfeld) schenkte. Die Besitzungen bei Gams wurde vom Stift Admont durch dessen Propstei in St. Martin bei Strassgang verwaltet.
Das Gebiet von Sallegg wurde 1265 als Dorfstetten bezeichnet.Rupert Pitter: Wildbach. Geschichte eines weststeirischen Edelhofes. In: Blätter für Heimatkunde. Band 8, Graz 1930, S. 14 (historischerverein-stmk.at). Der Namensteil Sal- bezeichnet eine (rechtlich) übergebene SiedlungsstelleSal (althochdeutsch sala). In: Jakob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 14 R-Schiefe. Leipzig 1893, Spalte 1678 Zeile 42. Nachdruck Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1991, ISBN 3-423-05945-1. dtv 5945. Gliederung zitiert nach: Der digitale Grimm – Elektronische Ausgabe der Erstbearbeitung. Version 12/04. Zweitausendeins, Frankfurt am Main, ISBN 3-86150-628-9. Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier in Verbindung mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. und deutet auf die Übergabe dieses Siedlungsgebietes an das Stift Admont hin. In Urbaren und anderen Urkunden aus dem 15. Jahrhundert (1434 usw.) sind Schreibvarianten wie Saleck, Salegk, am Salchek belegt.Sal-, In: Joseph von Zahn: Ortsnamen der Steiermark im Mittelalter. Verlag Hölder, Wien 1893.
Die Grundmauern des Wohnhauses vlg. Greimbauer am Greimkogel im Westen von Bad Gams sind Reste eines Turmhofes, eines mittelalterlichen Wehrbaues,Werner Murgg, Bernhard Hebert: Mittelalterliche und Frühneuzeitliche Wehrbauten im Bezirk Deutschlandsberg: Aufnahme der Bodendenkmale. Mit Zeichnungen von Stefan Karl. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich BMÖ. Band 10, Jahrgang 1994. Hrsg.: Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie ÖGM, Wien, , S. 62–63. Grundstücke 246/1 und 246/10 KG 61213 Greim der auch „Greimschloss“ genannt wird. Es wird angenommen, dass es sich bei dem Bau um die Reste eines Turmhofes aus dem 12./13. Jahrhundert handelt, auch eine Nutzung als Fliehburg wird in Betracht gezogen. 1225 wurde die Anlage von Konrad von Wildon, einem Dienstmann Leutholds von Wildon, besessen. Ein lange währender Streit über die Grenzen zum Besitz des Stiftes Admont wurde 1325 beigelegt.Robert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Verlag Stiasny, Graz 1961, S. 68. Die Erdgeschoßmauern dieses Hauses sind über 80 cm dick, ein als Keller benutzter Raum hat Schießscharten in den Mauern. In einer Urkunde vom 24. September 1319 wird ein Fritzel ab dem Greym genannt, in einer Urkunde vom 8. März 1383 die Witwe eines Albrecht des Greymer. Bei Ausgrabungen wurde ein Graben mit einer Sohlenbreite von 1,80 m bis 2,50 m gefunden. Im 19. Jahrhundert war noch eine Ringmauer vorhanden, ein Turm wurde 1870 wegen Baufälligkeit abgetragen.Herwig Ebner: Burgen und Schlösser in der Steiermark. Teil III. Graz, Leibnitz, West-Steiermark. 2. Auflage Wien 1981 (1. Auflage 1967), S. 89.Rupert Pittner: Die Edelhöfe rings um Gams. Greimbauer. In: Blätter zur Heimatkunde der Steiermark. BHKSt Band 9, Jahrgang 1931. S. 7–16. Die Reste des Wehrturmes befinden sich ungefähr 70 Meter südwestlich des bestehenden Hofgebäudes auf einem ca. 25 m hohen Felsmassiv.Murgg, Hebert: Wehrbauten, S. 87 (Lageskizze).
Neuzeit Nach der Vierteleinteilung der Steiermark 1462 gehörte Gams zum „Viertel dieshalb der Piberalm“, das später „Viertel zwischen Mur und Drau“ genannt wurde. In allgemeinen Zusammenhängen waren die Behörden des Marburger Kreises des Herzogtums Steiermark zuständig. Diese Behörden hatten ihren Sitz in Marburg. Ab 1849 lag das Gebiet im Grazer Kreis.