Kosto oder KS war ein deutscher Hersteller von Landmaschinen, ein Traktorenproduzent und eine ehemalige Motorradmarke. Der vollständige Firmenname lautete zuletzt Kosto-Werke AG, Schwerin-Görries.
Unternehmensgeschichte Hervorgegangen war das Unternehmen aus der Maschinen- & Munitionsfabrik A. Korge in Berlin-Reinickendorf, die ihren Sitz in der Reichenberger Straße 96 hatte.Vgl. Adressbuch Berlin, Jahrgänge 1916–1922 Dort wurde Anfang 1918 die Maschinen- und Motorpflugfabrik Korge & Stolle von Kaufmann Arthur Korge (1879–1948) und Ingenieur Georg Stolle (1876–1924) gegründet.Vgl. Deutscher Reichsanzeiger, 27. Mai 1918, Eintrag 43378Vgl. Mitteilungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, Berlin, Jahrgang 1918, Seite 275 Um sich von konkurrierenden Unternehmen oder Angeboten abzugrenzen, verwendeten die Eigentümer Korge & Stolle seit Mai 1918 das Warenzeichen Kosto.Vgl. Deutscher Reichsanzeiger, 14. Dezember 1918, Eintrag 43378 Georg Stolle war seit August 1919 alleiniger Inhaber und führte die Kosto-Werke als Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) weiter, während Arthur Korge die kaufmännische Leitung übernahm. Ab Oktober 1919 bezogen die Kosto-Werke neue Räumlichkeiten in der Hauptstraße 28/29, dazu kam ein Versuchs- und Demonstrationsfeld an der Rödernallee 2–3.Vgl. Deutscher Reichsanzeiger, 1. August 1919, Handelsregister-Eintrag der Kosto-Werke Korge & Stolle.Vgl. Adressbuch Berlin, Jahrgänge 1919–1920 Das Warenzeichen Kosto wurde am 6. Mai 1921 beim Reichspatentamt angemeldet.Vgl. Nachlass- und Vormundschaftsgericht Schwerin, Akte St0849, Georg Stolle Die Kosto-Werke waren vom Sommer 1921 bis Anfang 1924 Eigentümer der ehemaligen Flugwerft und einiger Hallen auf dem stillgelegten Flugplatz in Schwerin-Görries, die zur im Frühjahr 1919 aufgelösten Fliegerbeobachterschule (FBS) gehörten.Vgl. Adressbuch Schwerin, Jahrgänge 1922 bis 1925, Einträge der Kosto-Werke in Görries Mitte 1922 wandelte Stolle das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um und verlegte die gesamte Produktion nach Görries bei Schwerin, das Reinickendorfer Werk blieb als Bezirksvertretung unter der Leitung von Arthur Korge erhalten.Gründung der Kosto-Werke AG am 28. April 1922; Vgl. Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, Ausgabe 1922, Seite 1188 Bereits Anfang 1923 erwarb die Maschinenfabrik Badenia AG einen Großteil der Aktien, im Gegenzug kaufte Generaldirektor Georg Stolle ein größeres Aktienpaket der Badenia und wurde am 2. Mai desselben Jahres in den Aufsichtsrat der Weinheimer Maschinenfabrik gewählt.Vgl. Deutscher Reichsanzeiger, 23. Mai 1923, Eintrag 21850Vgl. Nachlass- und Vormundschaftsgericht Schwerin, Akte St0849, Georg StolleVgl. Deutschlands Städtebau: Schwerin in Mecklenburg, Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag, Berlin 1922 Nach dem Tod des Inhabers Georg Stolle im Frühjahr 1924 übernahm die Badenia die Schweriner Liegenschaft inklusive der Arbeiter und Angestellten vollständig, die Motorrad- und Traktorenproduktion wurde jedoch eingestellt. Im Berliner Handelsregister erfolgte die Löschung der Reinickendorfer Zweigstelle schon am 4. Juni 1925, in Schwerin konnte die Kosto-Werke AG erst nach endgültig beigelegten Rechtsstreitigkeiten der Erben am 28. Juni 1927 gelöscht werden.Vgl. Nachlass- und Vormundschaftsgericht Schwerin, Akte St0849, Georg Stolle Die Maschinenfabrik Badenia mit Hauptsitz in Weinheim blieb noch bis 1934 Eigentümer der Schweriner Fabrik.Vgl. Nachlass- und Vormundschaftsgericht Schwerin, Akte St0849, Georg StolleVgl. Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, Ausgabe 1930, Seite 579 Im September 1934 erwarb die Deutsche Verkehrsfliegerschule (DVS) das gesamte Flugplatzgelände in Görries von der Stadt Schwerin und begann mit groß angelegten Umbauarbeiten, dabei wurden unter anderem sämtliche Gebäude der Badenia übernommen und abgerissen, um Platz für ein Rollfeld zu schaffen.Vgl. Bernd Kasten und Jens-Uwe Rost: Schwerin. Geschichte der Stadt, Thomas Helms Verlag, Schwerin 2005, Seite 127 ff.
Produktüberblick Anfangs stellte das Unternehmen Ackergeräte aller Art und einen Motorpflug her, der auch exportiert wurde. Die ersten Modelle des robusten Dreiradschleppers (Bauart Vorspanner) besaßen ein Eigengewicht von 3 Tonnen und einen Vierzylinder-DEUMO-Motor mit 40 PS.Motoren der Deutschen Motorenwerke (DEUMO) stammten aus Gößnitz (Thüringen). Vgl. Wolfgang H. Gebhardt: Deutsche Traktoren seit 1907, Motorbuch Verlag, Gerlingen 2006, Seite 258 Spätere Ausführungen mit dem Vierzylinder-Kämper-Dieselmotor erreichten bei 40/42 PS eine Fahrgeschwindigkeit von 3 bis 5 km/h.Vgl. Der Tropenpflanzer, Jahrgang 1922, Seite 215Vgl. Michael Bach: Schlepper aus Berlin in Schriftenreihe der Domäne Dahlem, Berlin 1993, Seite 107 ff.Traktoren der Kosto-Werke auf www.khmoe.at Kosto begann 1922 auch mit der Motorradproduktion. Die Modelle mit einem Rohrrahmen aus Stahl, der teilweise mit Blech verkleidet war, hatten scheibenförmige Radverblendungen und anfangs einen 123-cm³-Bekamo-, dann einen 144-cm³-Cockerell- und zuletzt den 200-cm³-ALBA-Motor. Sie wurden unter dem Namen KS (Kosto Schwerin) vertrieben.Bei Tragatsch wird der Firmenname fälschlich als Koster angegeben. Vgl. Erwin Tragatsch: Alle Motorräder 1894–1981: Eine Typengeschichte. 2500 Marken aus 30 Ländern. Stuttgart 1997, ISBN 3-87943-410-7
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliger Motorradhersteller (Deutschland) Kategorie:Landmaschinenhersteller Kategorie:Markenname Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Schwerin) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Schwerin) Kategorie:Unternehmensgründung 1918 Kategorie:Aufgelöst 1924