Haunani-Kay Trask (geboren am 3. Oktober 1949 in San Francisco; gestorben am 3. Juli 2021 in Honolulu) war eine Aktivistin in Hawaii, Pädagogin, Autorin, Dichterin und Anführerin der hawaiischen Souveränitätsbewegung. Sie war Professorin an der University of Hawaiʻi at Mānoa, wo sie das Kamakakūokalani Center for Hawaiian Studies gründete und leitete.
Herkunft und Ausbildung Trask kam 1949 im kalifornischen San Francisco als Tochter der Lehrerin Haunani und des Rechtsanwalts Bernard Trask zur Welt. Sie wuchs an den Koʻolau Bergen, einem ehemaligen Schildvulkan auf der Ostseite der Insel Oʻahu auf.
1967 erreichte sie ihren Schulabschluss an den privaten Kamehameha Schools in Honolulu. Sie begann ein Studium an der University of Chicago, wechselte dann aber an die University of Wisconsin–Madison wo sie 1972 einen Bachelor-, 1975 einen Master-Abschluss erhielt und 1981 in Politikwissenschaft zur Ph.D. promovierte. Ihre Dissertation veröffentlichte sie 1986 als Buch unter dem Titel „Eros and Power: The Promise of Feminist Theory“.
Karriere Trask gründete das Kamakakūokalani Center for Hawaiian Studies an der University of Hawaiʻi in Mānoa. Das Zentrum entstand als Weiterentwicklung des Amerikanistik-Programms der Universität, nachdem Trask der Fakultät eine diskriminierende Haltung bezüglich ethnischer Zugehörigkeit vorgeworfen hatteFujikane, Candace. In Memoriam: Dr. Haunani-Kay Trask. In: Journal of Asian American Studies. Band 25, Nr. 1, Feb. 2022, S. 131–139, doi:10.1353/jaas.2022.0010. und gegen die mangelnde ethnische, ideologische und geschlechtliche Vielfalt im Lehrplan für Amerikanistik protestiert hatte. Sie war fast zehn Jahre lang Direktorin des Zentrums. Das nach der Vorkämpferin für die hawaiische Kultur Gladys Kamakakuokalani Brandt benannte Kamakakūokalani Center etablierte sich als bedeutendes Zentrum für Hawaii-Studien. 2010 trat Trask von ihrer Position als Direktorin zurück, unterrichtete jedoch weiterhin als emeritierte Professorin über indigene politische Bewegungen in Hawaii und im Pazifikraum, die Literatur und Politik der pazifischen Inseln, die Geschichte und Politik Hawaiis sowie die Geschichte und Politik der „Dritten Welt“ und indigener Völker.
Trask moderierte und produzierte „First Friday“, eine monatliche Fernsehsendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die 1986 erstmals ausgestrahlt wurde und in der politische und kulturelle Themen Hawaiis beleucht wurden. Trask war Co-Autorin und Co-Produzentin des preisgekrönten Dokumentarfilms „Act of War: The Overthrow of the Hawaiian Nation“ aus dem Jahr 1993. Sie verfasste ebenfalls 1993 das Buch From a Native Daughter: Colonialism and Sovereignty in Hawai’i, das von Cynthia G. Franklin und Laura E. Lyons als „Grundlagentext“ über die Rechte indigener Völker bezeichnet wurde. Trask veröffentlichte auch Lyrik, so 1994 den Gedichtband Light in the Crevice Never Seen und 2002 Night Is a Sharkskin Drum. Trask nahm die CD We Are Not Happy Natives über die hawaiische Souveränitätsbewegung auf, die 2002 auf den Markt kam.
Trask war 1984 Forschungsstipendiatin am American Council of Learned Societies, von 1993 bis 1994 Rockefeller-Stipendiatin an der University of Colorado, 1996 „National Endowment for the Arts Writer-in-Residence“ am Institute of American Indian Arts, von 1998 bis 1999 Fellow am Pacific-Basin Research Center der Harvard University und William Evans Visiting Fellow für Maori-Studien an der University of Otago.Haunani-Kay Trask. In: Gale In Context: Biography. Gale Literature: Contemporary Authors, 2021.
Trask vertrat die Ureinwohner Hawaiis bei der Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für indigene Völker in Genf. Im Jahr 2001 reiste sie nach Durban in Südafrika, um an der Weltkonferenz der Vereinten Nationen gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende Intoleranz teilzunehmen.
Politische Überzeugungen Während ihres Bachelorstudiums in Chicago kam Trask in Kontakt zur Black Panther Party und wurde zu einer aktiven Unterstützerin dieser Organisation. Während ihres Studiums an der University of Wisconsin–Madison beteiligte sich Trask auch an Studentenprotesten gegen den Vietnamkrieg. Trask schrieb später darüber, wie diese Erfahrungen als Doktorandin dazu beitrugen, ihre Theorien darüber zu entwickeln, wie sich Kapitalismus und Rassismus gegenseitig verstärkten.
Während ihres Politikstudiums begann Trask auch, sich mit feministischen Studien zu beschäftigen, und bekannte sich selbst als Feministin. Später in ihrer Karriere distanzierte sich Trask von ihrer Identifikation als traditioneller „Feministin“, da diese sich hauptsächlich auf Amerikaner, Weiße und die „Rechte der Ersten Welt“ konzentriere, und erklärte später, sich dem transnationalen Feminismus anzuschließen.
Trask lehnte den Tourismus auf Hawaii ebenso wie die Präsenz des US-Militärs in Hawaii entschieden ab. Im Jahr 2004 sprach sich Trask gegen den Akaka Bill aus, einen Gesetzentwurf, der ein Verfahren zur Anerkennung der Ureinwohner Hawaiis durch die Bundesregierung vorsah, ähnlich der Anerkennung, die einige Indianerstämme genießen, da sie in diesem Gesetzentwurf eine Ungerechtigkeit gegenüber den Ureinwohnern Hawaiis sehe. Die Regierung der Vereinigten Staaten bekäme dadurch die Möglichkeit, die Regierungsstruktur, das Land und die Ressourcen der Ureinwohner Hawaiis zu kontrollieren, ohne die Souveränität Hawaiis anzuerkennen. Sie betonte, dass die Hawaiier nicht an der Ausarbeitung des Gesetzentwurfs beteiligt wurden und es auch keine Anhörungen zur Beteiligung der einheimischen Gemeinschaften gegeben habe.
Privatleben Trasks langjähriger Partner war David Stannard, der an der Universität von Hawai‘i lehrte. Sie selbst stammte aus einer politisch aktiven Familie. Eine ihrer beiden Schwestern, Mililani B. Trask, ist Lehrerin für hawaiische Sprache, Rechtsanwältin und eine führende Persönlichkeit der hawaiischen Souveränitätsbewegung.Phoebe Farris: The Poetry of Politics. In: Cultural Survival Quarterly. Band 33, Nr. 2, 2009, S. 6–7.Yvonne Wakim Dennis et al.: Tying It Up. In: Native American Almanac: More Than 50,000 Years of the Cultures and Histories of Indigenous Peoples. 1st ed., Visible Ink Press, 2016. 1987 gründete Haunani Trask gemeinsam mit Mililani die Ka Lāhui Hawai‘i [Die hawaiische Nation], eine der größten und bekanntesten indigenen Souveränitätsbewegungen Hawaiis. Haunani Trask stammte väterlicherseits aus der Kahakumakaliua-Linie von Kauaʻi und mütterlicherseits aus der Pi‘ilani-Linie von Maui. Ihr Großvater väterlicherseits, David Trask Sr., war 1922 Vorsitzender der Kommission für den öffentlichen Dienst und der Polizeikommission, diente von 1923 bis 1926 als Sheriff von Honolulu und wurde 1932 zum Senator des Territoriums für O‘ahu gewählt. Er war ein wichtiger Befürworter der Bildung des Bundesstaats Hawaii. Trasks Onkel, Arthur K. Trask, war Rechtsanwalt, aktives Mitglied der Demokratischen Partei und von 1944 bis 1957 Mitglied der Statehood Commission.
Vermächtnis Trask starb 2021 an einer Krebserkrankung.Annabelle Williams: Haunani-Kay Trask, Champion of Native Rights in Hawaii, Dies at 71, nytimes.com, 9. Juli 2021 Im September 2021 veröffentlichte die Philosophische Fakultät der Universität von Hawaii in Mānoa eine posthume Entschuldigung an Trask für Angriffe, denen sie in der Vergangenheit aus dem Lehrkörper der Universität ausgesetzt war. In ihrem Nachruf würdigte die New York Times ihren Kampf für die Souveränität der indigenen Bevölkerung und zitierte sie mit den Worten:
Auszeichnungen und Anerkennungen 1991 wurde Trask vom „Honolulu Magazine“ zur „Insulanerin des Jahres“ gekürt und vom „Pacific Islands Monthly Magazine“ zu einer der zehn pazifischen Frauen des Jahres ernannt. 1994 wurde sie für ihr 1993 erschienenes Buch „From a Native Daughter“ mit dem Gustavus Myers Outstanding Book Award ausgezeichnet. Im März 2017 würdigte das „Hawai‘i Magazine“ Trask als eine der einflussreichsten Frauen in der Geschichte Hawaiis. Im Jahr 2019 wurde Trask von der American Studies Association mit dem „Angela Y. Davis-Preis“ für ihre Anwendung ihrer „Wissenschaft zum Wohle der Allgemeinheit“ ausgezeichnet.Haunani-Kay Trask Receives the 2019 Angela Y. Davis Prize From the American Studies Association. In: Women in Academia Report. 21. November 2019. 2021 wurde sie in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Veröffentlichungen (Auswahl) Bücher Fighting the Battle of Double Colonization: The View of a Hawaiian Feminist. 1984. Eros and Power: The Promise of Feminist Theory. 1986. Politics and Public Policy in Hawai’i. 1992 (Mitautorin). From a Native Daughter: Colonialism and Sovereignty in Hawai’i 1993. Light in the Crevice Never Seen. 1994. Feminist Nationalism 1997 (Mitautoren). Intimate Nature: The Bond Between Women and Animals 1998 (Mitautoren). Inside Out: Literature, Cultural Politics, and Identity in the New Pacific 1999 (Mitautoren). Literary Studies East and West. Band 17, 2000 (Mitautoren). Night Is a Sharkskin Drum 2002. Kue: Thirty Years Of Land Struggles in Hawai’i. 2004.
Artikel Settlers of Color and “Immigrant” Hegemony: “Locals” in Hawai’i In: Amerasia Journal. 26:2, 2000. Beiträge in: Rampike Arts & Literary Magazine, Stanford Law Review, Japan-Asia Quarterly Review, Signs: Journal of Women in Culture and Society, Hawaiian Journal of History, Critical Perspectives of Third World America, Ethnies: Review of Survival International, Contemporary Pacific, Pacific Islands Communication Journal, Pacific Studies.
Filme Act of War: The Overthrow of the Hawaiian Nation (Documentarfilm, Scriptwriter und Coproduzentin, 1993) Haunani-Kay Trask: We Are Not Happy Natives (CD, 2002)
Literatur Hereniko, Vilsoni, and Rob Wilson (Hrsg.) Inside Out: Literature, Cultural Politics, and Identity in the New Pacific, Rowman & Littlefield (Boulder, CO), 1999. Wood, Houston, Displacing Natives: The Rhetorical Production of Hawai‘i, Rowman & Littlefield, 1999.
Weblinks
Brief biographical note Cynthia Franklin, Laura F. Lyons: Land, Leadership, and Nation: Haunani-Kay Trask on the Testimonial Uses of Life Writing in Hawai’i. In: Biography. 27, Nr. 1, Winter 2004. (PDF) Trask Still Beats the Drum of Resistance. 23. August 2002.
Einzelnachweise
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