Die Bellerophon, auch HMS Bellerophon, unter Seeleuten als „Billy Ruffian“ bekannt, war ein 74-Kanonen-Linienschiff (Zweidecker) dritten Ranges der Arrogant-Klasse der britischen Marine. Die Bellerophon wurde während der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege eingesetzt. Sie nahm an drei Flottenaktionen teil: dem Glorreichen Ersten Juni (1794), der Seeschlacht bei Abukir und der Schlacht von Trafalgar. 1815 ging Napoleon an Bord der Bellerophon, um sich dem Schiffskapitän zu ergeben, und beendete damit einen 22 Jahre währenden Krieg zwischen Großbritannien und Frankreich.

Geschichte Die Bellerophon lag in den Friedensjahren in Chatham und wurde erst im Juli 1790 mit Ausbruch der Nootka-Krise in Dienst gestellt. Als die Krise zu einem Krieg mit Spanien zu werden drohte, wurden die in der Reserve liegenden Kriegsschiffe in Dienst gestellt und seetauglich gemacht. Der erste Kommandant der Bellerophon, Kapitän Thomas Pasley, traf am 19. Juli ein und begann mit Kriegsvorbereitungen.Cordingly: Billy Ruffian. S. 47. Nach einem Monat, in dem das Schiff mit Kanonen, Vorräten und Takelage ausgestattet und eine Mannschaft rekrutiert wurde, gab Pasley am 16. August den Befehl, die Verankerung zu lösen, um sich mit dem Rest der Flotte zu vereinigen, die vor der Nore-Sandbank ankerte.Cordingly: Billy Ruffian. S. 51 f.

Von Nore aus begab sich die Bellerophon zu den Downs und schloss sich der dort stationierten Flotte an. Die diplomatische Krise mit Spanien war im Oktober 1790 weitgehend abgeklungen und die Bellerophon wurde Ende November nach Sheerness geschickt.Cordingly: Billy Ruffian. S. 55. Während des Russisch-Österreichischen Türkenkrieges (1787–1792) blieb sie immer noch unter dem Kommando von Pasley in Dienst, doch als auch diese Zeit der Spannungen ohne offenen Krieg verging, wurde die Bellerophon nach Chatham zurückgeordert und dort am 9. September 1791 abgemustert.

Erster Koalitionskrieg mini|Thomas Pasley dargestellt als Konteradmiral in einem Porträt von Lemuel Francis Abbott aus dem Jahr 1795. Er war der erste Kommandant der Bellerophon und trägt die Goldmedaille der Marine, die er als Kommandant der Bellerophon erhielt.

Mit dem Ausbruch der Koalitionskriege wurde die Bellerophon im März 1793 unter ihrem früheren Kapitän Thomas Pasley reaktiviert, um sich der Kanalflotte unter Admiral Richard Howe anzuschließen. Die Kanalflotte lief am 14. Juli aus, um vor Brest zu patrouillieren, in der Hoffnung, die dort stationierte französische Flotte abzufangen und zu vernichten. Am 18. Juli kollidierte die Bellerophon südwestlich der Scilly-Inseln bei stürmischer See mit der Majestic. Die Bellerophon verlor ihren Bugspriet, den Fockmast und den Großmast, sodass sie zur Reparatur nach Plymouth gebracht werden musste. Nach ihrer Reparatur schloss sich die Bellerophon wieder der Kanalflotte an, die nun in den westlichen Anrainerstaaten patrouillierte.

Bei diesen Einsätzen erwarb sie sich den Ruf, besonders schnell zu sein, und erhielt den Spitznamen „The Flying Bellerophon“. Im September 1793 teilte Howe die Bellerophon einem fliegenden Geschwader zu, das sich aus den schnellsten Schiffen der Flotte zusammensetzte und übertrug Pasley das Kommando über das Geschwader mit dem vorläufigen Rang eines Kommodore.Cordingly: Billy Ruffian. S. 63. Am 27. November 1793 kaperten die Schiffe von Pasleys Geschwader die französische Korvette Blonde unter dem Kommando von Bürger Gueria. Da Pasley nun für ein Geschwader verantwortlich war, erhielt die Bellerophon im Januar 1794 einen neuen Kommandanten, Kapitän William Johnstone Hope, wobei Kommodore Pasley weiterhin seine Kommandoflagge an Bord führte. In den nächsten fünf Monaten patrouillierte die Kanalflotte vor Ouessant und der bretonischen Küste.Cordingly: Billy Ruffian. S. 65.

Seeschlacht am 13. Prairial (englisch: Glorious First of June)

Die Kanalflotte spielte in der Schlussphase des Atlantikunternehmens im Mai 1794 eine wichtige Rolle, als Howe in den Atlantik hinausfuhr, um einen herannahenden französischen Konvoi unter Admiral Pierre Jean Van Stabel abzufangen. Auch die französische Flotte unter Admiral Louis Thomas Villaret de Joyeuse befand sich bekanntermaßen auf See.

links|mini|Lord Howe’s action or The Glorious First of June, Gemälde von Philipp Jakob Loutherbourg dem Jüngeren

Howe schickte Pasley, der kürzlich zum Konteradmiral befördert worden war und sein fliegendes Geschwader, bestehend aus der Bellerophon und den 74-Kanonen-Schiffen Russell, Thunderer und Marlborough, voraus, um die französischen Streitkräfte ausfindig zu machen. Am 28. Mai um 6 Uhr morgens meldete die Fregatte Phaeton der Bellerophon, dass eine fremde Flotte gesichtet worden sei. Pasley fuhr mit dem Geschwader nach Südosten, um die Lage zu erkunden. Um 9 Uhr kam eine große Flotte in Sicht, und es wurden dreiunddreißig Schiffe gezählt, von denen mindestens dreiundzwanzig Linienschiffe zu sein schienen.Cordingly: Billy Ruffian. S. 68 f. Gegen Mittag wurde bestätigt, dass es sich um französische Schiffe handelte, und Pasley meldete diese Nachricht an Howe.Cordingly: Billy Ruffian. S. 72. Howe ordnete die Verfolgung an, und am Abend traf die Spitze von Pasleys Vorhut auf die Franzosen. Die Bellerophon war das erste Schiff, das in Kampfhandlungen verwickelt wurde, als die Révolutionnaire zurückfiel, um ihr den Weg abzuschneiden. mini|Schlachtverlauf Pasley wendete, um sich dem französischen Schiff zu nähern, und es kam zu einem heftigen Schlagabtausch. Das schwere Artilleriefeuer des größeren französischen Schiffes verursachte beträchtliche Schäden, insbesondere an der Großmarsstenge der Bellerophon, die vollkommen allein kämpfte, bis der Rest des Geschwaders und zwei Schiffe der Hauptflotte, Audacious und Leviathan, eintrafen, um sie zu unterstützen. Die beschädigte Bellerophon konnte sich dank der Unterstützung aus dem Gefecht zurückziehen und als die Nacht hereinbrach, gab Howe der Flotte das Signal, sich neu aufzustellen und den nächsten Tag abzuwarten, bevor sie das Gefecht wieder aufnahm. Am nächsten Morgen begannen die Kämpfe von neuem. Howe näherte sich seitlich den Französischen Schiffen um ihre Linie zu durchbrechen. Die Bellerophon folgte Howes Flaggschiff Queen Charlotte und wurde dabei durch französisches Feuer beschädigt.Mostert: The Line Upon A Wind. S. 138. Howe isolierte mehrere französische Schiffe der Nachhut und belegte sie mit Breitseiten, doch Villaret de Joyeuse konnte sein Schiff zu ihrer Rettung heranbringen, und die beiden Flotten trennten sich in der Nacht wieder, um sich neu zu formieren und Schäden zu beheben.Cordingly: Billy Ruffian. S. 77.

Schlechtes Wetter am 30. und 31. Mai verhinderte den Kontakt zwischen den Flotten, doch am folgenden Tag, dem 1. Juni, konnte Howe eine entscheidende Aktion durchführen, die später als „Glorious First of June“ bekannt wurde. Mit der Bellerophon in der Nachhut näherten sich die Briten unter schwerem Beschuss langsam der französischen Flotte. Dabei wurde Pasley von einer Kanonenkugel am Bein getroffen, als er auf dem Achterdeck stand. Fähnrich Matthew Flinders berichtete, dass

Als zwei Matrosen ihr Bedauern ausdrückten, antwortete Pasley:

Er wurde unter Deck gebracht, wo ihm das zerschmetterte Bein amputiert wurde. Kapitän Hope hielt das Schiff im Gefecht und beschoss die Éole, bis sie der Kiellinie nicht mehr folgen konnte. Die Bellerophon hatte inzwischen alle drei Marsstengen verloren, und ihr Großsegel und die Unterwanten waren zerfetzt worden. Hope gab daraufhin der Fregatte Latona das Signal, die Bellerophon aus dem Kampfgebiet zu schleppen. Obwohl die Bellerophon während des Gefechts unter schwerem Beschuss stand, waren die Verluste mit vier Gefallenen und zwischen siebenundzwanzig und dreißig Verwundeten vergleichsweise gering.

Nach der Schlacht kehrte die Bellerophon mit der Flotte nach England zurück, wo der verwundete Pasley das Schiff verließ. Die Bellerophon wurde zur Reparatur nach Portsmouth gebracht und nahm dann ihre Patrouillenfahrten vor den westlichen Anrainerstaaten wieder auf.Cordingly: Billy Ruffian. S. 92. Ende November wurde Kapitän Hope abgelöst, und am 1. Dezember 1794 erhielt die Bellerophon mit James Cranstoun einen neuen Kommandanten.

Cornwallis’ Rückzug mini|Cornwallis’ Rückzug, Gemälde von Thomas Luny

Im Mai 1795 stach die Bellerophon wieder in See, nachdem sie drei Monate in Solent vor Anker gelegen hatte. Sie war am 1. Mai in Spithead gewesen, als die Boyne Feuer fing und anschließend in die Luft flug, wobei die Bellerophon zwölf Männer rettete. Kurze Zeit darauf, schloss sie sich einem Geschwader unter dem Kommando von Vizeadmiral William Cornwallis an, das vor Ouessant patrouillieren sollte. Das Geschwader war am 7. Juni auf Position und kaperte am folgenden Tag einen Konvoi mit acht französischen Handelsschiffen vor Belle-Île.Cordingly: Billy Ruffian. S. 97. Das Geschwader blieb bis zum 16. Juni in diesem Gebiet, als ein Ausguck auf der Bellerophon eine große Flotte in Ost-Süd-Ost-Richtung entdeckte. Dabei handelte es sich um die Flotte von Brest, die aus dreizehn Linienschiffen, zwei Fregatten, zwei Briggs und einem Kutter unter Admiral Villaret de Joyeuse bestand. Cornwallis, der zahlenmäßig stark unterlegen war, ordnete den Rückzug an, aber die Bellerophon und die Brunswick segelten ungewöhnlich langsam, sodass er sich von den Franzosen zunehmend in Bedrängnis gebracht sah.Lavery: The Ship of the Line. S. 121. Um seine Schiffe zusammenzuhalten, befahl Cornwallis der Bellerophon, an der Spitze der Vorhut in Stellung zu gehen.Cordingly: Billy Ruffian. S. 99. Nachdem die Franzosen Cornwallis’ Schiffe einen ganzen Tag lang verfolgt hatten, kamen die führenden französischen Schiffe auf Schlagdistanz zur Mars, die sich in der Nachhut der Briten befand. Cornwallis fiel zurück, um die Mars zu unterstützen, während Kapitän Robert Stopford von der Phaeton Signale gab, die darauf hindeuteten, dass eine britische Flotte in Sicht war. Als die Franzosen am Horizont Segel ausmachten, nahm Villaret de Joyeuse irriger Weise an, dass sich eine britische Flotte näherte, um Cornwallis zu unterstützen, und brach die Verfolgung ab. Es stellte sich jedoch heraus, dass keine britische Flotte in der Nähe war, sondern die Segel zu einem Konvoi britischer Handelsschiffe gehörten.

Irische Atlantikküste Die Bellerophon kehrte im Juni nach England zurück und fuhr bis September Patrouille vor den westlichen Anrainerstaaten. Im Oktober kehrte sie für erneut nach Portsmouth zurück und wurde für 8.103 Pfund Sterling überholt. Im Januar 1796 nahm sie den Patrouillen- und Blockadedienst in den westlichen Anrainerstaaten wieder auf. Zunächst unter Cranstoun, ab April jedoch unter dem kommissarischen Kapitänsamt von Leutnant John Loring.Cordingly: Billy Ruffian. S. 105.

Cranstouns Nachfolger, Kapitän Henry D’Esterre Darby, erhielt im September das Kommando. Der Blockadedienst wurde bis Anfang Januar 1797 fortgesetzt, als die Flotte die Nachricht erhielt, dass eine französische Expeditionsflotte vor Irland aufgetaucht sei. Vollkommen überrascht befahl die Admiralität der Bellerophon und einer Reihe anderer Schiffe, vor der Bantry Bay zu patrouillieren. Zu diesem Zeitpunkt waren die französischen Schiffe durch schlechtes Wetter zerstreut worden und nach drei Wochen auf Patrouille lief die Bellerophon in Cork ein, wo sie sich mit dem irischen Geschwader unter Admiral Robert Kingsmill traf.

Kurz nach ihrer Rückkehr nach Spithead Anfang März erhielt die Bellerophon neue Befehle von der Admiralität. Am 17. März segelte sie nach Cádiz, um sich der Mittelmeerflotte von Sir John Jervis anzuschließen, die den Hafen blockierte.

Mittelmeer Am 30. Mai 1797 traf die Bellerophon in der Bucht von Cádiz auf die Flotte von Jervis. Drei Tage später wurde sie zum einzigen Mal von Horatio Nelson besucht, der damals Konteradmiral war und das Kommando über das Küstengeschwader der Blockadeflotte hatte.