mini|Unterschrift Mechtild Schlömann (1952) Mechtild Höflich (häufig auch Mechthild Höflich; * 27. Dezember 1925 in Haste, Landkreis Osnabrück als Mechtildis Engeline Luise Maria Schlömann; † 20. April 2009Traueranzeige für Mechtild Höflich, Neue Osnabrücker Zeitung) war eine deutsche Soziologin, Pädagogin und Hochschullehrerin.

Leben und Wirken Höflich war eine Tochter des Pädagogen und Schulgründers Johannes Schlömann und seiner Ehefrau Maria Katharina geb. Niemann (1899–1990).Niedersächsisches Landesarchiv, Heiratsurkunde Standesamt Osnabrück-Landbezirk Nr. 6/1922Niedersächsisches Landesarchiv, Geburtsurkunde Standesamt Osnabrück-Landbezirk Nr. 76/1899 Ab Ostern 1932 besuchte sie die Volksschule in Sutthausen und ab April 1935 die Ursulinenschule in Osnabrück, auf der sie ein Jahr später in die Sexta der Oberschule aufgenommen wurde. Der Beruf ihres Vaters, dessen katholische Bauernschule kurz nach Beginn der Zeit des Nationalsozialismus geschlossen worden war, führte dazu, dass sie unter staatlichem Druck 1938 ihrerseits die konfessionell ausgerichtete Schule verlassen musste und fortan bis zum Abitur im Februar 1944 die städtische Oberschule für Mädchen in Osnabrück besuchte. Anschließend wurde sie statt eines Arbeitsdienstes als Schulhelferin in Wietmarschen eingesetzt.Lebenslauf. In: Mechtild Schlömann: Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1953.

Im Herbst 1945 nahm Schlömann an einem auf das Universitätsstudium hinführenden Übergangskurs teil, der aufgrund der kriegsbedingt verkürzten Schulzeit erforderlich geworden war, und studierte ab Ostern 1946 Philosophie und Soziologie, anfänglich auch Geschichte, an der Universität Münster. Das Studium unterbrach sie für zwei Semester, um ihrem Vater beim Wiederaufbau der von ihm begründeten Landvolkshochschule in Rulle zu helfen. Anschließend wandte sich ihr Studieninteresse vermehrt der Pädagogik zu. Zum Sommersemester 1949 wechselte sie an die Ludwig-Maximilians-Universität München und studierte dort Philosophie, Soziologie und Pädagogik, unter anderem bei Alois Dempf, Alfred von Martin und Friedrich Schneider. Ab Winter 1951/52 wirkte sie darüber hinaus beim Aufbau der katholischen Landvolkshochschulen Bayerns mit. Anfang 1953 wurde Schlömann bei Alois Dempf mit der Arbeit Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems zum Dr. phil. promoviert. Ab Herbst 1953 war sie Kursleiterin an der neu eröffneten Katholischen Landvolkshochschule in Petersberg.Petersberg-Gemeinschaft, Katholische Landvolkshochschule Petersberg (Hrsg.): 70 Jahre Katholische Landvolkshochschule Petersberg (= Rundbrief der Petersberg-Gemeinschaft, 71. Jahrgang, 2023). S. 40. Darüber hinaus betätigte Schlömann sich in dieser Zeit auch als Schriftleiterin zweier Zeitschriften der Katholischen Landjugendbewegung Bayerns und Süddeutschlands.Willy Stamm (Hrsg.): Der Leitfaden für Presse und Werbung, , 7. Ausgabe (1954), S. 308, 345.Willy Stamm (Hrsg.): Der Leitfaden für Presse und Werbung, , 7. Ausgabe (1954), S. 298, 335.

Am 8. August 1954Kölnische Rundschau/Rhein-Sieg-Rundschau, 2. August 2004 (genios.de) heiratete sie ihren Münchner Studienkollegen Egbert Höflich (1929–2018), einen Theologen und späteren Ministerialbeamten, mit dem sie acht Kinder bekam.Hochland: Monatsschrift für alle Gebiete des Wissens, der Literatur und Kunst. 59. Jahrgang (1967), Heft 4, S. 400.Vilma Sturm: Barfuß auf Asphalt. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1981, ISBN 3-462-01440-4, S. 271.Siegfried Hermle: Umstrittene Anfänge des Kölner Politischen Nachtgebets. In: Thomas K. Kuhn, Katharina Kunter (Hrsg.): Reform – Aufklärung – Erneuerung: Transformationsprozesse im neuzeitlichen und modernen Christentum [Festschrift zum 80. Geburtstag von Martin Greschat]. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2014, ISBN 978-3-374-03899-2, S. 279–296 (hierzu S. 282). Beide zogen nach Köln, wo sie in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig wurde, insbesondere in den Fachgebieten Ehefragen und Sexualerziehung.Angaben zur Autorin. In: Christliche Ehe ohne Zukunft? Ihre Rolle in der neuen Gesellschaft. Jakob David antwortet Mechtild Höflich (= Das theologische Interview, Nr. 6). Patmos-Verlag, Düsseldorf 1969. Später war sie Professorin für Soziologie an der Kölner Fachhochschule für Sozialarbeit, wo sie gemeinsam mit Maria Mies das Projektstudium am Fachbereich Sozialpädagogik aufbaute.Maria Mies: Das Dorf und die Welt: Lebensgeschichten, Zeitgeschichten. PapyRossa-Verlag, Köln 2008, S. 139.Die Autorinnen und Autoren. In: Christine von Weizsäcker, Elisabeth Bücking (Hrsg.): Mit Wissen, Widerstand und Witz: Frauen für die Umwelt. Herder, Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-451-04093-X, S. 202–205. Öffentlich in Erscheinung trat Höflich vor allem ab 1968 durch ihr Engagement im Ökumenischen Arbeitskreis Köln und für die von diesem initiierten Politischen Nachtgebete. In deren Folge rief sie auch eine Hilfsaktion für obdachlose Jugendliche ins Leben, die damals in größerer Zahl aus den Kölner Jugendheimen entliefen, vermittelte für diese Wohnungen an das Jugendamt und gewann Studenten und Sozialarbeiter, sich um sie zu kümmern. 1968 gehörte sie auch zu den Mitunterzeichnern eines Memorandums des Bensberger Kreises zu deutsch-polnischen Fragen, später engagierte sich Höflich in der Friedensbewegung gegen den NATO-Doppelbeschluss von 1979.Bensberger Kreis (Hrsg.): Ein Memorandum deutscher Katholiken zu den polnisch-deutschen Fragen. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1968, S. 26. (library.fes.de)Über Mitgliedschaft in einer Friedensgruppe. In: Gruppendynamik: Zeitschrift für angewandte Sozialpsychologie, , 15. Jahrgang, Heft 4 (Dezember 1984), S. 343–353. Um 1980 war sie als stellvertretende Vorsitzende Mitglied der Studienreformkommission für das außerschulische Erziehungs- und Sozialwesen (SK II) des Landes Nordrhein-Westfalen.Siegfried Keil, Gerd Bollermann, Wolfgang Nieke (Hrsg.): Studienreform und Handlungskompetenz im außerschulischen Erziehungs- und Sozialwesen. Ein Zwischenbericht aus der Arbeit der Studienreformkommission II – Außerschulisches Erziehungs- und Sozialwesen – des Landes Nordrhein-Westfalen. Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied/Darmstadt 1981, ISBN 3-472-58052-6, S. 207. 1993 erhielt sie den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.Ministerialblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Nr. 3/1994 (20. Januar 1994), S. 43 (recht.nrw.de) Höflich war eine enge Freundin der bekannten Theologin und Dichterin Dorothee Sölle.Dorothee Sölle: Gegenwind: Erinnerungen. Hoffmann und Campe, Hamburg 1995, ISBN 3-455-08584-9, S. 138.Marcel Albert, Markus Eckstein: Lebendige Gemeinde am Rande der Großstadt: die Kölner Pfarrei Sankt Hedwig 1967–2007 (= Forschungen zur Volkskunde, Heft 55; Abteilung Ordens- und Kirchengeschichte, Heft 2). Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2007, ISBN 978-3-86582-430-1. (db-thueringen.de) 2002 organisierte sie zusammen mit Sölle und Maria Mies nach langjähriger Unterbrechung nochmals ein kapitalismuskritisches politisches Nachtgebet in der Kölner Antoniterkirche.Maria Mies: Das Dorf und die Welt: Lebensgeschichten, Zeitgeschichten. PapyRossa-Verlag, Köln 2008, S. 286.Irene Diller: Das politische Nachtgebet. In: Mariano Delgado, Volker Leppin (Hrsg.): Homo orans: Das Gebet im Christentum und in anderen Religionen. Schwabe Verlag, Basel 2023, ISBN 978-3-7965-4636-5, S. 337–356 (hierzu S. 341).

Mechtild Höflich lebte zuletzt im Windecker Ortsteil Wilberhofen und wurde auf dem Friedhof im benachbarten Dattenfeld beigesetzt.Ingrid Buchloh, Herbert Christ, Erwin Klein, Nando Mäsch (Hrsg.): Konvergenzen. Fremdsprachenunterricht: Planung – Praxis – Theorie [Festschrift für Ingeborg Christ aus Anlass ihres 60. Geburtstages]. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1996, ISBN 978-3-8233-5284-6, S. IX.

Schriften Die Denksoziologie Wilhelm Jerusalems: Eine grundlagenkritische Untersuchung. Dissertation Ludwig-Maximilians-Universität München 1953. Feste und Feiern. In: Zentralkomitee der deutschen Katholiken (Hrsg.): Kirche und Landvolk. Arbeitstagung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Würzburg / Herbst 1953. Verlag Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1953, S. 133–137. Mein Vater Johannes Schlömann. In: Katholische Landvolkshochschule Oesede (Hrsg.): Festschrift 30 Jahre katholische Landvolkshochschule: von Haste über Sutthausen, Rulle nach Oesede. 1929–1959. Franz Josef Levien, Osnabrück 1959, S. 18–22. Die Mutter. In: Zwei in eins gegeben: der gemeinsame Weg. Verlag Wort und Werk, Köln 1963, S. 63–66. Zur Situation der Frau in der Kirche. In: Diakonia, 2. Jahrgang (1967), Heft 4, S. 248–250. (diakonia.digitheo.de) (mit Egbert Höflich) Stellungnahme zur Enzyklika »Humanae vitae«. In: Diakonia, 3. Jahrgang (1968), Heft 5, S. 309–311. (diakonia.digitheo.de) (mit Michael Dohle und Egbert Höflich) CSSR – Santo Domingo – Vietnam. In: Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky: Politisches Nachtgebet in Köln. Band 1, Kreuz-Verlag, Stuttgart/Berlin 1969, S. 13–28. (mit Jakob David) Christliche Ehe ohne Zukunft? Ihre Rolle in der neuen Gesellschaft. Jakob David antwortet Mechtild Höflich (= Das theologische Interview, Nr. 6). Patmos-Verlag, Düsseldorf 1969. (u. a. mit Fulbert Steffensky) Zur Kritik der Praxis: Ein Gruppengespräch. In: Dorothee Sölle, Fulbert Steffensky (Hrsg.): Politisches Nachtgebet in Köln. Band 2, Kreuz-Verlag, Stuttgart/Berlin 1970, ISBN 3-7867-0301-9, S. 183–196. Verein zur Förderung und Betreuung spastisch gelähmter Kinder und anderer Körperbehinderter (Hrsg.); Mechtild Höflich: Behindertes Kind in der Familie. Düsseldorf ca. 1976. [Vortrag] Fachhochschulen und ihr Praxisbezug zu den Institutionen. In: Neue Praxis, , 9. Jahrgang (1979), Heft 3, S. 313–318. (u. a. mit Nando Belardi) Didaktik und Methodik sozialer Arbeit (= Soziale Arbeit, Band 4). Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-425-07754-6. (mit Werner Springer) Probleme des Praxisbezuges in den Studiengängen der Sozialpädagogik und Sozialarbeit an Fachhochschulen und Gesamthochschulen. In: Siegfried Keil, Gerd Bollermann, Wolfgang Nieke (Hrsg.): Studienreform und Handlungskompetenz im außerschulischen Erziehungs- und Sozialwesen. Ein Zwischenbericht aus der Arbeit der Studienreformkommission II – Außerschulisches Erziehungs- und Sozialwesen – des Landes Nordrhein-Westfalen. Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied/Darmstadt 1981, ISBN 3-472-58052-6, S. 89–101. Friedensarbeit durch Sozialarbeit? In: Theorie und Praxis der sozialen Arbeit, , 34. Jahrgang, Heft 1 (Januar 1983), S. 11–15. Über Mitgliedschaft in einer Friedensgruppe. In: Gruppendynamik: Zeitschrift für angewandte Sozialpsychologie, , 15. Jahrgang, Heft 4 (Dezember 1984), S. 343–353. Vilma Sturm: Die Lust, etwas zu verändern. In: Christine von Weizsäcker, Elisabeth Bücking (Hrsg.): Mit Wissen, Widerstand und Witz: Frauen für die Umwelt. Herder, Freiburg im Breisgau 1992, ISBN 3-451-04093-X, S. 118–131. (u. a. mit Ute Projahn) Die Sicht der betroffenen „Zöglinge“ seit den 60er Jahren: Zeitzeugen über ihre Erfahrungen. In: Landesjugendamt des Landschaftsverbandes Rheinland (Hrsg.): Spiel nicht mit den Schmuddelkindern: 100 Jahre Umgang mit Randgruppen in der Öffentlichen (Ersatz-)Erziehung. Köln o. J. (1997/2001), S. 60–70. [Tagungsdokumentation]

Einzelnachweise

Kategorie:Soziologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Pädagoge (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Köln) Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1925 Kategorie:Gestorben 2009 Kategorie:Frau