alt=Margaret Fulton steht vor einer Glasscheibe, hinter der sich mehrere Palmen befinden. Sie trägt ein schwarzes Oberteil mit einem schwarz-gold geflochtenen Schmuckstück auf der linken Schulter, einen mehrfarbig gestreiften Blazer, ein um den Hals gebundenes mehrfarbig gestreiftes Tuch, über diesem eine silberne Olivenzweig-Brosche mit zwei grünen Steinen und silberne Kugelohrringe. Ihre weiße, flach abstehende Frisur trägt sie bis zum Nacken.|mini|Margaret Fulton bei einer Veranstaltung des Cirque du Soleil in Sydney 2012 Margaret Isobel Fulton OAM (* 6. Oktober 1924 in Nairn; † 24. Juli 2019 in den Southern Highlands im Wingecarribee Shire in New South Wales) war eine australische Journalistin und Autorin von Kochbüchern. Nach Zwischenstationen in verschiedenen Berufszweigen wurde sie ab 1954 durch Kochveranstaltungen und Auftritte als Testimonial einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Ihre Prominenz steigerte sich stetig, nachdem sie Redakteurin der Frauenzeitschrift Woman’s Day geworden war. Sie verfasste für das Magazin eine Reisereportagen-Kolumne, mit der sie damals in Australien kaum bekannte Küchen, darunter die von China, Italien und Spanien, einem breiten Publikum zugänglich machte.
Das 1968 veröffentlichte The Margaret Fulton Cookbook verhalf Fulton zum beruflichen Durchbruch. Danach brachte sie unter anderem weitere Rezeptsammlungen nationaler und internationaler Gerichte sowie eine Autobiografie heraus, setzte ihre Tätigkeit als Journalistin im Bereich der Kulinarik fort und moderierte Ende der 1970er Jahre eine Kochsendung, wenngleich sie später modernen Formen des Genres eher kritisch gegenüberstand. Zudem setzte sich Fulton für verschiedene soziale Zwecke ein, darunter die Verbesserung der Beziehungen zwischen von Einwanderern abstammenden Australiern und Aborigines. Bereits zu Lebzeiten schrieben ihr Medien und Forschende aufgrund ihrer häufigen Verwendung ausländischer Rezepte eine wichtige Rolle bei der Etablierung solcher Gerichte in ihrem Heimatland sowie indirekt der Integration von Zugewanderten zu.
Frühe Jahre Margaret Fulton wurde am 6. Oktober 1924 als jüngstes von sechs Kindern im schottischen Nairn geboren. Als sie drei Jahre alt war, entschlossen sich ihre Eltern, nach Australien auszuwandern. Sie ließen sich in der Kleinstadt Glen Innes nieder. Die Familie lebte inmitten der Weltwirtschaftskrise in relativer Armut und wohnte in einer kleinen Hütte. Wie Fulton 1997 in einem Interview schilderte, befand sich das Bad in einem „winzigen Gartenschuppen“, während die Waschküche aus einem „Stück Wellblech“ bestand und die Küche eine „Baracke mit Herd“ gewesen sei. Trotz dieser widrigen Umstände konnte sie sich dank zweier Personen erste Grundlagen des Kochens aneignen. Bei einer handelte es sich um den ebenfalls ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich stammenden Koch einer wohlhabenden Nachbarsfamilie. Fulton sei oft von deren Töchtern eingeladen worden, habe sich aber mehr für den Angestellten und seine Kuchen interessiert. In ihrer Autobiografie beschrieb sie zudem, wie ihre Mutter Isabella sie häufig einkaufen schickte und gelegentlich aufforderte, zum Laden zurückzugehen, da etwa die ausgewählten Tomaten oder Steaks deren Ansprüchen nicht genügten. Fulton habe dadurch verinnerlicht, bei allen Zutaten auf eine gute Qualität zu achten.
In Glen Innes trat Fulton den Girls Guides bei, der Pfadfinderinnen-Organisation. Sie stieg zur Anführerin der örtlichen Truppe auf und verbesserte in dieser Position weiter ihre Kochfähigkeiten, da sie und die anderen Mädchen regelmäßig Essen über Lagerfeuern brieten. Einige Jahre später wollte die nun jugendliche Fulton zunächst Showgirl werden, was an ihrer geringen Körpergröße von 1,52 Meter scheiterte. Eine Alternativkarriere als Klavierlehrerin wurde durch eine Handverletzung, die sie sich während eines Hockeyspiels zuzog, verhindert. 1943 erhielt Fulton ein Stipendium für die Universität Sydney. Allerdings hatte sie nicht vor, wie eigentlich gedacht dort Ernährungswissenschaft zu studieren, sondern Modedesignerin zu werden. Den Beruf konnte Fulton wegen der kriegsbedingten Rationierung von Stoffen nicht ausüben, zumal sie wie fast alle 18- bis 30-jährigen Frauen an der Heimatfront dienen musste. Ihre Arbeit bestand im Röntgen von Flugzeugteilen in einer Munitionsfabrik in Lidcombe, einem Vorort von Sydney.
Karriere
Anfänge In Sydney lernte Fulton Olwen Francis kennen, einen Redakteur der bekannten Frauenzeitschrift The Australian Women’s Weekly. Während eines Gesprächs erwähnte er seine Einschätzung, wonach die nationale Energiesparte nach Kriegsende einen deutlichen Zuwachs bekommen würde. Davon inspiriert beschloss Fulton, eine Schwangerschaft vorzutäuschen, um eine Befreiung von der Heimatfront zu erhalten. Anschließend erhielt sie eine Stelle beim Energieversorger Australian Gas Light Company. Sie erläuterte Kunden die Zubereitung von Biskuitkuchen sowie Scones. Zudem gab sie einen Kochkurs für Sehbehinderte, in dessen Verlauf sie gelernt habe, einfach verständliche Rezepte zu verfassen, was einen der wichtigsten Aspekte ihrer späteren Karriere darstellte. Danach war sie beim Unternehmen Overseas Corporation tätig, das Pfannen und Töpfe, die von Zivilisten an die Armee gespendet worden waren, aber keine Verwendung gefunden hatten, zu Schnellkochtöpfen verarbeitete. Weil Fulton kurz vor der nationalen Markteinführung des Geräts zur Verkaufsleiterin ernannt worden war, wird ihr häufig ein Anteil daran zugeschrieben.
In den 1950er Jahren übte Fulton verschiedene Berufe aus. Sie leitete zunächst die Haushaltswarenabteilung einer Filiale der Kaufhauskette David Jones. 1954 wurde sie auf Vorschlag der prominenten Journalistin Elizabeth Riddell Redakteurin beim Frauenmagazin Woman. Sie schrieb unter dem Pseudonym Anne Maxwell, konzentrierte sich aber bald auf ein anderes Gewerbe. Durch ein Treffen mit Deke Coleman, dem Geschäftsleiter der australischen Zweigstelle von JWT, einer großen Werbeagentur, gelangte Fulton in die Werbebranche. Zu ihren Aufgaben gehörte die Organisation von Reklame-Fotoshootings, das Verfassen von Werbetexten, Budgetplanungen und die Leitung von Werbespotdrehs für das neuartige Medium Fernsehen. Trotz ihres großen Gefallens an letzteren beschloss sie nach einer Zusammenarbeit mit dem Regisseur Hans von Adlerstein, dessen Arbeitsweise sie als „autokratisch“ beschrieb, diese Branche wieder zu verlassen.J. Dickenson: Australian Women in Advertising in the Twentieth Century. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2016, ISBN 978-1-137-51434-9, S. 102–103.
Werbung Fulton nutzte ihre Erfahrung im Marketing, um ihre öffentliche Bekanntheit zu steigern. Im November 1954 hielt sie in Sydney einen Vortrag über verarbeitete Lebensmittel. Sie sprach über die Wichtigkeit von „schnellem und fehlerfreiem Kochen“ für die immer größer werdende Anzahl von Frauen, die sich nicht nur um den Haushalt kümmern, sondern auch einer Arbeit nachgehen. Dafür biete sich die Verwendung von Produkten wie Backmischungen, Konserven und Tiefkühlkost an. Zur Unterstreichung ihrer Argumente ließ Fulton unter den Anwesenden von ihr gebackene Muffins aus abgepackter Kleie verteilen.Cereals Make Cooking Economical And Easy. The West Australian, Ausgabe vom 2. November 1954, S. 14. Zwei Jahre darauf hielt sie an vier Tagen „französische Mittagessen“ ab. Dafür arbeitete sie mit aus Frankreich stammenden Hostessen zusammen, die die Menüs erstellten, beim Kochen halfen und das Gedeck herrichteten.Food with a French accent. The Australian Women’s Weekly, Ausgabe vom 16. Mai 1956, S. 66. Fulton wurde nicht nur durch solche Veranstaltungen allmählich berühmt, sondern auch dank Zeitungsreklamen mit ihr als Testimonial. Zu den von ihr beworbenen Produkten gehörten Polierpasten von S. C. Johnson & SonAustralia’s most beautiful kitchens are kept beautiful with JOHNSON’S Pride & JOHNSON’S Glo-Coat. The Australian Women’s Weekly, Ausgabe vom 13. März 1957, S. 24. und die in einigen Commonwealth-Ländern bekannte Klebebandmarke Sellotape.“Sellotape” BRAND ″ width… grips faster… stronger… stays stuck longer. The Canberra Times, Ausgabe vom 21. September 1959, S. 7.
Journalistin 1960 führte Fulton ihre journalistische Karriere fort. Sie war zunächst allgemeine Redakteurin bei Woman’s Day, ehe sie ins Kochressort wechselte. Die Zeitschrift war die Nachfolgepublikation von Woman, Fultons erstem Arbeitgeber in diesem Bereich. Sie entschied sich aufgrund der häufig darin veröffentlichten Reportagen aus dem Ausland für Woman’s Day. Fulton erhielt den Auftrag, in einer Kolumne über die Küchen fremder Länder zu schreiben, und verreiste mehrmals im Jahr für jeweils zwei Monate. Sie stellte durch ihre Berichte in Australien zu der Zeit unbekannte Kochtechniken vor. Ein Beispiel war die Verwendung von Olivenöl,J. Dickenson: Australian Women in Advertising in the Twentieth Century. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2016, ISBN 978-1-137-51434-9, S. 103. die sie bei einem Aufenthalt in Spanien erlernte. In ihrem Heimatland musste Fulton es in Apotheken kaufen, weil zum Kochen nur Butter benutzt wurde und es Lebensmittelläden daher nicht im Sortiment führten. Gelegentlich begab sie sich für verschiedene Zubereitungsarten eines Gerichts in mehrere Länder. Auf diese Weise entstand ein Artikel über 365 Variationen von Mincemeat, darunter libanesische und mexikanische.
Fultons Reportagen stießen schnell auf eine hohe Resonanz, insbesondere unter Hausfrauen. Etliche von ihnen kochten für ihre Familien oft das weit verbreitete meat and three veg, ein Fleischgericht mit drei Gemüsesorten als Beilage. Aufgrund dessen begrenzter Diversität empfanden sie das exotische Essen wie japanischen Teriyaki-Fisch, indischen Ghee-Reis und österreichischen Kaffeekuchen als willkommene Abwechslung. Nach Aussage von Fulton brauchten Männer etwas, um die neue Art der Ernährung zu akzeptieren. So hätten einige, als ihre Frauen Spaghetti servierten, das Gericht als Vorspeise abgetan. Trotz ihres anfänglichen Zögerns hätten schließlich auch sie mehrheitlich die Speisen zu schätzen gelernt und die entsprechenden Rezepte nachgekocht. Letzteres machte sich durch dienstägliche Kochkurse bemerkbar, die Fulton ab 1964 in der Örtlichkeit Bistro abhielt und die über 100 Besuchende zählten.MARGARET FULTON’S BISTRO COOKERY CLASS. The Canberra Times, Ausgabe vom 20. Juli 1964, S. 6.
Durchbruch als Autorin 1968 verlegte Paul Hamlyn eine Sammlung von Fultons Rezepten als Kochbuch.Maurice Dunlevy: THE DIFFERENCE BETWEEN BOOKS AND MERCHANDISE. The Canberra Times, Ausgabe vom 28. Oktober 1978, S. 14. Es wurde zu einem Bestseller, der, Nachdrucke eingenommen, in Australien über 1,5 Millionen Mal verkauft wurde.Danielle Gallegos: Cookbooks as manuals of taste, in: David Bell, Joanne Hollows (Hrsg.): Towards Effective Subject Leadership in the Primary School. McGraw Hill Education, Columbus 2005, ISBN 0-335-22420-2, S. 105. The Margaret Fulton Cookbook enthielt auch Anleitungen über den eigentlichen Essvorgang, unter anderem in Bezug auf Spaghetti. In der The Guardian nannte die Lebensmittelhistorikerin Barbara Santich 2019 als einen Grund für die große Beliebtheit des The Margaret Fulton Cookbook dessen für damalige Kochbücher ungewöhnliche, kolorierte Fotoillustrationen. Im selben Bericht erwähnte der Kulturhistoriker Blake Singley den wachsenden Tourismus im Land als Faktor. Ab den 1960ern hätten viele Australier ihren Urlaub im Ausland verbracht und die kulinarischen Traditionen, die sie dort kennen lernten, bei ihrer Rückkehr mitbringen wollen. Fulton habe ihnen die Möglichkeit dazu mit unkomplizierten, für Laien und Experten gleichermaßen nachvollziehbaren Rezepten gegeben. Die anhaltend hohen Verkaufszahlen des Buchs erklärt Singley mit Nostalgie von Personen, deren Familien in ihrer Kindheit mit den Rezepten kochten.