mini|Mutter Svea gilt als nationale Personifikation Schwedens Die Schweden bilden eine Ethnie, die als Titularnation Schwedens fungiert.

Sprache mini|Verbreitung schwedischer Dialekte in Schweden und Finnland Die meisten Schweden sprechen muttersprachlich die schwedische Sprache, die zum östlichen Zweig der nordgermanischen Sprachen gehört. Sie löste sich zwischen dem 10. und dem 14. Jahrhundert von den anderen skandinavischen (nordgermanischen) bzw. altnordischen (ostnordischen) Sprachen ab. Ausschlaggebend dafür waren politische und soziale Gründe, vor allem die Abgrenzung zum Dänischen.Meyers Konversations-Lexikon, Vierzehnter Band. 3. Auflage, Leipzig 1878, S. 476f. (Schwedische Sprache).

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts entstand das Standardschwedische (Reichsschwedisch), das auf dem mittelschwedischen und dem östergötländischenDetlev Wahl: Lexikon der Völker Europas und des Kaukasus. Meridian-Verlag, Rostock 1999, S. 173ff. Dialekt basiert. Daneben existieren fünf regionale Dialekte (das in Finnland gesprochene Ostschwedisch eingerechnet).

Gotländisch Das einst mit dem Dialekt in Östergötland in Verbindung stehende Gotländisch hat sich nur noch auf der Insel Gotland erhalten und unterscheidet sich von den anderen Dialekten am deutlichsten, so dass es gelegentlich als eigene Sprache angesehen wird.

Schonisch Eine Untergruppe der Schweden mit einer starken eigenen Identität (teilweise sehen sie sich als eigenes Volk) sind die Schonen an der Südspitze Schwedens in der gleichnamigen Provinz (schwedisch: Skåne). Wegen seiner historischen, kulturellen und linguistischen Sonderrolle wird Schonen gelegentlich auch als „Schwedens Baskenland“ bezeichnet.James William Barnes Steveni: Unknown Sweden. London/Southampton 1925, S. 36, 72. Seine Bewohner sprechen Schonisch, einen Dialekt, der lange Zeit mit dem Dänischen in wechselseitigem Einfluss stand. Die Einordnung der mit dem ostdänischen Dialekt eng verwandten schonischen Sprache als südschwedischer Dialekt ist allerdings eher politisch bedingt als wissenschaftlich begründet. Man kann Schonisch aber als Mischsprache bzw. Übergangssprache ansehen.

Jämtländisch Die dem nordnorwegischen (Trondheimer) Dialekt verwandte Jämtländische Sprache in Jämtland stellt eine Übergangsform bzw. eine historische Mischsprache mit dem (westnordischen) Norwegisch dar – nicht zu verwechseln mit dem modernen Svorsk.

Nationalmythos mini|Gebiete der Svear (gelb) und Gauten (blau) im 12. Jahrhundert Inwieweit die mittelalterlichen schwedischen Völker der Svear und Gauten mit den bereits in Tacitus’ Germania erwähnten Suionen und Sithonen des 1. Jahrhunderts oder den Goten der Völkerwanderung in Verbindung stehen, ist umstritten. Dennoch war die vermeintliche Abstammung von bzw. Verwandtschaft mit den Goten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert im schwedischen Nationalbewusstsein populär (Gotizismus).

Mythologie

Mythischer Stammvater der Schweden bzw. des Königsgeschlechts der Ynglinger soll Odins Sohn Yngvi gewesen sein. Yngvis Brüder Skjöld und Sæming (Säming) sollen die Stammväter der Dänen bzw. Norweger geworden sein. Dänischen Überlieferungen zufolge habe der Ynglinger-König von Uppsala drei Söhne namens Dan, Nor(i) und Østen gehabt, die Stammväter der Dänen, Norweger und Schweden wurden. Auch altnorwegisch-isländischen Sagen zufolge sei der Stammvater des norwegischen Zweigs der Ynglinger-Könige ein aus Uppsala vertriebener/geflohener Ynglinger-Prinz gewesen, und der römisch-gotische Chronist Jordanes hielt auch das Volk der Dänen für einen Unterstamm der Schweden.

Ethnogenese Ungefähr im 6. Jahrhundert n. Chr. schlossen sich mehrere nordgermanische Stämme in Skandinavien erstmals zu größeren Stammeseinheiten zusammen und drängten die zuvor von Nordosteuropa eingewanderte und aus finnischen Völkern (Samen/Lappen, Finnen) bestehende Vorbevölkerung immer weiter nach Norden ab.Meyers Konversations-Lexikon, Vierzehnter Band. 3. Auflage, Leipzig 1878, S. 461f. (Schweden, Geschichte). Bei der Entstehung des schwedischen Volkes spielten die am Mälarsee bzw. in Svealand (Mittelschweden) ansässigen Svear und die in Götaland (Västergötland, Östergötland und Småland) ansässigen Gauten die wichtigste Rolle. Die nordgermanischen Stämme hatten in Alt-Uppsala ein gemeinsames politisches und kulturelles Zentrum.

Zu Beginn des 7. Jahrhunderts gelang es den Svear von Uppsala (angeblich unter Führung König Ingjalds), die Gauten zu unterwerfen, das politische und wirtschaftliche Zentrum verlagerte sich von Uppsala nach Birka. Die Verschmelzung beider Völker begann erst im 8. bzw. 9. Jahrhundert und zog sich wegen anhaltender Kämpfe zwischen den früh christianisierten Gauten und den an ihrer alten nordischen Religion lange festhaltenden Svear mindestens bis ins 10. Jahrhundert hin. Eine Vermischung mit finnischen Völkern fand nicht statt. Zur Reichseinigung Schwedens und somit zur Herausbildung eines Staates im heutigen Sinne kam es erst zwischen 995 und 1060 unter König Erik VIII. und dessen Sohn Olof Skötkonung, sie ging einher mit der Christianisierung Schwedens.Diercke Länderlexikon. Augsburg 1989, ISBN 3-89350-211-4. Neues Zentrum Schwedens wurde zunächst das christliche Sigtuna, ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts dann Stockholm.

Im Laufe politischer Differenzierung, Verselbständigung und gegenseitiger Abgrenzung der drei nordischen Völker voneinander bildete sich zwischen dem 11. und dem 16. Jahrhundert schließlich die von Dänen und Norwegern verschiedene Nation der Schweden heraus. Hochburg der antidänischen Nationalbewegung Schwedens war die ländliche Region Dalarna. Für die Konsolidierung der Nation war letztlich die im 15. und 16. Jahrhundert vollendete Abgrenzung der überwiegend bäuerlich geprägten und vom Landadel geführten schwedischen Volkskultur vom prodänischen Bürgertum und Beamtenadel der Küstenstädte entscheidend.Während im schwedischen Ständereichstag die Freibauern den dritten Stand bildeten (Markov/Anderle/Werner/Wurche, S. 224f.), war es in der dänischen Ständeversammlung ab 1468 das Bürgertum (Bohn, S. 42).Walter Markov, Alfred Anderle, Ernst Werner, Herbert Wurche: Kleine Enzyklopädie Weltgeschichte, Band 2. Bibliographisches Institut, Leipzig 1979, S. 224f.Robert Bohn: Dänische Geschichte C.H. Beck, München 2001, S. 15, 36, 39f., 42f., 45f., 48.Willy Andreas (Hrsg.): Die Neue Propyläen-Weltgeschichte, 3. Band. Propyläen-Verlag, Berlin 1940, S. 293–301.Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens. C.H. Beck, München 2007, S. 34ff.

Waräger und Kreuzritter

mini|Die Niederlage an der Newa gegen die Nowgoroder unter Alexander Newski setzte der Expansion in die einstigen Waräger-Gebiete ein Ende. Schweden und Russen waren längst verschiedene Nationen geworden.

Noch während die beiden schwedischen Völker der Svear und Gauten in der Heimat um den kargen Lebensraum, um Reichseinheit und Christianisierung kämpften, ließen sich die ersten schwedischen Auswanderer, seetüchtigen Händler und beutegierigen Krieger an den gegenüberliegenden Ufern der Ostsee nieder. Erste skandinavische bzw. schwedische Siedlungen entstanden ab dem 7. Jahrhundert im lettischen Grobiņa (Seeburg), in Kurland, Livland, Estland und in Finnland. Die als Waräger bezeichneten schwedischen Wikinger siedelten ab dem 8. Jahrhundert vor allem im Gebiet von Alt-Ladoga und Holmgard (Nowgorod) und dehnten im 9. Jahrhundert unter Rurik ihre Herrschaft über die Nowgoroder Rus aus. Obwohl wiederum Ruriks Gefolgsleute Askold und Dir eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Kiewer Rus spielten, gingen die skandinavischen Krieger und Händler im 10. und 11. Jahrhundert in der slawischen (russischen) Mehrheitsbevölkerung auf bzw. wurden assimiliert. Allerdings ist noch für die 1070er Jahre ein über Schweden herrschender König namens Anund Gårdske überliefert, der aus Alt-Ladoga (zurück) kam und bereits (orthodox?) christianisiert war. Letztlich haben die unterschiedliche Christianisierung (Schweden katholisch, die Kiewer Rus orthodox) und das kirchliche Schisma von 1054 die voneinander verschiedene Entwicklung von Schweden und russisch gewordenen Warägern besiegelt.

Nicht immer lassen sich Ostfahrten und Besiedlungen ausschließlich schwedischen Wikingern bzw. Warägern zuordnen, teilweise waren auch Dänen und Norweger beteiligt.Ulla Ehrensvärd, Pellervo Kokkonen, Juha Nurminen: Die Ostsee – 2000 Jahre Seefahrt, Handel und Kultur. National Geographic, Hamburg 2010, S. 36, 55. In Westeuropa wiederum wurden zeitweise alle dänischen, norwegischen und schwedischen Wikinger pauschal als Dänen oder Normannen zusammengefasst. So waren es eigentlich schwedische Wikinger, die im 9. und 10. Jahrhundert das dänische Haithabu (Hedeby) beherrschten. Auch ein Großteil der ersten skandinavischen Siedler im englischen Holderness (Yorkshire) sollen Schweden aus Uppland gewesen sein, und Rollos Normannen, die sich im 10. Jahrhundert in der Normandie ansiedelten, seien nicht ausschließlich Dänen und Norweger, sondern auch (von den Dänen aus Schonen vertriebene) Schweden gewesen.James William Barnes Steveni: Unknown Sweden. London/Southampton 1925, S. 24, 31, 33f., 107f., 324, 326.

Eine dauerhafte Besiedlung Finnlands kam jedoch erst mit den schwedischen Kreuzzügen seit Mitte des 12. Jahrhunderts zustande, in dieser Zeit entstand in Finnland die schwedische Stadt Åbo, das heutige Turku. Nach der Niederlage an der Newa (1240) war der schwedischen Expansion in Richtung der einst warägischen Stadtgründung Nowgorod ein Ende gesetzt, ein Nowgoroder Gegenangriff auf Åbo konnte jedoch abgewehrt werden. Ende des 13. Jahrhunderts war mit der Errichtung Wyborgs die Eroberung Finnlands abgeschlossen, doch die gleichzeitig an der Newa errichteten Festungen Nöteborg und Landskrona wurden 1301 von den Nowgorodern zerstört. Erst nach der Reformation, dem Zusammenbruch des Deutschen Ordens (1561) und dem Untergang der russischen Rurikiden konnten sich die Schweden erneut Livlands bzw. Estlands bemächtigen, 1617 auch Ingermanlands und 1621 schließlich Rigas. (1610 hatten sie sogar Nowgorod besetzen können, es jedoch schon 1617 wieder herausgeben müssen.)

Nationalstaat und Nationalismus

mini|In der Schlacht am Brunkeberg (1471) behaupteten sich antidänische Schweden gegen unionistische Dänen und prodänische Schweden. Die Schlacht wurde später zum nationalen Mythos überhöht.

Der schwedische Staat entwickelte sich im 17. Jahrhundert zu einer europäischen Großmacht und vorherrschenden Macht im Ostseeraum, die die seit Jahrhunderten dänisch beherrschten Regionen Südschwedens (Skåneland: Schonen, Halland, Blekinge) sowie einige norwegische Grenzgebiete (Jämtland, Härjedalen, Bohuslän) hinzugewinnen konnte. Nach der Niederschlagung prodänischer Aufstände wurde Schonens Bevölkerung enteignet und vertrieben; schwedische Offiziersfamilien wurden angesiedelt und die Region nachhaltig schwedifiziert.Robert Bohn: Dänische Geschichte, C.H. Beck, München 2001, S. 78 f. In dieser schwedischen „Großmachtzeit“ erreichte der vor allem von Olaus Magnus, Johannes Bureus und Olof Rudbeck propagierte Gotizismus (großgotischer Universalismus, schwedisch Göticism) unter Gustav Adolf einen Höhepunkt. Die Großmachtzeit ging jedoch mit dem Beginn des 18. Jahrhunderts zu Ende, die Ostseeherrschaft ging im Großen Nordischen Krieg verloren. Estland, Riga und Ingermanland fielen an Russland; infolge weiterer Kriege gingen schließlich 1809 auch Finnland und die Åland-Inseln verloren. Die 1814 den Norwegern aufgezwungene Personalunion mit Schweden wurde von den Norwegern abgelehnt und brach 1905 endgültig auseinander. Seitdem ist die schwedische Nation auf das „eigentliche Schweden“ (Egentliga Sverige), das heutige Königreich Schweden, beschränkt.