mini|Ceng-ceng ricik, sechs kleine Becken, die mit den beiden oben liegenden Becken in den Händen geschlagen werden mini|Ceng-ceng kopyak, Paarbecken, die im für zeremonielle Prozessionen verwendeten gamelan balaganjur gespielt werden Ceng-ceng, auch cengceng, cèng-cèng oder cheng-cheng, chèng-chèng, sind kleine Becken oder Zimbeln und größere Paarbecken, die in einigen Gamelans (klassischen Ensembletypen) in der balinesischen Musik zur rhythmischen Betonung meist im Zusammenspiel mit den Röhrentrommeln kendang eingesetzt werden. Folgende drei Formen werden unterschieden:
Beim ceng-ceng ricik, auch rincik oder rinchik, sind typischerweise fünf oder sechs kleine Becken mit der Öffnung der Schale nach oben waagrecht und teilweise überlappend auf einem meist als Schildkröte gestalteten hölzernen Korpus montiert. Der Musiker schlägt mit zwei weiteren Becken in seinen Händen darauf. Verwendet werden ceng-ceng ricik hauptsächlich im gamelan gambuh und im gamelan angklung. Früher waren auf Bali auch zwei getrennt auf einem hohen Sockel befestigte, etwas größere Becken rinchik, auch ceng-ceng angkep oder rincik gedé, gebräuchlich, auf die der Musiker mit zwei weiteren Becken in den Händen schlug. Eine Vorform war das javanische kechichèr mit einem einzelnen auf einem Brett befestigten Becken, auf das mit einem anderen Becken geschlagen wurde. Ceng-ceng kopyak sind große gegeneinander geschlagene Paarbecken unter anderem im gamelan balaganjur, das bei zeremoniellen Prozessionen spielt, im gamelan gong kebyar und in einigen Gamelans in der Musik von Lombok.
Herkunft und Verbreitung mini|Relief am Borobudur in Zentraljava aus dem 9. Jahrhundert. In der linken unteren Ecke ein Musiker mit einem Paarbecken. Die Musikgruppe begleitet eine Tänzerin mit weiteren typisch indischen, in Indonesien heute verschwundenen Musikinstrumenten: rechts neben dem Paarbecken ein Tontopf (ghatam) und Querflöten (bangsi), in der oberen Reihe mehrere Handstielglocken (ghanta) Bambus ist das in Südostasien am leichtesten verfügbare Material für Musikinstrumente, denn aus einem Bambusrohr kann mit wenig technischem Aufwand ein Stampfrohr, eine Flöte (suling), eine Maultrommel (genggong), eine Röhrenzither (guntang), eine Rassel von bestimmter Tonhöhe (angklung) oder ein Xylophon (gambang kayu) angefertigt werden.Vgl. Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. Dietrich Reimer, Berlin 1929, S. 88, 123 Rhythmisch oder melodisch verwendbare Musikinstrumente aus Bambus werden deshalb einer altmalaiischen Kulturschicht vor den zu Beginn des 1. Jahrtausends einsetzenden Einflüssen aus Indien und China zugeordnet.
Eine andere kulturelle Qualität gegenüber den in einem feuchten und heißen Klima wenig haltbaren Bambusgegenständen besitzen Musikinstrumente aus Bronze, die neben ihrem materiellen Wert in Indonesien durch das Material noch eine magische Bedeutung besitzen. Archäologische Fundorte in Nordostthailand wie Ban Non Wat und Ban Chiang belegen die technischen Fähigkeiten zur Bronzeherstellung in Südostasien ab etwa dem Ende des 2. Jahrtausends v. Chr.Charles Higham, Thomas Higham, Roberto Ciarla, Katerina Douka, Amphan Kijngam, Fiorella Rispoli: The Origins of the Bronze Age of Southeast Asia. In: Journal of World Prehistory, Band 24, 2011, S. 227–274, hier S. 247 Wann die Herstellung von Musikinstrumenten aus Bronze in Indonesien begann, ist unklar. Am buddhistischen Borobudur und am hinduistischen Tempel Prambanan in Zentraljava, die beide im 9. Jahrhundert erbaut wurden, sind auf Wandreliefs zahlreiche Musikinstrumente, aber noch keine Gongs erkennbar.Arsenio Nicolas: Gongs in Java, 13th to 16th Century: A Survey of Temple Bas-reliefs, Inscriptions and Literary Texts. Vortrag beim 12th Borobudur Writers and Cultural Festival Universitas Negeri Malang, East Java, Indonesia, 23.–27. November 2023, S. 143 Als Heimat der die Musik der indonesischen Gamelans prägenden Buckelgongs gilt Südchina, wo verschiedene Gongtypen seit der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends v. Chr. bekannt sind. Wie Funde aus küstennahen Schiffswracks belegen, gelangten durch den maritimen Handel in einer ersten Phase zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert zunächst Flachgongs, Glocken und Becken aus Bronze von dort in den Malaiischen Archipel.Arsenio Nicolas, 2009, S. 62
Der früheste derartige Fund eines Musikinstruments aus Bronze ist ein einzelnes Becken, das 1998 in einem Schiffswrack östlich von Sumatra zwischen den Inseln Belitung und Bangka entdeckt wurde. Das Schiff war wahrscheinlich im Süden der Arabischen Halbinsel (Jemen oder Oman) gebaut worden und ausschließlich mit Waren aus China beladen, als es im 9. Jahrhundert gegen ein Riff unweit des Fundortes lief.Pauline Burger, Armelle Charrié-Duhaut, Jacques Connan, Pierre Albrecht: The 9th-Century-AD Belitung Wreck, Indonesia: analysis of a resin lump. In: The International Journal of Nautical Archaeology, Band 39, Nr. 2, 2010, S. 383–386, hier S. 384 Das aus der chinesischen Tang-Zeit stammende Becken besitzt einen Durchmesser von 30,5 Zentimetern und ein kleines Loch in der Mitte des Buckels. Becken gehören zu den sehr seltenen Funden in Schiffswracks und da sie, anders als Buckelgongs, aus dünnwandigem Blech bestehen, sind sie meist nur schlecht erhalten.
Die älteste Abbildung von kleinen Becken findet sich am Candi Sari in der Region Yogyakarta in Zentraljava, einem buddhistischen Tempel, der Ende des 8. Jahrhunderts während des Mataram-Königreichs erbaut wurde. Ältere Darstellungen javanischer Musikinstrumente sind nur kleine Bronzeglöckchen in Reliefs an Tempeln auf dem Dieng-Plateau aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts. Becken in allen Größen und Glocken sind vor allem auf Reliefs am Borobudur und Prambanan abgebildet.Jaap Kunst, 1973, Band 1: S. 107f; Band 2: S. 417, Abb. 23; S. 418, Abb. 24 Weitere kleine Becken finden sich in einer Szene zusammen mit hantelförmigen Buckelgongs reyong auf einem Relief an der 1375 datierten Terrasse des Pavillons (pendopo) des Penataran-Tempels nördlich von Blitar.Jaap Kunst, 1973, Band 1: S. 110; Band 2: S. 421, Abb. 46
Während des bis Anfang des 16. Jahrhunderts bestehenden Majapahit-Reichs, der letzten hinduistischen Dynastie in Ostjava, gehörten Becken zusammen mit hängenden und liegenden Buckelgongs sowie Trommeln zu den laut tönenden Ensembles für die Musik im Freien bei Tempelfesten und bei militärischen Anlässen. Auf Java werden Becken heute nur noch vereinzelt eingesetzt,Jaap Kunst, 1973, Band 1: S. 113 dafür sind sie auf Bali als Rhythmusinstrumente von umso größerer Bedeutung. Die im Zuge der islamischen Eroberung Javas nach Bali geflohene Aristokratie der Majapahit-Dynastie übertrug ihre höfische Kultur auf die Nachbarinsel. Von dort berichten die ersten niederländischen Expeditionen in den Jahren 1595 bis 1597 über eine höfische Musik mit Buckelgongs, Metallophonen, Becken und Trommeln.Rüdiger Schumacher, Henry Spiller: Indonesien. III. Bali. 1. Musikgeschichte. In: MGG Online, November 2021
mini|Kesi, ein Set aus zwei Beckenpaaren in Malaysia Die Verwendung von Becken in der Musik der südostasiatischen Inseln beschränkt sich heute im Wesentlichen auf Bali und Lombok, während Ensembles mit Buckelgongs auf dem Festland und auf den Inseln zwischen Sumatra, Borneo und dem Süden der Philippinen weit verbreitet sind.Arsenio Nicolas, 2009, S. 78 In den Aufzeichnungen von Antonio Pigafetta, Chronist von Ferdinand Magellans Erdumsegelung, aus dem Jahr 1521 wird ein Ensemble auf der philippinischen Insel Cebu beschrieben, das aus einem großen hängenden Buckelgong („aghon“, gemeint agung), zwei weiteren hängenden Buckelgongs, einer Standtrommel und einem in den Händen gehaltenen Paarbecken bestand. Die Gongs waren demnach in „Signio Magno“ (China) hergestellt. Ähnliche Ensembles werden heute in den südlichen Philippinen gespielt, mit dem Unterschied, dass heute kein Paarbecken, sondern die – in einem spanischen Bericht aus dem 17. Jahrhundert erwähnte – Gongreihe kulintang eingesetzt wird.Hans Brandeis: Life and Death of Philippine Music. In: Golden Inheritance: The Gift of Mindanao Music as Heritage. Museo Dabawenyo, Davao 2018, S. 1–4, hier S. 1; Arsenio Nicolas, 2009, S. 86
In den klassischen Ensembles auf dem südostasiatischen Festland haben Becken nach wie vor eine große Bedeutung. In mehreren thailändischen und kambodschanischen Ensembletypen mit Buckelgongs (khong) geben die Handzimbeln ching und chap die metrische Struktur vor. Dieselbe Funktion erfüllen in der burmesischen Musik die großen Paarbecken yagwin und die kleinen Zimbeln si. In Vietnam werden Buckelgongs und Flachgongs verwendet, zusammen mit großen Becken chập chõa und Handzimbeln bạt. In Malaysia kommt ein kesi genanntes Set aus Becken vor, das dem balinesischen ceng-ceng ricik ähnelt und in der Begleitmusik von Tanztheatern eingesetzt wird.William P. Malm: Music in Kelantan, Malaysia and some of its Cultural Implications. (Studies in Malaysian Oral and Musical Traditions. Michigan Papers on South and Southeast Asia, Band 8) University of Michigan, Ann Arbor 1974, S. 5 Zwei oder vier Becken mit einem halbrunden Buckel und einem breiten flachen Rand sind auf einem liegenden Brett angebracht und werden vom Musiker mit zwei weiteren Becken in seinen Händen geschlagen. Es entstehen metallisch klingende, aber durch den direkten Kontakt mit dem Brett gedämpfte Töne.Jack Percival Baker Dobbs, Patricia Matusky: Malaysia. I. West Malaysia. 1. The Malays. (i) Instruments. In: Grove Music Online, 2001; Musical Instruments of Peninsular Malaysia: Idiofons. www.rickshriver.net
Curt Sachs (1923) nahm an, Becken seien im Malaiischen Archipel gänzlich unbekannt.Curt Sachs: Die Musikinstrumente Indiens und Indonesiens. 2. Auflage, Vereinigung wissenschaftlicher Verleger, Berlin/Leipzig 1923, S. 18: „Bezeichnenderweise fehlen sie [Becken] trotz zum Teil sehr hochstehender Bronzetechnik in Malāka und Indonesien, da die Malaien erst spät und nur in geringem Umfang dem oben umschriebenen Kulturkreis [Indien] angeschlossen wurden.“ Er übersah die Musiktraditionen von Java und Bali sowie den Eintrag in B. F. Matthes’ Makassaarsch-Hollandsch woordenboek von 1859, worin es zum Stichwort „kanjtjing“ heißt: „fürstliche pabôñgka sêtañg bestehend aus zwei kleinen Becken, die gegeneinandergeschlagen werden“.Benjamin Franklin Matthes: Makassaarsch-Hollandsch Woordenboek, met hollandsch-makassaarsche woordenlijst opgave van makassarsche plantennamen, en verklaring van een tot opheldering bijgevoegden ethnographischen atlas. Nederlands Bijbelgenootschap, Amsterdam 1859, S. 32; zu „pabôñgka sêtañg“ S. 149 Makassar wird im Süden der Insel Sulawesi gesprochen. Von dort weiß das Wörterbuch zu berichten, dass „Teufelsaustreiber“ mit gewissen Hilfsmitteln („pabôñgka sêtañg“), das heißt mit Handzimbeln, bei Krankheiten, Geburten, Beschneidungen und Hochzeiten böse Geister fernhielten. Handzimbeln von Anfang des 20. Jahrhunderts aus dieser Region haben einen Durchmesser von neun Zentimetern.Walter Kaudern: Ethnographical studies in Celebes: Results of the author’s expedition to Celebes 1917–1920. III. Musical Instruments in Celebes. Elanders Boktryckeri Aktiebolag, Göteborg 1927, S. 19 Die Handzimbeln in Südsulawesi wurden damals vermutlich aus Java eingeführt, ebenso wie die gelegentlich zusammen mit dem Gongspiel meko auf der Insel Roti verwendeten Paarbecken bitala. Heute werden kleine Becken in Sulawesi (kancing oder sia-sia) für Ritualtänze und in der Unterhaltungsmusik gespielt. Auf den zur Provinz Maluku Utara gehörenden Inseln werden Paarbecken (dabi-dabi oder cik) lokal hergestellt. Zusammen mit Gongs verwenden einige Gruppen der Batak in der Provinz Sumatra Utara Paarbecken in unterschiedlichen Besetzungen.
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