mini|Louisa Martindale Louisa Martindale (* 30. Oktober 1872 in Leytonstone, Essex; † 5. Februar 1966 in London) war eine englisch-britische Ärztin, Chirurgin und Autorin. Sie war außerdem als Friedensrichterin am Brighton-Gericht tätig, Gefängniskommissarin und Mitglied des National Council of Women. Im Ersten Weltkrieg diente sie bei den Scottish Women’s Hospitals im Kloster Royaumont in Frankreich und im Zweiten Weltkrieg als Chirurgin in London. Mit ihren Schriften propagierte sie die Medizin als Beruf für Frauen.
Leben Martindale war das erste Kind von William Martindale (ca. 1832–1874) und seiner zweiten Frau Louisa, geborene Spicer. Die Familie hatte einen Hintergrund im Kongregationalismus. Ihre Mutter, „eine Verfechterin eines weiteren Lebens für Frauen“, war eine aktive Suffragistin und Mitglied der Women’s Liberal Federation und der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS). In den 1880er Jahren hielt sie regelmäßig offene Treffen für Verkäuferinnen aus Brighton ab, und die junge Louisa Martindale wuchs in einem Umfeld auf, das ihre zukünftige Laufbahn prägte.
Nach dem Tod von William Martindale zog die Familie nach Cornwall, dann nach Deutschland und in die Schweiz, bevor sie schließlich nach England zurückkehrte und in Lewes, East Sussex, lebte. 1885 zog die Familie erneut um, diesmal nach Brighton, damit Martindale und ihre Schwester Hilda die Brighton High School for Girls besuchen konnten.
Mit 17 Jahren begann sie die Ausbildung zur Ärztin und ging an das Royal Holloway, University of London in Egham, wo sie 1892 ihre London Matriculation erwarb. 1893 trat sie in die London School of Medicine for Women ein, erlangte 1899 ihren Bachelor of Medicine, Bachelor of Surgery. Im Jahr 1900 ging sie nach Kingston upon Hull als Assistentin von Mary Murdoch. Martindale wurde Partnerin in der Praxis von Murdoch. 1902 unternahmen sie gemeinsam eine Radreise nach Wien, Berlin und in die Schweiz. Die berufliche Partnerschaft bestand bis 1906. Martindale widmete dieser Zeit später ein eigenes Kapitel in ihrer Autobiografie.
Nach fünf Jahren in Hull erwarb Martindale 1906 ihren Doktor der Medizin und kehrte nach Brighton zurück. Sie eröffnete ihre eigene Allgemeinpraxis und wurde bald gebeten, dem Lewes Road Dispensary for Women and Children (das 1911 zur Brighton-Niederlassung des Lady Chichester Hospital wurde) als Visiting Medical Officer beizutreten.
Martindale war Mitglied des nationalen Exekutivkomitees der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS). Sie war keine militante Suffragette, half aber dabei, Mitglieder der militanten Women’s Social and Political Union (WSPU) vor der Polizei zu verstecken. Louisa verfasste für die NUWSS 1909 eine Broschüre über Prostitution, Under the Surface, in der sie resümierte:
Als sie veröffentlicht wurde von Mitgliedern des House of Commons „obszön“ bezeichnet wurde und deren Rücknahme gefordert wurde. 1922 schrieb sie eine aktuelle Geschichte der Frauen in der Medizin, The Woman Doctor and Her Future, und 1951 eine Autobiografie, A Woman Surgeon.
Im Ersten Weltkrieg diente sie bei den Scottish Women’s Hospitals von Elsie Inglis im Kloster Royaumont in Frankreich und im Zweiten Weltkrieg als Chirurgin in London.
1920 war sie maßgeblich an der Gründung des New Sussex Hospital for Women in Brighton beteiligt und bekleidete dort bis 1937 die Position der leitenden Chirurgin und Ärztin. Nach einem Umzug nach London und dort als beratende Chirurgin arbeitend, wurde Martindale ehrenamtlich Chirirgin am Marie Curie Hospital. Martindales medizinische Interessen waren mitunter kontrovers, insbesondere ihre Studien zu Geschlechtskrankheiten und Prostitution. Sie legte auch die Grundlagen für die Forschung zur Behandlung von Gebärmutterkrebs und Myomen bei Frauen mittels intensiver Röntgentherapie. Schließlich spezialisierte sie sich auf die Frühbehandlung von Gebärmutterhalskrebs durch Röntgenstrahlen, publizierte dazu diverse Fachbeiträge und hielt später Vorträge in Großbritannien, den USA und Deutschland.
1931 wurde Martindale zur Präsidentin der Medical Women’s Federation gewählt. Im selben Jahr erhielt sie den Titel eines Commander of the Order of the British Empire (CBE). Zwei Jahre später wurde sie Fellow des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists. 1937 wurde Martindale als erstes weibliches Mitglied in den Rat des Royal College of Obstetricians and Gynaecologists berufen. Als aktives Mitglied der Brighton Women’s Franchise Society war sie zudem viele Jahre als Friedensrichterin tätig, war Gefängniskommissarin und Mitglied des National Council of Women.
Martindale heiratete nie und lebte mehr als drei Jahrzehnte mit einer anderen Frau, Ismay FitzGerald († um 1946), Tochter des Baron FitzGerald of Kilmarnock.
Martindale zog sich 1947 aus der Praxis zurück. Sie starb am 1966 im Alter von 93 Jahren in ihrem Haus in London.
Im Juni 2023 eröffnete das Royal Sussex County Hospital in Brighton ein neues, 500 Millionen Pfund teures, elfstöckiges Gebäude, das zu ihren Ehren als Louisa Martindale Building benannt ist.
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