Jana Stanislawowna Djagilewa (; * 4. September 1966 in Nowosibirsk; † Mai 1991 nahe Nowosibirsk), kurz Janka Djagilewa, war eine russische Sängerin, Liedermacherin und Dichterin des sibirischen Punk. Sie zählte zu den bedeutendsten Figuren der sibirischen Untergrundszene; ihr früher Tod gilt vielfach als symbolisches Ende dieser Bewegung. Ihre Lieder verbanden rohe Folk-Punk-Ästhetik mit poetischen Bildern aus dem sowjetischen Alltag und verbreiteten sich als inoffizielle Kassettenaufnahmen.

Leben Djagilewa wurde 1966 in Nowosibirsk geboren und wuchs als schüchternes Einzelkind auf. Ab Mitte der 1980er-Jahre besuchte sie illegale Wohnungskonzerte (Kwartirniki) und stieg in die lokale Punk-Szene ein; 1986 brach sie ihr Studium ab. Im Jahr 1987 lernte sie Jegor Letow kennen, mit dem sie zeitweise liiert war; er zeichnete ihre Lieder im Omsker Heimstudio GrOb Records auf. Sie trat zunächst mit Letows Band Graschdanskaja oborona auf und tourte anschließend allein; insgesamt blieben 29 eigene Titel als Vermächtnis. Djagilewa mied die Öffentlichkeit und gab keine Interviews. Am 9. Mai 1991 verließ sie eine Datscha bei Nowosibirsk und kehrte nicht zurück; acht Tage später wurde ihr Leichnam aus der Inja geborgen, die genauen Umstände ihres Todes blieben ungeklärt.

Wirken Djagilewas Stil vereinte westliche Rockelemente mit russischer Volksliedtradition und der Lyrik der Perestroika; häufig trat sie nur mit Akustikgitarre und klarer, eindringlicher Stimme auf. Ihre Texte – oft von Alltags- und Herrschaftssymbolik wie Gleisen, Zigaretten, Unterführungen und dem Bild des Eisernen Felix durchzogen – wurden in inoffiziellen Konzerten und per Kassette im Untergrund verbreitet. Im Kontext des sibirischen Punk entstanden die Aufnahmen unter prekären Bedingungen, während die staatliche Zensur Auftritte nur mit Genehmigung zuließ. Zu ihren bekannten Stücken zählen По трамвайным рельсам (‚Entlang der Tramgleise‘) und Печаль моя светла (‚Meine Trauer ist leuchtend‘). Nach ihrem Tod wurde ihr Werk vielfach wiederveröffentlicht; das Label Wyrgorod legte 2018 Деклассированным элементам (‚Den deklassierten Elementen‘) neu auf, wofür InterMedia den restaurierten Klang als „Offenbarung“ lobte. In den Vereinigten Staaten machte die in Brooklyn lebende Sängerin Alina Simone Djagilewas Lieder mit dem Cover-Album Everyone Is Crying Out to Me, Beware (2007) einem neuen Publikum bekannt. Der britische Dokumentarfilmer Adam Curtis nutzte ihre Musik in HyperNormalisation sowie in der Live-Show Everything Is Going According to Plan mit Massive Attack. In ihrer Heimat wurde 2014 an ihrem Wohnhaus in Nowosibirsk eine Gedenktafel angebracht.

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