Udo Sierck (* 1956 in Hamburg) ist ein deutscher Autor und Aktivist der Behindertenbewegung, der seit den späten 1970er-Jahren Debatten um Selbstbestimmung und Antidiskriminierung in Bezug auf Menschen mit einer Behinderung mitgeprägt hat.

Leben Sierck wuchs in Hamburg auf, besuchte zunächst die Sonderschule, wechselte später ans Gymnasium und studierte Bibliothekswesen sowie anschließend Ethnologie und Geschichte. Er lebt mit einer spastischen Einschränkung infolge von Komplikationen nach einer Operation bei der Geburt mit kurzzeitiger Sauerstoffunterversorgung. Politisiert wurde er in den 1970er-Jahren durch die Proteste gegen das Kernkraftwerk Brokdorf. Aus dieser Erfahrung heraus schloss er sich der Hamburger „Krüppelgruppe“ an. Als Autor schrieb er für die Krüppelzeitung, die aus der Behindertenbewegung heraus entstand und Diskriminierung öffentlich thematisierte. Am 18. Februar 1987 durchsuchte das Bundeskriminalamt auf Anordnung des Bundesgerichtshofs im Zusammenhang einer Dokumentation zur „Roten Zora“ und Unterlagen aus humangenetischen Beratungsstellen seine Wohnung sowie die Hamburger Lokalredaktion der taz.

Wirken Sierck tritt für den Abbau von Sonderinstitutionen wie Sonderschulen und Werkstätten ein, kritisiert den „Mythos“ des geschützten Raums und plädiert für inklusive Bildungs- und Arbeitswege sowie gesellschaftlichen Respekt gegenüber behinderten Menschen. Zur Sichtbarkeit der Bewegung beteiligte er sich an provokanten, öffentlichkeitswirksamen Aktionen und verwies auf Regelüberschreitungen als politisches Mittel; 1987 nahm er etwa zur Problematisierung diskriminierender Sprache an einem Sit-in im Foyer des Nachrichtenmagazins Der Spiegel teil. Er veröffentlichte Der Pannwitzblick. Wie Gewalt gegen Behinderte entsteht (1993) und Widerspenstig, eigensinnig, unbequem: Die unbekannte Geschichte behinderter Menschen (2017). Mit Frech und frei – 50 Jahre Kämpfe der Behindertenbewegung (2025) legte Sierck eine komprimierte Zeitgeschichte der Behindertenbewegung vor. Veröffentlichungen (Auswahl) Macht und Gewalt – tabuisierte Realitäten in der Behindertenhilfe, Juventa Verlag, Weinheim, 2019, ISBN 978-3-7799-3946-7 Bösewicht, Sorgenkind, Alltagsheld: 120 Jahre Behindertenbilder in der Kinder- und Jugendliteratur, Juventa Verlag, Weinheim, 2021, ISBN 978-3-7799-6332-5 Körperkult und Behinderung: eine Geschichte zwischen Erniedrigung und Faszination, AG SPAK Bücher, Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise, Neu-Ulm, ISBN 978-3-945959-71-8 Erniedrigung, Faszination, Emanzipation: Körper (kult) und Behinderung, Juventa Verlag ein Imprint der Julius Beltz GmbH & Co. KG, Weinheim, 2023, ISBN 978-3-7799-7020-0 Frech und frei: 50 Jahre Kämpfe der Behindertenbewegung, Assoziation A, Berlin, 2025, ISBN 978-3-86241-514-4

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Einzelnachweise

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