mini|Feldschlösschen Brauerei Burg (bei Magdeburg) 2025 Die Liste der Brauereien in Burg (bei Magdeburg) führt die existierenden und ehemaligen Brauereien im Gebiet der Stadt Burg (bei Magdeburg) auf.
Die Bierbrauereien und die damit verbundene Brautradition stellten über Jahrhunderte einen bedeutenden Wirtschaftszweig der Stadt dar. Von den ersten Nachweisen im 12. Jahrhundert bis zur Schließung der letzten Braustätte im Jahr 1990 prägte die Bierproduktion die städtische Geschichte, die Architektur und die Kultur der Region.
Geschichte mini|Sankt-Petri-Kirche, 2010
Anfänge bis zur frühen Neuzeit Erste Hinweise auf eine etablierte Bierkultur in Burg lassen sich bis in das 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Niederländische Siedler brachten fortschrittliche Kenntnisse der Braukunst in die Stadt. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit war das Brauen von Bier nicht nur für die Eigenversorgung, sondern auch als Handelsgut essenziell. Die Nachfrage war zeitweise so hoch, dass selbst sakrale Bauten umgewidmet wurden: Die St. Petri Kirche diente zeitweilig als Brauhaus.
Einen quantitativen Höhepunkt erreichte das Brauwesen im 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit wurden in der Stadt 140 Häuser gezählt, die das Braurecht besaßen. Ein historisch besonders signifikantes Datum ist das Jahr 1576, das als Gründungsjahr der Steinhaus-Brauerei gilt. Diese Braustätte sollte über vier Jahrhunderte Bestand haben; hier wurde bis zum Jahr 1983 das Burger „Steinhaus Bier“ gebraut.
Industrialisierung (19. Jahrhundert) mini|Schriftzug „Brauerei TH. Krepper“ an ehemaliger Brauerei Fassade in der Magdeburger Straße 43 mini|hochkant|Werbung für den Verkauf von Steinhaus Bier an der Fassade der Bergstraße 7A - „Literweise und Flaschenbier Verkauf aus der Dampfbrauerei zum Steinhause“ mini|hochkant|Gambrinus-Abbildung am Wohngebäude in der Brüderstraße 27 mit dem Spruch „Hopfen u. Malz - Gott erhalt's“ Mit dem Einzug der Industrialisierung veränderte sich die Braulandschaft grundlegend. Die hohe Zahl der kleinen Hausbrauereien ging zugunsten größerer, effizienterer Betriebe zurück. Während im 19. Jahrhundert noch 24 Brauereien in Burg ansässig waren, setzte um die Jahrhundertwende ein starker Konzentrationsprozess ein.
Um 1900 existierten schließlich nur noch sechs Brauereien. In dieser Phase wurde die Produktion vorwiegend von Familienbetrieben dominiert, darunter die Familien Schmidt, Gebhardt, Krepper, Pabst und Kleinlein.
Statistiken aus dem Jahr 1900 belegen den hohen Stellenwert des Bieres in der Stadt: Im Pro-Kopf-Verbrauch belegte Burg damals deutschlandweit den zweiten Platz direkt nach München. Gebraut wurde oft mit Wasser aus dem Fluss Ihle.
Niedergang und Schließung (20. Jahrhundert) Die wirtschaftliche Lage nach dem Zweiten Weltkrieg traf das lokale Brauwesen schwer. In der direkten Nachkriegszeit blieben zunächst nur noch die Brauereien Schmidt (Steinhaus) sowie Feldschlösschen erhalten. Beide wurden später in der DDR verstaatlicht bzw. in Volkseigene Betriebe (VEB) überführt.
Die Steinhaus-Brauerei stellte 1983 ihre Bierproduktion ein und füllte danach nur noch alkoholfreie Getränke ab. Das endgültige Ende der industriellen Burger Brautradition markierte die politische und wirtschaftliche Wende in Deutschland. Als letzte verbliebene Braustätte stellte die Brauerei Feldschlösschen im Jahr 1990 ihren Betrieb ein.
Wiederbelebungsversuche (21. Jahrhundert) Zwischen 2011 und 2015 wurde das „Steinhaus Bier“ vom Inhaber des Burger Steinhauses als Marke neu aufgelegt. Dieses Bier wurde jedoch nicht vor Ort, sondern von der Brauerei Landsberg nahe Halle (Saale) gebraut und abgefüllt.
Architektur mini|Restaurierter Eingang zum Eiskeller auf dem Burger Weinberg mini|Eiskeller Weinberg Burg
Historische Eiskeller Ein bedeutendes architektonisches Erbe der Burger Brautradition sind die historischen Eiskeller, die vorwiegend um 1850 am südlichen Fuß des Weinbergs in den Berg geschlagen wurden. Da die natürliche Umgebungstemperatur unter Tage für die Lagerung des Bieres nicht ausreichte, wurde Eis aus den umliegenden Kolken (Gewässern) gesägt und in die Keller verbracht, um das Bier auch über den Sommer kühl und haltbar zu machen.
Einige dieser Kelleranlagen weisen beachtliche Dimensionen auf. Ein gut erhaltenes Beispiel umfasst rund 400 Quadratmeter Fläche mit bis zu acht verschiedenen Gewölben aus Backstein. Nach dem Ende der Brauereinutzung dienten die Keller im 20. Jahrhundert diversen Zwecken, unter anderem als Luftschutzkeller, Lazarett oder Lager für Obst und Gemüse.
Im Zuge der Landesgartenschau 2018 in Burg wurden Teile der historischen Kelleranlagen saniert und durch Lichtinstallationen für die Öffentlichkeit visuell erlebbar gemacht, wenngleich eine vollständige touristische Nutzung aus Sicherheitsgründen eingeschränkt blieb.
Liste der Brauereien EmblemBrauereiProduktionszeitraumLageGeschichtlicher Abrissrahmenlos|200pxSteinhaus-Brauerei1576 – 1972 (1983)Schartauer Str. 11Die Steinhaus-Brauerei in Burg wurde 1576 gegründet und blickt auf eine über 400-jährige Tradition zurück. Einen bedeutenden Aufschwung erfuhr sie ab 1802 unter der Familie Schmidt, die den Betrieb modernisierte und zu einer führenden regionalen Brauerei ausbaute. Nach der Verstaatlichung zu DDR-Zeiten wurde die Bierherstellung am historischen Standort in der Schartauer Straße im Jahr 1972 endgültig eingestellt, wobei das Unternehmen als VEB noch bis 1983 existierte. Das denkmalgeschützte Gebäude ist bis heute erhalten.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023rahmenlos|200pxFeldschlößchen-Brauerei Burg1889 – 1975 (1990)Grabower Chaussee 40Die Brauerei Feldschlößchen ging aus der 1889 von lokalen Gastwirten gegründeten Vereins-Brauerei hervor, die im Oktober 1889 die Produktion aufnahm und im Jahr 1899 ihren bekannten Namen erhielt. Zur Sicherung des Absatzes erwarb das Unternehmen, das bis zum Zweiten Weltkrieg seine Blütezeit erlebte, zahlreiche Gasthäuser in der Region sowie eine eigene Ziegelei. Nach der Verstaatlichung 1948 und der späteren Eingliederung in das „VEB Kombinat Vereinigte Brauereien Magdeburg“ produzierte der Betrieb bis zur Einstellung des Braubetriebes im Jahr 1975 als letzte Braustätte der Stadt diverse Biersorten. Bis zur endgültigen Schließung 1990 wurden am Standort noch alkoholfreie Getränke hergestellt.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023rahmenlos|200pxBrauerei Th. Krepper1865 – 1924Magdeburger Str. 44Die Brauerei Th. Krepper wurde 1865 gegründet und firmierte bis 1870 zunächst als Porter- u. Lagerbierbrauerei Th. Krepper & Co oHG, bevor der Betrieb nach mehreren Inhaberwechseln ab 1884 schließlich unter dem Namen Brauerei Th. Krepper Inh. Gustav Biebendt geführt wurde. Ab 1903 hieß das Unternehmen bis zur Einstellung des Betriebes 1924 „Brauerei Th. Krepper oHG“.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei A. Gebhardt & Co1865 – 1909Brüderstr. 48Die Brauerei A. Gebhardt & Co wurde im Jahr 1865 gegründet. Zunächst ab 1887 als Brauerei Albert Gebhardt bekannt, führte das Unternehmen ab 1895 bis zur Schließung 1909 den Namen Brauerei A. Gebhardt & Co.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei Hermann Gebhardt? - 1917Markt 19Die Brauerei Hermann Gebhardt, Markt 19, firmierte bis 1883 als Brauerei A. Gerhard und wurde 1917 geschlossen.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei Gottlob Hülsenbeck Burg1878 – 1917Breiter Weg 31Die Brauerei Gottl. Hülsenbeck ging aus der Braunbierbrauerei Christian Hesse hervor und erlebte im Laufe ihres Bestehens zahlreiche Namenswechsel. Nach der Umbenennung in Brauerei Chr. Hesse Nachf., Gebr. Hesse im Jahr 1864 firmierte der Betrieb ab 1887 als Brauerei Gottlob Hülsenbeck. Im Jahr 1899 erhielt sie den Namen Brauerei Gottl. Hülsenbeck Inh. Oskar Schrader und wurde 1917 geschlossen.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei Georg Röder1865 – 1880Die Brauerei Georg Röder wurde im Jahr 1865 gegründet und firmierte bis 1872 zunächst unter dem Namen Brauerei H. Könnicke, bevor sie bis 1880 schließlich als Brauerei Georg Röder bekannt war.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei Johannes Kleinlein1865 – 1917Große Brahmstr. 5Die Brauerei Johannes Kleinlein wurde im Jahr 1865 gegründet und firmierte im Laufe ihrer Geschichte unter verschiedenen Namen. Nach den Stationen als Brauerei W. Milarch bis 1880 und Brauerei H. Siebert bis 1887 trug der Betrieb ab 1908 den Namen Brauerei Johannes Kleinlein, bevor er bis zur Schließung 1917 als Brauerei Johannes Kleinlein, Inh. Johs. Kleinlein Wwe. geführt wurde.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei Carl Steinbachvor 1860–1880Breiter Weg 5Die Brauerei Carl Steinbach wurde vor 1860 gegründet. Nachdem der Betrieb bis 1870 unter dem Namen Bayerische Bierbrauerei Friedrich Papst firmierte, war er bis 1880 schließlich als Brauerei Carl Steinbach bekannt.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei Georg Pfeffer1865 – 1906Zerbsterstr. 33Die Brauerei Georg Pfeffer wurde im Jahr 1865 gegründet und durchlief eine wechselvolle Geschichte mit zahlreichen Namensänderungen. Nach den Bezeichnungen Brauerei Wilhelm Schmidt bis 1872, Brauerei Ludwig Schmidt bis 1880 und Brauerei Hermann Thie bis 1894 firmierte der Betrieb bis 1904 kurzzeitig als Brauerei Julius Pfeffer, bevor er schließlich bis 1906 den Namen Brauerei Georg Pfeffer erhielt.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023Brauerei G. W. Schumannvor 1865–1878Die Brauerei G. W. Schumann wurde vor 1865 gegründet und stellte ihren Betrieb als Brauerei Robert Schumann 1878 wieder ein.Historisches Brauereiverzeichnis Deutschland ab ca. 1980, Herausgeber: Internationaler Brauereikultur-Verband e. V., Stand 8/2023rahmenlos|200pxW. Krockers SöhneBierbrauerei zum Felsen
Einzelnachweise
Kategorie:Burg (bei Magdeburg) Burg bei Magdeburg Burg bei Magdeburg Kategorie:Biergeschichte (Deutschland) Burg