Der Geburtstagsfilm für Joseph Goebbels war ein 1940 von Heinz Rühmann gedrehter rund 15-minütiger Farb-Kurzfilm, produziert von der Deutschen Wochenschau GmbH. Der Film war ein Geburtstagsgeschenk der UFA für den nationalsozialistischen Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels zu dessen 43. Geburtstag. Derartige Geschenke für Goebbels waren bereits seit 1935 üblich geworden. Im Mittelpunkt stehen die seinerzeit fünf Kinder der Familie Goebbels in einer ländlichen Idylle, auch Goebbels’ Ehefrau Magda tritt in Erscheinung.

Der „zuckersüße Kinderverherrlichungsstreifen“Torsten Körner: Ein guter Freund. Heinz Rühmann – Biographie. Aufbau, Berlin 2001, S. 214. ist heute öffentlich zugänglich. Er löst starke Reaktionen aus, da alle fünf dort gezeigten Kinder 1945 gemeinsam mit der später geborenen Tochter Heidrun auf Veranlassung ihrer Eltern und unter Mitwirkung der Mutter im Führerbunker ermordet wurden.

Inhalt mini|Die Familie Goebbels um 1942. Von links unten nach oben rechts: Helmut, Hedwig, Heidrun, Holdine, Magda Goebbels, Joseph Goebbels, Hildegard und Helga; in Uniform Magda Goebbels’ Sohn aus erster Ehe, Harald Quandt.

Der Film ist weitgehend mit Musik unterlegt und beginnt vor dem Landhaus der Goebbels auf Schwanenwerder.Goebbels-Geburtstagsfilm - 29.10.1940. In: filmportal.de. Abgerufen am 27. Januar 2026 Die Goebbels-Kinder laufen einen Weg entlang und versammeln sich schließlich vor dem Haus. Die drei ältesten Kinder Helga, Hildegard und Helmut tragen ihrem Vater ein Ständchen vor.

Es folgt eine Szene mit zwei der Kinder lachend auf einer Wippe. Am Grammophon singen sie das Lied Mein Papi ist mein bester Kamerad! Helmut spielt zunächst neben einem Ritterburg-Modell mit einem Artilleriekanonen-Modell, ehe seine älteste Schwester Helga ihn zu sich und den anderen Kindern ruft. Anschließend spielen sie in einem Tiergehege, in dem sich Zicklein, Enten, Meerschweinchen, Kaninchen und ein Weißstorch befinden.

Danach imitieren die Kinder das Waschen von Wäsche, bis ein Hausdiener sie ins Haus zum Essen bittet. Die Kinder laufen ins Haus und essen dann mit ihrer Mutter Magda Goebbels zusammen.

Später verlassen die Kinder mit Musikinstrumenten das Haus. Sie imitieren eine Musikkapelle, im Hintergrund wird echte Musik abgespielt.

Entstehung und Produktion Die UFA drehte, vermutlich etwa ab 1935, jedes Jahr einen Film als Geschenk für den Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Im Mittelpunkt dieser Filme standen nach Fritz Hipplers Erinnerung immer die Kinder der Familie Goebbels.Lutz Hachmeister, Michael Kloft (Hrsg.): Das Goebbels-Experiment – Propaganda und Politik. DVA, München 2005, ISBN 3-421-05879-2, S. 218; Torsten Körner: Ein guter Freund. Heinz Rühmann – Biographie. Aufbau, Berlin 2001, S. 214. Diese Filme wurden recht aufwendig produziert; so nahm die Herstellung des Geburtstagsfilms 1941 sechs Drehtage in Anspruch und kostete über 28.000 Reichsmark.Torsten Körner: Ein guter Freund. Heinz Rühmann – Biographie. Aufbau, Berlin 2001, S. 391 (Anmerkung 40). Die Filme wurden von unterschiedlichen Regisseuren und Produktionsfirmen gedreht und hergestellt.

1940, anlässlich des 43. Geburtstags von Goebbels am 29. Oktober, führte Heinz Rühmann Regie. Diese Funktion ist aus den Tagebüchern von Goebbels bekannt, im Film selbst weist nichts darauf hin. Die Kameraführung übernahm Heinz Sasse, der damals bei der Deutschen Wochenschau als Kameramann arbeitete. Die „ungewöhnliche Kombination eines Spielfilmregisseurs und -schauspielers […] mit einem Wochenschaukameramann“ geht wohl darauf zurück, dass Sasse als überzeugter Anhänger der NSDAP galt und daher für die Tätigkeit in einem „privaten Filmporträt der Familie Goebbels“ besonders passend erschien.Dirk Alt: „Der Farbfilm marschiert!“ Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933–1945. Belleville, München 2013, S. 341. Sasse filmte einige Jahre später unter anderem die Hinrichtungen der Attentäter vom 20. Juli und war an zwei Ausgaben der Panorama-Farbmonatsschau beteiligt.Dirk Alt: ‚Front in Farbe‘. Color Cinematography for the Nazi Newsreel, 1941–1945. In: Historical Journal of Film, Radio and Television, Jg. 31, Nr. 1, März 2011, S. 43–60, hier: S. 46 und S. 54–55. Wer für den Ton und insbesondere die Musikuntermalung verantwortlich war, ist nicht bekannt. Das von den Kindern zum Grammophon gesungene Lied Mein Papi (auch: Pappi) ist mein bester Kamerad jedenfalls ist ein von Willy Geisler komponiertes und Margot Saldern getextetes Kinderlied, das zur Zeit des Films neu war. Die Noten wurden 1938 in Hofmeisters Musikalisch-literarischem Monatsbericht verzeichnet, das Lied wurde mehrfach auf Schellackplatten eingespielt.Siehe Eintrag 1 und Eintrag 2 in der Deutschen Nationalbibliothek; Musikalisch-literarischer Monatsbericht, 1938, S. 53. Goebbels kannte es bereits, denn die Kinder hatten ihn ausweislich seines Tagebuchs am 6. September „mit ihrem neuen Lied“ empfangen.Tagebucheintrag Joseph Goebbels, 6. September 1940. In: Elke Fröhlich (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Band 8, April–November 1940. K. G Saur, München, S. 310. Die Filmproduktion übernahm die eben erst gegründete Deutsche Wochenschau GmbH.

Der Film setzte das neue Farbfilmverfahren Agfa Agfacolor ein. Es war erst 1936 vorgestellt worden, damals jedoch nur für Fotografie und Schmalfilme. Der Kinefilm im neuen Agfacolor-Verfahren stand frühestens 1937/1938 zur Verfügung, wurde aber zunächst nur experimentell genutzt.Dirk Alt: „Der Farbfilm marschiert!“ Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933–1945. Belleville, München 2013, S. 123, 151, 165. Der „Geburtstagsfilm“ war daher einer der „wenigen bekannt gewordenen Privatfilme“ auf Normalfilm (35-mm-Film) in Agfacolor.Dirk Alt: „Der Farbfilm marschiert!“ Frühe Farbfilmverfahren und NS-Propaganda 1933–1945. Belleville, München 2013, S. 593 (Anmerkung 1656). Der erste Spielfilm in diesem Format, Frauen sind doch bessere Diplomaten, wurde erst 1941 im Kino gezeigt.

Auf die Farbtechnik spielten auch die Kinder in ihrem Ständchen für ihren Vater mit den Worten „Gestern noch schwarz, weiß und grau, heute grün und rot und blau“ an.

Hintergrund Goebbels war bekannt mit Heinz Rühmann und schätzte diesen, es sind eine Reihe von Besuchen Rühmanns bei Goebbels belegt. Rühmann galt dabei als „systemstabilisierender Komödiant“ und gehörte zu einem relativ engen Kreis um Goebbels, doch kam es im Verlauf des Jahres 1940 zu Spannungen zwischen beiden.Torsten Körner: Der kleine Mann als Star – Heinz Rühmann und seine Filme der 50er Jahre, Campus, 2001, S. 44 ff. Online In seinem Tagebuch notierte Goebbels am 7. April 1940, dass sich Rühmann „reichlich unnational“ verhalte und er ihn verwarne.Elke Fröhlich (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Teil I: Aufzeichnungen 1923–1941. Band 8: April–November 1940. Bearbeitet von Jana Richter. K. G. Saur, München 1998, S. 38. Torsten Körner, Autor zweier Bücher über Heinz Rühmann, vermutet hierbei Gerüchte, dass Rühmann ins Ausland habe abwandern wollen. Bis September schien sich die Situation wieder entspannt zu haben.

Helga Goebbels Worte zu dem Storch – „Klapperstorch, du liebes Tier, ich bring dir was zu fressen hier. Sei zu mir auch lieb und fein, bring mir bald ein Brüderlein.“ – sind eine Anspielung auf Magda Goebbels aktuelle Schwangerschaft. Geboren wurde am 29. Oktober – Goebbels eigenem Geburtstag – die jüngste Tochter Heidrun.

Die Goebbels-Kinder Helga Susanne, * 1. September 1932, Hildegard Traudel, genannt Hilde, * 13. April 1934. Helmut Christian, * 2. Oktober 1935. Holdine Kathrin, genannt Holde, * 19. Februar 1937. Hedwig Johanna, genannt Hedda, * 5. Mai 1938. Heidrun Elisabeth, genannt Heide, * 29. Oktober 1940 (zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht geboren)

Alle sechs Kinder wurden am 1. Mai 1945 im Führerbunker in Berlin auf Veranlassung ihrer Eltern und unter Mitwirkung der Mutter ermordet, als Berlin in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs durch die Rote Armee erobert wurde.

Rezeption Joseph Goebbels schrieb in seinem Tagebuch als Reaktion, nachdem die Familie den Film angeschaut hatte, dieser sei „[z]um Lachen und zum Weinen, so schön“.Tagebucheintrag Joseph Goebbels, 30. Oktober 1940, in: Elke Fröhlich (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Band 8, April - November 1940, K. G Sauer, München, S. 396.

Torsten Körner bezeichnete in einer Rühmann-Biografie 2001 den Film als „Kinderverherrlichungsstreifen“, der in Anbetracht der „Militarisierung der Lebenswelten im Nationalsozialismus“ die Kinder zu „kleinen Soldaten“ mache. Weiter führte er aus, „Heute sieht man diesen Film mit Bestürzung, nicht zuletzt, weil man an den Tod der Goebbels-Kinder denkt und an die bekannte Photographie, die die [...] Kinderleichen auf der Erde liegend zeigt.“

Im Film Jud Süß – Film ohne Gewissen von 2010 wird der Film in einer Szene anlässlich der Feier von Joseph Goebbels 43. Geburtstag vorgeführt. Im 2024 erschienenen deutschen Spielfilm Führer und Verführer (Regie: Joachim A. Lang) wird der Dreh des Geburtstagsfilms durch Rühmann mit den Kindern nachgestellt.Führer und Verführer, ab 59:58 min.

Verbleib Exemplare des Films sind im Filmarchiv des Bundesarchivs erhalten geblieben.Dirk Alt: ‚Front in Farbe‘. Color Cinematography for the Nazi Newsreel, 1941–1945. In: Historical Journal of Film, Radio and Television, Jg. 31, Nr. 1, März 2011, S. 43–60, hier; S, 54; siehe digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de.

Weblinks

Der Film digitalisiert im Bundesarchiv

Einzelnachweise

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