Unterreußen im sächsischen Landkreis Meißen ist ein Ortsteil der Gemeinde Strehla.
Geographie mini|Unterreußen aus der Vogelperspektive mit Blick nach Strehla Unterreußen befindet sich zwischen der Stadt Riesa (südlich) und der Stadt Strehla (nordwestlich) an der Verbindungsstraße zwischen den Strehlaer Ortsteilen Forberge (an der Bundesstraße 182 gelegen) und Großrügeln (an der Kreisstraße 8565 gelegen). Weitere Straßenverbindungen führen nordöstlich zum Strehlaer Ortsteil Oppitzsch sowie südwestlich zu den Riesaer Ortsteilen Pochra und Merzdorf.
Geschichte Das Gebiet um Unterreußen, insbesondere um die Teiche und zugehörige Quelle war bereits von frühen Menschen bewohnt. Das wird durch Funde aus der Bandkeramik, Jungsteinzeit, der Aunjetitzer Kultur und der Älteren Lausitzer Kultur belegt.
Die im frühen Mittelalter in dieser Gegend ansässigen slawischen Siedler, die zum Gau Daleminzi gehörten, wurden durch Expansion des ostfränkischen Reiches nach und nach weiter nach Osten verdrängt. Die Gegend um Reußen gehörte damit im 10. Jahrhundert zur Mark Meißen, die unter Heinrich dem I. durch Ansiedlung deutscher Vasallen aus Ostsachsen, Thüringen und Franken, die von ihm Güter (zusammen mit der Verfügung über dort noch lebende Slawen) zu Lehen oder Eigentum bekamen.
In dieser Zeit wird wohl auch Reußen aus einer slawischen Siedlung heraus übernommen oder neu gegründet. Der Name „Reußen“ wird daher auch als slawischen Ursprungs gedeutet (Rys=Luchs/rot, vlt. Rysin= Besitz des Rys, später Rysen). So wird der Ort auch erstmals 1334 in einer Urkunde erwähnt, als ein Guntherus de Rysen als Zeuge fungiert.
Reußen bildete sich als Platzdorf, um den heute noch vorhandenen Dorfplatz herum aus. Die Bauern bestellten Gewannflure, die sich aktuell noch in den größtenteils langgestreckten Flurstücksformen der umliegenden Felder zeigen. Daneben wurde auf den minderwertigeren Wiesen und Brachflächen (Hutungslehden) Viehwirtschaft und Obstanbau betrieben.
1389 wird die Ortschaft dann erstmals direkt namentlich erwähnt, als Tyczman von Grunrode die Gerichte zu Reußen (Rysen) und Pochra (Bocher) vom Markgraf kauft und zu Lehen bekommt.
1424–1456 ist Reußen aufgrund der Hussitischen Einfälle in das Meißner Land, die viele Städte und unzählige Dörfer verwüsteten, vermutlich zu einer Wüstung geworden. Dies legt ein Dokument über einen Rechtsstreit mit dem Kurfürsten Friedrich dem II. nahe nahe, in dem Reußen namentlich als wüste Dorfmark bezeichnet.10001 Ältere Urkunden, auf archiv.sachsen.de
Im weiteren Verlauf der Geschichte stellte sich durch gleichzeitig verschiedene Besitzer eine Aufteilung der Herrschaftsverhältnisse ein, was sich auch dadurch zeigt, dass die Ortschaft zeitweise in das Dorf Reußen (heute Unterreußen) und das Vorwerk des Rittergutes Gröba (lange als Oberreußen bezeichnet) aufgeteilt war. Selbst innerhalb des Dorfes gab es gleichzeitig Schriftsässig- als auch Amtssässigkeit, wobei die Oberen und Unteren Gerichte gleichzeitig auf mehrere Güter/Besitzer verteilt waren.
1594 kann man die Rekordzahl von 5 verschiedenen Gütern (Bornitz, Merzdorf, Hof, Gröba und Pochra) finden, die Anteile an der kleinen Mark Reußen besitzen, womit mindestens 4 verschiedene Herren das Sagen haben. In der späteren Zeit reduziert sich das im überwiegend auf 3 Besitzer: der Besitzer des Vorwerks Reußen aus Gröba sowie die Rittergüter Bornitz und Merzdorf. 1712 wird z. B. vom sächsischen Kartographen Zürner z. B. vermerkt, dass Reußen 13 Feuerstädte besitzt, davon 4 Bauern, 3 Halbhüffner und 2 Häußler nach Bornitz sowie 3 Halbhüffner und 1 Häußler nach Merzdorf.
1661 erwirkt der Besitzer des Vorwerks Oberreußen die Schriftsässigkeit seiner Güter. Damit werden die Eigentumsverhältnisse für Oberreußen auf sehr lange Zeit durch eine besitzende Familie geprägt und immer mehr vom Dorf abgetrennt. Dazu trägt auch bei, dass Oberreußen in diesem Zusammenhang nach Gröba gepfarrt wird, während Reußen nach Strehla in die Kirche geht.
1839 wird Oberreußen durch die neue „Sächsische Landgemeindeordnung“ von 1838 eine eigenständige Landgemeinde.
1851 ist ein historisches Jahr. Unterreußen wird eine eigenständige Landgemeinde unter Aufsicht des „Königlichen Amtes zu Oschatz“ und ist damit das erste Mal in seiner Geschichte selbstverantwortlich.
1856 wird die bisherige Oschatzer Gerichtsbarkeit für Unterreußen nach Strehla und für Oberreußen nach Riesa übertragen. Damit ist Oberreußen jetzt eine Großenhainer Verwaltungsexklave im Oschatzer Gebiet.
1914 wird Oberreußen nach Gröba eingemeindet, weil es inzwischen nur noch eine Wirtschaft und einen unansässigen Einwohner hat. Damit verschwindet die wohl kleinste Gemeinde Deutschlands wieder von der Landkarte und es existiert nur noch Unterreußen.
1961 verliert schließlich auch Unterreußen durch Eingemeindung nach Oppitzsch seine Selbstständigkeit, so dass Reußen insgesamt wieder von anderen Gemeinden abhängig ist.
1973 wird Unterreußen schließlich zusammen mit Oppitzsch nach Strehla eingemeindet und besteht seitdem bis heute als Ortsteil von Strehla.
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Einzelnachweise
Kategorie:Strehla Kategorie:Ort im Landkreis Meißen