mini|Oluf Vilhelm Falck-Ytter (1832–1914) Oluf Vilhelm Falck-Ytter, eigentlich Falck Ytter, gelegentlich falsch Falch Ytter, (* 6. März 1832 in Romedal (heute Stange); † 24. Oktober 1914 in Christiania (Oslo)) war ein norwegischer Beamter, Jugendbuchautor und Redakteur. Nach 27 Jahren als Beamter im Finanzministerium wurde er für 30 Jahre Stadtvogt in Sarpsborg, ein Amt, das die Kompetenzen eines Ortsvorstehers mit denen eines Richters am Amtsgericht vereinte. Bekannt wurde er vor allem durch seine Abenteuerromane für Jugendliche, die er im eigenen Verlag veröffentlichte und aus dem Englischen übersetzt oder nach englischen Vorbildern selbst verfasst hatte.
Falck-Ytter war auch langjähriger Chefredakteur von Zeitschriften vor allem für Kinder und Jugendliche. Er war ein begeisterter Sportler und Sportfunktionär, besonders als Skiläufer und Sportschütze und setzte sich erfolgreich für die Errichtung von Sportplätzen für Jugendliche ein. Auf seine Initiative hin erlaubte der König das Schlittenfahren im Schlosspark.
Leben und Werk
Eltern und Geschwister Oluf Vilhelm Falck Ytter wurde als achtes und jüngstes Kind von Nils Ytter (1788–1868) und Marie Dorothea Falck (1786–1867) auf dem Hof Ljøstad im Romedal geboren. Seine Eltern stammten von den Höfen Vevla und Hverven in Ottestad (das wie Romedal zur Gemeinde Stange gehört). Nils Ytter war Rechtsanwalt (Procurator) und wurde später zum Stadtvogt (Byfogd) von Moss ernannt, wonach die Familie umzog und 1841 den Hof Ljøstad verkaufte.
Olufs Geschwister hießen: Ida Katrine Jacobine (* 1811), Helene (Laura) Margrethe Christiane (* 1816), Fredrik Adler Pløyen (* 1817), Johan Christian (* 1821), Klara Ottine Wilhelmine (* 1825), Helfred Falck (* 1827) und Karoline Mathilda (* 1829).
Der Name Falck-Ytter mini|Ljøstad gård, Romedal. Geburtsort von Oluf Falck-Ytter (Zeichnung von seiner Tochter Thea, 1900) In norwegischen Familien wird gelegentlich ein Zwischenname geführt, indem ein oder mehrere Kinder den Familiennamen der Mutter oder eines anderen Vorfahrens annehmen. Dieser Zwischenname ist nicht Bestandteil des Nachnamens, sondern quasi der letztgereihte Vorname. Dieser Brauch wurde auch für Nils Ytters Söhne Helfred Falck und Oluf Vilhelm Falck geübt.
Oluf wird in der Taufurkunde und in zeitgenössischen Nachschlagewerken korrekt unter dem Familiennamen Ytter geführt. Seine ab den 1860er Jahren veröffentlichen Bücher erschienen jedoch mit der Verfasserangabe Falck Ytter und ohne die Vornamen Oluf bzw. Vilhelm.
Ab den 1910er Jahren wurde der Verfasser als Falck-Ytter angegeben, und diese Namensform – die vorher nur sporadisch aufgetreten war – wurde als sein Familienname aufgefasst und für die Nachwelt gebräuchlich, und zwar bereits beim Zeitpunkt seines Ablebens, wie die Nachrufe in den Zeitungen belegen.
Ausbildung und Anstellung mini|Oluf Falck-Ytter, Foto circa 1860–1870 Oluf Ytter legte, nach privater Vorbereitung durch den Oberlehrer cand. theol. L. C. Larsen, 1851 als Externer sein Examen artium (Abitur) mit Haud illaudabilis (befriedigend) ab. Bei der Zwischenprüfung an der Universität (Anden examen) wurde er mit Laudabilis (gut) benotet. 1857 schloss er seine juristischen Studien als cand. jur. durch das Embedsexamen (Beamtenprüfung) ab, und zwar zwei Mal: Am 11. Juni bestand er die Prüfung mit der Note Befriedigend, nach freiwilliger Wiederholung am 15. Dezember verbesserte er die Note auf Gut.
Bereits am 4. Juli 1857 wurde er als Kopist im Finanzministerium angestellt. Nach zehn Jahren, am 16. November 1867, wurde er zum Bevollmächtigen (fuldmægtig, modern: fullmektig) befördert. Als Kopist war Ytter nur ein untergeordneter Beamter gewesen. Als Bevollmächtigter konnte er im Namen seiner Behörde eigenständiger aktiv werden und er war nun Beamter auf Lebenszeit, der nur aufgrund von Verfehlungen entlassen werden konnte (Pragmatisierung).
Ehe und Kinder Am 19. Oktober 1860 heiratete der junge Beamte Oluf Ytter in Glemmen (heute Fredrikstad) die sechs Jahre jüngere Gleny Louise Anziøn (* 9. Februar 1838 in Trondheim; † 22. Januar 1925 in Oslo), die Tochter des Kantors an der Trondheimer Domkirche Lorenz Anziøn (* 1799) und der Gurine Holm (* 1798). Die Familie wohnte in der Kristiania kjøpstad, zunächst in Pilestrædet (1865) und später auf Kirkegade 3 (1875).
Dem Ehepaar wurden sieben Kinder geboren: Marie Dorthea Gudrid (* 1862), Nils (* 1864), Gleny Louise (* 1867, nach der Mutter benannt), Hermana Ida Golette (* 1868), Oluf Vilhelm (* 1870, nach dem Vater), Laura Othilie Mathilde (* 1872) und Lorent Heldfried Anziøn (* 1879). Alle Kinder trugen zusätzlich den Namen Falck, der ab 1875 in die Protokolle der Volkszählungen als Bestandteil des Familiennamens (Falck Ytter) eingetragen wurde.
Sport mini|Eislaufbahn am Akersstrand (Foto 1885 von Oluf Falck-Ytter) Während seiner Zeit im Finanzministerium war Oluf Falck Ytter in vielen Bereichen aktiv, vor allem im Sport. Er war selbst Skiläufer und Schlittschuhläufer und „setzte sich sehr für die Verbreitung verschiedener Arten von freiem Sport und Spiel ein“, „als einer der ersten in unserem Land“.
Er war einer der Gründer des Christiania Skiklubs. Der 1877 gegründete Klub, der unter unverändertem Namen noch immer besteht, ist der traditionsreichste Skiklub Norwegens und einer der ältesten der Welt. Als Vertreter des Norsk Jæger- og Fisker-Forening (Norwegischer Jäger- und Fischer-Verein) stellte Falck-Ytter auf der Weltausstellung 1873 verschiedene Wintersportgeräte aus, die dem Wiener (und dem auswärtigen) Publikum erklärt werden mussten:
Falck-Ytter war auch Mitbegründer des Kristiania skytterlag (Schützenverein) und zehn Jahre lang dessen Vorsitzender. Er war aktives Mitglied des Centralforeningen for Udbredelse af Legemsøvelser og Vaabenbrug (Zentralverband für die Verbreitung von Leibesübungen und Waffengebrauch), unter anderem als Sekretär, und wurde dafür vom Verband mit einer Silbermedaille geehrt. Eine weitere Silbermedaille erhielt er anlässlich des 1. Norwegischen Turnfests 1886 in Fredrikshald.
Jugendsport mini|Abbildung aus Falck-Ytter: Lek ude og inde. „Sport und Spiel unter Jugendlichen hatten bei Falck-Ytter immer einen besonderen Stellenwert.“ Da ihm wichtig war, dass die Stadtkinder die Möglichkeit hatten, sich spielerisch körperlich zu betätigen, kümmerte er sich um die Einrichtung von Sportplätzen. Auf seine Initiative hin erlaubte der König das Schlittenfahren im Schlosspark. Er erreichte auch, dass Teile der Festung Akershus als Spielplatz für Kinder geöffnet wurden, und mietete Tullinløkka für denselben Zweck.
Den praktischen Einsatz für den Jugendsport ergänzte Falck-Ytter durch Theorie: 1867 erschien sein Lehrbuch Ude og inde. Om Legemsøvelser og Leg. (Draußen und drinnen. Über Leibesübungen und Spiel.) Es sollte Lehrern dabei helfen, Bewegung und Gymnastik in den Schulalltag zu integrieren. Im Zentrum der Darstellung liegt nicht das klassische Geräteturnen, sondern die Bewegung im Freien, oft mit improvisiertem Sportgerät. Die Technik der Schwünge beim Skifahren und der Kurvenführung beim Eislaufen wird ausführlich (mit Skizzen) erklärt. Auch das zu dieser Zeit neue Fußballspiel wird vorgestellt. Die dem Buch beigegebenen Zeichnungen lassen vermuten, dass Leibesübungen nur von der männlichen Jugend erwartet wurden bzw. erwünscht waren.
Bereits im Folgejahr erschien eine (gekürzte) schwedische Übersetzung, und eine dafür werbende Zeitungsanzeige ist der „älteste Zeitungsausschnitt, […] in dem Fußball in schwedischen Zeitungen nach 1863 (als die ersten englischen Fußballregeln verfasst wurden) erwähnt wird.“ Zugleich ist dies „das erste Mal, dass Fußball in einem schwedischen Buch erwähnt wird.“ Eine norwegische Neuausgabe 1893 verschob schon im Titel den Fokus von der Gymnastik zum Spiel (Lek ude og inde, d. h. Spiele draußen und drinnen.)
Journalismus mini|Abbildung aus Falck-Ytter: Lek ude og inde. Während seiner gesamten Zeit in Kristiania betätigte Falck-Ytter sich als Journalist und verfasste Beiträge für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen. Er war Mitbegründer der ersten Journalistenvereinigung der Stadt.
Zudem war er mehrmals Redakteur (d. h. Herausgeber) von kurzlebigen Publikationen. 1863 gab er den einzigen Jahrgang von For By og Bygd heraus und 1872–1873 die beiden letzten Jahrgänge vom Norsk Folkeblad vor dessen Einstellung. 1874 verwendete er den Namen Illustreret Nyhedsblad eines 1866 eingestellten Wochenblatts erneut für eine wöchentliche Zeitschrift und hielt drei Jahre durch.
Jugendzeitschrift(en) Zwanzig Jahre lang war Falck-Ytter verantwortlicher Redakteur von Jugendzeitschriften. Zufällig wurde er 1864 gebeten, anstelle des erkrankten Herausgebers Anthon Bang die Leitung der Redaktion des Børnenes Blad (Das Kinderblatt) zu übernehmen. Im Juli 1865 schied Bang ganz aus und nun prägte Falck-Ytter der Zeitschrift immer mehr seinen Stempel auf, ab 1872 auch in der Funktion des Verlegers. Bemerkenswerterweise wurde die Zeitschrift unter alternierenden Namen veröffentlicht: Sie hieß Børnenes Blad 1861–1867, 1872–1874 und 1883–1884, aber For Ungdommen (Für die Jugend) 1868–1871 und 1875–1883. Die Umbenennungen erfolgten, „ohne dass sich jedoch der Inhalt änderte“.
Die Zeitschrift war mehr unterhaltsam als belehrend (sie kündigte beides im Untertitel an). Sie enthielt Abenteuergeschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart, Beschreibungen von exotischen Tieren und Menschen, aktuelle Nachrichten, Rätsel, Witze und Gewinnspiele. In einer eigenen Abteilung beantwortete Falck-Ytter Fragen der jugendlichen Leser. Die meist von ihm selbst geschriebenen oder zumindest übersetzten Fortsetzungsgeschichten (manche als separate Beilage der eigentlichen Zeitschrift beigegeben) wurden oft später als Bücher wiederveröffentlicht, ab 1868 in seinem eigenen Verlag, dem Falck Ytters Forlag. „Als Herausgeber und Autor war Falck-Ytter ein Erneuerer des Kinderzeitschriftengenres.“
Abenteuerromane mini|Falck-Ytter: Håkon Håkonsen. Oslo 1927 Die Reihe der Jugendbücher Falck-Ytters begann mit bearbeiteten Übersetzungen meist aus dem Englischen. 1862 erschien A wonder-book for girls and boys von Nathaniel Hawthorne. Es folgten 1869 bzw. 1870 die beiden populären Teile von Jonathan Swifts Gullivers Reisen, die Reise zu den Zwergen nach Lilliput bzw. zu den Riesen nach Brobdingnag. Falck-Ytter blieb als Übersetzer anonym; wegen seiner starken Bearbeitung gelten die Bände nicht als erste Übersetzung von Gulliver’s Travels ins Norwegische (die wurde erst 1878 von Kristian Anastas Winterhjelm (1843–1915) geleistet), aber doch als die erste „in an adapted version“.
In den folgenden Jahren erschienen die Reisen des Baron Münchhausen (anonym aus einer ungenannten Quelle übersetzt), eine Indianergeschichte nach Gabriel Ferry und ein Polarabenteuer nach Isaac Israel Hayes.
1868–1869 war die von Falck-Ytter verfasste Geschichte von Håkon Håkonsen, dem norwegischen Robinson, in For Ungdommen in Fortsetzungen erschienen. 1873 wurde sie erstmals als Buch veröffentlicht und seitdem und bis in die Gegenwart immer wieder. Der Titelheld muss wegen der großen Armut seiner Familie im Alter von 13 Jahren zur See fahren; er erlebt fremde und aufregende Länder, einen brutalen Steuermann, der sich als Waffenschmuggler und Seeräuber entpuppt. Schließlich sinkt das Schiff und Håkon rettet sich auf eine einsame Südseeinsel, auf der ein Piratenschatz vergraben ist. Das Buch ist Falck-Ytters erfolgreichstes und wurde 1990 unter der Regie von Nils Gaup mit Stian Smestad in der Hauptrolle verfilmt. Der Film Gestrandet (Shipwrecked) wurde unter anderem im Pazifik, in Spanien, England und Norwegen gedreht und war die bis dahin teuerste norwegische Filmproduktion.
mini|Falck-Ytter: Sjørøveren og hans hule. (Der Seeräuber und seine Höhle.) Kristiania 1912