mini|Situation vor der Beilegung des Namensstreits:

Der Streit um den Namen Mazedonien war ein 1991 bis 2019 bestehender Konflikt zwischen den Staaten Griechenland und der damaligen Republik Mazedonien um die Nutzung des Namens Mazedonien bzw. Makedonien, der schließlich mit dem Prespa-Abkommen beigelegt wurde.

Die Auseinandersetzung begann 1991 mit der Unabhängigkeitserklärung der jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien unter dem Namen Republik Mazedonien (, transkribiert ). Griechenland hatte als Grund für den Protest befürchtete Gebietsansprüche Mazedoniens auf die griechische Region Makedonien (, transkribiert ) angegeben.Die Unterscheidung der Schreibweisen Mazedonien und Makedonien im Deutschen ist international gesehen untypisch. Die meisten Sprachen, insbesondere die involvierten, schreiben den Namen in allen Bedeutungen gleich. Solange Mazedonien als Sozialistische Republik Mazedonien eine Teilrepublik Jugoslawiens war, hatte Griechenland keinen Einspruch erhoben.

Die Republik Mazedonien verwendete im internationalen Verkehr meist die Bezeichnung The former Yugoslav Republic of Macedonia (F.Y.R.O.M., deutsch „Die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien“). Unter diesem provisorischen Namen wurde die Republik Mazedonien auch von den Vereinten Nationen anerkannt,In Resolution 47/225 (A/RES/47/225) der UN-Generalversammlung vom 8. April 1993 heißt es: „Die Generalversammlung […] beschließt, den Staat, dessen Aufnahmegesuch in die Vereinten Nationen in Dokument A/47/876-S/25147 enthalten ist, aufzunehmen, wobei dieser Staat für alle Zwecke innerhalb der Vereinten Nationen bis zur Beilegung der Meinungsverschiedenheit, die über den Namen dieses Staates entstanden ist, provisorisch als die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien bezeichnet wird.“ (Man beachte die Kleinschreibung auch im englischen Original: „the former Yugoslav Republic of Macedonia“.) Vgl. auch die offizielle Liste der UN-Mitgliedstaaten und ihre deutsche Übersetzung, wo Mazedonien unter T wie „The former …“ bzw. D wie „Die ehemalige …“ aufgeführt wird. wobei Griechenland und Mazedonien aufgefordert wurden, eine friedliche Einigung im Namenskonflikt zu finden.Vgl. Resolution 817 des UN-Sicherheitsrates (S/RES/817) vom 7. April 1993 (Facsimile der englischen Originalfassung als PDF), in der es heißt: „Der Sicherheitsrat […] drängt die Parteien, […] zu kooperieren, um zu einer raschen Beilegung ihrer Differenzen zu kommen.“ Diese Aufforderung wird auch in vom 15. September 1995 noch einmal bekräftigt.

Der Streit war vor allem für die Republik Mazedonien von Nachteil. Griechenland blockierte unter anderem den von der Regierung in Skopje angestrebten Beitritt Mazedoniens zur NATO und zur Europäischen Union. 1994/1995 verhängte Griechenland als Höhepunkt des Konflikts ein Embargo gegen Mazedonien. Später hatte er wirtschaftlich keine wahrnehmbaren Auswirkungen mehr. Griechische Unternehmen galten (Stand 2009) als der wichtigste Investor in Mazedonien.Andreas Fenneker, Dissertation, Univ. Münster (Exposé der Arbeit; PDF vom 17. Juli 2009). Nach politischen Verhandlungen wurde im Januar 2019 eine Lösung im Namensstreit gefunden.dlf.de: Griechisches Parlament stimmt Vertrag mit Mazedonien zu

Am 12. Juni 2018 einigten sich die beiden Regierungschefs Zoran Zaev und Alexis Tsipras auf eine Kompromisslösung, nach der die Republik Mazedonien ihren bisherigen Staatsnamen in Република Северна Македонија/Republika Severna Makedonija (deutsch Republik Nordmazedonien) ändern soll. Nach dem Ort der Unterzeichnung im grenznahen Dorf Psarades, Gemeinde Prespes am Prespasee, wird die Vereinbarung „Prespa-Abkommen“ oder „Prespa-Vertrag“ genannt. Sie musste jedoch vor Inkrafttreten noch sowohl in Mazedonien als auch Griechenland ratifiziert werden. In Mazedonien wurde hierfür zusätzlich eine Volksbefragung abgehalten. Der mazedonische Präsident Gjorge Ivanov kündigte am Tag darauf an, einen solchen Kompromiss unter keinen Umständen zu unterstützen oder zu unterschreiben.

Das mazedonische Parlament beschloss am 11. Januar 2019 die Namensänderung in „Nordmazedonien“, am 25. Januar 2019 stimmte auch das griechische Parlament dem Abkommen zur Umbenennung Mazedoniens zu. Am 12. Februar 2019 trat die Namensänderung offiziell in Kraft.

Entwicklung des Konfliktes Der Name der ehemals von den antiken Makedonen besiedelten historischen Region Makedonien ist über die Jahrtausende erhalten geblieben und von allen Einwohnern dieser Region benutzt worden.Vgl. John Shea (Macedonia in history: myths and constants, in: Makedonien: Geographie – ethnische Struktur – Geschichte – Sprache und Kultur – Politik – Wirtschaft – Recht, Hg. Walter Lukan und Peter Jordan, Wien u. a. 1998, S. 131–168, hier S. 142): “[…] for most of the past 2,500 years the name has been given to people who lived there rather than to people of a specific ethnic group.” Der Name der 148 v. Chr. eingerichteten römischen Provinz Macedonia blieb auch als spätantike Diözese bewahrt. Nach der slawischen Landnahme im späten 6. Jahrhundert wurden die dorthin zugewanderten Slawen in Verwaltungsakten des Byzantinischen Reiches ebenfalls nach der Region benannt.Wolf Oschlies, Lehrbuch der mazedonischen Sprache, München 2007, S. 9.: […]Um 540 drangen erstmals Slaven in den südlichen Balkan ein, im 7. Jahrhundert lebte in Makedonien eine starke slavische Bevölkerung, die von der Byzanz Bürokratie nach der Region benannt wurde […] Das mittelalterliche Mazedonien umfasste jedoch eine andere Region, mit der Stadt Adrianopel als Zentrum, im heutigen Thrakien.

Erst die Osmanen bezeichneten zu verschiedenen Zeiten ihre Provinz Rumelien als Makedonien.Vgl. Hans-Lothar Steppan, Der mazedonische Knoten: Die Identität der Mazedonier dargestellt am Beispiel des Balkanbundes 1878–1914. Eine Dokumentation zur Vorgeschichte der Republik Mazedonien nach Aktenlage des Auswärtigen Amtes, Frankfurt am Main u. a. 2004, S. 46–47 Symbolgehalt für den Freiheitswillen der vor allem slawischen Bevölkerung Makedoniens erhielt dieser Name durch die seit 1893 tätigen Bulgarischen Makedonien-Adrianopeler Revolutionären Komitees (seit 1919 bekannt unter dem Namen Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation, kurz IMRO) und den von ihnen initiierten Ilinden-Preobraschenie-Aufstand 1903 gegen die osmanische Herrschaft.

Nach der Eroberung der südlichen Teile der geographischen Region Makedonien im Ersten Balkankrieg 1912 durch Griechenland wurde für diese Gebiete die Verwaltungseinheit Generalgouvernement Makedonien (Geniki Diikisi Makedonias) mit Sitz in Thessaloniki eingerichtet; erster Generalgouverneur war ab Ende Oktober 1912 Konstantinos Raktivan.Boeckh, Katrin: Von den Balkankriegen zum Ersten Weltkrieg: Kleinstaatenpolitik und ethnische Selbstbestimmung auf dem Balkan. Oldenbourg, München 1996. S. 358. ISBN 3-486-56173-1Karakasidou, Anastasia N.: Passages to Nationhood in Greek Macedonia, 1870–1990. The University of Chicago Press, Chicago 1997. S. 162. ISBN 0-226-42494-4Mazower, Mark: Salonica: City of Ghosts. Christians, Muslims, and Jews, 1430–1950. Vintage Books, New York 2004. S. 282. ISBN 978-0-375-72738-2 Im Juli 1928 wurde der Generalgouverneur Makedoniens als Minister für das Generalgouvernement Thessaloniki durch Ministerpräsident Eleftherios Venizelos in den Ministerrang erhoben. Das Generalgouvernement Makedonien wurde weiter untergliedert in Westmakedonien, Zentralmakedonien und Ostmakedonien, wobei die Generalgouverneure Westmakedoniens sowie Ostmakedoniens keinen Ministerrang in der griechischen Regierung bekleideten. Im weiteren Verlauf bis 1944 hatten die „Gouvernements“ (Diamérisma, διαμέρισμα) Westmakedonien und Thrakien (einschl. Ostmakedonien) wie auch die Gouvernements der Insel Kreta und der Region Epiros mehr politische Kompetenzen als die schon vor dem Krieg bestehenden restlichen sieben Gouvernements Griechenlands. Diese hatten einen eher symbolischen Charakter und ihnen oblagen kaum Verwaltungskompetenzen.Naval Intelligence Division. Greece. Volume I – Physical Geography, History, Administration and Peoples. B.R. 516 (Restricted) Geographical Handbook Series. March 1944. S. 253–255. Diese Verwaltungsstruktur bestand bis Januar 1945: Ministerpräsident Nikolaos Plastiras ernannte damals drei stellvertretende Minister (vgl. Staatssekretäre in Deutschland) zu Generalgouverneuren von Westmakedonien, Zentralmakedonien und Ostmakedonien.

Nach dem Ende des Griechischen Bürgerkriegs wurden mit dem Amtsantritt der Regierung Sophoklis Venizelos 1950 die drei Generalgouvernements im griechischen Makedonien aufgelöst und zum Generalgouvernement Nordgriechenland zusammengefasst. Im Oktober 1955 wurde mit der Regierung Konstantinos Karamanlis ein Ministerium für Nordgriechenland geschaffen, welches unverändert bis in die Gegenwart besteht. 1987 wurden im Zusammenhang mit EG-Förderprogrammen („Europa der Regionen“) in Griechenland sogenannte „Entwicklungsregionen“ gebildet: die drei auf dem Gebiet Makedoniens neugegründeten Verwaltungsregionen (Periferies) erhielten die Namen „West-“, „Ost-“ bzw. „Zentralmakedonien“. 1985 wurde das Ministerium für Nordgriechenland in Ministerium für Makedonien und Thrakien umbenannt (nach dessen eigenen Angaben), während das Generalsekretariat der griechischen Regierung die Umbenennung für 1987 angibt.[ Ministerliste des Ministeriums für Makedonien und Thrakien auf dessen Website. Letzter Zugriff: 28. März 2008]Steppan, Hans-Lothar: Der mazedonische Knoten: Die Identität der Mazedonier dargestellt am Beispiel des Balkanbundes 1878–1914. Eine Dokumentation zur Vorgeschichte der Republik Mazedonien nach Aktenlage des Auswärtigen Amtes. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2004. S. 19 und 369ff. ISBN 3-631-51895-1 Unabhängig von der Gliederung in Verwaltungseinheiten wurde der griechische Teil Makedoniens als geographische Region Griechenlands und teilweise auch als politische Region Griechenlands aufgefasst.Legg, Keith R.: Politics of Modern Greece. Stanford University Press, Stanford 1969. S. 366. ISBN 0-8047-0705-7. (Karte bei Google Books einsehbar.)

mini|Flagge der Jugoslaw. Sozialistischen Republik Mazedonien 1945–1992 Innerhalb der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien gab es von 1944 bis 1991 eine Teilrepublik namens Mazedonien für das Staatsvolk der „Mazedonier“, gegen deren Benennung Griechenland nach eigener Darstellung aufgrund des griechischen Bürgerkrieges (1945 bis 1949), später aufgrund geopolitischer Zwänge, die sich durch die Rolle Jugoslawiens im Kalten Krieg ergaben, keinen Einspruch erhob.Als NATO-Mitglied hatte Griechenland die Bemühungen um freundschaftliche Beziehungen zu Jugoslawien zu unterstützen, das einen von Moskau unabhängigen Weg ging; vgl. Nikolaos Zahariadis, Nationalism and small-state foreign policy: The Greek response to the Macedonian issue, Political Science Quarterly 109.4 (1994), S. 647–664, hier: S. 653. mini|Flagge der Republik Mazedonien 1992–1995 mini|Flagge der Republik Mazedonien seit 1995

Als 1991 die jugoslawische Teilrepublik Mazedonien ihre Unabhängigkeit erklärte (Zerfall Jugoslawiens) und historische – nach griechischer Auffassung hellenistische – Namen und Symbole (Flaggenstreit um den Stern von Vergina) benutzte, protestierte die griechische Regierung und verweigerte die diplomatische Anerkennung des neuen Landes. Griechenland saß als NATO- und EU-Mitglied am längeren Hebel, da es die diplomatische Anerkennung der Republik Mazedonien in diesen Organisationen blockieren konnte und auch seine Zustimmung zu einer Aufnahme Mazedoniens in die EU und ebenso in die NATO von einer Lösung der Namensfrage abhängig machte.