Carolyn Cohen (* 18. Juni 1929; † 20. Dezember 2017) war eine US-amerikanische Biologin und Biophysikerin. Sie war Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.
Leben Carolyn Cohen wurde als Tochter von Anna und Philip Cohen geboren. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1939 war es sein Anwalt Samuel Sumner Goldberg, dass er sich ihrer annahm und ihre Neugier förderte. Sie besuchte die Joan of Arc Junior High School und anschließend die Hunter College High School in New York City. Nachdem sie von der McGill University und dem Barnard College abgelehnt worden war, drängte Cohens Französischlehrer sie, sich am Bryn Mawr College zu bewerben, wo sie mit einem Vollstipendium aufgenommen wurde. Im Sommer 1949 nahm Cohen eine Stelle in der Küche des Marine Biological Laboratory in Woods Hole (Massachusetts) an. Dort lernte sie Shinya Inoué kennen, arbeitete für Otto Schmitt und besuchte eine Vorlesung von Dorothy Wrinch, die sie später als Anregung für ihr berufliches Interesse an Proteinstrukturen bezeichnete. Cohen schloss 1950 ihr Studium der Biologie und Physik am Bryn Mawr College mit summa cum laude ab. Anschließend wechselte sie an das Massachusetts Institute of Technology, um bei Richard S. Bear zu promovieren. Dort beschäftigte sie sich mit der Struktur von Kollagen und anderen spiralförmig strukturierten Proteinen und schloss ihr Studium 1954 ab.
Während ihrer Zeit am MIT lernte Cohen die damalige Gastforscherin Jean Hanson kennen, die sich mit der Struktur von Muskelfasern befasste. Nach ihrem Abschluss nahm Cohen eine Stelle als Postdoktorandin in Hansons Labor am King’s College London an, wo sie sich mit der Röntgenkristallographie-Struktur von Aktinfilamenten beschäftigte. Nach neun Monaten kehrte Cohen ans MIT zurück und arbeitete zunächst in Bears Labor, dann mit Andrew Szent-Györgyi an der Struktur von Faserproteinen. Sie schrieb sich an der medizinischen Fakultät der Boston University ein, brach das Studium jedoch nach weniger als einem Monat ab und kehrte zur Vollzeitforschung am MIT zurück. 1957 begann sie eine langjährige Zusammenarbeit mit Donald Caspar, in deren Rahmen sie die Struktur von Tropomyosin untersuchte.
Werk 1958 gründete Cohen ihr eigenes Labor, das sie gemeinsam mit Caspar an der Children's Cancer Research Foundation (heute Dana–Farber Cancer Institute) leitete. Dort beschäftigte sie sich vor allem mit der Struktur von Myosin. Zusammen mit der Postdoktorandin Susan Lowey entwickelte Cohen ein Modell für die Myosin-Struktur mit einem Alpha-Helix-Kern, der von globulären Massen umgeben ist. Bei der Untersuchung des Fangmuskels von Weichtieren wiesen Cohen und Kenneth Holmes (damals Postdoktorand bei Caspar) das Vorhandensein von alpha-helikalen Coiled-Coil-Filamenten nach, was sie 1963 veröffentlichten. Einige Jahre später, im Jahr 1967, bestätigten Lowey und Henry S. Slater die vorhergesagten globulären Köpfe mittels Elektronenmikroskopie. Von 1969 bis 1972 veröffentlichten Cohen und Caspar eine Reihe von Arbeiten, in denen sie die Struktur von Tropomyosin beschrieben – die erste Proteinstruktur, die mittels Elektronenmikroskopie bestimmt wurde.
1972 verlegten Cohen, Caspar und Lowe – zusammen als „Structural Biology Laboratory“ bekannt – ihr Labor und wurden damit die erste Forschungsgruppe am Rosenstiel Basic Medical Sciences Research Center der Brandeis University. Tatsächlich war Cohen die erste Frau mit einer Festanstellung im Fachbereich Biologie an der Brandeis University. 2012 trat Cohen in den Ruhestand.
Auszeichnungen
1950: Europastipendium, Bryn Mawr 1953: Stipendium der National Science Foundation 1954: Fulbright Scholar, King’s College London 1978: Guggenheim Fellowship 1979: Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 1996: Mitglied der National Academy of Sciences 1999: Charter Fellow der Biophysical Society 2000: Founder's Award der Biophysical Society 2002: Neilson Professorship in Biochemistry and Biology, Smith College
2008: Gründungsmitglied der Massachusetts Academy of Sciences
Im September 1997 nahm sie am 3. Alpbacher Workshop zu Faserproteinen in Tirol teil und wurde hier für ihre Arbeit ausgezeichnet.
Zu Ehren ihrer Arbeit im Bereich der Proteinstrukturen wurde der Biophysical Society Innovation Award im Jahr 2022 in Carolyn Cohen Award for Biophysical Innovation umbenannt. Seitdem wird er jedes Jahr auf der BPS-Jahrestagung im Februar verliehen.
Weblinks
Understanding Life by Understanding Proteins, S&T, By Jennifer Fisher Wilson
Einzelnachweise
Kategorie:Biologe Kategorie:Absolvent des Massachusetts Institute of Technology Kategorie:Hochschullehrer (Brandeis University) Kategorie:Mitglied der National Academy of Sciences Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Sciences Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2017 Kategorie:Frau