Otto Moritz Allendorff (* 20. Februar 1841 in Schönebeck (Elbe); † 19. September 1912 in Groß Salze) war ein deutscher Industrieller, Großgrund- und Rittergutsbesitzer sowie Mäzen im Regierungsbezirk Magdeburg und im Herzogtum Anhalt. Er war u. a. Besitzer der Kaiserbrauerei Gebr. Allendorff, einer der größten Brauereien in der preußischen Provinz Sachsen, betätigte sich erfolgreich in der deutschen Rüstungsindustrie, errang mehrere Preise auf Weltausstellungen und war von 1895 bis 1901 Präsident der Handelskammer Halberstadt. Kurzzeitig betrieb er auch das Deutsche Theater in Aschersleben, das Platz für über 800 Personen bot.Neuer Theater-Almanach. 1907, S. 261 f.
Leben mini|Schloss Großpaschleben, zeitweiliger Sitz von Otto Allendorff Allendorff war väterlicherseits Nachkomme eines pietistischen Pfarrers und Kirchenliederdichters des 18. Jahrhunderts und Sohn des Kaufmanns Wilhelm Allendorff (1799–1877) und dessen Ehefrau Berta geborene Palm (1805–1873). Er war in Schönebeck Besitzer einer Mälzerei und einer Brauerei, die 1811 gegründet worden war. Außerdem betrieb er Zuckerfabriken und eine Dampfziegelei. Auf seine Anregung wurde die Munitionsfabrik Schönebeck gegründet, die als Norddeutsche Munitionsfabrik Schönebeck AG weltbekannt wurde, und war nach der Liquidation 1901 Gründer der Sprengstoff- und Patronenfabrik A. & W. Allendorff auf eigenem Grundstück am Hummelberg in Groß Salze, die ebenfalls auf Auslandsexporte spezialisiert war. Daneben besaß er rund 1.100 Hektar Land mit gewerblicher und landwirtschaftlicher Brennerei und war Pächter mehrerer, weit über 1.700 ha Land umfassender Domänen und Rittergüter mit eigenen Gutsbezirken in Geutz, Klepzig, Großpaschleben, Gottesganden u. a. Er war auch Mitglied im Kreisausschuss und im Eisenbahnrat sowie kommunalpolitisch als Stadtrat und zweiter Bürgermeister in Schönebeck tätig und Vize- und ab 1895 Präsident der Handelskammer Halberstadt. Zuvor war er 1889 bereits vom Landtag der Provinz Sachsen zum Stellvertreter in der III. Abteilung für Industrie in der Gewerbekammer für den preußischen Regierungsbezirk Magdeburg gewählt worden.Handbuch der Provinz Sachsen, 1889, S. 555. Ferner war er Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins und Vorstand des Städtischen Krankenhauses in Groß Salze.Krankenhaus-Lexikon für das Deutsche Reich. 1900, S. 200.
Er gehörte dem Sektionsvorstand Magdeburg der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft an.Amtsblatt der Regierung zu Kassel. 1889, S. 229.
Der Kirche in Schönebeck stiftete er anlässlich der Lutherfeier 1883 vier Buntglasfenster mit den Abbildungen von Luther und Melanchthon. Aus Anlass des 200. Jubiläums der Geburt seines Vorfahren Johann Ludwig Konrad Allendorf ließ er auf eigene Kosten gemeinsam mit seinem Bruder Paul eine Kinderbewahranstalt in Groß Salze errichten, die am 20. Mai 1893 feierlich eingeweiht wurde.Hallische Zeitung vom 23. Mai 1893, S. 7. Dieser Anstalt sfiftete er 1903 ein 40 Morgen großes Grundstück für einen Neubau.Saale-Zeitung vom 3. März 1903, S. 3. 1905 stellte er 500.000 Reichsmark für Stiftungen zu Gunsten der Waisenhäuser in Schönebeck und Groß Salze, dem Kindersanatorium sowie den Kirchen in Schönebeck, Groß Salze und Frohse zur Verfügung. 1908 erwarb er die frühere Tongrube am Hummelberg bei Schönebeck, um dort unweit des von seinem Vater errichteten Aussichtsturm gärtnerische Anlagen zu Verschönerungszwecken herrichten zu lassen.Saale-Zeitung. 15. Dezember 1908. Zu seinen Stiftungen zählte auch ein Freibett in den Lungenheilstätte Vogelsang. Finanziell unterstützte er auch das Frauenheim und die Kaiserin-Augusta-Heilanstalt Berlin.Geh. Kommerzienrat Allendorff †.1912, S. 1571.
Nach Allendorffs Tod 1911 vermachten seine beiden Söhne Otto und Wilhelm Allendorff den Beamten und Arbeitern ihrer geerbten Unternehmen zur Erinnerung des Verstorbenen erhebliche finanzielle Stiftungen.
Schriften (Auswahl) Die communale Bierbesteuerung in Deutschland. In: Der Bayerische Gastwirt. 18. Juni 1892.
Ehrungen 1891: Titelverleihung Kommerzienrat 1892: Ehrenförderer der internationalen Ausstellung für das Rote Kreuz, Armeebedarf, Hygiene, Volksernährung und Kochkunst zu Leipzig 1893: Mitglied des Zentralausschusses der Columbischen Weltausstellung in Chicago 1897: Mitglied des Ehrenkomitees der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung zu Leipzig 1902: Titelverleihung Geheimer Kommerzienrat 1910: Produktprämien (Jagdwaffen; Heer- und Marinewesen) auf der Weltausstellung in Brüssel 1911: Roter Adlerorden, 3. Klasse 1911: Titelverleihung Stadtältester von Groß SalzeHallische Zeitung vom 23. Februar 1911, S. 10. 1910: Produktprämie auf der Weltausstellung in Turin
Namensgeber: Ammonsalpetersprengstoffe Dorfit und AldorfitDorfit und Aldorfit. Neueste Ammonsalpetersprengstoffe, handhabungs- und schlagwettersicher. A. & W. Allendorff Sprengstoff- und Patronenfabrik Schönebeck, Schönebeck 1913. Allendorff-Straße im Schönebecker Stadtteil Bad Salzelmen (heute Heinrich-Heine-Straße)Harald Bahr, Graf von Ehrenberg: Das Villenviertel am Kurpark, haraldbahrvonehrenberg.de, 1. August 2023. Kinderheim in Groß Salze bis 1945Landesarchiv Sachsen-Anhalt, C 129 Schönebeck, Nr. 114 VR 10 2022 Berufsbildenden Schulen „Otto Allendorff“ in SchönebeckBerufsschule heißt "Otto Allendorff": Feierliche Namensgebung in Schönebeck (Elbe), schoenebeck.de, 27. September 2022.Sabine Lindenau: Warum „Otto Allendorff“ perfekt zur Berufsschule Schönebeck passt, volksstimme.de, 25. September 2022.
Grabmal mini|Grabmal von Otto Allendorf und seinen Eltern Wilhelm und Berta
Das überdimensional große Grabmal von Otto Allendorf und seiner Familie mit klassizistischen Zügen befindet sich auf dem ehemaligen Friedhof in Schönebeck, Tischlerstraße.Grabmal in Schönebeck (Elbe)
Literatur Geh. Kommerzienrat Allendorff †. In: Tonindustrie-Zeitung. Band 36, Nr. 115, 28. September 1912, S. 1571, Digitalisat Personalnotiz. In: Zeitschrift für das gesamte Schiess- und Sprengstoffwesen. Band 7, Nr. 19, 1. Oktober 1912, S. 397, Digitalisat Totenschau. In: Der Arbeiterfreund - Zeitschrift des Centralvereins in Preussen für das Wohl der Arbeitenden Klassen. Band 50, 1912, S. 394, Auszug Hans-Joachim Geffert: Allendorff, Otto Moritz. In: Guido Heinrich, Gunter Schandera: MBL. Magdeburger biographisches Lexikon. Scriptum-Verlag, Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1, Digitalisat, mbl.ub.ovgu.de, 9. Januar 2004 Beispiel für eine Bierniederlage: A. und W. Allendorff. In: Sabine Ullrich (Bearb.): Industriearchitektur in Magdeburg. Brauereien, Mühlen, Zucker- und Zichorienindustrie. Landeshauptstadt Magdeburg, Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Protokoll, Magdeburg 2003, S. 95–97. Jürgen A. Schulz: Heimatgeschichte. Die vergebliche Suche. In Schönebeck war der Name Allendorff einst allgegenwärtig. In: Volksstimme. 9. April 2017.
Weblinks Eintrag im Kalliope-Verbund
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (Deutschland) Kategorie:Unternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (Landwirtschaft) Kategorie:Unternehmer (Rüstungsindustrie) Kategorie:Brauer (Deutschland) Kategorie:Person (Zuckerherstellung) Kategorie:Person (Industrie- und Handelskammer) Kategorie:Geheimer Kommerzienrat Kategorie:Stellvertretender Bürgermeister (Sachsen-Anhalt) Kategorie:Person (Schönebeck (Elbe)) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 3. Klasse Kategorie:Mäzen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1841 Kategorie:Gestorben 1912 Kategorie:Mann