Kwame-Nkrumah-Wissenschaftspreis der Afrikanischen Union (englisch African Union Kwame Nkrumah Awards for Scientific Excellence, Abkürzung AUKNASE) ist ein Wissenschaftspreis der Afrikanischen Union, der herausragende wissenschaftliche Leistungen aus der afrikanischen Forschungsgemeinschaft in den Natur- und Technikwissenschaften auszeichnet. Der Preis wird auf nationaler, regionaler und kontinentaler Ebene vergeben und richtet sich je nach Ebene an junge Forschende, exzellente Frauen in der Wissenschaft sowie an führende Angehörige der Wissenschaftsgemeinschaft ohne Altersbegrenzung.

Der Preis gilt als eines der Flaggschiffprogramme der Afrikanischen Union zur Förderung von Wissenschaft, Technologie und Innovation und wird von der Europäischen Union als prestigeträchtiges Instrument zur Verbesserung der Lebensqualität durch Forschung in Afrika unterstützt.

Hintergrund Die Afrikanische Union verankerte Wissenschaft, Technologie und Innovation früh in ihren grundlegenden Politikdokumenten und entwickelte mit der Science, Technology and Innovation Strategy for Africa (STISA-2024) eine kontinentale Strategie, die zur in der Agenda 2063 formulierten Vision eines nachhaltigen und integrativen Wachstums beitragen soll. Vor diesem Hintergrund beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Union im Jahr 2007 die systematische Förderung von Wissenschaft und Technologie als zentrale Triebkräfte der afrikanischen Integration sowie der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung. Ende der 2000er-Jahre rief die Kommission der Afrikanischen Union ein mehrstufiges Wissenschaftspreisprogramm auf Basis der African Union Science Award Initiative ins Leben, aus dem die heutige Struktur des Kwame-Nkrumah-Wissenschaftspreises hervorging.

2010 benannte die Versammlung der Staats- und Regierungschefs das Programm nach dem ghanaischen Politiker Kwame Nkrumah, um den ersten Präsidenten der Republik Ghana und prominenten panafrikanischen Vordenker zu ehren. In den offiziellen Unterlagen wird Nkrumah als Vorkämpfer für afrikanische Befreiung, politische Einheit und eine föderale Union souveräner Staaten beschrieben, der Wissenschaft und Technologie als zentrale Mittel für wirtschaftliche und soziale Entwicklung verstand.

Ziele und Ausgestaltung Zu den erklärten Zielen des Preises gehört es, herausragende afrikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre wissenschaftlichen Leistungen und Entdeckungen auszuzeichnen und damit Exzellenz in Forschung und Innovation sichtbar zu machen. Die Preise sollen zugleich dazu beitragen, öffentliches Bewusstsein für Wissenschaft und Technik zu schaffen, die Umsetzung von Agenda 2063 und der STISA-2024 zu unterstützen und den Beitrag von Forschung zur Armutsbekämpfung sowie zur wirtschaftlichen Integration des Kontinents hervorzuheben.

Der Preis untersteht einem einmaligen, wettbewerblichen Preissystem mit Geldpreisen, die konkrete wissenschaftliche Arbeiten und Innovationen honorieren und nicht als klassische Lebenswerkpreise verstanden werden. Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Staatsangehörige von Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union, deren prämierte Forschung überwiegend an afrikanischen Forschungseinrichtungen durchgeführt wurde. Bei der Bewertung der Nominierungen berücksichtigt die Jury neben Originalität und Qualität der Forschung auch Beiträge zur Ausbildung von Nachwuchsforschenden, die Relevanz für afrikanische Entwicklungsherausforderungen sowie, falls einschlägig, Patente, Innovationen und Technologietransfer.

Preiskategorien und Vergabemodus Der Preis unterscheidet zwei wissenschaftliche Fachgebiete: Life and Earth Sciences and Innovation, zu denen unter anderem Geowissenschaften, Umwelt- und Klimaforschung, Biologie, Agrarwissenschaften und Medizin zählen, sowie Basic Sciences, Technology and Innovation mit Disziplinen wie Physik, Chemie, Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Materialwissenschaften, Informatik und Informations- und Kommunikationstechnologien.

Auf nationaler Ebene sieht das Statut zwei Preise pro Mitgliedstaat vor, die sich an junge Angehörige der Wissenschaftsgemeinschaft richten und deren konkrete Ausgestaltung in Abstimmung zwischen der Afrikanischen Union und den jeweiligen Staaten erfolgt. Die regionalen Preise werden in den fünf geografischen Regionen Afrikas an herausragende Frauen aus der Wissenschaft vergeben und sollen die Sichtbarkeit und Karriereentwicklung von Frauen in den Natur- und Technikwissenschaften stärken. Auf kontinentaler Ebene werden in der Regel zwei African Union Kwame Nkrumah Awards for Scientific Excellence an sogenannte pioneer scientists vergeben, die mit ihrer Forschung international sichtbare Beiträge in einem der beiden Fachgebiete geleistet haben. Nominierungen können von Universitäten, Forschungseinrichtungen, nationalen Wissenschafts- und Technologieräten, Akademien, Fachgesellschaften und anderen wissenschaftlichen Organisationen eingereicht werden; eine von der Afrikanischen Union und regionalen Partnerorganisationen benannte Jury bewertet die Vorschläge und erstellt eine Rangliste der Kandidaturen. Die Preisverleihungen finden in der Regel im Rahmen von Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union statt, etwa bei den ordentlichen Sitzungen der AU-Versammlung in Addis Abeba oder rund um den Afrikatag am 9. September.

Bedeutung und Rezeption Die Afrikanische Union, die Europäische Union und wissenschaftliche Einrichtungen beschreiben die African Union Kwame Nkrumah Awards for Scientific Excellence als prestigeträchtige beziehungsweise als Flaggschiffprogramme, mit denen der Stellenwert von Wissenschaft und Innovation für die Zukunft Afrikas unterstrichen werden soll. Der Preis soll die öffentliche Wahrnehmung von Forschung stärken, Vertrauen in wissenschaftsbasierte Politik fördern und zeigen, dass Investitionen in Wissenschaft zur Verbesserung von Gesundheit, Ernährungssicherheit, Umwelt- und Ressourcenschutz, Energieversorgung und technologischer Souveränität beitragen können. In zahlreichen Medienberichten wird die Auszeichnung als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Ehrungen der Afrikanischen Union dargestellt, die maßgeblich dazu beiträgt, afrikanische Spitzenforschung international sichtbar zu machen.

Zu den ausgezeichneten Forschungsfeldern gehören etwa Arbeiten zur Regulierung von Peptidhormonen und zur Neuroendokrinologie, zur Nanowissenschaft und Nanomedizin, zur Photonik und zu optischen Kommunikationstechnologien sowie zu Umwelt- und Klimafragen, Ozeanografie und Agrar- und Ernährungswissenschaften.

Preisträgerinnen und Preisträger Kontinentale Ebene Lebens- und Erdwissenschaften 2011: Marike Labuschagne 2012: Michael John Wingfield 2014: Salim S. Abdool Karim 2015: Umezuruike Linus Opara 2016: Felix Dapare Dakora 2017: Robert Peter Millar 2018: David Mark Richardson 2019: Chedly Abdelly 2020: Abraham Aseffa

Grundlagenwissenschaften, Technologie und Innovation 2011: Oluwole Daniel Makinde 2012: Nabil A. Ibrahim 2014: Timoleon Crepin Kofane 2015: Tebello Nyokong 2016: Ali Ali Hebeish 2017: Malik Maaza 2018: Obada Abdel Shafy 2019: Ahmed Mohammed Alsabagh 2020: Salah Obayya

Regionale Ebene (Frauen) Lebens- und Erdwissenschaften 2010: Salimata Wade (Westafrika) 2011: Mireille Dosso (Westafrika) 2012: Matilda Steiner-Asiedu (Westafrika) 2013: Adolé Glitho-Akueson (Westafrika) 2014: Isabella Akyinbah Quakyi (Westafrika) 2015 – Nordregion: Hafida Merzouk 2019 – Westregion: Chinedum Peace Babalola 2019 – Nordregion: Aly Maha Nasr Sayed 2019 – Südregion: Lizette Leonie Koekemoer 2020 – Westregion: Philippa C. Ojimelukwe 2020 – Ostregion: Hulda Swai 2020 – Nordregion: Elham Mahmoud

Grundlagenwissenschaften, Technologie und Innovation 2010: Geneviève Barro (Westafrika) 2011: Rita Kakou-Yao (Westafrika) 2013: Quarraisha Abdool Karim (Ostafrika) 2013: Yvonne Bonzi-Coulibaly (Westafrika) 2015 – Ostregion: Yalemtsehay Mekonnen 2019 – Nordregion: Altaf H. Basta 2020 – Nordregion: Fakiha Heakal 2020 – Westregion: Ibiyinka A. Fuwape

Einzelnachweise

Kategorie:Wissenschaftspreis Kategorie:Wissenschaft (Afrika) Kategorie:Erstverleihung 2008