Lubieszewo (deutsch Ladekopp) ist ein Dorf der Gmina Nowy Dwór Gdański im Powiat Nowy Dwór in der polnischen Woiwodschaft Pommern.
Geographische Lage Das Dorf liegt im Żuławy Malborskie (Großes Marienburger Werder), etwa 18 Kilometer nördlich von Malbork (Marienburg) und sechs Kilometer westsüdwestlich der Stadt Nowy Dwór Gdański (Tiegenhof).
Geschichte mini|Häuser in Dorfmitte (2015) mini|Vorlaubenhaus (2016) Beim Bau der Chaussee nach Schöneberg im 19. Jahrhundert war auf einem flachen Sandhügel etwa einen Kilometer westlich des Dorfkerns von Ladekopp ein ausgedehntes, aus Urnengräbern und Brandgruben bestehendes prähistorisches Gräberfeld entdeckt worden, dessen zahlreiche archäologische Fundgegenstände teils der La-Tène-ZeitAbraham Lissauer: Die prähistorischen Denkmäler der Provinz Westpreussen und der angrenzenden Gebiete. W. Engelmann, Leipzig 1887, S. 127 (Google Books). (etwa 450 v. Chr.) und teils der späteren römischen EpocheAbraham Lissauer: Die prähistorischen Denkmäler der Provinz Westpreussen und der angrenzenden Gebiete. W. Engelmann, Leipzig 1887, S. 152, § 15 (Google Books). zugerechnet werden. Haus-, Schmuck- und Gebrauchsgegenstände unter den geborgenen Artefakten lassen darauf schließen, dass sich im Weichsel-Nogat-Delta schon während der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung Ansiedlungen befunden hatten.Aungust Bertling: Deutscher Orden und Preuſsen, in: Jahresberichte der Geschichtswissenschaf, VIII. Jahrgang, Berlin 1885, S. 150–158, insbesondere S. 152 (Google Books).
Ladekopp gehört zu einer Reihe von Ortschaften im Weichsel-Nogat-Delta, die vom Deutschen Orden im 14. Jahrhundert mit Privilegien bewidmet worden waren, und erhielt seine Handfeste im Jahr 1341.Alfred Jentzsch: Die geologische Erforschung des norddeutschen Flachlandes, insbesondere Ost-und Westpreussens in den Jahren 1878−1880, in: Schriften der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, 21. Jahrgang (1880), Königsberg 1881, S. 131–208, insbesondere S. 157 (Google Books).Max Toeppen: Beiträge zur Geschichte des Weichseldeltas, Th. Bertling, Danzig 1894, S. 20 (Google Books). Das Dorf war zu dem Zeitpunkt nicht neu gegründet worden, sondern hatte schon 1255 bestanden.C. E. Rhode: Der Elbinger Kreis in topographischer, historischer und statistischer Hinsicht. Nebst 7 Karten auf 2 Blättern. A. W. Kafemann, Danzig 1871, S. 34 (Google Books).
Um 1818 gab es in dem Dorf eine lutherische Kirche, eine katholische Kirche, eine mennonitische Kirche, eine Kornmahl-Windmühle, zwei Wasserabmahl-Windmühlen (Wasserschöpfwerke), eine Wasserabmahl-Rossmühle, eine Grützgroßmühle, einen Krug, zwei Schänken, eine Schmiede und 17 Handwerksbetriebe. Die drei Kirchen und mehrere Windmühlen waren auch noch um 1832 vorhanden.August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 431 (Google Books).
Um 1910 hatte Ladekopp eine Haltestelle an der Kleinbahn-Strecke Tiegenhof – Schöneberg – Liessau, eine evangelische Pfarrkirche, eine katholische Pfarrkirche, eine mennonitische Kirche, ein Bankgeschäft, eine Molkerei und eine Mühle. Es gab außerdem einen mit einer Gemischtwarenhandlung kombinierten Gasthof, eine Bäckerei, einen Maurerbetrieb, eine Metzgerei, eine Sattlerei, eine Schmiede, eine Stellmacherei und eine Tischlerei; als Gutsbesitzer werden genannt: Andres, Claassen, Dueck, drei Besitzer namens Dyck, Werner, Wiens und Wilhelm.C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde, der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc., Band 11a: Westpreussen, 11. Ausgabe, Nürnberg 1913, S. 89 (Google Books). Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 1146,0 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Ladekopp 115 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 320 Pferde, 617 Stück Rindvieh, drei Schafe, 577 Stück Borstenvieh und 128 Ziegen hielten. Die Imker des Dorfs betrieben 174 Bienenstöcke.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Heft 2: Provinz Westpreußen. Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Danzig. 3. Kreis Marienburg in Westpreußen. S. 8–9, Ziffer 55 (Google Books).
Ladekopp gehörte bis 1920 zum Landkreis Elbing im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen, und damit zum Deutschen Reich. Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Dorf aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 an die Alliierten und Assoziierten Hauptmächte zur Bildung der Freien Stadt Danzig abgetreten werden,Amtsbezirk Ladekopp, Landkreis Marienburg (Territorial.de) in der es von 1920 bis 1939 zum Landkreis Großes Werder gehörte.Amtsbezirk Ladekopp, Landkreis Großes Werder (Territorial.de) Nach der Besetzung des Danziger Freistaates durch Deutschland 1939 war Ladekopp von 1939 bis 1945 dem Landkreis Großes Werder im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt und kam schließlich zu Polen. Der Ort erhielt den polnischen Ortsnamen Lubieszewo.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1783 – königliches Dorf, mit einer katholischen und einer lutherischen Pfarrkirche sowie einer Windmühle und 64 Feuerstellen (Haushaltungen), zum Amt Tiegenhof gehörigJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Anhang (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 113 (Google Books). 1818 640 kölmisches Dorf, mit 67 Feuerstellen (Haushaltungen) sowie einer lutherischen, einer katholischen und einer mennonitischen Kirche, zum Amt Tiegenhof gehörig, davon 292 Lutheraner, 251 Katholiken und 97 MennonitenDanziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 36–37, Ziffer 64 (Google Books).Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O. Bei Karl August Kümmel, Halle 1822, S. 54, Ziffer 119 (Google Books). 1852 697 DorfKraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 330 (Google Books).1864 693 am 3. Dezember, LandgemeindePreußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, 6. Kreis Marienburg, S. 10–17, Ziffer 61 (Google Books). 1867 729 am 3. Dezember, Landgemeinde 1871 724 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 321 Evangelische, 292 Katholiken und 111 sonstige Christen, in 69 WohngebäudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 346–347, Ziffer 56 (Google Books). 1885 718 am 1. Dezember, Landgemeinde mit einer Flächengröße von 1146 Hektar und 71 Wohngebäuden; davon 356 Evangelische, 254 Katholiken und 108 sonstige ChristenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. II. Provinz Westpreußen, Berlin 1887, S. 12–13, Ziffer 64 (Google Books). 1905 693 am 2. Dezember, Landgemeinde mit einer Flächengröße von 1146,0 Hektar und 81 bewohnten Wohngebäuden; davon 305 Evangelische (mit deutscher Muttersprache), 257 Katholiken (256 mit deutscher und eine Person mit polnischer Muttersprache) sowie 129 andere Christen (mit deutscher Muttersprache) und zwei Personen mit einem anderen Glaubensbekenntnis (mit deutscher Muttersprache)Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Aufgrund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, Band 2: Provinz Westpreußen, Berlin 1908, S. 78–79, Ziffer 57 (Google Books). 1910 718 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 346 Evangelische, 258 Katholiken und 114 sonstige Christen, sämtlich mit deutscher MutterspracheKöniglich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft 2: Provinz Westpreußen, Regierungsbezirk Danzig. Berlin 1912, 9. Kr. Marienburg i. Westpr., S. 34–35, Ziffer 56 (Google Books).Ladekopp Kr. Marienburg Westpr., im Großen Werder, Regierungsbezirk Danzig, Provinz Westpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und einer historischen Landkarte der Umgebung von Ladekopp (meyersgaz.org) 1929 998 2011 599 Główny Urząd Statystyczny, Ludność - struktura według ekonomicznych grup wieku Stand vom 31. März 2011, abgerufen am 11. Dezember 2025
Kirche mini|Dorfkirche (2016) Evangelisches Kirchspiel bis 1945 Die evangelische Gemeinde wurde um 1570 gegründet. Heinrich Copius war 1575 der erste Prediger der Gemeinde.Ludwig Rhesa: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den evangelischen Kirchen in Westpreußen angestellten Predigern. Paschke, Königsberg 1834, S. 190–191 (Google Books). Nachdem der Gottesdienst zunächst in einem Gehöft abgehalten worden war, zog die Gemeinde 1630 in ein scheunenartiges Gebäude um, das 1708 mit Hilfe der Schweden durch eine Kirche ersetzt wurde. 1826 brannte die Kirche samt den Pfarrgebäuden ab. Am 16. September 1827 wurde eine neu erbaute Fachwerkkirche eingeweiht, die mit zwei Glocken und einer Orgel mit Pedal und elf Stimmen ausgestattet war. Das Patronatsrecht über die Kirche übten die Hofbesitzer der Dürfer Ladekopp und Tiede aus.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 430 (Google Books).
Die vor 1945 anwesenden Dorfbewohner waren mehrheitlich evangelischer Konfession. Zum evangelischen Kirchspiel Ladekopp gehörten die Ortschaften Ladekopp, Neunhuben, Orloff, Orlofferfelde, Pietzkendorf, Siebenhuben und Tiege.Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 41, § 7 (Google Books). Der Bestand an Kirchenbuch-Eintragungen zu Geburten reichte bis 1806, zu Taufen bis 1785 und zu Sterbefällen bis 1825 zurück.Richard Rose: Die Kirchenbücher der Provinz Westpreußen. Auf Grund amtlichen Materials zusammengestellt. In: Archiv für Stamm- und Wappenkunde, 6. Jahrgang 1905–1906, Papiermühle (Sachsen-Altenburg) 1906, S. 177–180, insbesondere S. 178 (Google Books).
Katholisches Kirchspiel bis 1945 Ladekopp hatte eine eigene katholische Pfarrkirche. Das römisch-katholische Kirchspiel Ladekopp gehörte zum Dekanat Neuteich im Bistum Ermland und war im 19. Jahrhundert für die Katholiken der Dörfer Ladekopp und Orloff zuständig.Schematismus der Römisch-Katholischen Kirche des Deutschen Reiches, Herder, Freiburg im Breisgau 1888, S. 90 (Google Books). In Orloff gab es eine Kapelle. Bis Anfang 1872 hatten auch die bei Tiegenhagen auf der Gemarkung Reinland wohnhaften Katholiken zum katholischen Pfarrverband Ladekopp gehört; diese wurden durch ein Dekret des Bischofs Philipp Krementz vom 10. Mai 1872 nach Tiegenhagen umgepfarrt.Amts-Blatt der Regierung zu Danzig, No. 25, 19. Juni 1872, S. 113, Bekanntmachung 263 (Google Books).