Der Meteorit Estherville ist ein Stein-Eisen-Meteorit der seltenen Klasse der Mesosiderite (A3/4), der am 10. Mai 1879 in der Nähe von Estherville im Emmet County, im Bundesstaat Iowa in den USA niedergegangen ist. Sein Fall wurde von zahlreichen Zeugen beobachtet und dokumentiert. Mit einer Gesamtmasse von rund 320 kg ist Estherville der drittgrößte jemals in den USA beobachtete Meteoriten-Fall (nach den Meteoriten Norton County und Paragould) und der massivste unter den weltweit nur sieben Fällen von Mesosideriten, die bisher beobachtet worden sind.
Fallereignis Der Fall des Estherville-Meteoriten ereignete sich am 10. Mai 1879 um 17:00 Uhr. Zeugen berichteten von einer hellen Feuerkugel und einer Serie lauter Detonationen, die an Kanonendonner erinnerten. Historische Quellen beschreiben, dass der Meteorit in der Luft in mehrere große Stücke zerbrach und ein Steinschauer aus mehreren großen Massen und vielen kleinen Fragmenten über der Gegend niederging.
Unmittelbar nach dem Fall entdeckten Farmer und Anwohner die ersten Einschlagskrater nördlich von Estherville. Der größte Krater war etwa 4 m breit und 2 m tief und enthielt eine Masse von ungefähr 195 kg. Um dieses Hauptstück des Meteoriten entbrannte ein Rechtsstreits zwischen den Findern und dem Grundstückseigentümer. Das Fundstück gelangte schließlich ins Britische Natural History Museum in London.
Weitere große Fragmente mit rund 65 kg sowie zahlreiche kleinere Stücke wurden in den folgenden Tagen und Wochen in einem Streufeld geborgen. Ein Teil der gefundenen Masse fand sich bald in den Sammlungen wissenschaftlicher Institutionen in den USA und Europa; weitere Bruchstücke gelangten in Privatsammlungen und Museen weltweit.
Klassifikation mini|links|Ein Fragment von Estherville, ausgestellt im Jahr 2014 im Museum Mineralogia München Eine erste wissenschaftliche Beschreibung des Fall-Ereignisses und der gefundenen Fragmente wurde wenige Monate nach dem Fall vom Mineralogen Charles Upham Shepard im American Journal of Arts and Science veröffentlicht. Shepard kam zu dem Schluss: „Nach den vorliegenden Exemplaren zu urteilen, kann es keiner Gruppe von Meteoriten zugeordnet werden, mit denen wir vertraut sind.“
Der Chemiker und Mineraloge J. Lawrence Smith veröffentlichte weitere Analysen im August 1880.
Im Jahr 1882 wurde der Meteorit von Estherville vom Wiener Mineralogen Aristides Brezina erstmals als Mesosiderit bezeichnet, gemeinsam mit den Meteoriten von Veramin, der 1880 bei Teheran gefallen war.
Estherville ist eine typischer Mesosiderit der sich etwa jeweils zur Hälfte aus Metallen und Silikat-Gesteinen zusammensetzt und eine bruchstückreiche Struktur zeigt.
Metalle: überwiegend Nickel-Eisen (Kamacit, Taenit), mit geringen Mengen anderer Legierungsbestandteile. Silikate: vor allem Ca-reiche Plagioklase und pyroxenreiche Gesteinsfragmente, gelegentlich mit Olivinen Weitere Bestandteile: Sulfide (z. B. Troilit) sowie Phosphate
Estherville wird in die Untergruppe A3/4 eingeteilt; das bedeutet, dass der Silikatanteil relativ plagioklasreich ist (über 25 Vol.-%) und einen mittleren Grad an thermischem Metamorphismus bzw. Rekristallisation zeigt. Seine Entstehung wird – wie bei anderen Mesosideriten – auf sehr kräftige Kollisionen im frühen Sonnensystem zurückgeführt, bei denen Material aus Kruste und Kern eines differenzierten Asteroiden miteinander vermischt wurde.
Mineralfunde und Estherville als Typlokalität Estherville wird als Typlokalität (erster Fundort) für die Minerale Stanfieldit (1967) und Tetrataenit (1980) geführt.
Im Estherville-Meteoriten wurden bisher insgesamt 17 anerkannte Mineralarten entdeckt, so unter anderem Anorthit, Augit, Chromit, gediegen Eisen, Enstatit, Ilmenit, Merrillit, Pigeonit, Rutil, Schreibersit, Taenit, Tridymit, Troilit und Zirkon.
Sammlung Eine Scheibe des Meteoriten ist in Estherville ausgestellt. Weitere Fragmente finden sich an der University of Minnesota, sowie im Smithsonian Museum of Natural History, im Museum Mineralogia München und im Naturhistorischen Museum Wien.
Einzelnachweise
Kategorie:Meteorit Kategorie:Typlokalität