Jürg Andermatt (* 11. August 1944 in Luzern) ist ein Schweizer Fotograf und Fotodesigner.Photografie in der Schweiz von 1840 bis heute. Schweizerische Stiftung für Photographie und Benteli-Werd Verlags AG, Reihe Schweizer Photographie, Band 7, Wabern bei Bern 1992, S. 310. Bekannt wurde er insbesondere durch seine Landschaftsfotografie und Reisefotografie sowie durch zahlreiche Bildbände. Für seine Arbeiten erhielt er 1975 den Bayerischen Staatspreis. Zu seinen dokumentierten Themenschwerpunkten zählen neben Deutschland, insbesondere Niedersachsen, auch Japan, die Karibik, Kenia, Patagonien, Spitzbergen sowie Thailand.Heinz von Lichem: Talentschuppen. Wir stellen vor: Jürg Andermatt. In: „Color Foto-Journal.“ Verlag Laterna magica, 5. Jahrgang, Ausgabe 2/75, S. 18. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem in Tokio, Osaka und verschiedenen deutschen Städten."Andermatt, Jürg" In: Allgemeines Künstlerlexikon - Online edited by Andreas Beyer, Bénédicte Savoy and Wolf Tegethoff. Berlin, New York: K. G. Saur, 2021.
Leben mini|Wandbild Grashalm am Bunker in der Hardenbergstraße in Bremen aus dem Jahr 1977. In der frühen Jugend war Andermatt Pfadfinder beim Pfadicorps Musegg, dem ältesten Pfadfinder-Korps des Kantons Luzern.Zeitung der Pfadfinderabteilung Musegg Luzern, Nr. 1, 27. Jahrgang, März 1958, S. 6. Sein Vater betrieb einen Eisen- und Haushaltswarenhandel.Fritz Kempe: Ein Schweizer entdeckt das Teufelsmoor. Über Jürg Andermatt und den Erfolg seiner Landschafts-Fotos. In: Fotomagazin, Heering-Verlag, 29. Jahrgang, Ausgabe 2/77, S. 76–79. Bei den Skiregionalmeisterschaften in Schwyz im Januar 1963 wurde er Verbandsmeister der Zentralschweiz in der Abfahrt bei den Junioren.Der Bund vom 28. Januar 1963, Band 114, Nummer 40, Abendausgabe, S. 7. An der ETH Zürich absolvierte Andermatt eine Ausbildung zum Physiklaboranten.‚Globetrotter‘ Jürg Andermatt zeigt Bilder in Harpstedt In: Nordwest-Zeitung, Ausgabe Oldenburger Kreiszeitung vom 14. Januar 1983. Diese beinhaltete auch eine Ausbildung in technischer Fotografie, bei der er Dunkelkammertechniken lernte.Photografie in der Schweiz von 1840 bis heute., Arthur Niggli, Niederteufen 1974, S. 308, ISBN 3-7212-0081-0. Anschließend arbeitete er zwei Jahre in diesem Beruf bei der Ciba AG in Basel. Parallel dazu besuchte er die dortige Abendhandelsschule. Andermatt betätigte sich zudem als Skilehrer.
Seine fotografische Laufbahn begann 1968 nach einem Roadtrip mit seiner späteren Ehefrau Ali von der Schweiz nach Nepal, der in Japan endete. Als Autodidakt eignete er sich während seines Aufenthalts in Kyōto von 1969 bis 1972 sein fotografisches Wissen durch das Studium von Fotobüchern aus Bibliotheken an. Zunächst fotografierte er in Reportagen die Menschen Japans in Schwarzweiß und die Tempel und Gärten Kyōtos in Farbe. Auf der Expo ’70 in Osaka wurden seine Bilder im Mitsubishi-Miraikan-Pavillon gezeigt, dessen Generalproduzent Tomoyuki Tanaka war. Während der Weltausstellung lernte er Nena Ossa, die damalige Pressereferentin des chilenischen Pavillons und spätere Direktorin des chilenischen Kunstmuseums Museo Nacional de Bellas Artes, kennen.Nena Ossa: Allende: Thank you...! Vivencias periodísticas y personales. Editorial Maye, 2009, S. 15. ISBN 978-956-8433-24-6. Insgesamt erstellte er zehn Foto-Essays in seiner Zeit in Japan. Während seines Japanaufenthalts heiratete er Ali, die ihn während seiner gesamten beruflichen Laufbahn unterstützte. 1972 erschien in Japan sein erstes Buch „in kyoto“ mit japanischen Texten von Sugimoto Hidetarō.Nationale Parlamentsbibliothek: インきょうと : ユルグ・アンデルマット写真集 (japanisch) Die Schweizer Kulturzeitschrift Du zeigte eine Bilderserie von Andermatt mit Bildern von Gion in Kyōto, Tokio und Osaka.Jürg Andermatt: Das andere Japan. In: du., Conzett & Huber, Ausgabe September 1974, S. 70
Nach der Rückreise über Äthiopien zog Andermatt im Jahr 1973 nach Deutschland und ließ sich in Hohenmoor in Niedersachsen nieder, wo er als freier Fotodesigner tätig wurde. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Bildbände, die sich thematisch oft mit norddeutschen Landschaften wie dem Teufelsmoor, Bremerhaven oder Lüneburg auseinandersetzten. 1977 gestaltete Andermatt am Bunker in der Hardenbergstraße in der Bremer Neustadt das 26 Meter hohe Wandbild Grashalm, bei dem er das Kleinste, was man im Gras liegend erkennen kann, durch eine 1500-fache Vergrößerung seiner fotografischen Aufnahme auf das ihm größtmögliche Format übertrug. Von 1977 bis 1983 war er für die fotografische Gestaltung der Jahresberichte und technischen Broschüren der Lufthansa verantwortlich. Andermatt führte in den Jahren 1980/81 eine fotografische Erkundung der Karibik mit einem Katamaran durch. Das 1982 posthum erschienene Buch „Erlebnis Natur. Mit einer Einführung von Karl Krolow.“ von Max Albert Wyss enthält zehn Bildbeiträge von Andermatt.Max Albert Wyss: Erlebnis Natur. Mit einer Einführung von Karl Krolow. C. J. Bucher Verlag, München und Luzern 1982, S. 148. Für das Jahr 1984 wählte der Bremer Kultursenator Horst Werner Franke Andermatt als Preisträger für den vom norwegischen Utenriksdepartementet gestifteten Studienaufenthalt in der Künstlersiedlung Ekely bei Oslo aus. Der Aufenthalt erfolgte im Rahmen des Kulturabkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Norwegen. Andermatt lebte dort mit seiner Familie für drei Monate beim Atelier von Edvard Munch.Karla Fohrbeck: Handbuch der Kulturpreise und der individuellen Künstlerförderung in der Bundesrepublik Deutschland 1979–1985. Im Auftrage des Bundesministerium des Innern. DuMont Buchverlag, Köln 1985, S. 336, ISBN 3-7701-1747-6.
Nach der deutschen Wiedervereinigung dokumentierte er im Auftrag der Lufthansa die Landung des ersten Lufthansa-Flugzeuges in Berlin. Am 28. Oktober 1990 landete nach 45-jährigen Restriktionen und alliierten Sonderrechten im Berlin-Flugverkehr ein Lufthansa Airbus A310-300 auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Für seinen 1993 erschienenen großformatigen Bildband „Spuren im Watt: Das Rätsel der Sandbank“ verband er 65 Schwarzweißaufnahmen mit ausgewählten Texten aus dem Roman Das Rätsel der Sandbank von Robert Erskine Childers.Beinahe kein Spionageroman - Erskine Childers' "Das Rätsel der Sandbank" wird 100. In: Badische Zeitung vom 5. September 2003, Seite 1.Andreas Breitenstein: Die verlorene Sprache der Dinge. Juerg Andermatt photographiert im Watt. In: Neue Zürcher Zeitung vom 1. März 1994.
1999 verkaufte er sein Haus in Deutschland und erwarb den von Gerd Engel gebauten Hochseekatamaran „Sposmoker I“, mit dem er gemeinsam mit seiner Frau Ali bis 2008 auf Reisen war.Michael Thon: Grainger in the Night. Selbstbau eines Katamarans vom Typ Grainger 485. In: Mehrrumpfbo-o-te Multihull Deutschlands Magazin, Multihull Deutschland Vereinigung von Mehrrumpfseglern e.V., Nr. 169, Dezember 2019, S. 15. Wie Engel zuvor führte es sie auf dem Katamaran nach Spitzbergen im Nordatlantik, wo sie zur Jahrtausendwende 1999/2000 mit dem Katamaran auf dem St. Jonsfjord im Oscar-II-Land im Eis überwinterten.Svalbardposten Nr. 22 vom 9. Juni 2022, S. 11. Im Jahr 2008 verlegten die Andermatts ihren Lebensmittelpunkt nach Chile und ließen sich im südlichen Westpatagonien in der von Hermann Eberhard gegründeten Siedlung Puerto Consuelo bei Puerto Natales nieder. Dort widmet sich Jürg Andermatt weiterhin der Landschafts- und Reisefotografie und veröffentlichte unter anderem Fotografien aus dem Nationalpark Torres del Paine und Puerto Consuelo. Zudem besitzt Andermatt eine Privatpilotenlizenz und war fünf Jahre lang Eigentümer eines Ultraleichtflugzeugs, mit dem er in den Anden Luftaufnahmen machte. Im Rahmen des Kieler Cinemare Meeresfilmfestivals 2017, bei dem die Filme auf dem Schlepper MS Odin gezeigt wurden, führten Jürg und Ali Andermatt am Willy-Brandt-Ufer an der Kieler Förde das römisch-katholische Anlegemanöver der MS Odin durch.Werftbahn: Rückblick: CineMare Bootskino
In der Artothek Bremen sind sechs Werke von Andermatt ausleihbar.Stadtbibliothek Bremen: Autor Andermatt, Jürg Medienbestand (6)Katia Backhaus: Eine Ausstellung im eigenen Zuhause. In: Kreiszeitung vom 29. November 2025, Seite 19.
Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1971: Nikon Gallery, Tokio 1975: Focke-Museum, Bremen 1976: Atelierhaus, Ottersberg 1986: Kreismuseum Syke 1990: Bremer Presse-Club
Gruppenausstellungen 1970: Expo ’70, Osaka 1972: International Conference Hall, Kyōto 1974: Photographie in der Schweiz von 1840 bis heute, Wanderausstellung der Schweizerischen Stiftung für die Photographie, Zürich
Preise (Auswahl) 1975: Bayerischer Staatspreis 1977: Kodak Fotobuchpreis 1979: Kodak Fotobuchpreis 1984: Kodak Fotobuchpreis 1988: Air Transport World Advertising Award, New York 1989: Auszeichnung „Schönstes Buch“, Stiftung Buchkunst 1990: Air Transport World Advertising Award, New York
Publikationen (Auswahl) In Kyoto. Shinshindo, Osaka 1972. Teufelsmoor. Schmalfeldt, Bremen 1976. Bremerhaven. Schmalfeldt, Bremen 1977. Kleine Landschaften. Schmalfeldt, Bremen 1977. Inseln im Licht. Schmalfeldt, Bremen 1979. Lüneburg. Heinrich-Heine-Buchhandlung, Lüneburg 1980. Milchstraße. Bilder einer stillen Landschaft. DuMont, Köln 1984. Spuren im Watt: Das Rätsel der Sandbank. Nieswand, Kiel 1993.
Weblinks Offizielle Website von Jürg Andermatt
Jürg Andermatt In: Fotostiftung Schweiz
Einzelnachweise
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