mini|Rosengasse 6, Coburg
Das Gebäude Rosengasse 6 ist ein Wohn- und Geschäftshaus in der oberfränkischen Stadt Coburg. Es wurde 1457 erstmals erwähnt und ist als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen.
Geschichte Eigentümer des Anwesens, die ein Ratslehen mit Braugerechtigkeit besaßen, sind seit 1457 belegt. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfolgte ein Neubau, der Ende des 17. Jahrhunderts als Mittelbau mit drei Stockwerken, vier Stuben, einem Gewölbe und einem Keller beschrieben wurde. Unter anderem war der Hofrichter Wilhelm Ludwig von Streitberg im 16. Jahrhundert Besitzer des Hauses. Im Jahr 1626 wurde ein mittiger Durchgang zu rückwärtigen Fleischbänken in der Metzgergasse eingebaut. In den Jahren 1877 und 1881 veranlasste der Zeichenlehrer und Dekorationsmaler Paul Türck verschiedene Umbauten. Dabei wurde aus dem linken Rundbogenfenster ein Ladeneingang und das Dachgeschoss zum dritten Vollgeschoss ausgebaut.
Im Jahr 1892 kaufte der aus Hofstädten stammende Wilhelm Feyler (1869–1960) das Anwesen und eröffnete dort nach Umbaumaßnahmen am 1. Oktober 1892 eine Bäckerei. In der Folge kreierte er das „Coburger Schmätzchen“, das aus Honigteig besteht und Nüsse, Mandeln, Orangeat, Zitronat sowie Gewürze enthält. Sein Geschäft entwickelte sich zu einer Spezial-Feinbäckerei. Feyler wurde 1897 zum Hofbäcker und 1907 zum Hoflieferanten ernannt. 1904 veranlasste er eine Neugestaltung der Erdgeschossfassade. Das mittlere Durchgangsportal mit Sitznischen wurde durch Einbau einer Brüstung in ein Schaufenster verwandelt und die beiden seitlichen Eingänge vergrößert. Nachdem Feyler 1916 das Nachbargebäude Rosengasse 8 erworben hatte, wurden im Erdgeschoss Innenwände zwischen den beiden Gebäuden abgebrochen. Später wurde der linke Ladeneingang wieder durch ein Rundbogenfenster ersetzt. 1931 und 1935 folgten Erweiterungen der Backstube im Rückgebäude und 1976 der Verkaufsräume. 1979 ließ die Familie Feyler die Fassade renovieren.
Architektur Das viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus ist ein Traufseithaus mit einem Erdgeschoss aus Sandsteinquadern, das ein Zahnschnitt vom ersten Obergeschoss trennt. Die einzelnen vorkragenden Obergeschosse haben eine sechsachsige verputzte Fachwerkfassade. In den beiden mittleren Achsen des dritten Obergeschosses sind segmentbogige Fenster angeordnet, über denen sich ein geschwungener Ziergiebel befindet. Der Hausumbau im Jahr 1904 zu einem repräsentativen Erdgeschoss erfolgte in Formen der Neurenaissance. Das mittlere Durchgangsportal wurde ein Rundbogenschaufenster. An den beiden schräg gestellten Seitenpfosten befinden sich ehemalige Sitznischen, welche von einer Muschel bekrönt sind. Über den Kapitellen der beiden Seitenpfosten erhebt sich der Rundbogen mit Zahnschnitt und Eierstab. Links davon ist das herzogliche Wappen über dem Firmenschild angeordnet. Das unter anderem mit einer Kassettierung umzogene rechte Eingangsportal mit einem doppelten Oberlicht geht auf einen Entwurf von Max Böhme aus dem Jahr 1905 zurück und trägt die Initialen von Wilhelm Feyler.
Literatur
Tilmann Breuer: Liste der schutzwürdigen Bauten in der Stadt Coburg. Coburg 1970, S. 97.
Weblinks
, Akten-Nummer D-4-63-000-435
Einzelnachweise Christian Boseckert: Aus dem Leben des Hofbäckermeisters und Landesgewerberates Wilhelm Feyler. In: Historische Gesellschaft Coburg e. V. (Hrsg.): Coburger Geschichtsblätter. Jahresband 19, Jahrgang 2011, , S. 109–128.
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