Das Stadtarchiv Biel () der Stadt Biel (Bienne) im Kanton Bern ist eines der alten Stadtarchive der Schweiz. Seine Anfänge sind an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert zu fassen. Die bedeutendste Urkunde ist der Freiheitsbrief von Rudolf von Habsburg von 1275.

Geschichte Im Jahr 1399 schaffte Biel eine Truhe («burger trog») an, um Urkunden und Bündnisverträge aufzubewahren. Ab 1464 fertigten Stadtschreiber Abschriften wichtiger Urkunden an, die gegenwärtig eine Quelle über den Inhalt verlorener Dokumente sind. Im selben Jahr wurden weitere Truhen («Trukken zu den brieffen») gekauft. Der Burgermeister hatte ein eigenes «Trögli» für aktuelle Dokumente. Altakten wurden später im Archivturm der Burg gelagert. Das «Canzleiinventarium» der Polizeiverordnung von 1724 schrieb eine Inventarisierung vor, die in 23 Unterabteilungen mit einem Register ausgeführt wurde.Stadtarchiv. In: Werner und Marcus Bourquin: Biel. Stadtgeschichtliches Lexikon. Biel 1999, S. 410–411.

Ab 1758 betreute der Stadtschreiber das Archiv, das 1766 im «Kanzleigewölb» der Bieler Burg eingerichtet wurde. Ab 1826 erfolgte eine Neuordnung und Erschliessung zunächst durch den Juristen Eduard Blösch, bald jedoch durch dessen Bruder, den Arzt und Politiker Cäsar Adolf Bloesch, der diese Aufgabe nach insgesamt vierzehn Jahren abschloss. Von 1867 bis 1872 war Oberrichter Gustav Bloesch, ein Sohn Cäsar Adolf Bloeschs, Stadtarchivar. Ab 1872 übernahm wieder der Stadtschreiber dieses Amt. Werner Bourquin war als Konservator des Museums Schwab ab 1945 zugleich Stadtarchivar. Von 1972 bis 1992 folgte ihm sein Sohn Marcus Bourquin in dieser Doppelfunktion nach. Seit 1995 ist das Stadtarchiv wieder Teil der Stadtkanzlei.1.2 Stadtkanzlei/Chancellerie municipales, Archives municipales. In: Geschäftsbericht / Rapport de gestion 1995, Biel 1996, S. 10. Eine Vollzeitstelle zur Betreuung des Stadtarchivs wurde 1997 geschaffen.1.2 Stadtkanzlei/Chancellerie municipales, Personelles. In: Geschäftsbericht / Rapport de gestion 1997, Biel 1998, S. 9. Diese übernahm Chantal Greder-Fournier, die bereits seit 1993 auf Teilzeitbasis das Archiv betreut hatte.4.6 Abteilung Kulturelles/Affaires culturelles, Archives municipales. In: Geschäftsbericht / Rapport de gestion 1993, Biel 1994, S. 53. Auf Chantal Greder-Fournier folgte Marie-Pascale Chassot, die das Stadtarchiv zwischen 2012 und 2021 leitete.https://www.biel-bienne.ch/public/upload/assets/18964/biel_2021.pdf?fp=2 Seit 2022 bekleidet der Historiker und Archivar Tobias Krüger den Posten als Stadtarchivar (Stand: Dezember 2025).d-nb.info: Krüger, Tobias.

Vom «Kanzleigewölb» der Burg zügelte das Stadtarchiv über zwei Zwischenlager (1972–1991) im März 1991 in einen neu errichteten Anbau des Baukomplexes Stadtbibliothek und Post. Der Entwurf stammte von der Werkgruppe agw, die Projektleitung hatte Reinhard Briner.Das Gebäude im Bauinventar des Kantons. Abgerufen am 18. Januar 2024.architekturbibliothek.ch: Stadtbibliothek und Post. Abgerufen am 21. März 2022. Über Erschliessung und Digitalisierung berichtete ein Blog.biel-bienne.ch: Grossprojekt im Stadtarchiv: Projektblog online. Abgerufen am 6. Dezember 2025.

Auftrag Als Stadtarchiv ist das Langzeitgedächtnis der städtischen Behörden und Verwaltungsstellen. Ergänzend übernimmt es Unterlagen privater und halbprivater Herkunft, welche zum Verständnis der kommunalen Akten und wichtiger Entwicklungen innerhalb der Stadt beitragen. Damit ermöglicht das Stadtarchiv die demokratische Nachvollziehbarkeit politischen und administrativen Handelns. Zugleich sorgt es mit seiner Arbeit für die dauerhafte Überlieferung eines zentralen Teils der Bieler Geschichte. Als Fachstelle für Aktenführung berät es zudem die Stadtverwaltung bei der Verwaltung ihrer physischen und elektronischen Unterlagen.https://biel-bienne.tlex.ch/app/de/texts_of_law/1.5.2-4.4

Bestände Mit dem Einzug in das Gebäude an der Ernst-Schüler-Strasse wurden 1990 die Archivalien neu verzeichnet und in genormten Kartonschachteln in Rollregalen eingelagert. Der Altbestand des Archivs umfasst Dokumente und Akten vom 13. Jahrhundert bis etwa 1850. Das Archiv der Einwohnergemeinde setzt 1832 ein. Weitere Bestände sind Archivalien eingemeindeter Gemeinden, Akten öffentlich-rechtlicher Organisationen, Sammlungen von Karten und Medien aller Arten sowie Firmen-, Familien- und Privatarchive.Stadtarchiv Biel – Online-Inventar.

Die Sammlungen des Stadtarchivs sind im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von regionaler Bedeutung (Kategorie B, KGS-Nr.: 00785) eingetragen.

Siehe auch Liste der Kulturgüter in Biel/Bienne (Neustadt)

Literatur Stadtarchiv. In: Werner und Marcus Bourquin: Biel. Stadtgeschichtliches Lexikon. Biel 1999, S. 410–411. 4.6 Abteilung Kulturelles/Affaires culturelles. In: Stadt Biel/Bienne (Hg.): Geschäftsbericht / Rapport de gestion 1993, Biel 1994. 1.2 Stadtkanzlei/Chancellerie municipales. In: Stadt Biel/Bienne (Hg.): Geschäftsbericht / Rapport de gestion 1995, Biel 1996. 1.2 Stadtkanzlei/Chancellerie municipales. In: Stadt Biel/Bienne (Hg.): Geschäftsbericht / Rapport de gestion 1997, Biel 1998. Marcus Bourquin: «Kanzleigewölb» musste geräumt werden. Vom Wegzug des Stadtarchivs aus der Altstadt. In: Bieler Tagblatt vom 9. Februar 1982. Architekturforum Biel (Hrsg.): Nummer 49. In: Architekturführer Biel/Guide d’architecture Bienne. Zürich 2005.

Weblinks

Webpräsenz des Stadtarchivs Biel Bieler Geschichte

Anmerkungen

Biel Kategorie:Kulturgut von regionaler Bedeutung im Kanton Bern Kategorie:Geschichte (Kanton Bern) Kategorie:Kultur (Biel/Bienne) Kategorie:Organisation (Biel/Bienne) Kategorie:Ersterwähnung 1399