Die Stiftung Jugendaustausch Bayern (offizielle Bezeichnung: Stiftung zur Förderung des internationalen Jugendaustauschs in Bayern) ist eine Verbrauchsstiftung im Geschäftsbereich der Bayerischen Staatskanzlei mit Sitz in München. Sie wurde 2021 von der Bayerischen Staatsregierung mit einem Budget von 30 Millionen Euro für zehn Jahre gegründet. Ziel der Stiftung ist die Förderung des internationalen Jugendaustauschs in Bayern als wesentlicher Teil der Demokratieförderung und der Politischen Bildung im Freistaat Bayern.

Stiftungszweck und Schwerpunkte Zur Verwirklichung des Stiftungszwecks sind unter anderem folgende Maßnahmen vorgesehen:

Entwicklung innovativer Projekt- und Programmformate mit Trägern des internationalen Jugendaustauschs mit Fokus auf Schwerpunktzielgruppen und -regionen, Vernetzung von Akteuren des internationalen Jugendaustauschs in Bayern, Sammlung, Aufbereitung und Zur-Verfügung-Stellung von Informationen zu den in Bayern zugänglichen Austauschprogrammen sowie Förderung von Projekten und Programmen.

Die Schwerpunktzielgruppen und geografischen Schwerpunkte legte die Stiftung für ihre Arbeit wie folgt fest. alternativtext=Grafik zur schulischen Herkunft der Teilnehmenden am internationalen Jugendaustausch (Quelle: zugangsstudie.de)|mini|Schulische Herkunft der Teilnehmenden am internationalen Jugendaustausch (Quelle: zugangsstudie.de)

Schwerpunktzielgruppen Die Förderung von Maßnahmen für Schülerinnen und Schüler von Mittel-, Real-, Förder- und beruflichen Schulen steht im Fokus der Stiftung. Der Schwerpunkt begründet sich damit, dass Jugendliche dieser schulischen Herkunft bislang deutlich seltener an internationalen Jugendaustauschmaßnahmen teilnehmen als Gymnasiasten.

Die Zugangsstudie ermittelte dazu im Jahr 2019 folgende Zahlen:

Über 60 Prozent aller Jugendlichen interessieren sich für Austauschprogramme. Nur 26 Prozent aller Jugendlichen nehmen an internationalen Austauschprogrammen teil. Mit steigendem Bildungsniveau der Eltern erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Teilnahme an einem Jugendaustausch. Die meisten Teilnehmenden gehen auf ein Gymnasium. Der unabhängige Bildungsberatungsdienst weltweiser stellte in seiner Studie aus dem Jahr 2025 ebenfalls ein Ungleichgewicht in Bezug auf Schüleraustausche fest:

Im Programmjahr 2022/23 gingen von den Teilnehmenden an Schüleraustauschen 81,2 Prozent vor ihrer Abreise auf ein Gymnasium. Lediglich 6,2 Prozent stammten bundesweit von Mittel- oder Realschulen.

Die Stiftung Jugendaustausch Bayern wurde vor diesem Hintergrund mit dem Ziel gegründet, zu mehr Bildungsgerechtigkeit im internationalen Jugendaustausch in Bayern beizutragen. Laut Satzung dient die Förderung des internationalen Jugendaustauschs der Demokratieförderung und der politischen Bildung in Bayern.

Geografische Schwerpunkte Schüleraustausch und Jugendaustausch können generell weltweit gefördert werden. Die Stiftung fördert zum Beispiel internationale Begegnungen in den USA – dem beliebtesten Land für einen Schüleraustausch. Eigene Förderprogramme setzt sie jedoch vor allem für folgenden vier Schwerpunktregionen auf.

Israel: Die Stiftung begründet den Jugendaustausch mit Israel als essenziell, um Antisemitismus vorzubeugen, Vorurteile gegenüber Israel abzubauen und um der historischen Verantwortung Deutschlands gerecht zu werden. Tschechien: Aufgrund der gemeinsamen Geschichte Bayerns und Böhmens liegt der Stiftung die Stärkung des Austauschs mit Tschechien besonders am Herzen. Das Land ist der einzige fremdsprachige Nachbar Bayerns. Die Stiftung möchte durch interkulturelle Begegnungen die Beziehungen zum Nachbarland fördern und damit den europäischen Zusammenhalt stärken. Vereinigtes Königreich: Nach dem Brexit-bedingten Austritt aus dem EU-Programm „Erasmus+“ ist der internationale Jugendaustausch mit Großbritannien eingebrochen. Die Stiftung setzt sich dafür ein, bestehende Partnerschaften zu erhalten und wieder mehr internationale Begegnungen mit dem Vereinigten Königreich zu ermöglichen. Afrika: Die internationalen Austauschprogramme mit afrikanischen Ländern zielen auf den Abbau von Vorurteilen und eine partnerschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit ab.

Geschichte

Die Gründung der Stiftung geht auf eine Initiative der bayerischen Landesregierung zurück. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte in seiner Regierungserklärung 2018 die Schaffung eines internationalen Netzwerks für den Jugendaustausch an. CSU und Freie Wähler verankerten das Vorhaben im Koalitionsvertrag und entwickelten es in Zusammenarbeit mit Trägern der internationalen Jugendarbeit sowie dem Bayerischen Landtag weiter.

Im Sommer 2021 wurde die Stiftung als Verbrauchsstiftung für zehn Jahre im Geschäftsbereich der Bayerischen Staatskanzlei gegründet. Sie ist für alle Träger offen. Das Stiftungskapital beträgt 30 Millionen Euro für den Zeitraum von 2021 bis 2031.

Aufgaben Die Stiftung setzt zur Verwirklichung ihres Stiftungszwecks auf einen Dreiklang aus Vernetzen, Informieren und Fördern.

Vernetzung Die Stiftung initiiert und unterstützt Kooperationen unterschiedlicher Akteuren, darunter Schulen, Jugendzentren, Vereine, Kommunen und Unternehmen. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit sollen neue Formate im schulischen und außerschulischen internationalen Austausch entstehen.

So förderte die Stiftung beispielsweise Kooperationsprojekte, die Studierende in die Organisation bzw. eine Volkshochschule in die Austauschvorbereitungen eines Schüleraustauschs einband sowie den Aufbau eines Netzwerks aus Berufsschulen aus mehreren Regierungsbezirken, die einen Schüleraustausch gemeinsam durchführten.

Informierung Die Stiftung betreibt unter dem Namen „Wie ins Ausland?“ ein digitales Informationsportal, das sich an Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte und Fachkräfte der Jugendarbeit richtet. Es bietet den ersten landesweiten Überblick über Austauschformate, Förderprogramme und Beratungsstellen in Bayern.

Das Informationsangebot umfasst:

Was und wohin: Ein Überblick über Austauschformate von Au-Pair bis Workcamp und Länderinfos für Jugendliche Auslandskompass: Ein interaktives Quiz, das Jugendlichen bei der Wahl des passenden Austauschformats hilft Last Minute Markt: Plätze in Jugendaustauschprogrammen mit Bewerbungsschluss in den nächsten drei Monaten Angebote aus Bayern: Aktuelle Jugendbegegnungen und Stipendien von bayerischen Trägern für Jugendliche im Freistaat; Jugendorganisationen können hier eigene Angebote eintragen und Teilnehmende gewinnen Förderdatenbank: Ein umfassender Überblick über Förderprogramme auf europäischer, bundes- und bayerischer Ebene, speziell für Lehr- und Fachkräfte Beratungsdatenbank: Kontakte zu Stellen, die zu verschiedenen Zielländern und Austauscharten beraten

Die ersten drei Module werden von der Website rausvonzuhaus.de eingebunden. Die anderen Inhalte sind selbst recherchiert und zusammengestellt.

Förderung Die Stiftung initiiert und unterstützt Programme und Projekte für unterrepräsentierte Zielgruppen (siehe Schwerpunktzielgruppen) sowie bestimmte Schwerpunktregionen (siehe Geografische Schwerpunkte) finanziell und organisatorisch. Eine Übersicht über Förderprogramme und geförderte Projekte findet sich auf der Website der Stiftung.

Organisation Die Stiftung besteht aus Stiftungsvorstand und Kuratorium. Der Stiftungsvorstand übernimmt zugleich die Geschäftsführung der Stiftung. Die Geschäftsführung haben Mirjam Eisele und Wolfgang Schwarzenberger inne. (Stand: 12/2025)

Das Kuratorium besteht aus mindestens sieben Mitgliedern und hat die Aufgabe, den Vorstand zu beraten, zu unterstützen, dessen Tätigkeit zu überwachen und in grundsätzlichen Angelegenheiten zu entscheiden.

Das Kuratorium setzt sich wie folgt zusammen (Stand: 12/2025):

Eric Beißwenger, Bayerischer Staatsminister für Europaangelegenheiten und Internationales (Vorsitzender) Ulrich Babl, Landesvorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv) Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) Andrea Gehler, Referentin Personal – Europa beim Bayerischer Städtetag Jörg Neubauer, Pressesprecher des Verband der Lehrkräfte an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) und der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl) Philipp Seitz, Präsident des Bayerischer Jugendring Dr. Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung Gábor Tordai-Lejkó, ungarischer Generalkonsul und Doyen des in Bayern akkreditierten konsularischen Korps Moritz Meusel, ehemaliger Landesschülersprecher (Ehrenmitglied)

Stiftungsvorstand und Kuratorium sind jeweils für drei Jahre bestellt.

Das Team der Stiftung besteht derzeit aus 12 Mitarbeitenden. (Stand: 12/2025)

Weblinks Website der Stiftung Jugendaustausch Bayern

Einzelnachweise

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