Kmiecin ( Fürstenau) ist ein Dorf in der Landgemeinde Nowy Dwór Gdański (Tiegenhof) im Powiat Nowy Dwór der Woiwodschaft Pommern im Norden Polens.
Geographische Lage Das Dorf liegt im Żuławy Malborskie (Großes Marienburger Werder), an der Żuławska (Fürstenauer Lake) etwa 17 Kilometer westnordwestlich von Elbląg (Elbing) und 3,5 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Nowy Dwór Gdański (Tiegenhof).
Geschichte mini|Dorfeingang (2024)
Wie auch einige Nachbardörfer im Großen Werder befand sich Fürstenau während der Ordenszeit im Besitz der Stadt Elbing. Das Dorf muss schon vor 1332 bestanden haben, weil es in der Verschreibung für Mausdorf erwähnt wird.C. E. Rhode: Der Elbinger Kreis in topographischer, historischer und statistischer Hinsicht. Nebst 7 Karten auf 2 Blättern. A. W. Kafemann, Danzig 1871,S. 51 (Google Books). Nachdem 1376 einer der vom Orden im Werder angelegten Dämme brach und die städtischen Dörfer großen Schaden erlitten hatten, wurden sie auf Betreiben des Rats der Stadt Elbing vom Hochmeister Winrich von Kniprode in den Dammverband des Großen Werders aufgenommen.Max Toeppen: Historisch-chorographische Bemerkungen über die frische Nehrung und den großen Werder – II. Der große Werder, in: Neue Preußische Provinzial-Blätter, Band 1, Königsberg 1852, S. 187–209, insbesondere S. 203 (Google Books).
Um 1818 gab es in dem Dorf eine lutherische Kirche, drei Wasserabmahl-Windmühlen (Wasserschöpfwerke), eine Grützmühle, eine Hakenbude (Krämer- oder Verkaufsbude), drei Schänken und neun Handwerksbetriebe. Mehrere Windmühlen waren auch noch um 1832 vorhanden.August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 431 (Google Books).
Um 1910 hatte Fürstenau eine Haltestelle an der Kleinbahn-Strecke Tiegenhof – Lindenau, eine evangelische Pfarrkirche, eine Spar- und Darlehenskasse, eine Käsefabrik und eine Mühle. Die Käserei war 1913 an Leonhard Krieg verpachtet. Es gab außerdem einen Gasthof, eine Bäckerei und eine Schmiede; als Gutsbesitzer werden genannt: Bergen, Jacobsohn, Pauls, Vollerthun.C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde, der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc., Band 11a: Westpreussen, 11. Ausgabe, Nürnberg 1913, S. 58–59 (Google Books). Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 1166,6 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Fürstenau 92 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 308 Pferde, 654 Stück Rindvieh, zwei Schafe, 742 Stück Borstenvieh und 111 Ziegen hielten. Die Imker des Dorfs betrieben 42 Bienenstöcke.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Heft 2: Provinz Westpreußen. Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Danzig. 3. Kreis Marienburg in Westpreußen. S. 2–3, Ziffer 20 (Google Books).
Fürstenau gehörte bis 1920 zum Landkreis Elbing im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen, und damit zum Deutschen Reich. Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Dorf aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags am 10. Januar 1920 an die Alliierten und Assoziierten Hauptmächte zur Bildung der Freien Stadt Danzig abgetreten werden,Amtsbezirk Fürstenau (Territorial.de) in der es von 1920 bis 1939 zum Landkreis Großes Werder gehörte. Nach der Besetzung des Danziger Freistaates durch Deutschland 1939 war Fürstenau von 1939 bis 1945 dem Landkreis Großes Werder im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde der Ort Teil Polens und in Kmiecin umbenannt.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1783 – Elbingsches Stadt-Dorf, mit 67 Feuerstellen (Haushaltungen), zur Stadt Elbing gehörigJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Anhang (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 55 (Google Books). 1818 524 königliches Bauernorf, mit 73 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer lutherischen Kirche, zum Amt Elbing gehörig, davon 458 Lutheraner, acht Katholiken und 58 MennonitenDanziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 8–9, Ziffer 60 (Google Books)Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 1: A–F. Bei Karl August Kümmel, Halle 1821, S. 401, Ziffer 1677 (Google Books). 1852 653 LandgemeindeKraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 167 (Google Books).1864 637 am 3. Dezember, Landgemeinde, mit einer Flächengröße von 4567,65 Morgen und 60 WohngebäudenPreußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, 4. Kreis Elbing, S. 2–9, Ziffer 36 (Google Books). 1867 647 am 3. Dezember, Landgemeinde 1871 604 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 525 Evangelische, 28 Katholiken und 51 sonstige Christen, in 66 WohngebäudenKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 338–339, Ziffer 26 (Google Books). 1885 659 am 1. Dezember, Landgemeinde mit einer Flächengröße von 1166 Hektar und 71 Wohngebäuden; davon 549 Evangelische, 53 Katholiken und 57 sonstige ChristenKönigliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. II. Provinz Westpreußen, Berlin 1887, S. 2–3, Ziffer 32 (Google Books). 1905 598 am 2. Dezember, Landgemeinde mit einer Flächengröße von 1166,6 Hektar und 76 bewohnten Wohngebäuden; davon 471 Evangelische (mit deutscher Muttersprache), 42 Katholiken (38 mit deutscher und vier mit polnischer Muttersprache) sowie 85 andere Christen (mit deutscher Muttersprache)Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Aufgrund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, Band 2: Provinz Westpreußen, Berlin 1908, S. 40–41, Ziffer 20 (Google Books). 1910 559 am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 459 Evangelische, 33 Katholiken und 67 sonstige Christen, sämtlich mit deutscher MutterspracheKöniglich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft 2: Provinz Westpreußen, Regierungsbezirk Danzig. Berlin 1912, Landkr. Elbing, S. 20–21, Ziffer 20 (Google Books).Fürstenau, Dorf, im Werder, Kreis Elbing, Regierungsbezirk Danzig, Provinz Westpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und einer historischen Landkarte der Umgebung von Fürstenau (meyersgaz.org) 1929 653
Kirche Dorfkirche mini|Dorfkirche (Aufnahme 2016) mini|hochkant|Mit Schindeln gedeckter hölzerner Glockenturm (Aufnahme 2011) Die Dorfkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert, also aus der katholischen Zeit. In einer vom Bischof von Pomesanien ausgestellten Urkunde von 1344 wird als Pfarrer in Fürstenau Johannes von Imden genannt.C. E. Rhode: Der Elbinger Kreis in topographischer, historischer und statistischer Hinsicht. Nebst 7 Karten auf 2 Blättern. A. W. Kafemann, Danzig 1871, S. 369 (Google Books). Die Kirche wurde nach der Reformation evangelisch; schon 1564 amtierte hier ein namentlich unbekannter evangelischer Prediger.Ludwig Rhesa: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den evangelischen Kirchen in Westpreußen angestellten Predigern. Paschke, Königsberg 1834, S. 152–153 (Google Books). Der Massivbau mit einem hölzernen Glockenturm hatte im 19. Jahrhundert drei Glocken und eine Orgel mit 14 Stimmen. Vor der Kirche befand sich ein Weihwasserstein. Die Kirche stand früher unter dem Patronat des Elbinger Stadtrats und seit 1826 unter dem des preußischen Königs.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 414–415 (Google Books).
Das Gebäude der evangelischen Dorfkirche wurde nach 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
Kirchspiel bis 1945 Die vor 1945 anwesenden Dorfbewohner waren mit wenigen Ausnahmen evangelischer Konfession. Zum evangelischen Kirchspiel Fürstenau gehörten die Ortschaften Fürstenau und Rosenort sowie Teile der Dörfer Krebsfelde, Laakendorf und Neustädterwald.Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 38 (Google Books). Der Bestand an Kirchenbuch-Eintragungen zu Geburten, Taufen und Sterbefällen reichte bis 1680 zurück.Richard Rose: Die Kirchenbücher der Provinz Westpreußen. Auf Grund amtlichen Materials zusammengestellt. In: Archiv für Stamm- und Wappenkunde, 6. Jahrgang 1905–1906, Papiermühle (Sachsen-Altenburg) 1906, S. 177–180, insbesondere S. 178 (Google Books).
Persönlichkeiten Robert Dorr (1835–1919), deutscher Gymnasiallehrer (Realgymnasium Elbing), Regionalhistoriker, Sachbuchautor, Dialektdichter und Schriftsteller der niederdeutschen Sprache, wurde hier geboren.
Weblinks
Amtsbezirk Fürstenau (Territorial.de) Amtsbezirk Fürstenau, Landkreis Großes Werder (Territorial.de) Geschichte von Dorf und Kirche Fürstenau (forum.danzig.de)
Fußnoten
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Pommern Kategorie:Gmina Nowy Dwór Gdański