Cabin Creek ist ein Eisenmeteorit vom Typ IIIAB, der am 27. März 1886 in der Nähe von Cabin Creek (heute Lamar) im US-Bundesstaat Arkansas niedergegangen ist. Er gehört zur Gruppe der mittelgroben Oktaedrite und gilt als einer der wenigen gut belegten Eisenmeteoritenfälle. Die Hauptmasse des Meteoriten wird heute im Naturhistorischen Museum Wien aufbewahrt. Der Meteorit gilt als Paradebeispiel für einen sogenannten „orientierten“ Meteoriten und wird aufgrund seiner besonderen Form und Oberflächenbeschaffenheit als einer der „schönsten“ Meteoriten der Welt beschrieben.
Fallereignis Der Meteorit fiel am 27. März 1886 um 15:17 Uhr Ortszeit im Johnson County im westlichen Arkansas. Der Niedergang wurde von zahlreichen Augenzeugen in den umliegenden Countys beobachtet. Die Zeugen beschrieben Phänomene, die typisch für einen Meteoriteneinschlag sind, etwa laute Detonationen, ein pfeifendes Geräusch und eine Rauchsäule in einem teils bewölkten Himmel. Einwohner der Stadt Dardanelle, etwa 25 km südöstlich der Fundstelle, berichteten von einem besonders lauten Knall und einer weiteren Explosion.
Die etwa 48,5 kg schwere Masse trat in der letzten Phase ihrer Bahn nahezu senkrecht ein und wurde durch den Luftwiderstand stark abgebremst. Der Meteorit schlug in unmittelbarer Nähe einer hohen Kiefer ein, trennte dort Zweige ab und drang etwa 90 cm tief in den Boden ein. Die Fundstelle lag rund 10 km östlich von Cabin Creek (dem heutigen Lamar) und etwa 7 km nördlich der Mündung des Piney Creek, keine 70 Meter vom Haus von Christopher C. Shandy entfernt. Etwa drei Stunden nach dem Fall fand die Familie Shandy das Einschlagsloch und grub die Eisenmasse aus, die zu diesem Zeitpunkt noch warm gewesen sein soll.
Der Meteorit wurde zunächst an den Bürgermeister verkauft, der ihn an den Anwalt J. C. Betten in Eureka Springs weiterverkaufte. Ein kleines Fragment wurde zur Analyse an den Geologen und Chemiker Frank Wigglesworth Clarke gesendet. Die Hauptmasse wurde zuerst in Eureka Springs ausgestellt und später an den New Yorker Mineraliensammler und Händler George Frederick Kunz verkauft.
Im Jahr 1890 gelangte der Meteorit als Schenkung an das kaiserlich-königlichen Naturhistorischen Hofmuseum, den Vorläufer des Naturhistorischen Museums. Cabin Creek war Teil der insgesamt 91 Exemplare umfassende Meteoritensammlung des Mineralienhändlers George F. Kunz, die der Industrielle Albert Mayer von Gunthof kaufte, um sie dem Wiener Museum zu schenken. Im Jahresbericht des Hofmuseums ist dazu vermerkt: „Diese Schenkung ist bei Weitem die grossartigste, welche die mineralogische Abtheilung seit ihrem Bestehen erhalten hat.“
Beschreibung Die erste ausführliche wissenschaftliche Beschreibung des Meteoriten veröffentlichte der New Yorker Mineraloge und Händler George F. Kunz im Jahr 1887. Er beschrieb die Fundumstände, die äußere Form und die zahlreichen Regmaglypten. In dem Bericht wird auch die optische Ähnlichkeit zum Eisenmeteoriten von Hraschina erwähnt, dessen Fall 135 Jahre zuvor beobachtet worden war, als er im Jahr 1751 nordöstlich von Zagreb niederging. Später folgten detaillierte Beschreibungen durch Aristides Brezina am Naturhistorischen Hofmuseum in Wien, der hochwertige Makrofotografien der Oberfläche anfertigen ließ und erste Angaben zur inneren Struktur publizierte.
Einzelnachweise
Kategorie:Eisenmeteorit Kategorie:Arkansas Kategorie:Naturhistorisches Museum Wien