mini|Gongreihe reyong mit zwölf Buckelgongs in Bali, zwischen 1900 und 1940 Reyong, auch réong, réyong, ist ein Gongspiel aus vier bis zwölf Buckelgongs in einer Reihe, das in mehreren Gamelans (klassischen Ensembletypen) der balinesischen Musik als Melodieinstrument verwendet wird. In seiner größten Form mit zwölf Gongs, die von vier Musikern gespielt werden, gehört das reyong zum heute am weitesten verbreiteten gamelan gong kebyar. Andere reyong besitzen vier bis acht liegende Buckelgongs.

Die älteste, seit dem 13. Jahrhundert auf javanischen Tempelreliefs abgebildete Form des reyong besteht aus einer quer im Schoß des sitzenden Musikers liegenden Stange, an deren Ende jeweils ein Buckelgong befestigt ist. Bis heute werden diese hantelförmigen, auf den Steinreliefs wie Sanduhrtrommeln erscheinenden reyong auf Bali gelegentlich in einer altertümlichen Form des gamelan angklung eingesetzt.

In der Musik von Lombok werden in einigen Gamelans mehrere réong mit zwei Buckelgongs in einem Holzrahmen verwendet.

Herkunft und Verbreitung mini|Relief an der Steinterrasse des verschwundenen Pavillons (pendopo) im Penataran-Tempel nahe Blitar in Ostjava. Eine der ältesten Darstellungen von zwei hantelförmigen reyong, datiert 1375 Gongs sind unmittelbar angeschlagene Idiophone in der Form von runden metallenen Gefäßen (Schalen mit einem umgebogenen Rand), deren Schwingungsmaximum und damit Anschlagpunkt in der Mitte liegt. Dadurch können sie am nichtschwingenden Rand fixiert, also entweder senkrecht frei an einer Schnur aufgehängt oder waagrecht über einen Resonanzkasten gelegt werden. Das hauptsächliche Verbreitungsgebiet der unterschiedlichen Gongtypen erstreckt sich von China mit hauptsächlich Flachgongs (allgemein luo) unterschiedlicher Formen und Größen über das südostasiatische Festland mit einzelnen Buckelgongs und Buckelgongkreisen (in Myanmar allgemein maung, in Thailand und Laos khong, in Kambodscha kong) bis auf die Malaiischen Inseln. Hier sind Buckelgongreihen auf Bali, auf der Nachbarinsel Lombok, auf den Inseln Java (bonang), Sumatra (keromong, ogung), Borneo (kulintangan, sopogandangan, bandai), in Zentralsulawesi (kakula),Mayco A. Santaella: Tradition, Kreasi Baru and Ethnotainment: Three Representational Kakula Spheres Among the To Kaili of Central Sulawesi. In: Malaysian Music Journal, Band 3, Nr. 2, 2014, S. 66–83 auf zentralen Inseln der Molukken (totobuang) und im Süden der Philippinen (kulintang) verbreitet, während im Norden der Philippinen Flachgongs (gangsa) vorkommen.

Als Ursprungsregion der Gongs gelten die Provinzen Yunnan und Guangxi im Südwesten Chinas, wo in die zweite Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. datierte Kesselgongs (hohe, ungefähr zylindrische Formen mit einer flachen Schlagplatte, chinesisch tonggu, „Bronzetrommel“, nach einem Fundort im Norden Vietnams auch Dong-Son-Trommeln genannt) und der älteste, um 200 v. Chr. datierte Flachgong gefunden wurden.

Um diese Zeit könnte es neben Flachgongs auch bereits Buckelgongs gegeben haben. Diesen Schluss zieht Gretel Schwörer-Kohl (1995) aus der Abbildung eines Musikers, der auf der Deckelplatte von einem der Dongson-Kultur zugeschriebenen Kesselgong eingeritzt ist. In der umrahmten Szene steht der Musiker zwischen sechs senkrecht aufgehängten kreisrunden Gegenständen auf beiden Seiten, auf die er mit einem Stock in jeder Hand schlägt. Ein Punkt in der Mitte der Kreise weist demnach auf die Darstellung von Buckelgongs hin. Spätestens um 100 v. Chr. muss es im südwestlichen China auch bereits Gongspiele aus liegenden Gongs gegeben haben, wie der Fund eines in diese Zeit datierten Kesselgongs aus Shizhaishan in der Provinz Yunnan belegt, der auf der Deckelplatte mit der Szene eines Menschenopfers, umgeben von einem Gongspiel aus 16 U-förmig angeordneten Kesselgongs, dekoriert ist.Gretel Schwörer-Kohl: Gong und Gongspiele. VI. Geschichte, 2016

Die in Südostasien verbreiteten Buckelgongspiele gehen mutmaßlich auf die chinesischen Vorbilder zurück. Im Verlauf des 1. Jahrtausends nahm der Seehandel zwischen China, Südostasien, Indien und Arabien zu. Abgesehen von einigen Musikinstrumenten aus Bambus (wie der Maultrommel genggong und Bambusröhrenzithern vom Typ der guntang und kolitong), die zu einer altmalaiischen Tradition gehören, lassen sich viele Musikinstrumente in Südostasien auf eine arabisch-indische oder auf eine chinesische Herkunft zurückführen. Die importierten Musikinstrumente stehen in einem Zusammenhang mit den religiösen Ritualen, die an die Verbreitung zunächst des Hinduismus und ab der Mitte des 1. Jahrtausends des Buddhismus angepasst wurden. Mit der neuen, aus Indien stammenden sakralen Musik, die in den indischen Sprachen Sanskrit und Pali gesungen wurde, fand ein Übergang von Musikinstrumenten aus Bambus zu Gongs aus Bronze statt. Bronzegongs erhielten einen über ihre kostspielige Herstellung hinausgehenden sakralen Wert als verehrte Ritualobjekte. Im Lauf der Zeit größer werdende Orchester aus Gongs und Metallophonen aus Bronze schufen an den Herrscherhäusern und großen Tempeln von Java und Bali ein eigenes Repertoire, das sich von den verschiedenen musikalischen Traditionen der Bambusinstrumente in den Dörfern abhob.Arsenio Nicolas: Early Musical Exchange between India and Southeast Asia. In: Pierre-Yves Manguin, A. Mani and Geoff Wade (Hrsg.): Early Interactions Between South and Southeast Asia: Reflections on Cross-Cultural Exchange. Institute of Southeast Asian Studies. Manohar, Sinpapur 2011, S. 347–370, hier S. 348

Die von China aus verbreiteten Idiophone aus Bronze waren Kesselgongs, Flachgongs, Glocken, Becken und Buckelgongs. Alle am Angkor Wat in Kambodscha während der Bauzeit im 12. Jahrhundert entstandenen Reliefabbildungen von hängenden Gongs zeigen Flachgongs einzeln oder in Gruppen.Roger Blench: Musical instruments of South Asian origin depicted on the reliefs at Angkor, Cambodia. Draft, Juli 2007, S. 2 Flachgongs waren ab dem 10. Jahrhundert auch auf der Malaiischen Halbinsel, Borneo und Sumatra verbreitet, entlang von China und Vietnam an den Philippinen vorbei nach Indien führenden Seefahrtsrouten. Funden aus Wracks von in Küstennähe gesunkenen Schiffen belegen, dass ab dem 13. bis zum 17. Jahrhundert hauptsächlich Buckelgongs zu den in der Inselwelt zwischen Vietnam, Süddthailand, Südphilippinen, Borneo und Sumatra gehandelten Klangerzeugern gehörten.Arsenio Nicolas: Gongs, Bells, and Cymbals: The Archaeological Record in Maritime Asia. From the Ninth to the Seventeenth Centuries. In: Yearbook for Traditional Music, Band 41, 2009, S. 62–93, hier S. 63–76 Das erst im 16. Jahrhundert vollendete Relief am Angkor Wat an der Ostseite der Nordgalerie zeigt hängende Buckelgongs in unterschiedlichen Größen und im Halbkreis angeordnete liegende Buckelgongspiele in zur hinduistischen Mythologie gehörenden Szenen.Arsenio Nicolas: Musical nomenclature for the Sanskrit term kangsa in Southeast Asia. In: Himanshu Prabha Ray (Hrsg.): The Archaeology of Knowledge. Traditions of the Indian Ocean World. Routledge, London/New York 2021, S. 208–239, hier S. 211

mini|Ein Gamelan im Pavillon (pendopo) eines balinesischen Tempels: Das gamelan bebarongan begleitet den Barong-Tanz. In der ersten Reihe zwei Metallophone gendèr rambat, 1971Vgl. I Made Bandem: Barong Dance. In: The World of Music, Band 18, Nr. 3, 1976, S. 45–52 Die ältesten Abbildungen von Buckelgongs in Indonesien finden sich an fünf javanischen Tempeln aus dem 13. bis 15. Jahrhundert, als die hinduistische Majapahit-Dynastie über Zentral- und Ostjava herrschte. Zusammen mit Funden in Schiffswracks und literarischen Quellen sind Buckelgongs ab dem 13. Jahrhundert als bedeutende Musikinstrumente gesichert auf Java nachweisbar. Wahrscheinlich waren die dargestellten Musikinstrumente bereits wesentlich früher in Gebrauch. Am buddhistischen Borobudur und am hinduistischen Tempel Prambanan in Zentraljava, beide aus dem 9. Jahrhundert, sind zwar zahlreiche Musikinstrumente, aber noch keine Gongs erkennbar. Auf den Tempelreliefs lassen sich zwei Typen von Buckelgongs unterscheiden: hantelförmige reyong und hängende Buckelgongs. Diese Form von reyong sind die ältesten Darstellungen javanischer Gongs und von drei Tempeln bekannt: von einem Tempel der Kediri-Periode aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, vom Ngrimbi-Tempel (Candi Rimbi) im ostjavanischen Regierungsbezirk Jombang aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts und von der Terrasse des Pavillons (pendopo) des Penataran-Tempels nördlich von Blitar aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Alle drei Orte liegen in Ostjava. Hängende Buckelgongs, die einzeln senkrecht aufgehängt oder an einer Schnur in der Hand gehalten werden, sind am Haupttempel von Penataran (datiert 1347, die älteste bekannte Darstellung eines großen Gongs auf Java),Jaap Kunst, 1973, Band 1: S. 109 einem weiteren Tempel und schließlich am zentraljavanischen Candi Sukuh aus dem 15. Jahrhundert, dem letzten javanischen Steintempel vor der Islamisierung Javas, abgebildet.Arsenio Nicolas, 2023, S. 142

Die frühesten beiden Abbildungen des hantelförmigen reyong gehören zu einem vollplastischen Relieffries am Kediri-Tempel, das zwei einzelne Spieler stehend oder sitzend zeigt.Jaap Kunst, 1973, Band 1: S. 109, Band 2: S. 420, Abb. 40, 41 Auf dem Relief vom Ngrimbi-Tempel sitzt der von Pflanzenranken umgebene Musiker am Boden und schlägt die Gongs des quer auf seinem Schoß liegenden reyong mit zwei dicken Schlägeln.

Auf den Reliefplatten an der 1375 datierten Terrasse für den pendopo im Penataran-Tempel sind vier sitzende reyong-Spieler zusammen mit einem Zimbel-Spieler zu sehen. Den unterschiedlichen Positionen ihrer Schlägel nach zu urteilen spielen die vier Musiker ineinander verzahnte, polyrhythmische Tonfolgen, wie es auch bei der heutigen Form der Gongreihe reyong üblich ist.Colin McPhee, 1966, S. 25 Weitere Musiker spielen das Bambus-Xylophon gambang.Jaap Kunst, 1973, Band 1: S. 110, Band 2: S. 420, Abb. 46, 47 Die reyong-Spieler gehören zu zwölf Reliefplatten an der Westseite der Terrasse, die möglicherweise zusammenhängende Ereignisse um den in der javanischen Erzähltradition beliebten Prinzen Panji illustrieren. Die romantischen Panji-Erzählungen werden neben anderen Theaterformen im Wayang beber inszeniert. Die erste Paneele zeigt ein Schiff im Wasser mit drei Männern: Panji, einen seiner kadeyan (Freund, Begleiter) und einen panakawan (Diener). In der nächsten Szene erscheint ein Adliger mit Kappe, der Panji gleichgestellt ist, und beobachtet die reyong-Spieler, die auch alle eine Kappe tragen. Eine junge Dienerin steht neben den Musikern und hält die Arme nach oben, als würde sie tanzen. Offenbar sind Panji und seine Begleiter an Land gegangen und werden mit Musik und vielleicht mit Tanz empfangen. Später sind ein Pavillon mit sechs Säulen und Panji zu sehen, der wohl einen religiösen Würdenträger aufsuchen möchte, um sich Ratschläge zu holen für das beabsichtigte Treffen mit seiner seit langem vermissten Geliebten.Lydia Kieven: Following the Cap-Figure in Majapahit Temple Reliefs. A New Look at the Religious Function of East Javanese Temples, Fourteenth and Fifteenth Centuries. (Verhandelingen van het Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde, Band 280) Brill, Leiden 2013, S. 193–198