Der Angriff auf Fanning Island war eine Militäraktion während des Ersten Weltkriegs, bei der die Deutschen erfolgreich die Kabelrelaisstation auf Fanning Island (heute Teil von Kiribati) angriffen. Vizeadmiral Maximilian von Spee entsandte am 7. September 1914 den Kleinen Kreuzer Nürnberg und das Hilfsschiff Titania, um die Station anzugreifen,Paul G. Halpern: A Naval History of World War I. US Naval Institute Press. Annapolis, MD. 1995. ISBN 1-55750-352-4. S. 88. während das unter seinem Kommando stehende Ostasiengeschwader auf dem Weg nach Südamerika den Pazifik überquerte.
Hintergrund Die Insel Fanning war 1888 von Großbritannien annektiert worden. Das britische Telekommunikationsunternehmen Cable & Wireless errichtete auf der Insel eine Relaisstation für sein Unterseekabel im Zentralpazifik. Die Station war Teil der „All Red Line“, die Australien, Neuseeland und Kanada mit dem Mutterland verband.
Die Nachricht vom Krieg erreichte Vizeadmiral Maximilian von Spee vom deutschen Ostasiengeschwader während seines Aufenthalts in Ponape vom 17. Juli bis zum 6. August. Er konzentrierte sein Geschwader zunächst bei der nahegelegenen Marianeninsel Pagan und ging anschließend mit den Panzerkreuzern Scharnhorst, seinem Flaggschiff, und Gneisenau der Scharnhorst-Klasse, dem Kleinen Kreuzer Nürnberg der Königsberg-Klasse, dem Hilfsschiff Titania und mehreren Kohlefrachtern in den Pazifik. Spee beabsichtigte, mit seinen Schiffen nach Südamerika zu laufen, wo britische Handelsschiffe leicht anzugreifen waren.Holger Herwig: Luxury Fleet: The Imperial German Navy 1888–1918. Humanity Books. Amherst, NY. 1980. ISBN 978-1-57392-286-9. S. 155–156. Während der Pazifiküberquerung am 6. September entsandte Spee Nürnberg und Titania, um die britische Kabelrelaisstation auf Fanning zu erkunden und die dortige Funkstation zu zerstören.
Der Angriff mini|SMS Nürnberg Am frühen Morgen des 7. September 1914 näherte sich der deutsche Kreuzer unter französischer Flagge Fanning. Die Garnison bemerkte die französische Flagge und hisste ihrerseits die britische Flagge am Flaggenmast. Als die Mitarbeiter den Betrug bemerkten, waren bereits deutsche Seeleute auf der Insel gelandet. Kurz vor ihrer Verhaftung gelang es den Funkern noch, eine Nachricht nach Suva, der Hauptstadt Fidschis zu senden: „Es ist die Nürnberg; sie feuern.“
Die Deutschen beschädigten daraufhin die Kabelstation schwer und machten sie funktionsunfähig. Sie kappten weiterhin die Unterseekabel der Insel und zerstörten Ersatzteile und Instrumente. Der Antriebsmotor wurde mit Handfeuerwaffen und Sprengstoff vollständig zerstört. Dokumente sowie ein Waffen- und Munitionslager wurden beschlagnahmt. Auch der Flaggenmast wurde gefällt. Die Inselbesatzung hob die Professionalität und Höflichkeit der deutschen Streitkräfte hervor. Der Sachschaden belief sich auf 150.000 US-Dollar.J.B. Taltavall: How the Fanning Island Cable Station Was Captured and Destroyed by the Germans. In: Telegraph and Telephone Age. Band 32 (21 Ausgabe.). New York. 1914. S. 587.
Die Kommunikation wurde innerhalb von zwei Wochen wiederhergestellt.
Literatur Paul G. Halpern: A Naval History of World War I. US Naval Institute Press. Annapolis. 1995. ISBN 1-55750-352-4. Holger Herwig: Luxury Fleet: The Imperial German Navy 1888–1918. Humanity Books. Amherst, NY. 1980. ISBN 978-1-57392-286-9. J.A.C. Gray: Amerika Samoa: A History of American Samoa and its United States Naval Administration. United States Naval Institute. Annapolis, Maryland. 1960. OCLC 606510006.
Einzelnachweise
Kategorie:Erster Weltkrieg an Kolonialschauplätzen Kategorie:Deutsche Kolonialgeschichte (Ozeanien) Kategorie:Konflikt 1914 Kategorie:Geschichte (Kiribati)