mini|Eine Zippammer im Ahrtal miniatur|Zippammer im Juni, Österreich mini|Zippammer bei Cochem (Mosel) Die Zippammer (Emberiza cia) gehört unter den Vogelarten zu den Ammern. Sie ist sowohl ein Körner- als auch Insektenfresser. Sie kommt als Brutvogel in Südeuropa und Nordafrika sowie Vorderasien bis in das zentralasiatische Hochland vor. Im mediterranen Raum ist sie in felsigem Biotop regelmäßig anzutreffen. In Mitteleuropa ist sie ein spärlicher bis seltener Brutvogel, der auf sonnige Hügelländer und Alpentäler begrenzt ist und steile Weinberg-Biotope bevorzugt. Dort stößt sie an ihre nördliche Verbreitungsgrenze. In Deutschland kommt sie nur in wenigen wärmebegünstigten Gegenden vor. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird sie zu den vom Aussterben bedrohten Arten gezählt.
In Österreich wird die Zippammer als NT (Gefährdung droht) in der aktuellen Roten Liste (5. Fassung) mit 301 – 1000 Brutrevieren angegeben, wobei sich die Verbreitung auf ganz Österreich verteilt, mit Schwerpunkten in den inneralpinen Trockentälern im Westen sowie vor allem im Bereich in und um die Wachau.
Feldkennzeichen Von der Größe und Gestalt her kommt die Zippammer einem langschwänzigen Sperling nahe. Ähnlich wie bei der Goldammer besteht im ersten Jahreskleid kein ausgesprochener Geschlechtsdimorphismus. Männchen im ersten Jahreskleid sind feldornithologisch nur schwer von adulten Weibchen zu unterscheiden.Schuphan I.& Heseler U.,1965: Kennzeichen für Alter und Geschlecht bei der Zippammer. Vogelwarte, 23:77-79 Feldkennzeichen adulter Männchen Die Färbung von Kopf, Kehle und Vorderbrust ist blaugrau mit markanten schwarzen Scheitel, Zügel-, Augen- und Bartstreifen. Der Rücken ist kastanienbraun mit schwarzer Längsstreifung, der Bürzel ungestreift lohfarben braun, die Unterseite zimtbraun. Die schwarzbraunen sichtbaren Teile der Armschwingen und Deckfedern des Flügels werden überwiegend von breiten lohfarbenen Säumen begrenzt. Die zwei äußersten Steuerfedern des Schwanzes sind in der unteren Hälfte auffallend weiß (insbesondere die breite Innenfahne) und werden bei Erregung durch charakteristisches „zuckendes Spreizen“ gut sichtbar. Im Herbst sind die markanten Farben der frisch vermauserten Kopffedern durch braune Spitzen teilweise verdeckt.
Vorjährige Männchen sind nicht so kontrastreich gefärbt wie die adulten Männchen.
Adulte Weibchen Sie sind nur schwer von vorjährigen Männchen zu unterscheiden. Die dunklen Zügel und übrigen Kopfstreifen sind bräunlich angehaucht, das Blaugrau der Zwischenfelder und der Brust ist weniger intensiv mit bräunlichem Anflug. Der Bauch erscheint matter zimtfarben.
Bei vorjährigen Weibchen sind die Kopfstreifen undeutlich gräulichbraun gefärbt, die Zwischenfelder gelbgrau, die Färbung von Kehle, Brust und Bauch ist weniger ausgeprägt.
Nestlinge und Jungvögel Nestlinge sind mit langen, dichten und dunkelgrauen Dunen bedeckt. Der Rachen und die Zunge ist gelblich rosafarben, die Zungenpapillen dagegen blassrosa. Die Schnabelwülste sind blassgelb.Colin Harrison und Peter Castell: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. S. 441.
Die flüggen Jungvögel tragen ein braunes Gefieder, das durch die lohfarben-braun umrandeten dunklen Flügelfedern gestrichelt erscheint. miniatur|Zippammer Jungvogel, 12 Tage alt Erst durch die im September einsetzende Kleingefiedermauser erhält der ausgewachsene Vogel sein charakteristisch gefärbtes erstes Jahreskleid. miniatur|Zippammer-Jungvogel (ca. 4 Monate alt) mausert ins erste Jahreskleid.
Lautäußerungen Charakteristische Rufe sind ziep, zijep, seltener zip (sozialer Stimmfühlungslaut), bei Erregung tjück, dridd, züpp, zitit und tititrija oder tiritritja („Schimpflaut“, wenn am Nest überrascht), bei Gefahr (z. B. Sperber) ein langgezogenes zieh, welches von anderen Vogelarten „verstanden“ und ebenfalls geäußert wird.
Jugendgesang Im Herbst-Winter vernimmt man bei windstillem, sonnigem Wetter einen fortlaufend „dahinplätschernden“ leisen Gesang von Jung- und Altvögeln, gleichermaßen von Männchen und Weibchen (den sog. „subsong“, der keine Ähnlichkeit mit dem Revier- oder Territorialgesang hat).
Revier- oder Territorialgesang mini|links|Typische Haltung der Zippammer während des („entspannten“) Reviergesangs Der Reviergesang ist ein unauffälliger Gesang, der durch Aneinanderreihung von kaum voneinander abweichenden Strophen von jeweils zwei bis drei Sekunden den Motivgesang bildet. Er erinnert an die Gesänge von Heckenbraunelle und Rohrammer. Dieser Gesang variiert erheblich zwischen den Individuen, ist jedoch für ein Männchen über Jahre gleich. Er wird in zwei Varianten vorgetragen: Frühmorgens, ca. 20–30 Min. nach Gesangsbeginn des Hausrotschwanzes, weich melodisch über eine Länge von 30 bis zu 70 Minuten und während des Tages ohne induzierte Aggressionen, wenn z. B. das Weibchen brütet. Der Sänger nimmt bei „entspannter Situation“ während des Gesangs eine auf die Füße hinabgesunkene, vorne steil aufgerichtete Haltung ein, der Schwanz ist nach unten abgeknickt. Als Singwarten werden gerne exponierte Felszacken, Buschspitzen und randständige Weinbergpfähle gewählt. Während Territorialstreitigkeiten oder nach dem Vorspielen der Gesang-Klangattrappe klingt der Gesang dagegen hart und abgehackt (Territorialgesang), die Strophen werden verkürzt und die Gesangsdauer ist nur kurz.
Verbreitungsgebiet und Bestand mini|Verbreitung der Zippammer: Das Hauptverbreitungsgebiet der Zippammer ist die Mittelmeerregion, wo sie die Gebirgsregionen Südeuropas, Nordwestafrikas und Kleinasiens besiedelt. In Südeuropa ist die Zippammer in felsigen (karstigen) Gegenden verbreitet, z. B. in Gebirgen wie den Pyrenäen; in Mitteleuropa ist sie in den Alpen und den Vogesen anzutreffen. Die nördlichste Verbreitungsgrenze in Mitteleuropa liegt unterhalb des 52. Breitengrades im Sauerland bei Brilon. In Steinbrüchen südöstlich von Brilon konnten im Jahr 2010 zehn Brutreviere nachgewiesen werden.Stein, F-J. 2011: Ergebnisse der Bestandsaufnahme genauer erfasster Arten für das Jahr 2010. Irrgeister 28: 24 Die östlichsten bekannt gewordenen neueren Einzelbruten in Deutschland wurden aus Jena 1996 und 2010 gemeldet.Hahn, S. & Reinhardt, K., 1997: Die Zippammer Emberiza cia L. im mittleren Saaletal bei Jena. Thüring. Ornithol. Mitt. 47: 49-52Schuphan, I. 2011 b: Habitat-Strukturen und populationsdynamische Parameter einer Population der Zippammer (Emberiza cia): Nutzbare Basisdaten für zukünftige Zippammer –Managementpläne . Vogelwarte, 49: 65-74 Die größten Teilpopulationen liegen jedoch unterhalb etwa 50° 30‘ (Bonn, Ahr) an flussbegleitenden steilen Hanglagen des Rheins und seiner Nebenflüsse. Die Hauptvorkommen liegen in Rheinland-Pfalz und wurden für das Jahr 2008 auf etwa 180–230 Brutpaare geschätzt.Schlotmann, F., Dietrich, E. 2012: Die Avifauna der Weinanbaugebiete in Rheinland-Pfalz. Fauna Flora Rheinland-Pfalz, 12: 629-702Bosselmann J. 2008: Zippammer-Beobachtungen (Emberiza cia) 2005-2008 in Rheinland-Pfalz, Bestandsschätzungen. Pflanzen und Tiere in Rheinland-Pfalz. Berichtsjahr 2007, H. 18: 152-155, MayenSchuphan, I. 2017: Die Vogelweltvon Rheinland-Pfalz, Zippammer . Avifauna RLP, Bd. 4.2: 1021-1038 Davon sind im Ahrtal ca. 30 – 60 Reviere, an der Mosel von Küsserath bis Winningen 150–200 Reviere, am Mittelrhein von Bingen bis Unkel 50–60 Paare und an der Nahe um 45 Paare vorhanden. Am Oberen Mittelrhein von Lorchhausen bis Rüdesheim (Unterer Rheingau) ergaben sich bei jeweils zweijährlichen Zählungen von 1983 bis 1999 ziemlich konstant um 45 Zippammerreviere, in den Jahren 2015 2025 bei jährlichen Bestandserfassungen 29 Reviere.Hausch, I. 1999: Zippammern (Emberiza cia) im Rheingau. Jb. nass. Ver. Naturkde, 120: 105-111Schuphan, I. 2010: Vögel in Hessen, Zippammer. HGON, EchzellSchuphan, I., Flehmig, B. 2022: Zippammer-Bestand im Unteren Rheingau - Dramatischer und fortdauernder Rückgang seit Beginn der Flurbereinigung vor 60 Jahren. Vogelwarte, 60: 51-60 Am Main wurden 2009 zwischen Veitshöchheim und Karlstadt-Kalbenstein 19 Reviere und 2011 ebendort 25 Reviere festgestellt, weitere 7 Reviere konnten bei Homburg am Kallmuth ermittelt werden.Schuphan, I. 2011 c: Bestand und Verbreitung der Zippammer Emberiza cia in Bayern im Bereich zwischen Karlstadt und Veitshöchheim und an der Fränkischen Saale bei Hammelburg 2009. Ornithol. Anz. 50: 61-68Schuphan, I. 2011 d: Altersstruktur der Zippammer-Population Emberiza cia in Bayern 2011 am Kallmuth bei Homburg am Main und zwischen Karlstadt und Veithshöchheim. Ornithol. Anz. 51: 182-189 Im Vorderschwarzwald ist der Zippammer-Bestand erloschen, im Südschwarzwald sind es aktuell nur noch sicher 2–3 Reviere, 2009 wurden 6 Reviere nachgewiesen.Deuschle, J., Straub, F., Kratzer, D., Schuphan, I., Dorka, U. & Plank, A. 2010. Natura 2000 Managementplan „Südschwarzwald“, MaP-Bearbeitung der Zippammer (Emberiza cia L.) in Vogelschutzgebieten Baden-Württembergs (MaP-Gebiete 2009-1010), Teilbeitrag für das Vogelschutzgebiet 8441-441 Südschwarzwald, Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Baden-Württemberg (LUBW), Karlsruhe In der Pfalz ist die Zippammer als Brutvogel ebenfalls verschwunden. Seit den 90er Jahren ist dort der Bestand von 20 Revieren auf Fichtenkahlschlägen des Pfälzerwalds erloschen.Groh, G. 1988: Zur Biologie der Zippammer (Emberiza cia cia L.) im Pfälzerwald. Mitt. Pollichia, 75: 261-287, Bad DürkheimSchuphan, I. & Grimm, F. 2012: Die Zippammer (Emberiza cia) in der Südpfalz – systematische Suche nach Vorkommen auf Kahlschlaghängen und Windwurfflächen im Pfälzer Wald. Fauna Flora Rheinland-Pfalz, 12: 703-712 Eine Brut konnte 1990 in der Süd-Pfalz nachgewiesen werden, danach wurden dort von 2009 bis 2011 nur einzelne unverpaarte Männchen beobachtet.Janz, U. 2010: Beobachtungen der Zippammer (Emberiza cia) in der Südpfalz. Fauna Flora Rheinland-Pfalz, 11: 1199-1207 Die Bestände insgesamt haben in Mitteleuropa wohl überwiegend auf Grund von Veränderungen in der Landschaftsstruktur seit etwa 1960 stark abgenommen. Es wird vermutet, dass Zippammern, die an die klimatisch bevorzugten Gebiete – Weinstandorte an den Flusshängen von Ahr, Mosel, Nahe, Rhein und Main – adaptiert sind, nicht als Quellpopulationen für an das raue Gebirgsklima angepasste Zippammern z. B. des Pfälzerwalds und des Schwarzwalds fungieren konnten. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands von 2020 wird die Art in der Kategorie 1 als vom Aussterben bedroht geführt.
Lebensraum