mini|Porträt von Franz Josef Ignaz Trutmann, um 1782 mini|Porträt von Franz Josef Ignaz Trutmann, um 1810 Franz Josef Ignaz Trutmann, auch Truttmann (* 24. März 1752 in Küssnacht; † 19. Mai 1818 in Wien) war ein Schwyzer Kaufmann und Politiker.

Leben Herkunft und Familie Trutmann entstammte einem der ältesten und angesehensten Küssnachter Bürgerschlechter, das seit dem frühen 14. Jahrhundert nachweisbar war. Die Familie hatte sich durch ihre Kontrolle über das Landschreiberamt seit 1765 und die wiederholte Besetzung des Amtmannamtes eine hervorragende Position innerhalb der regionalen Machthierarchie gesichert.

Franz Josef Ignaz Trutmann wurde als Sohn des Amtmanns Jakob Christoph der Ältere (1718–1763) und seiner Ehefrau Maria Klara Josepha (geb. Hautt), geboren. Seine Familie war eng vernetzt: Seine Brüder waren Ammann Jakob Christoph der Jüngere (1743–1793), Landschreiber Klemenz Anton (1746–1786) und Landeshauptmann Johann Peter (1747–1817).

Am 25. Juni 1772 verheiratete sich Ignaz Trutmann mit Maria Cäcilia Elisabeth (1742–1792), der Tochter des Bauherrn und Kleinrats Joseph Leonz Meyer von Schauensee (1695–1764) und dessen Ehefrau Anna Cäcilia (geb. Rusconi) (1700–1746). Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, doch nur Jakob Christoph (1774–1858) überlebte das Kindesalter.

Bildung und frühe Karriere Franz Josef Ignaz Trutmann trat 1765 als Schüler mit Grundkenntnissen in das Jesuitenkollegium Luzern (siehe Kantonsschule Alpenquai Luzern) ein und verliess die Schule 1769 nach Abschluss des Rhetorik-Kurses.

Die frühe Laufbahn Trutmanns verlief aussergewöhnlich schnell. Die Küssnachter Landsgemeinde vom 7. Mai 1770 wählte den erst achtzehnjährigen Ignaz zum Landschreiber. Seine Handschrift lässt sich sogar bereits seit dem 23. Juli 1769 im Ratsprotokoll nachweisen, was nahelegt, dass er seine Studien möglicherweise frühzeitig abbrach. Der üblicherweise nachfolgende dreijährige Philosophiekurs blieb aus, und auch der traditionelle Auslandaufenthalt nach dem Gymnasium unterblieb zunächst. Dennoch deuten Äusserungen Trutmanns und Lücken in den Ratsprotokollen darauf hin, dass er später häufig im Ausland tätig war, wodurch er sich Kenntnisse ausserhalb der unmittelbaren Landschaft erwarb.

Neben seiner Tätigkeit als Schreiber war er als Kaufmann tätig.

Die Konkordia und aufgeklärtes Denken Durch die Verwandtschaft mit den Meyer von Schauensee gelangte Trutmann in die Konkordia, eine reformorientierte Gesellschaft, die sich der Aufklärung und Verbesserung des staatlichen Lebens verschrieben hatte. Der Gründer, Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensee, war sein Schwager, ebenso wie Franz Rudolf Theoderich Meyer von Schauensee (1725–1810), Kleinrat und Salzdirektor. Vermutlich 1772 wurden Ignaz, sein Bruder Jakob Christoph und Pfarrer Klemenz Anton Trutmann (1746–1786) in die Gesellschaft aufgenommen, die damals in Küssnacht tagte. Ignaz übernahm die Rolle des Vorstehers des Departements Küssnacht.

Die Konkordia war streng wählerisch in der Aufnahme ihrer Mitglieder, beschränkte sich auf hochrangige Personen und Ratsverwandte; die Mitgliedschaft dreier Angehöriger des Trutmann-Geschlechts zeugt daher vom hohen Ruf der Familie. Sie förderte geschichtliches Denken, vaterländisches Gefühl und freundschaftlichen Umgang unter den katholischen Kantonen der Innerschweiz. Die Vorträge und Pläne ihrer Mitglieder befassten sich mit den Zeitproblemen der Ära und enthielten Vorschläge zur Verbesserung des staatlichen Lebens. Interne Spannungen und Streitigkeiten um den Tagungsort führten 1781 zur Sistierung der Konkordia; 1786 hob der Gründer sie endgültig auf.

Weg zur Unabhängigkeitsbewegung Familie und Ehe, Bildung und Gesellschaftsengagement, öffentliches Amt und Handelsgeschäfte begründeten Trutmanns wachsendes Ansehen und seinen Reichtum. Er verkörperte die Zugehörigkeit zum aufgeklärten, vermögenden Mittelstand. Trutmanns durch Studium, Verwaltungstätigkeit und internationale Kontakte gewonnene Einsichten und Kenntnisse führten ihn schliesslich an die Spitze der Unabhängigkeitsbewegung der Landschaft Küssnacht. Er wurde zum Wortführer der Freiheitspartei und wuchs auf diese Weise organisch in die Helvetische Revolution hinein, die die politischen und sozialen Strukturen der Urschweiz fundamental umgestalten sollte.

Der Untergang des Standes Schwyz und die Revolution in Küssnacht Die Helvetische Revolution von 1798 markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der politischen und sozialen Geschichte der Innerschweiz. Während die Französische Revolution zunächst wenig unmittelbare Auswirkungen auf die Untertanenlande Schwyz' ausübte, führte die politische Umwälzung in den benachbarten Kantonen schliesslich zu einer explosiven Umbruchsbewegung, die das traditionelle ständische System fundamental erschütterte. Franz Josef Ignaz Trutmann, der Landschreiber von Küssnacht, spielte in diesem Geschehen eine Schlüsselrolle als Führer der Freiheitspartei in Küssnacht und Vermittler zwischen der aufgeklärten Freiheitsbewegung und der traditionalistischen Obrigkeit.

Die Französische Revolution fand in den Schwyzer Untertanenlanden zunächst kaum Echo. Schwyz respektierte die Gnadenbriefe von 1712, die das Abhängigkeitsverhältnis der Untertanen regelten und der Aristokratie weitgehend freie Hand bei der Ausnutzung ihrer Untertanen beliessen. Die wenigen Übergriffe, die die Schwyzer Obrigkeit beging, zielten rein auf fiskalische Gründe: Durch Steuern, Zölle und mannigfaltige andere Abgaben presste man den angehörigen Landschaften soviel Geld ab, dass die Landleute ihre Staatsausgaben ohne direkte Steuern bestreiten konnten. Auch Eingriffe in die Gerichtsbarkeit der Landschaften geschahen aus diesem ökonomischen Kalkül heraus.

Wo Unzufriedenheit aufflammte, beschränkte sie sich auf wirtschaftliche Klagen. Die rebellischen Märchler von 1790 brachten nur einen Klagepunkt vor: Sie verlangten die Aufhebung der Strafgelder auf der Heuausfuhr und eine Neuverwendung des Angstergeldes (Konsumsteuer auf alkoholische Getränke) zugunsten der March selbst. Darüber hinaus sollte die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit durch die Landschaft selbst erfolgen, um den Einzug von Straf- und Bussgeldern durch den Schwyzer Säckelmeister zu unterbinden. Politische Forderungen wurden nicht erhoben, und es fehlten jegliche Anklänge an revolutionäres Ideengut.

Küssnacht, Einsiedeln sowie die Höfe Wollerau und Pfäffikon verharrten bis 1798 in vollständiger Ruhe, obgleich revolutionäre Schriften zirkulierten und gelesen wurden – wie die Regierungsmandate von 1790 und 1792 beweisen. Die Obrigkeiten versuchten, die Verbreitung dieser gefährlichen Ideen durch Verbote einzudämmen, dies gelang jedoch nur kurze Zeit.

Die französische Propaganda und Wühlarbeit, die systematische Hetzerei gegen die schweizerischen Obrigkeiten und die massiven Drohungen des französischen Direktoriums entfalteten 1798 nun ihre Wirkung. Eine Dominowelle von Erhebungen erfasste die Schweiz. Basel erklärte am 20. Januar 1798 Stadt und Land für gleichberechtigt. Luzern, Zürich und Schaffhausen folgten diesem revolutionären Beispiel nach. Die waadtländischen Städte konstituierten sich am 24. und 25. Januar neu, und Aarau errichtete am 1. Februar symbolträchtig seinen Freiheitsbaum. Diese Ereignisse rissen die schwyzerischen Untertanen aus ihrer gewohnten Ruhe.

Die March erlag zuerst dem Einfluss der Zürcher Geschehnisse und verlangte stürmisch ihre Freiheit. Alle Bemühungen der Schwyzer Obrigkeit, die Ordnung aufrechtzuerhalten, scheiterten jedoch an der Kraft dieser spontanen Volksbewegung. Die Landschaft beharrte auf ihren Befreiungsforderungen und wurde schliesslich am 8. März 1798 für frei erklärt.

Die Nachricht von der Abdankung des Luzerner Patriziats und der Erklärung von Freiheit und Gleichheit fand in Küssnacht begeisterte Aufnahme. Dies war nicht zufällig: Küssnacht war mit Luzern durch enge Handels- und Verkehrsbeziehungen verbunden, durch vielfältige Familienbande, durch gemeinsame Wochenmärkte und Schulen. Die Kunde verbreitete sich rasch von den Zentren zu den entlegensten Höfen. Der Ruf nach «Freiheit und Gleichheit» begann, sich zum politischen Programm zu verfestigen.

Trutmanns Rolle in der Landsgemeinde vom 2./3. Februar Der Landrat von Küssnacht fasste in einer Nachtsitzung vom 2. und 3. Februar 1798 einen Beschluss: Man wolle keinen ungesetzlichen Schritt tun und die versprochene Hilfsmannschaft für Bern nach Schwyz marschieren lassen – doch gleichzeitig sollte ein Schreiben um Freiheit und Gleichheit eingereicht werden. Dieser klugen Diplomatie zufolge berief man sich auf die «neuesten Ereignisse, so sich in verschiedenen schweizerischen Kantonen, und erst letzter Tage an unsern Grenzen zu Luzern ergeben haben». Ein Expressbote trug den Brief nach Schwyz, das noch am selben Abend antwortete und eine Landsgemeinde für den folgenden Tag ausschrieb.

Überall erscholl nun der revolutionäre Ruf: Freiheit und Gleichheit. Man ermunterte einander, keine Bedingungen einzugehen, sondern beim Begehren zu verharren und sich im Verweigerungsfalle eher nach Luzern zu schlagen. Dies war das erste Mal, dass Küssnacht offen die Alternative zur traditionellen Herrschaft Schwyz' in Betracht zog.

Schwyz entsandte zwei Ehrengesandte: Altlandammann Josef Ludwig von Weber und Hauptmann Joseph Franz Schilter, der später beim Gefecht bei Schindellegi fiel. Auf der Zollstation versammelt, fragte Weber die Landleute, was sie unter Freiheit und Gleichheit verstünden. Ammann Stutzer antwortete mit einer Definition, die die Tiefe des revolutionären Anliegens offenbarte: «Wir meinen, dass von Gott aus alle Menschen mit gleichen Rechten geboren und auf die Welt gesetzt seien, und dass die Obrigkeiten an Gottes statt wie gute Väter alle ihre Kinder gleichhalten sollen.»

Doch war es Landschreiber Trutmann, der diese spontanen Bekenntnisse zu präzisen, durchdachten Forderungen formte. Trutmann «bestimmte die Forderungen näher, indem er ins Detail ging, und trug den Willen des Volkes in einer Rede vor.» Trutmann wurde beauftragt, den Hergang und die Begehren schriftlich für den Schwyzer Rat abzufassen.

In diesem schriftlichen Begehren legte Trutmann dar: «... durch den unaustilgbaren edlen Trieb zur Freiheit geleitet, und von vielen biedern Männern aus dem gefreiten Lande selbst aufgefordert, von an verschiedenen Orten und selbst an unsern Grenzen wiederhergestellten Menschen Rechts und Freiheits Ruf ermuntert, wünschen hiesige Landleute als gefreite Landleute ohne Unterschied der Geburt, die nach unverjährbarer weiser Ordnung des Allmächtigen keinem Menschen ein Vorrecht erteilt, angenommen zu werden.» Das Dokument endet mit einer beruhigenden Zuversicht in die göttliche Vorsehung, die auch hier «alles zum besten der Menschheit ordnen werde.»

Der Beschluss von Ibach und die Befreiung Schwyz bestätigte am 8. Februar den Empfang des Begehrens und versprach, die Küssnachter Mannschaft für Bern der schwyzerischen gleichzustellen. Wenig später versicherten Landammann und Rat, «die Erfüllung Eurer Wünsche ist nahe.» Eine ausserordentliche Landsgemeinde versammelte sich am 18. Februar zu Ibach. Bei der Abstimmung wurde beschlossen, dass Einsiedeln und die Höfe wegen ihrer Treue freigelassen werden sollten, während Küssnacht seine Freiheit als Lohn für sein respektvolles Begehren erhielt. Die Ratifikation des Beschlusses blieb der Maienlandsgemeinde vorbehalten.

Jede Gemeinschaft in Bezug auf Holz und Feld wurde abgelehnt, um Unruhen und Missverständnisse zu vermeiden. Die March jedoch, die sich «unbotmässig und stürmisch» benommen hatte, blieb bis zum 8. März von dieser Gunst ausgeschlossen – ein Zeichen, dass Schwyz noch immer Machtsignale setzen wollte, auch wenn die Herrschaft bereits zerbrach.

Die Spaltung in Altgesinnte und Freigesinnte