Höfingen ist ein Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont in Niedersachsen. Der Ort bildete bis 1973 eine Gemeinde im damaligen Landkreis Grafschaft Schaumburg. Innerhalb von Hessisch Oldendorf gehört Höfingen zur Ortschaft Süntel.
Geografie Der Ort liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln am Fuß des südöstlichen Teils des Süntelgebirges auf 130 m ü. NHN, 5,95 Kilometer östlich der Kernstadt von Hessisch Oldendorf und 10,25 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Hameln. Zum Ortsteil gehören auch die beiden Ansiedlungen Texas östlich und Mexico südlich des Dorfes. Höfingen wird vom Nährenbach durchflossen.
Geschichte
Mittelalter und Neuere Geschichte Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie „Hovinghen“ (Höfingen),Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt.Helga Knoke, 1968, S. 118. Das Gründungsjahr des Ortes ist nicht bekannt.
Die Region um Höfingen und Fischbeck war ein früh besiedelter Teil des Schaumburger Landes. Das Kloster Fischbeck und der Nachbarort Haddessen wurden 955 gegründet. Höfingen lag seit dem Frühmittelalter im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte wohl zum Gerichts- und Verwaltungsbezirk der „Fischbecker Goe“ des Tilithigaus. Das Gogericht (die Malstatt) der Fischbecker Goe befand sich in Fischbeck und wurde ab dem Spätmittelalter von der dort ansässigen Adelsfamilie von Post geschützt, welche über Jahrhunderte regionalen Einfluss besaß. Höfingen gehörte während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zur Vogtei Fischbeck.Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2025, S. 25.
Die aus altsächsischem Uradel stammenden Grafen von Schaumburg hatten ab dem frühen 12. Jahrhundert als weltliche Grundherren die Landeshoheit und vergaben in den Sünteldörfern Rechte und Meierhöfe als Lehen, so auch in Höfingen.Carl Wilhelm Wippermann: Regesta Schaumburgensia: Die gedruckten Urkunden der Grafschaft Schaumburg, 1853. Das 955 gegründete Stift Fischbeck besaß als geistlicher Grundherr seit dem Hochmittelalter Ländereien, Höfe und Zehntrechte in Höfingen.Renate Oldermann: Stift Fischbeck. Eine geistliche Frauengemeinschaft in mehr als tausendjähriger Kontinuität, Schaumburger Studien, Band 64, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2005. Zum Ende des Spätmittelalters und zu Beginn der neueren Geschichte erwarben wohlhabende Patrizier und Bürgerfamilien aus der Stadt Hameln ebenfalls Grundbesitz in den Sünteldörfern.
Höfingen wurde 1325 zum ersten Mal urkundlich unter dem Namen „Hovinghen“ erwähnt. Höfingen gehörte zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde. Vertreter des Adelsgeschlechts „von Höfingen“ („von Hovinghe“; „von Hovinghen“) bekleideten im 12. und 13. Jahrhundert höchste Ämter im Stift Fischbeck und in der Stadt Hameln.
Der Dreißigjährige Krieg war für Höfingen die verheerendste Epoche. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf statt. Das Umland wurde von kaiserlichen und schwedischen Truppen rücksichtslos requiriert. Häuser wurden in Höfingen geplündert, das Vieh geraubt und die Ernten vernichtet.
Im Jahr 1635 wurden in Höfingen zwei Frauen inhaftiert und jeweils einem Hexenprozess unterzogen. Ilsabe Kolmeier legte unter der Folter ein Geständnis ab und wurde wahrscheinlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das Schicksal von Ilsche Hechtmeister nach der Haft ist historisch unbekannt.Gerhard Schormann: Hexenverfolgung in Schaumburg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 45, Hildesheim, 1973, S. 149–151.
Im Vorfeld der Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 im Siebenjährigen Krieg rückten zehntausende Soldaten in das Gebiet vor. Die Höfinger Bauern wurden gezwungen, französische und alliierte Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen. Missernten gingen dem Jahr 1757 voraus, und der Krieg führte in der Region zu Hungersnöten.
20. und 21. Jahrhundert Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle wehrfähigen Männer eingezogen. Den Höfen fehlten Arbeitskräfte, es herrschte akuter Mangel an Nahrungsmitteln. Im Ersten Weltkrieg gab es aus Höfingen drei Gefallene und zwei Vermisste.
Höfingen wurde im Jahr 1923 an das Stromnetz der regionalen Überlandzentrale, des am 27. Juni 1912 gegründeten Elektrizitätswerks Wesertal in Hameln-Afferde angeschlossen. Der zugehörige Ortsteil Texas wurde kurz darauf im Jahr 1925 mit elektrischem Strom versorgt. Im Jahr 1926 schaffte sich daraufhin der erste Einwohner das erste Radiogerät des Dorfes an. Am 1. Oktober 2003 kam das Elektrizitätswerk Wesertal im Zuge einer Fusion zur neuen E.ON Westfalen Weser AG.
Im Zweiten Weltkrieg gab es aus Höfingen zwölf Gefallene und acht Vermisste.
In Höfingen reichten die ursprünglichen, gemauerten Dorfbrunnen durch den Anstieg der Stallviehhaltung im 19. Jahrhundert nicht mehr aus. Höfingen wurde im Jahr 1962 im Zuge des Aufbaus der zentralen Wasserversorgung für die Sünteldörfer über den „Wasserbeschaffungsverband (WBV) Süntelwald“ an das Trinkwassernetz angeschlossen.Information des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) Süntelwald, abgerufen am 13. Juni 2026.
Im Rahmen der flächendeckenden Erschließung der Ortsteile von Hessisch-Oldendorf wurde Höfingen in den 1990er Jahren an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.Stadt Hessisch Oldendorf: Satzung über die Abwasserbeseitigung und den Anschluss an die öffentliche Abwasserbeseitigungsanlage der Stadt Hessisch Oldendorf (Abwasserbeseitigungssatzung), PDF, abgerufen am 14. Juni 2026.
Waldwirtschaft und Jagdrecht Im Mittelalter gehörten die Waldgebiete um Höfingen zum historischen Süntelwald. Die Bauern in Höfingen konnten seit dem Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Holz- und Weiderechte in den Waldgebieten der Fischbecker Mark (dem östlichen Teil der Schaumburger Mark im Süntel nördlich des Ortes und im Großen Finnenberg südlich des Ortes) nutzen.Die drei Süntelmarkgenossenschaften waren die Schaumburger Mark, die Mündersche Mark und die Ostermark. Die Fischbecker Mark ist der östliche Teil der Schaumburger Mark. Die Aufteilung der Waldmarken wurde bereits in vorkarolingischer Zeit durch die Altsachsen durchgeführt.
Manfred Willeke, 2019, S. 125 f.; zit. Jakob Grimm: „Die drei Süntelmarkgenossenschaften“, in: Deutsche Rechtsaltertümer und Weistümer, 2. Ausgabe, 1854, Nr. 43. Jakob Grimm schrieb: „Die Mark bedeutet ursprünglich Grenze. Die natürliche älteste Grenze war der Wald. Der Name übertrug sich auf den gemeinsamen Wald. Zur Mark gehörte nicht nur der Wald, sondern auch Viehtriften und Hude im Wald, Wild, Vögel und Bienen. Die meisten großen Waldungen sind früher Markengut gewesen. [...] Jeder volle Markgenosse hatte freies Bau- und Brennholz. [...] Die Holtting wurde jährlich abgehalten. Sie stellte das Markrecht fest und überlieferte es. Sie urteilten über Verletzungen des Rechtes und konnten Rechtsbrecher aus der Mark verweisen!“ Die Urgenossen in der Fischbecker Mark besaßen nach altem, mündlich überlieferten germanischen Gewohnheitsrecht die sog. „Erbaxt“ bzw. den freien Holzhieb.Manfred Willeke: 175 Jahre Realverband Forstgenossenschaft Holtensen, Forstgenossenschaft Holtensen (Hrsg.), 1. Auflage. Hameln, 2019, S. 134 f., ISBN 978-3-00-061843-7. Rechtlich gab es im Frühmittelalter noch keine abgegrenzten Forstgebiete, die exklusiv zu einer der frühen Germanensiedlungen gehörten. Ab dem Hochmittelalter wurden genossenschaftliche Organisationsformen der Waldwirtschaft geschaffen, die aber ebenfalls noch für mehrere Dörfer galten. Die Höfinger Bauern konnten ihr Vieh, vor allem Schweine und Rinder, zur Waldweide (Waldmast) in die Eichen- und Buchenwälder des Süntels, die Allmende treiben und festgesetzte Mengen von Brenn- und Bauholz für den Eigenbedarf schlagen. Das Jagdrecht (die sog. hohe Jagd) ging jedoch im Mittelalter auf den Landesherrn über. Die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel, und das Stift Fischbeck sowie das Augustiner-Chorherrenstift in Hameln besaßen durch Schenkungen und Tauschgeschäfte Pachteinnahmen, Zehntrechte und Holzrechte in und um Höfingen. Erst mit den großen Teilungen und Verkoppelungen ab den 1830er Jahren wurden die mittelalterlichen Gemeinschaftswälder real aufgeteilt, und Forstgenossenschaften entstanden. Das übergeordnete Forstamt Oldendorf (Niedersächsische Landesforsten) betreut, pflegt und bewirtschaftet seit dem 1. Januar 2005 die forstlichen Flächen in und um Höfingen.
Bis zum Frühmittelalter durften die freien germanischen Siedler das Wild frei jagen. Das Jagdrecht, speziell die sog. Hohe Jagd (auf Rothirsche,Rothirsche wurden im Süntel Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Jagd und die starke Holznutzung ausgerottet. Heute gibt es gelegentlich Rothirsche, die durch die Wälder um Höfingen ziehen, sowie im umzäunten Saupark Springe. Wildschweine, Wölfe,Wölfe wurden im Weserbergland in der Zeitstellung zwischen 1840 und 1850 systematisch ausgerottet. Heute sind Wölfe im Süntel wieder auf Durchreise, aber es gibt im Umkreis von Höfingen (noch) kein festes Wolfsrudel. Steinadler, FischadlerBis ins 19. Jahrhundert gab es im Süntel noch Steinadler, die z. B. auf dem Hohenstein nisteten; sie gibt es in Deutschland heute nur noch in den Alpen. Heute gibt es gelegentlich Fischadler in der Region um Höfingen. und AuerhähneAuerhähne starben im Weserbergland im Verlauf des 19. Jahrhunderts aus.), ging jedoch im Hochmittelalter auf den Landesherrn über; die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel. Die Bauern durften nur das sog. Niederwild wie z. B. Rehe, Marder, Iltisse, Dachse usw. jagen. Mit der Revolution von 1848 wurde das adlige Jagdregal aufgehoben und das Jagdrecht an den Grundbesitz gekoppelt. In der Zeitstellung von 1848 bis 1934 konnten Jagdgenossenschaften das Jagdrecht pachten. Seit 1934 (Reichsjagdgesetz, dessen System bis heute im Bundesjagdgesetz fortbesteht) ist die Jagdpacht auf natürliche Personen beschränkt und wird in Jagdgenossenschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Jagdgenossenschaft Höfingen entstand, nachdem der vorherige „Eigenjagdbezirk Finnenberg-Waldgenossenschaft“ aufgelöst wurde und Höfingen ab 1958 einen eigenständigen Jagdbezirk bildete. Die Einnahmen der Genossenschaft fließen vor allem in den lokalen Wegebau.
Wirtschaft In Höfingen ist neben anderen mittelständischen Unternehmen eine Champignon-Zucht mit einem ausgedehnten Betriebsgelände ansässig.
Schule Die nächsten Kinderkrippen und Kindergärten gibt es in den Nachbarorten Fischbeck, Haddessen und Zersen.Höfingen, auf hessisch-oldendorf.de, abgerufen am 15. Juni 2026.
Bis zum Jahr 1804 gehörte Höfingen zum gemeinsamen Schulverband mit den Nachbarorten Haddessen, Pötzen und Bensen. Danach gab es einklassige Dorfschulen. Am 17. November 1938 wurde das neu gebaute Höfinger Schulgebäude eingeweiht. In den späten 1960er Jahren wurden die kleinen Schulen am Süntel erneut zu einem gemeinsamen Schulverband mit rollierenden Klassen zusammengeschlossen. Im Jahr 1976 wurde die Schule in Höfingen endgültig geschlossen. Heute existierte die Schule in Höfingen nicht mehr. Fischbeck ist seitdem der Schulort (für die Primarstufe) für Höfingen. Ältere Schüler aus Höfingen gehen auf weiterführende Schulen in der Kernstadt von Hessisch Oldendorf oder in der Kreisstadt Hameln.
Einwohnerentwicklung